Beschreibung des Oberamts Oehringen/Kapitel B 33

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 32 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 34 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
Pfedelbach,


Gemeinde II. Klasse, 2006 Einw., wor. 470 Kath. und 4 von eigener Conf.; a. Pfedelbach, paritätisches Pfarrdorf mit Marktgerechtigkeit, 1180 Einw.; b. Buchhorn, Weiler, 154 Ein.; c. Grieth, Weiler, 83 Ein.; d. Heuberg Weiler, mit Charlottenberg, Hof, 332 Einw.; e. Hinter-Espig, Weiler, Filial von Unter-Steinbach, 44 Einw.; f. Ober-Gleichen, Weiler, Filial von Unter-Steinbach, 186 Einw.; g. Unter-Gleichen, Weiler, Filial von Unter-Steinbach, 27 Einw. – Paritätische Pfarrei.

Pfedelbach liegt 3/4 Stunden südlich von der Oberamtsstadt in einem anmuthigen Wiesengrunde, umgeben von Obstbäumen, und bietet mit seinem schlanken Kirchthurm und den ansehnlichen Schloßgebäuden eine wirklich malerische Ansicht. Zu beiden Seiten des Orts ziehen in mäßigen Entfernungen die mit Reben begrenzten, äußersten Ausläufer des Mainhardter Waldes hin und verleihen der Gegend noch einen besondern landschaftlichen Reiz. Im Rücken (südlich) des Orts erheben sich der Charlottenberg und der Frauenberg, ersterer mit herrlicher Aussicht gegen Oehringen und in das Steinbacher Thal (Ohrnthal), während der Frauenberg eine schöne Fernsicht in die Heilbronner Gegend und in das untere Neckarthal bis zum Rhein gestattet.

Der Ort selbst ist ansehnlich, mit breiten Straßen durchzogen, an denen sich die meist freundlichen, häufig getünchten Gebäude in mäßigen Entfernungen, mit dazwischen liegenden Gärten lagern. Früher war Pfedelbach mit Graben und Wall umgeben und vor noch nicht langer Zeit sind die vier Thore entfernt worden.

Am nördlichen Ende des Dorfs steht die evangelische, ursprünglich im gothischen Styl erbaute Pfarrkirche; ungeachtet ihrer später erlittenen Veränderungen haben sich an Langhaus und Thurm noch einige mit Maßwerk gefüllte Spitzbogenfenster erhalten und der mit einem halben Achteck schließende, mit Streben versehene Chor trägt noch unverdorben den spätgothischen Styl. Über dem in den Renaissancestyl geänderten Eingang in das Langhaus befinden sich die Wappen der Grafen von Hohenlohe und von Tübingen. Neben der Kirche steht der viereckige, fünf Stockwerke hohe, mit einem schlanken spitzen Zeltdach versehene Thurm, auf dem vier Glocken hängen, von denen zwei sehr alt, weder mit Schrift noch Zeichen versehen sind, die Umschriften der andern zwei können wegen Unzugänglichkeit nicht gelesen werden. Das weiß getünchte durch Emporen verbaute Innere der Kirche hat eine flache hölzerne Decke, an| der das schön gemalte Hohenlohische Wappen auf einem runden Schild angebracht ist.

Die Baulast der Kirche hat die Gemeinde. An der Kirche stehen ein Pfarrer und ein Diakon.

Der katholische Gottesdienst wird in der Schloßkapelle von einem Pfarrer und einem Vikar gehalten.

Die beiden Begräbnißplätze, der evangelische und der katholische, liegen nahe bei einander am südlichen Ende des Orts; auf dem evang. Begräbnißplatz steht eine Kapelle.

Bei der Kirche stehen die beiden evangelischen Pfarrhäuser, von denen das des Oberpfarrers der Staat und das des Diakonus die Gemeinde zu unterhalten hat; in letzterem befindet sich auch die evangelische Schule mit zwei Lehrzimmern.

Die kath. Geistlichen wohnen im Schloß und die evang. Lehrer, ein Schulmeister und ein Unterlehrer, in einem der Gemeinde gehörigen Gebäude.

Die katholische Schule mit einem Lehrzimmer befindet sich mit der Wohnung des Schulmeisters im ehemaligen Marstalle.

Das ziemlich in der Mitte des Orts gelegene Rathhaus wurde 1856 von der fürstlichen Herrschaft erkauft und seiner gegenwärtigen Bestimmung übergeben.

