Beschreibung des Oberamts Ravensburg/Kapitel B 11

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11. Gemeinde Hassenweiler.
bestehend aus 14 Parz. mit 543 k. Einwohnern. Der Gemeindebezirk liegt sehr angenehm theils in dem Achthal, theils auf dessen westlichen Höhen und grenzt an das Großherzogthum| Baden. Er gehörte zu dem Kloster Weingarten mit Ausnahme des von Rehlingischen Orts Dankertsweiler, sodann der Parzellen Eggwies, Pfärrenbach und Rinkenhausen, welche zur Landvogtei gehörten, die ursprünglich auch, wie in den meisten andern Bezirken die hohe und forsteiliche Gerichtsbarkeit hatte, s. S. 79, 144. Die Parzellen Einhalden, Haslachmühle, Ibach und Sießen gehörten noch zu dem alten Grafschafts-Bezirke Heiligenberg, s. S. 195. In kirchlicher Beziehung ist die Gemeinde in 3 Pfarreien: Haßenweiler, Dankertsweiler und Rinkenweiler, getheilt. Die Zehnten haben zu beziehen:
1) die k. Kammer von dem Schloßgute und dem Gattenhofe, und Eggwies.
2) die Georgs-Kaplanei in Ravensburg zu Rinkenhausen zur Hälfte, die andere Hälfte bezieht die Kirchenpflege in Haßenweiler, zu Sießen und Ibach, die erstere zu 2/3, die Pf. Haßenweiler zu 1/3.
3) dieselbe Pfarrstelle im Pfarrort; jedoch erhält die Kirchenpflege daselbst 1/4 der in den Öschen erbauten Groß-Zehnt-Früchte, dann von den Mark. der Gatten- und Haslachmühle, der Höfe Esbach und Einhalden,
4) die Pfarrstelle in Dankertsweiler in der Markung daselbst,
5) die Kirchenpflege in Pfärrenbach.

Die Grundgefälle sind vielfach vertheilt, den größten Theil hat die k. Kammer, s. u.

  • 1) Haßenweiler, ein k. Pfarrdorf mit 199 Einw., 43/8 St. nordwestlich von R. über dem Achthal am Hange desselben. An den Grund-Gefällen haben der Fürst v. Fürstenberg (Heiligenberg), als Lehensherr von 2 Höfen und 1 Sölde, die Stiftungs-Pflege Haßenweiler und die kath. Pfarrkirche in Ravensburg Theil. Der Ort hat ein neues Schulhaus, aber noch ohne Lehrerwohnung, eine Schildwirthschaft, eine Mahl- und eine Ölmühle, eine Ziegelhütte. Kirche und Pfarrhaus stehen oben im Dorfe auf einer Anhöhe. Eine Kapelle steht auf dem Gottesacker. Die Kirche zu U. L. F., eine der schönsten der Gegend, wurde 1758 erneuert. Die Baulast der Kirche und des Pfarrhauses hat die Kirchenpflege. Das Patronatrecht, das früher Weingarten gehörte, ist nun königlich. Die Kirchenpflege besitzt außer den oben benannten Zehnten, auch Lehen- und Zins-Güter und ein Kapital-Vermögen von 6280 fl. In den Pfarrsprengel gehören außer den unten genannten 9 Parzellen noch 2 badische Orte, bis 1811 war auch Beckenweiler, G. Zogenweiler dahin eingepfarrt. In ältern Zeiten befand sich auch eine Kaplanei| bei der Kirche; sie war 1478 von dem damaligen Gutsherrn, Wilhelm v. Gremlich, und der Gemeinde H. mit dem großen und kleinen Zehnten zu Gattenhof etc. gestiftet worden, wurde aber schon 1690 aufgehoben. Die Einkünfte wurden dem Kloster Weingarten überlassen, welches dagegen zu Wechsetsweiler eine Pfarrei stiftete, s. Wechsetsweiler. Die Schule für den ganzen Pfarrsprengel und den von Dankertsweiler und Wechsetsweiler befindet sich zu Haßenweiler.

