Beschreibung des Oberamts Ravensburg/Kapitel B 13

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13. Gemeinde Schlier,
bestehend aus 29 Parzellen mit 1064 kathol. Einwohnern. Der Gemeindebezirk liegt auf der östlichen Höhe des Schussenthals und ist sehr bergig und uneben. Er ist von dem Scherzachthal und mehreren kleinern Thälern durchschnitten, und hat mehrere bedeutende Weiher. Die Landeshoheit war zwischen der Landvogtei, dem Kloster Weingarten und dem F. v. Waldburg-Wolfegg getheilt. Der letztere ist noch Gutsherr an mehreren Orten, s. o., S. 52. In kirchlicher Beziehung ist die Gemeinde unter die Pfarreien Schlier und Altdorf vertheilt: zu letzterer gehören die unten besonders bezeichneten 12 Parzellen, zu ersterer die übrigen Parzellen. Die Schule ist für jeden Theil am Pfarrsitze.| Die Zehnten gehören der k. Kammer mit Ausnahme eines Theils von Wetzisreute, wo der Fürst von W. Wolfegg sie hat, und des Hofes Richlisreute, der zehntfrei ist.
  • 1) Schlier, ein k. Pfarrdorf mit 131 Einw., 1¼ St. östlich von Ravensb., an der Vicinalstraße nach Waldburg und an der Scherzach, ziemlich hoch, uneben und zerstreut, übrigens malerisch gelegen und zum Theil mit guten Häusern versehen. Wegen seiner Ausdehnung wurde sonst auch zwischen dem obern und dem untern Dorf unterschieden. Der Ort war früher eine Besitzung des Klosters Weingarten mit Landeshoheit, einen Hof ausgenommen, welcher zur Landvogtei gehörte. Er hat eine neue, 1832 erbaute Kirche, 1 Schule, 1 Schildwirthschaft, 2 Mahlmühlen, 1 Sägemühle, 2 Hanfreiben und 1 Eisenhammer. In der Nähe befindet sich auch ein Spital, s. u. Auf den Feldern wird Torf gestochen, und bei dem Orte befindet sich ein Tuffsteinbruch. Die Pfarrkirche zum heil. Martin wurde 1831 und das Pfarrhaus 1823 von der Gemeinde erbaut. Früher hatte Schlier nur eine Kapelle und war Filial von Altdorf. 1726 stiftete der Stadtpfarrer Weigel in Wangen ein Kapital zur Errichtung einer Kaplanei in Altdorf für Schlier, der Pfarrer Baluff in Fulgenstatt vermehrte dieses 1757 mit 1000 fl., und im J. 1782 wurde dann wirklich eine Kaplanei zum heil. Martin in Altdorf errichtet, deren Kaplan die Schlierer Kapelle versah. Im J. 1821 wurde die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle im Ort angeordnet, 1822 ein Gottesacker angelegt und 1824, nachdem die Gemeinde ein Pfarrhaus gebaut hatte, auch ein Pfarrer angestellt. Der oben schon bezeichnete Pfarrsprengel besteht fast ganz aus ehemaligen Filialen von Altdorf; das Patronat ist königlich. Bei dem Orte befindet sich ein Weiher, den der Truchseß Eberhard v. Waldburg 1352 besonders an das Kl. Weingarten verkaufte. Ein zweiter Weiher wurde von dem Kloster 1429 angelegt.

    Der Besitz von Schlier scheint schon frühzeitig durch Welfische Verleihungen sehr zersplittert worden zu seyn; außer dem Kloster Weingarten, das vermuthlich schon mit der Kirche zu Altdorf, wohin Schlier eingepfarrt war, Antheil erhielt, hatten anfänglich insbesondere auch die Truchsessen v. Waldburg, die Wildenmann und das Kloster Einsiedeln in der Schweiz Güter daselbst. Letzteres verkaufte 1350 an Weingarten einen Hof zu Schlier (curiam in Sliere), die Hub zum Dietenbach und das Leben zum Riet, unter der Burg Waldburg gelegen, für 360 Goldgulden. Der Truchseß Eberhard von Waldburg, der sein Haus um so viele Güter brachte, verkaufte 1351 an Weingarten die Vogtei und das Vogtrecht, d. h.| die Vogtgefälle, von Schlier und vielen andern Orten der Umgegend nebst Gütern um 180 Pfd. Pfenning, und in demselben Jahre die Güter zu Mühlenreute und Nieder-Ankenreuti mit mehreren Höfen um 206 Pfd. Pfenning, und endlich in dem großen Verkauf von 1357 auch das Pfaffengut von Waldburg zu Schlier. Über den Antheil der Wildenmannen, s. u. und Altdorf.
  • 2) Albisreute, W., 28 Einw., mit einer Papierm., vorm. Weingart. Schon 1153 hatte das Kloster Theil, 2 Höfe kaufte es zuletzt noch 1350, den einen von Johann v. Ankenreute, den andern von dem Ravensburger Bürger Ungemut.