Ein 1859 erbautes Armenhaus und zwei Keltern mit je drei Bäumen sind vorhanden.

Beinahe in der Mitte des Dorfs steht das ansehnliche fürstliche Hohenlohe-Bartenstein’sche Schloß, ein auf sehr alten Grundmauern im Renaissancestil erbautes viereckiges Gebäude, das einen ansehnlichen Hofraum einschließt. Auf den vier Ecken des Schlosses stehen runde Thürme, die mit ihren Kuppeln über den First des aus Mansarden bestehenden Schloßdaches sich erheben. Zu dem in edlem Geschmack gehaltenen Eingang, über dem die Wappen von Hohenlohe und Tübingen prangen, führt eine steinerne Brücke (früher Zugbrücke) über den das Schloß rings umgebenden, ausgemauerten Schloßgraben, der mit Wasser gefüllt werden konnte. Im Innern des Schloßhofes zeigt der östliche Flügel noch zwei übereinander hinziehende offene Umgänge, die auf korinthischen Säulen ruhend, im reinsten Renaissancestil ausgeführt sind. An dem nördlichen mit verzierten Staffelgiebeln versehenen Flügel steht ein Thürmchen, in welchem eine Wendeltreppe zu den oberen Gelassen des Schlosses führt.

Die ehemalige Schloßkapelle, jetzt katholische Kirche, enthält nichts Bemerkenswerthes.

| Außer dem Schloß sind noch folgende herrschaftliche Gebäude vorhanden: der dem Schloß gegenüberliegende ehemalige Marstall, in welchem auch Beamtenwohnungen eingerichtet sind, ein langes einstockiges Gebäude mit Staffelgiebeln, gepaarten, oblongen Fenstern und über dem rundbogigen Eingang die Wappen der von Hohenlohe und Tübingen mit der Jahreszahl 1572. Der sogenannte lange Bau mit einem sehr geräumigen Keller, der durch seine großen Fässer, eines[s 1] 300 Eimer, zwei jetzt nicht mehr vorhandene je 150 Eimer haltend, bekannt geworden ist. Das große war einst mit Eilfer gefüllt.

Durch den mit Trinkwasser hinreichend versehenen Ort fließt der Pfedelbach, dem der Ort seinen Namen verdankt.

Vicinalstraßen führen von Pfedelbach nach Oehringen, nach Bayerbach, nach Untergleichen und über Windischenbach nach Adolzfurth. Die Durchfuhr, namentlich an Holz aus dem Mainhardter Wald ist beträchtlich. Pflastergeld wird erhoben, was der Gemeinde jährlich 44 fl. einträgt.

Die Einwohner sind im allgemeinen minder bemittelt und nähren sich theils von Landwirthschaft, theils von Gewerben und Taglohnarbeiten. Es liegt auf der Markung nur ein großes geschlossenes Gut (280 Morgen), das der Herrschaft Hohenlohe-Bartenstein gehört und von dieser in Pacht gegeben ist. Von den übrigen Güterbesitzern hat der vermöglichste 60 Morgen Felder und 70 Morgen Wald, ein weiterer 40 Morgen, sechs bis acht Bürger etwa 30 Morgen Grundeigenthum. Viele haben nur einige Morgen oder gar keinen Grundbesitz. Die katholische Bevölkerung, welche in Folge der katholischen Confession der regierenden Herrschaft erst seit 1728 herbeigezogen worden ist, hat keinen größern Besitz und ist mehr auf Gewerbe angewiesen, von denen neben den Maurern und Steinhauern, die Lumpensammlerei und die Dosenfabrikation aus Birkenrinde zu nennen sind. Gaukler und Musikanten, welche früher hier zu Hause waren, sind keine mehr da. Das Geschäft des Orgelbauers Laukuff hat einen rühmlichen Namen, überdieß sind fünf Schildwirthschaften, zwei Kaufleute, drei Krämer, eine ausgedehnte Bierbrauerei und eine Mühle mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, wie auch die nöthigen Handwerker vorhanden. Von Pfedelbach stammt auch die Künstlerfamilie Kreuzfelder.