    Haßenweiler, ehemals auch Hatzenweiler, kommt sehr früh in Urkunden vor: i. J. 773 schenkt ein gewisser Hadupert dem Kloster St. Gallen seine Besitzungen in dem Weiler H. (Haddinvilare); und 815 schenkt wieder ein Hadupert demselben Kloster sein Erbe daselbst. Neugart C. D. No. 54 und 183. Haboneswilare, welches Neugart gleichfalls für Haßenweiler erklärt, war Happenweiler, s. u. In dem Orte, unter der Kirche und auf dem Platze, der noch der Schloßhof heißt, stand eine alte Burg, die erst in neuerer Zeit abgebrochen worden ist. Man sieht von ihr noch einige Mauerreste von Kropfsteinen. In ihrem Umkreise stand einer der merkwürdigen Thürme, wovon vorn S. 87 schon die Rede war.

    Eine zweite Burg, Namens Haßenstein stand 1/2 St. südlich von dem Orte (s. u. Pfärrenbach) und eine dritte in Dankertsweiler, eine kleine halbe Stunde von H. Diese drei Burgen waren von adeligen Geschlechtern bewohnt, wovon die von Haßenweiler und Haßenstein Einem Stamm angehört zu haben scheinen. Die von Haßenweiler kommen häufig in Urkunden des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts vor, so: Konrad v. H. 1240, Konrad und sein Bruder Ortolf 1264 etc.; Heinrich und Konrad 1284 etc., zuletzt ein Konrad 1379. Die Besitzung H. kam von den Herren v. H. in mehrere Hände, und war zur Zeit der v. H. noch unter verschiedene Herren vertheilt: 1322 schenkte Manz von Schauenburg 3 Höfe an das Kloster Weingarten, 1374 überläßt Gr. Friedrich von Zollern zu Sotzburg seinen Theil der Laienzehnten in H. und 1 Hof an ebendasselbe; 1378 verkauft Hans von Hornstein sein Gut an Cath. Wildenmann in Rav.; 1393 verkauft Frick v. Lachen und seine Hausfrau, Salome v. Hornstein, ihren Theil an Burg, Burgstall, Kirchensatz etc., die Mühle etc. an Konrad Schorer zu Rav., und Friedrich v. Zollern verzichtet auf die Lehensherrlichkeit über Burg und Kirchensatz; 1399 kam durch Kauf die Besitzung an die v. Gremlich, bei denen sie auch an 200 Jahre lang blieb. 1593 ist Ferdinand v. Graveneck im Besitze. In einem über die v. Graveneck ausgebrochenen Gant kaufte das Kloster Weingarten 1601 das Schloß und Dorf H. sammt dem Patronatrecht und allen Zugehörden.| Von dieser Zeit an blieb das Kloster im Besitze bis zu seiner Auflösung. Über Haßenstein, die Burg, s. Pfärrenbach.
  • 2) Buchmühle, H. mit Mahl- und Sägemühle, an der (Roth-) Ach, mit 13 Einw., Fil. von Rinkenweiler, vorm. Weing.
  • 3) Buggenhausen, W. 45 Einw., Fil. von Rinkenweiler, der Ort wurde 1815 vereinödet. Er hatte ehemals mehrere Gutsherren, von welchen ihn das Kloster Weing. allmählich zusammenkaufte: so 1295 von Ortolf v. Haßenweiler, 1296 von Konrad Schenk von Winterstetten, 1298 von Burkhard von Tobel, 1303 von Konrad v. Haßenstein etc.
  • 4) Dankertsweiler, k. Pfrw. mit einer Schildw. und Ziegelhütte, 125 Einw., auf der Höhe oberhalb Haßenweiler, mit weiter Aussicht, besonders auf der an den Ort angrenzenden Schnekenweid, wo man einen großen Theil des Bodensee’s und der Schweizer-Alpen, sodann die Waldburg, den Bussen etc. erblickt. Grund-, Patronats-und Zehentherr ist der Freiherr v. Rehling, s. o. Die Pfarrkirche zum heil. Johannes d. T. wurde 1696–1698 neu gebaut. Die Baulast derselben hat die Kirchenpflege, die des Pfarrhauses tragen der Gutsherr und die Pfarrstelle. Der Pfarrsprengel beschränkt sich allein auf den Ort.

