Beschreibung des Oberamts Oberndorf/Kapitel B 7

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Betzweiler, mit Lugen, Hof,
Gemeinde III. Kl. mit 481 Einw., wor. 5 Kath. – Ev. Filialdorf von Dornhan, Oberamt Sulz; die Kath. sind nach Hochmössingen eingepfarrt. 21/2 Stunden nordwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.


Der Ort liegt anmuthig und etwas zerstreut in den beiden hier zusammenkommenden, engen und tiefen, von Tannenwald umsäumten Wiesenthälern des Heimbaches und des Obelsbaches. Seine meist ansehnlichen Häuser, echte Schwarzwaldhäuser mit Schindeln gedeckt, an den Wänden verschindelt und roth angestrichen, liegen zum Theil am Bergabhang hinauf. Die Straßen sind chaussirt und in gutem Zustande; von dem östlich gelegenen Kilberge aus genießt man eine schöne Fernsicht. Am nördlichen Ende des Dorfs steht beim Einfluß des rasch daher rauschenden Obelsbaches in den Heimbach, malerisch auf dem alten hochaufgemauerten Kirchhofe die kleine ehrwürdige aus buntem Sandstein gebaute Kirche und gibt mit der nächsten stillfreundlichen Umgebung| ein liebliches Bild. Das im Osten achteckig geschlossene, noch aus mittelalterlicher Zeit stammende Kirchlein bietet im flachgedeckten Innern nichts bemerkenswerthes; dagegen hängt in ihrem kleinen hölzernen Dachreiter eine schöne merkwürdige Glocke mit der Umschrift in gothischen Minuskeln: in. sant. lux. marx. iohannes. und. matheus er. gos. mich. iohann. adler. von. esslingen. im. XV. C. iar. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Der jetzige außerhalb des Dorfes liegende Friedhof wurde 1857 angelegt; im vorigen Jahrhundert bestattete man die Todten um die Kirche und späterhin auf dem Friedhofe zu Dornhan. Zum Schulhause wurde ein früheres Bauernhaus erkauft und darin 2 Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters eingerichtet.

Auch ein Rathhaus wurde 1828 auf diese Weise hergestellt.

Gutes Trinkwasser liefern im Überfluß 12 laufende Brunnen, deren Wasser durch hölzerne Deuchel geleitet wird; auch die Markung ist reich an guten Quellen, dann fließt der Heimbach und der Obelsbach hindurch; der letztere hat ein starkes Gefäll und tritt oft verheerend aus.

Die Vicinalstraße von Dornhan nach den 24 Höfen geht hier durch; eine steinerne Brücke, ferner eine hölzerne und ein Steg führt über den Heimbach, und eine weitere steinerne Brücke über den Obelsbach; die Unterhaltung ruht auf der Gemeinde.

Die Einwohner, ein gesunder tüchtiger Menschenschlag, sind gutmüthig, fleißig und geordnet; ihre kleidsame Volkstracht haben sie noch so ziemlich beibehalten. Gegenwärtig zählt ein Ortsangehöriger 88 Jahre.

Haupterwerbsquellen sind Feldbau, Waldbau und Viehzucht. Für die Fabrik in Schramberg werden Strohgeflechte gemacht; Muschelkalksteine gewinnt man und setzt sie zuweilen auswärts ab; ferner sind Lehm- und Kiesgruben vorhanden.

Dann bestehen 2 Mahlmühlen mit je 3 Mahlgängen, 1 Gerbgang und 1 Hanfreibe, 2 Ölmühlen mit je 1 Presse, ferner 1 Sägmühle, 1 gutbetriebene Ziegelei, 3 Schildwirthschaften, 1 Kram- und 1 Kaufladen.

Von den Handwerkern sind Schmiede, Wagner, Schreiner, Schuster und Leineweber am meisten vertreten und arbeiten auch nach außen.

Mit Holz wird lebhafter Handel getrieben; das Langholz kommt theils durch Vermittlung des Heimbachs in den Neckar, theils auf der Achse in die Kinzig und wird auf denselben weiter verflößt.

Die Vermögensverhältnisse gehören zu den mittleren; der begütertste| Bürger besitzt 150 Morgen Feld und 50 Morgen Wald, der Mittelmann 36 Morgen Feld, der am wenigsten bemittelte 1 Morgen. Auf angrenzenden Markungen besitzen hiesige Bürger etwa 40 Morgen.

Die nicht große Markung ist mit Ausnahme des Aischfelds ziemlich uneben und überdieß von den tief und steil eingeschnittenen Thälern des Heimbachs und des Obelsbachs durchzogen. Der Boden ist mittelfruchtbar, theilweise gering, naßkalt und besteht theils aus den unergiebigen Zersetzungen des Wellenmergels und des Wellendolomits, theils aus den etwas fruchtbareren Verwitterungen der Anhydritgruppe; auf dem hochgelegenen Aischfeld lagert ein fruchtbarer Lehm, auf dem Kilberg ein steiniger, kalkreicher Boden und in den Thalebenen haben sich für den Wiesenbau günstige Alluvionen abgelagert.