Der Ort ist in Folge schlechter Verwaltung, ungünstiger Zeiten etc. heruntergekommen, so daß er unter Staatsaufsicht gestellt werden mußte, nun aber in sichtlicher Hebung begriffen ist. Die Kittel-Strickerei, welche im Ort eingeführt wurde, bietet armen| Kindern guten Verdienst; die Wolle wird von Fabrikant Keller in Calw geliefert und demselben die fertige Arbeit abgegeben, indessen ist immer noch ein Beitrag von Seiten der Gemeinde nothwendig. Etwa 45 Personen erhalten gegenwärtig Gemeinde-Unterstützung.

Die Bodenverhältnisse der ziemlich unebenen Markung sind gut und bestehen theils aus fruchtbarem Dilluviallehm-, theils aus etwas gebundenen Thonböden, die sich hauptsächlich für den Dinkelbau eignen; auf den an den Abhängen zu Tage gehenden Keupermergeln wird an den südlich geneigten mit gutem Erfolg Weinbau, an den nördlich geneigten aber Waldbau getrieben.

Der landwirthschaftliche Betrieb ist sehr gut und sichtlich im Fortschritt begriffen; Dinkel, Gerste und Weizen gerathen vortrefflich, weniger der Reps, indem die warme Lage kein tüchtiges Auswintern der Felder gestatten soll; dagegen gedeiht der Hanf gut und wird im Ort selbst versponnen. Von Brachgewächsen baut man Futterkräuter, Kartoffeln, Zuckerrüben etc. Getreidefrüchte werden von dem Pächter des herrschaftlichen Guts und einigen bedeutenderen Güterbesitzern in ziemlicher Ausdehnung nach Außen verkauft. Die Güterpreise bewegen sich bei den Äckern von 250–700 fl. und bei den Wiesen von 300–500 fl.

Die Wiesen liefern reichliches und nahrhaftes Futter, so daß, trotz des bedeutenden Viehstandes, noch Futter zum Verkauf übrig bleibt. Etwa 30–40 Morgen können bewässert werden.

Der auf 258 Morgen betriebene Weinbau liefert einen süßen, feinen, feurigen Wein, größtentheils weißes Gewächs, und zwar durchschnittlich 3–4 Eimer per Morgen. Die besten Lagen sind Nonnenberg, Schraiberg und Aichle. Der Wein findet seinen Absatz theils nach Stuttgart, größtentheils aber in die Gegend von Hall. Der Eimer kostete 1859 36–42 fl., 1860 19–22 fl., 1861 50–61 fl., 1862 48–56 fl. und 1863 35–42 fl.

Das Obst geräth gut und die Kultur, namentlich auch die der feineren Obstsorten, wird emsig betrieben.

Die Rindviehzucht ist erheblich und gestattet einigen Handel auf benachbarten Märkten, besonders aber auf den im Ort stattfindenden vier Viehmärkten, die sehr bedeutend sind und sich eines großen Rufs erfreuen; es mögen zuweilen gegen 2000 Stück Vieh aufgestellt sein und fremde Händler, namentlich aus dem Badischen, stellen sich zahlreich ein. Ebenso bedeutend ist der auf den 30. November fallende Gespinnstmarkt, auf welchen Flachs aus der Gegend von Backnang und Welzheim, Hanf aus der Oehringer Umgegend gebracht wird.

| Die Schäferei wurde 1795 der Herrschaft abgekauft und gehört nun 44 Theilhabern, wovon die Herrschaft 10 Theile hat; sie ist an zwei Schäfer in Buchhorn und Gleichen verpachtet und gewährt samt der Pferchnutzung eine jährliche Einnahme von 8–900 fl.

Die Schweinehaltung ist nicht unbedeutend und gemästete Schweine kommen viele zum Verkauf.

Die Zucht des Geflügels, namentlich der Gänse, ist von einigem Belang und sichert den Einwohnern eine kleine Nebeneinnahme.

Die Gemeinde besitzt keine Waldungen, dagegen haben die 44 Schafweidebesitzer 120 Morgen Nadelwaldungen, an denen jeder Berechtigte gleichen Antheil hat.

Über das Gemeinde- und Stiftungsvermögen siehe Tabelle III.

Auf der Flur „oberer Weiler“ sollen Gebäude gestanden sein, von denen man vor einigen Jahren noch Grundveste entdeckte. Auf den zunächst am Ort gelegenen Schanzäckern stand ein Schanze, von der in dem Garten des Öconomen Fries noch einige Spuren sichtbar sind. Eine alte Straße führte auf der Höhe bei Gleichen nach Buchhorn, über Stöckig und weiter in der Richtung gegen Bretzfeld und Schwappach, wo sie in die Weinsberg–Oehringer Römerstraße einging oder diese kreuzte.