    Dankertsweiler, ehemals Dankratsweiler geschrieben, ist ein sehr alter Ort; schon i. J. 875 schenkte K. Ludwig seinem Priester Baldinc von seinem Eigenthume zwei Güter in Thracauleswilare 21/2 Gut in Haboneswilare und 879 vertauscht Baldinc (nun Paldinc geschrieben) diese Güter „in Druanteswilare und Habenwilare“ an das Kloster St. Gallen. Der erstere Ort ist ohne Zweifel, wie Neugart ihn erklärt, unser Dankertsweiler, der zweite aber Happenweiler, s. o. Im J. 909 übergab ein gewisser Kerbold sein Eigenthum daselbst (in Tagebretswilare) an das Kloster St. Gallen, und ein Gebino von Pfrungen überläßt ums J. 1070 dem Kloster Petershausen Höfe in Tanhiratiswilare, s. Neugart Cod. Dip. No. 489. 516 und 670, sodann Ussermann Chron. Petroh.

    Bei der Kirche befinden sich noch Ruinen eines weitläufigen alten Schlosses, in dessen Hofraum, wie in Fronhofen und Haßenweiler, ein noch älterer viereckiger Thurm stand, gleich den alten römischen Wachtthürmen, s. S. 87. Dieser merkwürdige Thurm wurde 1819 unter dem Rentamtmann Speidel zu Bettenreute mit den Überresten des Schlosses abgebrochen, und zum Pfarrhausbau, 1826 aber vollends zum Bau der Rinkenburger Brücke verwendet. Das Schloß war der Stamm-Sitz der Herren v. Dankertsweiler, welche vom zwölften bis zum fünfzehnten Jahrhundert in Urkunden erscheinen. Berenger und Sigfried v. Dankrateswilare| lebten zur Zeit der Stiftung des Klosters Weissenau 1145; letzterer ging mit Frau und drei Töchtern in das Kloster und brachte ihm mehrere Höfe zu; 1296 ist Bertold v. Dankratsweiler Zeuge bei einer Verhandlung wegen Fleischwangen. Konrad v. D. verkauft 1314 an das Kloster Weingarten sein Gut zu Blitzenreute, und 1318 seinen Hof in Blümetsweiler und ein Gut zu Wechsetsweiler, sein Bruder Philipp aber mit seiner Mutter Mechtild in demselben Jahre Gattenhof und Gattenmühle. Burkhard v. D. wird 1400 Bürger in Ravensburg. Noch im J. 1496 wurde ein Friedrich v. D. Obervogt des Klosters Ochsenhausen. Aber schon 1444 hatten die Brüder Jakob und Hans v. D. Schloß und Dorf D. mit dem Kirchensatz und Patronatrecht um 4250 Pf. H. an das Seelhaus in Ravensburg verkauft. Im J. 1649 verkaufte Letzteres die Besitzung wieder an die Familie Hyrus (von Homburg), von der sie durch Heirath mit Bettenreute und Zusdorf an die v. Rehling kam, s. Bettenreute. Am 17 Sept. 1646 wurde D. von der Hohentwieler Besatzung niedergebrannt, nur das Schloß wurde erhalten.
  • 5) Eggwies, Hs. 10 Einw., Fil. von Rinkenweiler, G.H. ist die Pfarrei Rinkenweiler.
  • 6) Einhalden, H. mit Schildw. und Ziegelhütte, 7 Einw., Fil. von Haßenweiler. Der Hof, ehemals auch Unhalden genannt, wurde schon 1378 und 1379 von Konrad von Hassenweiler an Weingarten verkauft. Er lag in der Grafschaft Heiligenberg, s. S. 207.
  • 7) Esbach, Hs. 7 Einw.
  • 8) Gattenhof, H. 8 Einw., G. gehörte mit Gattenmühle den v. Dankertsweiler. Die Zehenten waren zur Kaplanei Haßenweiler gestiftet. S. o. No. 1 und 4.