  • 3) Appenberg, H., 19 Einw., die Wildenmänner verkauften ihren Theil an Weingarten 1312 und 1355, s. Kazheim. 1 H. gehörte zur St. Martins Kaplanei in Ravensburg.
  • 4) Dietenbach, W. von 2 Höfen, 20 Einw. Das Kloster Weingarten kaufte es theils 1302 von den Wildenmann, theils von dem Kloster Einsiedeln, s. o. Schlier; es soll daselbst eine Burg gestanden haben.
  • 5) Eratsrein, ehemals Eratsheim, auch Erolzheim genannt. W. von 2 Höfen, 12 Einw., vormals Weingart. 1268 vertauschte die Pfarrstelle zu Altdorf ihre Güter zu Zundernbach gegen Güter des Hermann Wildemann zu Erolzheim und Bezilisreute (Wetzisreute). s. Zundelbach.
  • 6) Erbisreute, ehemals auch Herbisreute, W. an der Wolfegger Straße, zwischen dem Fuchslochweiher und dem Röslerweiher, mit 149 Einw., Fil. von Weingarten und vorm. Weingartisch unter landvogt. Hoheit mit Ausnahme eines Hofs, wo der Fürst von Wolfegg Gutsherr ist, und ehemals auch die niedere Gerichtsbarkeit und das Collect. Recht hatte. Antheil an der G.H. hat auch die Präsenzpflege Ravensburg. S. auch O. Ankenreute. Der Ort scheint der Sitz eines eigenen adeligen Geschlechts gewesen zu seyn. 1319 verkaufen die Brüder Friedrich, Wolfhard und Johannes, genannt von Herbisreute, Güter bei dem Hof Kick.
  • 7) Fechtberg, Hs. mit 5 Einw., vorm. Weingart.
  • 8) Fenken, W. an der Vicinalstraße von Ravensburg nach Waldburg mit 40 Einw., 1 Schildwirthschaft, vorm. landvogt., G.H. war das Kloster Weingarten. 1269 vertrugen sich Heinrich Wildemann u. s. Söhne mit Weingarten wegen des Vogtrechts, das die Wildemannen einst von K. Konrad empfangen hatten, über verschiedene Klostergüter, darunter über 2 Höfe in Fenchen, welche sie bei dem Vertrag dem Kloster überließen. 1283 erwarb das Kloster mit der Burg Wildenek auch 3 Güter zu F. mit dem Fischrecht in der Scherzach von Schlier bis an die Altdorfer Mühle, s. Richlisreute,| 1 H. erkaufte das Kloster auch 1350 von dem Truchseß Eberhard v. Waldburg.
  • 9) Fuchsenloch, Hs., 1 Wirthshaus mit 5 E., am Truchsessen-Weiher, der auch Fuchsenloch-Weiher heißt, Fil. von Weingarten. G.H. der Fürst von W. Wolfegg, vorm. mit Landeshoheit.
  • 10) Gessenried, W. 12 E., vormals Weing., das Kloster erwarb den Ort 1289 und 1355 von Heinrich und Konrad, den Wildenmänner.
  • 11) Hintermoos, W., 119 Einw., Fil. von Weingarten. G.H. zum Theil der Fürst v. W. Wolfegg, der früher mit der Landvogtei die Hoheitsrechte theilte. Der Ort hat einen guten Torfstich. S. Ankenreute.
  • 12) Kazheim, W. mit 13 Einw., vorm. Weing. Kazheim (wahrscheinlich nur ihren Antheil) schenken 1264 die beiden Brüder von Liebenau und Wolkenberg an Weing., welches daselbst 1 Gut von Conrad Wildenmann 1344 gegen 1 Hof zu Grundlen austauscht, Letzterer verzichtet zugleich auf alle Zehntrechte. Weitere Güter zu Kazheim verkaufen 1381 Pantal und Erhard, die Wildenmann, Bürger zu Ravensb., an Weing. mit den Vogtrechten auf den Gütern zu Appenberg, Kehrenberg und Schattbuch.
  • 13) Kehrenberg, W. mit 1 Mahl- und einer Säge-Mühle, und 1 Hanfreibe, 9 Einw., Fil. von Weingarten und vorm. Weingart., s. Kazheim. Unter den Schenkungen an St. Gallen kömmt schon im J. 861 {Neug. Nro. 405) Kehranberg, im Linzgau vor, und in dem Priv. K. Friedr. I. von 1153 unter den Weing. Gütern praedium in Kerrinberg et Wecilinsruti. 1275 schenkt, als Schadenersatz Truchs. Eberh. an Weing., 1 Hof zu Kehrenberg und 2 Mühlen dabei.
  • 14) Kocher, H. mit 5 Einw., vormals Weingart.
  • 15) Krautenau, Hs. mit 3 Einw., G.H. der F. v. W. Wolfegg vorm. mit Landeshoheit.
  • 16) Lanzenreute, W. 13 Einw., vorm. Weingart. Albert, gen. Pfaffenhofen, verkauft 1282 die Vogtrechte an Weingarten.