Geschichte.

Pfedelbach wird 1037 im Oehringer Stiftungsbriefe aufgeführt „in Phadelbach … hubae“, unter den Schenkungen Bischof Gebhards und der drei Grafen an das Stift.

Es gab Herren von Pfedelbach, deren ältester 1270 genannt wird in einer Urkunde Kraft’s I. von Hohenlohe „Dietericus de Pfedelbach“. Sodann kommen vor: Beringer, Vater und Sohn, um 1319, ein anderer Beringer 1371 mit uxor Margaretha bei der Stiftung des panis communis in Oehringen.

Canonici des Stiftes waren: Dietericus 1313, Heinricus 1332, Gerhard 1345, Dieterich, custos 1369.

Das letzte bekannte Glied des Hauses ist Dieterich von Pfedelbach 1408, 19, dessen Tochter Reiza, den Zeisolph von Adelsheim heirathete, dessen Sohn Götz, seßhaft zu Pfedelbach († 1485), seine Besitzungen daselbst 1472 an Hohenlohe verkaufte.

1663 erhielt Pfedelbach ein Privilegium für zwei Jahrmärkte.

Bei der Landestheilung von 1553 fiel Pfedelbach an den Stifter der Waldenburger Hauptlinie Eberhard, geboren 11. Oktober 1535, vermählt mit Agathe Gräfin von Tübingen, † 9. März 1570. Sein Sohn war Graf Georg Friedrich I., geboren 30. April| 1562, † 22. Oktober 1600, in Oehringen begraben. Er hatte drei Söhne, von denen Graf Ludwig Eberhard, geboren 19. Januar 1590, † 1. November 1650, bei der Landestheilung von 1615 Pfedelbach, Mainhard und Sindringen erhielt. Eine Münze auf den Westphälischen Frieden aus dem Jahr 1650 hat auf dem Rev.: FRIDENS GEDECHT. ZV PFETELBACH. Er war vermählt mit Dorothea, Gräfin von Erbach. Nach ihm regierten seine zwei Söhne Friedrich Kraft, geb. 1623 zu Pfedelbach, † 7. April 1681 ebendaselbst und Hiskias, geboren 1631, † 6. Februar 1685 zu Pfedelbach gemeinsam. Da die Söhne des Grafen Friedrich Kraft, der mit Floriana Ernesta, Herzogin von Würtemberg, vermählt war, bald starben, so fiel sein Antheil an seinen Bruder Hiskias, der mit Dorothea Elisabetha von H. Waldenburg vermählt war und nach dessen Tod an seinen Sohn, Ludwig Gotfried, geb. 6. Dez. 1668 zu Pfedelbach, † 18. September 1728 ebendaselbst. Er war vermählt mit Louise Charlotte von Hohenlohe-Langenburg und hinterließ keine Kinder; er ist in Oehringen begraben.

Mit ihm erlosch die Pfedelbach’sche Linie und seine Besitzungen wurden 1729 zwischen Hohenlohe Schillingsfürst und Bartenstein getheilt. Da nämlich die von Georg Friedrich’s I. zweitem Sohne, Philipp Heinrich, begründete Linie zu Waldenburg ebenfalls erloschen war, fiel der Pfedelbach’sche Antheil an die Nachkommen des dritten Sohnes von Georg Friedrich I., nämlich an Georg Friedrich II. Söhne Christian geb. 1627 † 1675 und Ludwig Gustav, geboren 1634, † 1697. Der erstere ist der Stammvater des Hauses Bartenstein, der zweite der des Hauses Schillingsfürst. Diese Beiden hatten gemeinsam regiert und waren 1667 zur katholischen Confession übergetreten, beide vermählt mit Gräfinnen von Hatzfeld.