  • 9) Gattenmühle, H. und Mühle mit Hanfreibe, an einem keinen Seitenbächlein der Ach, mit 8 Einw., s. o.
  • 10) Haslachmühle, H. und Mühle an der (Roth-)Ach. 12 Einw., von Ortolf v. Haßenweiler 1282 an Weingarten verkauft. S. S. 208.
  • 11) Ibach, H. 10 Einw., ein altes Stiftgut des Klosters Weingarten. Ein Heinrich von Ibach war 1352 Abt in Weingarten.
  • 12) Pfärrenbach, W. 40 Einw., Fil. von Rinkenweiler. Der Weiler hat eine sehr alte Filialkirche zum heil. Venantius, mit einem eigenen Gottesacker und einem bedeutenden Stiftungsgute, das 1812 mit der Pfarrkirche vereinigt wurde. Die Kirche scheint ehemals Pfarrkirche gewesen zu seyn. Pfärrenbach gehörte zu der Burg Haßenstein. Diese Burg, der Sitz eines adeligen Geschlechts, das sich davon schrieb, stand 1/8 St. westlich von Pf. auf| einer Ecke über der Ach und der Buchmühle. Man sieht noch den Graben davon. Die Ritter von Haßenstein kommen zu gleicher Zeit mit denen von Haßenweiler, hauptsächlich von 1264 bis 1374 vor. In letzterem Jahre verkauft Berchtold v. Haßenstein einen Hof zu Haßenweiler an Weingarten. Daß die v. H., wie schon bei Haßenweiler bemerkt worden, mit den Herren v. Haßenweiler von Einem Geschlecht waren, wird auch dadurch bewiesen, daß die Brüder Heinrich und Konrad, die sich 1284 beide von Haßenweiler nennen, 1290 und 1294 jener Heinrich von Haßenweiler, dieser Konrad v. Haßenstein sich nennt. Nach Weingarter Nachrichten soll das Geschlecht der Haßenstein erst 1541 mit Wolfgang von Haßenstein ausgestorben seyn. Die Besitzung Haßenstein war östreichisches Lehen.[1] Im J. 1608 und 1609 verkaufen Max zu Wülflingen und Albrecht und Hans, die Schenken von Staufenberg, das Burgstall Haßenstein mit Zugehör an das Kloster Weingarten, und der Erzherzog Maximilian begibt sich der Lehenschaft darüber.
  • 13) Rinkenhausen, auch Ringgenhausen, W. von 2 Höfen, mit einer Betkapelle, einer Mahl- und Sägemühle und Hanfreibe, an der (Roth-) Ach, 35 Einw., Fil. von Haßenweiler. Der Ort ist ein Zugehör der v. Rehlingischen Gutsherrschaft Zusdorf, stand aber unter landv. Hoheit, s. Bettenreute. In einer Welfischen Urkunde vom J. 1140 steht ein Ogozo v. Ringinhusin als Zeuge. Gerbert C. D. Hist. silv. nigr. T. III. No. 49. – Es soll auch eine Burg hier gestanden haben.
  • 14) Sießen, W. mit 24 Einw., Fil. von Haßenw., vorm. Weingartisch, ein Haus war bisher noch badisch, s. S. 4. Im J. 1290 erhält Weingarten 1 H. von Friedr. v. Riet, 1350 1 H. von Anna v. Haßenstein und 1433 1 H. von dem Bürger Huber in Rav.; der Ort lag in der hohen und forsteilichen Gerichtsbarkeit der Grafschaft Heiligenberg, s. S. 207.



  1. Nach E. v. Pflummerns Metamorph. arcium et castrorum etc. (Handschrift) kam das Lehen 1451 auf Ital Hundbiß, 1465 aber auf Jak. Schellang, Bürger zu Ravensburg; die Schellang aber verkauften es 1522 für 3000 fl. an Wolfgang Gremlich zu Bothenreuthin (Bettenreute).