Das Klima ist im allgemeinen rauh, die Nächte auch den Sommer über kühl, kalte Nebel und Frühlingsfröste nicht selten, dagegen kommt Hagelschlag wenig vor.

Die Landwirthschaft hat sich, trotz der nicht besonders günstigen natürlichen Verhältnisse, in neuerer Zeit namhaft gehoben und dem Boden wird durch reichliche Düngung (neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch viel Hallerde, Kompost und Asche) nachgeholfen. Von verbesserten Ackergeräthen sind die Suppinger Pflüge, eiserne Eggen und Walzen im Gebrauch. Von den gewöhnlichen Getreidearten baut man vorzugsweise Dinkel und Haber und von Brachgewächsen Kartoffeln, Futterkräuter (dreiblättriger Klee, Luzerne, Esparsette), Wicken, Erbsen, Reps, Flachs, Hanf etc. nur für den eigenen Bedarf. Nach außen können jährlich etwa 300 Schffl. Dinkel und 350 Schffl. Haber verkauft werden.

Der nicht ausgedehnte Wiesenbau liefert im allgemeinen ein gutes Futter; die Wiesen, von denen 1/3 dreimähdig ist, können zu 2/3 bewässert werden.

Die im Zunehmen begriffene Obstzucht beschäftigt sich mit späten Mostsorten, Zwetschgen und etwas Kirschen; das Obst wird im Ort verbraucht.

Die 386 Morgen Gemeindewaldungen (Nadelhölzer) ertragen jährlich 170 Klafter und 17.000 Stück Wellen; das Holz wird verkauft und der Erlös fließt in die Gemeindekasse.

Die vorhandenen 30 Morgen Weide werden nebst der Brach- und Stoppelweide um 424 fl. verpachtet und überdieß trägt die Pferchnutzung der Gemeinde etwa 200 fl. jährlich ein.

| Auch die an die Bürger verliehenen Allmanden sichern der Gemeinde eine jährliche Rente von 228 fl.

Was die Viehzucht betrifft, so ist nicht nur die der Pferde von einiger Bedeutung, sondern hauptsächlich die des Rindviehs in recht gutem Zustande und hat sich durch die Haltung von zwei guten Farren seit 20 Jahren sehr gehoben; man züchtet vorherrschend einen guten Landschlag mit Simmenthaler Kreuzung. Im Herbst wird das Vieh noch ausgetrieben.

Auf der Markung läßt ein fremder Schäfer 200 Stücke deutsche und Bastardschafe laufen. Die Wolle wird an benachbarte Tuchmacher abgesetzt.

Eigentliche Schweinezucht wird wenig betrieben, indem man die meisten Ferkel von außen einführt und für den eigenen Bedarf aufmästet.

Die Zucht der Ziegen ist gering und die des Geflügels wird nur für den Hausbedarf getrieben.

Die Bienenzucht ist nicht unbedeutend und im Zunehmen begriffen.

In den Gewässern, soweit sie den Ort berühren, hat die Gemeinde, außerhalb des Orts der Staat das Fischrecht; letzterer verpachtet es um 30 kr. jährlich; es kommen nur Forellen und sog. Raubfische vor.

Eine Stiftung von ungefähr 800 fl. ist vorhanden, deren Zinse für Kirchen- und Armenzwecke verwendet werden.

Der zur Gemeinde gehörige Hof Lugen liegt 1/2 Stunde westlich vom Mutterort an der Landstraße nach den 24 Höfen. Im Jahr 1841 wurde hier eine Ziegelhütte erbaut.

Betzweiler war ein alpirsbacher Klosterort. Der Ort tritt um 1125 in die Geschichte ein mit Heinrich de Bedzingiswilaeri, welcher mit Anderen zur Berichtigung der Grenzen des genannten Klosters beeidigt wurde. (Wirt. Urk.-Buch 1, 363).

Die alten Theilhaber an Betzweiler ergeben sich aus folgenden Ankäufen, welche Alpirsbach machte: 1297 und 1337 Güter von den Herren von Reuthin, 1322 eine Mühle und ein Grundstück vom Kloster St. Georgen (Crusius 3, 215), 1358 ein Leibeigener von Volmar und Georg von Brandeck (vgl. zum Besitz dieser Familie Lünig R.A. 12, 271), 1511 ein Antheil am Ort von Wilhelm von Bach.

Am 20. Dec. 1313 übergab Herzog Hermann von Teck der Frauensammlung zu Rottenmünster 10 Pf. Hell. jährlicher Gülte.

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