Im Jahr 1688, den 22. April, fand eine Landestheilung zwischen Ludwig Gustav von W. Schillingsfürst und Philipp Karl Kaspar, dem Sohne Christians statt, wobei Philipp Karl Kaspar Bartenstein erhielt. Schon 1710 wurde „wegen etwaiger schädlicher Mißverständnisse“ von Ludwig Gotfried von H. Pfedelbach bezüglich seiner katholischen Successoren mit Gutheißung der Agnaten ein Vergleich zu Stande gebracht, daß es bezüglich der evangelischen Religion bei dem bisherigen Zustande verbleiben sollte, was in einem Codicille von 1726 den Nachfolgern nochmals auf „Sele und Gewissen“ gebunden wurde. Nach seinem Tode wurden seine Besitzungen 1729 so getheilt, daß von dem nunmehr vereinigten Gesamt-Waldenburgischen Theil Hohenlohe-Schillingsfürst, d. h. der Sohn Ludwig| Gustavs, Graf Philipp Ernst (geboren 1663), früher Domherr zu Köln und Mainz 5/9, die drei Gebrüder von Hohenlohe-Bartenstein aber, die Söhne des den 15. Januar 1729 gestorbenen Grafen Philipp Karl Kaspar, 4/9 erhalten sollten. Auf diese Landestheilung, resp. auf den Antheil der genannten drei Brüder wurde eine Medaille geprägt den 6 August 1729:

A. Carol. Philip. Joseph & Ferdinand, fratres Com. ab Hoh. Dyn in Langenb. Bartenst. & Pfedelb. R. Non nova sed noviter succensa fides.

Bei der Theilung unter den Brüdern kam Pfedelbach an Ferdinand, geboren 13. Juni 1709, † 3. April 1745, und nach seinem Tode an den zweiten Bruder Joseph Anton (geb. 5. April 1707, † 14. Mai 1764), Domgraf zu Straßburg, Köln und Salzburg, Kanonikus zu Augsburg und Ellwangen, nach dessen Tode die Pfedelbach’schen Besitzungen an den Sohn des ältesten Bruders, Karl Philipp’s von Bartenstein, geboren 1702, † 1. März 1763, den Fürsten Ludwig Leopold von Bartenstein, geboren 15. November 1731, † 14. Juni 1799 fielen. Den 21. Mai 1744 war Graf Karl Philipp und seine 2 Brüder in den Reichsfürstenstand erhoben worden.

Diese drei Brüder bekamen den Haupttheil Pfedelbach mit den Ämtern Mainhard, Sindringen und Herrenzimmern.

Graf Philipp Ernst den Haupttheil Waldenburg mit den Ämtern Geilenkirchen, Ohrnthal, Adolzfurth.

Die Grafen gelobten, ihre Unterthanen bei der Exercitio Religionis und Gewissensfreiheit zu belassen, die Pfarrei- und Schulmeisterei mit tauglichen Personen zu besetzen, die Kirchen und Schulen in baulichem Stand zu halten etc.

Die Pfedelbach’schen 5/9 an der Waldenburg’schen Hälfte in Oehringen, Stadt und Stift, sollten vorläufig gemeinsam bleiben und von einem gelehrten Minister und Rath gemeinschaftlich mit administrirt werden.

Fürst Ludwig Leopold von Bartenstein nahm sich, wie Karl Albrecht von Schillingsfürst, der Sache der Bourbonen eifrig an. Beide Fürsten errichteten zwei Jäger-Regimenter, welche zu dem Corps des Prinzen von Condé gehörten.

Fürst Ludwig Leopold abdizirte Februar 1798, worauf sein Sohn, Fürst Ludwig Aloys, geboren 18. August 1765, † 31. Mai 1829 in Paris daselbst begraben, die Regierung übernahm. Dieser war zuerst in französischen, später in österreichischen Kriegsdiensten als General-Feldzeugmeister. Kaiser Napoleon bot ihm die| Souverainetät an; er schlug sie aus und abdizirte 1806. Nach der Restauration der Bourbonen wurde er Marschall und Pair von Frankreich, Oberstinhaber der Legion Hohenlohe. Bei der ersten Vorstellung des Fürsten am Hofe zu Paris trugen Ludwig XVIII. und die königlichen Prinzen den hohenlohischen Hausorden und der Orden stand unter spezieller Protection von Ludwig XVIII. und Karl X. Sein Sohn war Fürst Karl August, geboren 9. Juni 1788, † 12. August 1844 zu Mergentheim. Nach seinem Tode fiel die Herrschaft Bartenstein mit Pfedelbach etc. an Fürst Ludwig von Hohenlohe-Jagstberg, Sohn des Fürsten Karl Joseph, des zweiten Sohnes von Fürst Ludwig Leopold. Karl Joseph, geboren 12. Dezember 1766, starb den 6. Juli 1838, sein Sohn Fürst Ludwig, geboren 5. Juni 1802, starb den 22. August 1850. Ihm succedirte 1850 sein Sohn Fürst Karl, geboren 2. Juli 1837 im Fürstenthum Hohenlohe-Bartenstein, und der zweite Sohn Fürst Albert, geboren 22. November 1842 im Fürstenthum Jagstberg.

Vor der Mediatisirung war in Pfedelbach ein Hohenlohe-Bartenstein’sches Oberamt, wozu außer dem Kirchspiel Pfedelbach Ober-Ohrn, Schwöllbronn, Unter-Ohrn, Verrenberg, Windischenbach gehörten. Fronfals, Geißelhardt, Gleichen, Lachweiler, gehörten zum Amte Mainhardt; Sindringen war ein besonderes Amt. In Pfedelbach waren vier Pater Kapuziner. Daselbst war auch ein Forstrath und ein Förster. Außerdem war hier das gemeinschaftliche altpfedelbach’sche Konsistorium, bestehend aus einem Direktor und 5 Konsistorialräthen (benachbarten Geistlichen).

Das Bartenstein’sche Amt Pfedelbach-Mainhardt wurde durch Verzicht aufgehoben 1840.

Kirchliches. Bis 1567 war Pfedelbach ein Filial von Oehringen und der große und kleine Zehnte gehörte dem Stifte daselbst; Götz von Adelsheim sprach denselben 1466 für sich an, erreichte aber seinen Zweck nicht.

Die Kirche wurde auf Kosten der Gräfin Agathe von Hohenlohe-Waldenburg, Graf Eberhard’s Wittwe 1589 neu gebaut, weil, wie eine Inschrift von der Kirche sagt:

„Die alt’ Kirch war viel zu klein,
Zu fassen die christlich Gemein etc. etc.“

1

Seit 1617 ward ein Diakonus angestellt. Im Jahr 1579 wurde die Superintendur Pfedelbach errichtet, wozu Sindringen, Untersteinbach, Mainhardt, Unterheimbach gehörten. Nach dem Neben-Receß von 1710 sollte der derweilige Stiftsprediger von Oehringen| zugleich Ober-Superintendent über die Waldenburgischen Kirchen- und Schuldiener sein, wozu eine jährliche Summe an Zinsen ausgesetzt wurde.

Nach dem Tode des Grafen Ludwig Gotfried wurde ein Kapuziner-Hospitium errichtet, ein katholischer Pfarrer angestellt, auch ein katholischer Gottesacker angelegt und in der Schloßkirche Gottesdienst gehalten.

b. Buchhorn liegt frei und hoch mit schöner Aussicht auf den Ausläufern des Mainhardter Waldes, 1/2 Stunde südlich von dem Mutterort, wohin auch die Kinder in die Schule gehen.

Die Einwohner, unter denen einige wohlhabende Bauern, finden ihre Hauptnahrungsquelle in Feldbau und Viehzucht. Ganz in der Nähe des Orts liegt der nicht unbedeutende Buchhorner See.

c. Grieth hat eine Stunde südöstlich von dem Mutterort eine schöne Lage auf einem Bergvorsprung gegen das Ohrnthal.

Der Ort besteht aus vereinzelten Bauernwohnungen, deren Bewohner sich von Feldbau und Viehzucht nähren.

Die Kinder besuchen die Schule im Mutterort.

d. Heuberg, ein weitläufig gebauter Ort, der auf der Höhe des Mainhardter Waldes, 1/2 Stunde südlich von Pfedelbach, liegt.

Die im allgemeinen minder bemittelten Einwohner sind meist Steinhauer und Maurer, die nebenbei einigen Feldbau treiben.

Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Pfedelbach.

Früher war hier eine Zigeuner-Kolonie, auf deren Entfernung Herzog Karl von Württemberg im Interesse seiner in der Nähe wohnender Unterthanen gedrungen habe, worauf das Völkchen weggebracht worden sei.

Zu Heuberg gehört Charlottenberg, ein aus einer Bergspitze einzeln stehendes Schlößchen, von dem man eine herrliche Aussicht genießt; das Schlößchen ließ Graf L. Gotfried von Hohenlohe-Pfedelbach erbauen und nannte es seiner Gemahlin Louise Charlotte, geborene von Hohenlohe Langenburg zu Ehren, Charlottenberg, das im Jahr 1863 von dem Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein wieder erkauft wurde, nachdem es 60 Jahre lang im Besitz von zwei Bauern gewesen war.

e. Hinter-Espig, 3/4 Stunden südöstlich vom Mutterort am Abhang gegen das Ohrnthal weitläufig hingebaut.

Unter den Einwohnern befinden sich zwei, von denen jeder etwa 30 Morgen Güter besitzt; der Besitz der übrigen ist nicht bedeutend.

Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Oberhöfen.

| f. Ober-Gleichen und g. Unter-Gleichen; beide Weiler haben eine hohe Lage auf dem Mainhardter Wald eine Stunde südöstlich von dem Mutterort.

Eine Schule mit einem Schulmeister besteht in Ober-Gleichen, welche auch die Kinder von Unter-Gleichen besuchen.

Unter-Gleichen ist der Sitz eines Hohenlohe-Oehringen’schen und eines Hohenlohe-Bartenstein’schen Forstwarts.

Unter den Einwohnern, die sich im allgemeinen von Landwirthschaft und Arbeiten in den nahe gelegenen Waldungen nähren, befinden sich etwa zehn größere Bauern, von denen der bedeutendste einen Grundbesitz von gegen 60 Morgen hat.

Auf einem westlich von Ober-Gleichen sich erhebenden, kegelförmigen Hügel, von dem man eine reizende Aussicht in das Weinsberger- und Heilbronner Thal genießt, stand die Burg Gleichen, von der noch verschüttete Gewölbe und der Burggraben vorhanden sind.

Standesherrlicher Gutsbesitzer und Patron für sämtliche Parzellen ist der Fürst von Hohenlohe-Bartenstein.

Die Burg und Herrschaft Gleichen, wozu Ober- und Unter-Gleichen, Frohnfals, Schönhardt, Steinbrück und einige Orte im Oberamt Weinsberg gehörten, war Reichs-Lehen, womit Kaiser Rudolf seinen natürlichen Sohn Albrecht, welchen er mit der Grafschaft Löwenstein ausstattete, begabte. Der Wittwe dieses Grafen, Luitgart, geborenen von Bolanden, verwandelte zwischen 1304–1308 Kaiser Albrecht, ihr Schwager, dieses Lehen in Eigen, wogegen Luitgart ihre Veste Wildenstein bei Bolanden dem Reich zu Lehen auftrug. Kaiser Heinrich VII. ertheilte hiezu 1309 seine Bestätigung. Übrigens erscheint Gleichen doch wieder unter den Reichslehen, deren Besitz Kaiser Ludwig den 7. Oktober 1328 den Grafen Rudolf und Nikolaus von Löwenstein (Söhnen Graf Albrechts und Luitgartens) erneute.

Im Jahr 1332 bestätigte derselbe Kaiser dem Grafen Nikolaus die Freiheiten der Veste Gleichen.

Graf Albrecht III. von Löwenstein verkaufte 1380 dieselbe um 800 fl. an Herrn Konrad von Weinsberg, Domherrn zu Mainz (Reg. Boic. 10, 49.)

Rücklösung hatten sich zwar die Löwensteiner Grafen vorbehalten, konnten sie aber nicht mehr ins Werk setzen. Albrecht von Hohenlohe wußte sich dagegen im Jahr 1416 durch Verzichtleistung des Grafen Heinrich von Löwenstein das Ablösungsrecht zu verschaffen und durch| Baarzahlung den festen Besitz Gleichens (Lünig Reichsarchiv 12, 292), welches fortan dem Hohenloher Hause verblieb.

Im Jahr 1464 machte der Pfalzgraf bei Rhein Ansprüche auf die Burg Gleichen, jedoch ohne Erfolg.

Die Herren von Gleichen, die im 14. Jahrhundert vorkommen, waren wohl Burgmannen daselbst.

Eine Viertelstunde von Untergleichen in dem fürstlichen Bartenstein’schen Walde „Böckener Ebene“ ist der römische Grenzwall unter dem Namen Schweingraben in einer Länge von ungefähr 1000 Schritten noch deutlich erkennbar; an demselben liegen noch die Trümmerhügel von zwei ehemaligen Wachhäuschen.

Auf dem Wege zwischen Buchhorn und Gleichen, rechts von der Straße im Walde ist eine Art Wall und nicht weit von da kommt die Benennung „Schanzwiesen“ vor.


Anmerkungen Wikisource
  1. Nach Wikipediaartikel 220 württ. Eimer.
« Kapitel B 32 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 34 »
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).