  • 17) Mayerhanser, H. mit 6 Einw., vormals Weingart.
  • 18) Mühlenreute, W. mit 72 Einw., vorm. Weingart mit Ausnahme 1 Hofs, der dem Kloster Baindt gehörte und unter landvogt. Hoheit stand. Gehörte in ältern Zeiten den Truchs. v. Waldburg, s. o. Schlier.
  • 19) Ober-Ankenreute, W. mit 1 Schildwirthschaft und 60 Einw., an der Wolfegger Straße, zwischen Unter-Ankenreute und Hintermoos, welche mit ihm sehr nahe beisammen liegen, Filial von Weingarten. G.H. zum Theil der Fürst v. Waldburg| Wolfegg, vorm. mit Hoh. Rechten; der übrige größere Theil gehörte Weingarten unter landvogt. Hoheit. Das Kloster erwarb seine Güter zu O. und U. Ankenreute theils von den Truchsessen, theils von Andern. 1275 verpflichtet sich der Truchseß Berthold v. Waldburg, Güter und Leute zu O. und U.A. wegen des dem Kloster zugefügten Schadens an Weingarten abzutreten. Weiteres verkaufte später der Truchseß Eberhard. 1448 verkaufte auch Anna Bibersee Güter zu U.A. an Weingarten. Übrigens gab es auch eigene Herren von Ankenreute, welche hier ihren Sitz hatten, aber schon frühzeitig als Bürger in Ravensburg sich niederließen, wo sie noch im 16ten Jahrhundert Ämter bekleideten, bis mit dem Stadt-Amman Anton Ankenreute 1578 das Geschlecht ausstarb. Joh. v. Ank., gen. der Landammann, verkauft 1338, und Anna Bibersee 1439 das Gut zu Herbisreute an Weing. Clemens v. Ankenreute stiftete 1448 die St. Clemens-Kaplanei in der L. Fr. Kirche zu R., s. auch die Laurenburgen. S. 158.
  • 20) Richlisreute, W., 43 Einw., vormals theils landvogt., theils Weingartisch; 1278 verkaufte Graf Mangold v. Nellenburg 1 Hof in Richelinsreuti an Weingarten, 1299 verkauft an ebendasselbe Heinrich, gen. der Wildemann, 1 Hof zu R., der Heirathsgut seiner Frau Katharina, einer Tochter Bertholds von Stein, war. 1286 hatte der Graf Hugo von Werdenberg mit den Höfen zu Lachen, Aich etc. auch einen Hof zu R. dem Kloster Weissenau geschenkt. Bei R. stand einst eine Burg, worauf der Ritter Kuno zu Ende des 12ten Jahrhunderts saß, s. Lachen S. 191, und wovon sich auch später noch ein adeliges Geschlecht, das sich in Ravensburg niederließ, schrieb. Klaus Richlisreute und seine Söhne Friedrich und Heinrich kommen als Bürger zu R. 1373 vor, Klaus war 1397 auch Mitstifter der adeligen Gesellschaft zum Esel in R.
  • 21) Rößler, H. mit 1 Schildwirthschaft, 6 Einw., Fil. von Weingarten und vorm. Weingart. Von dem Hofe hat der große Rößler-Weiher, an dem er liegt, seinen Namen.
  • 22) Schattbuch, H. mit 5 Einw. Wie 21, s. Kazheim.
  • 23) Spinnenhirn, H. mit 15 Einw., Fil. von Weing. und vorm. Weingart. Es gab ein Geschlecht, das sich von Spinnenhirn nannte, und bei dem Hofe, auf der Seite von Schattbuch, findet man noch die Spuren des Schlosses Spinnenhirn.
  • 24) Spital, ein Armenhaus ¼ St. von Schlier, früher nach Grünkraut eingepfarrt. Die Anstalt ist zur Aufnahme und Unterstützung von 30 hülflosen und gebrechlichen Armen aus der vorm. Herrschaft Weingarten bestimmt. Ihr Vermögen besteht in 46.292 fl. Kapital und wird durch einen eigenen Stiftungsrath – Weingartische| Landschafts-Armenpflege – verwaltet. Im Fall einer Unzulänglichkeit deckt das k. Cameral-Amt Weingarten die Kosten.
  • 25) Steinrausen, Hs. mit 5 Einw., vorm. landvogt.
  • 26) Stücklisberg, H. mit 3 Einw., vorm. Weing.
  • 27) Unter-Ankenreute, W. mit 1 Schildw., 59 Einw., Fil. von Weingarten, mit 1 Kapelle und Schule. G.H. von 1 Hof der Fürst von W. Wolfegg, vormals mit Landeshoh.; die übrigen Höfe gehörten zu Weingarten unter landvogteilicher Hoheit, mit Ausnahme eines Hofes, wo das Kloster die N. G. und Coll. hatte. S. O. Ankenreute.
  • 28) Wetzisreute, W. mit einer Schildw. und Brauerei, mit 200 Einw., an der Vicinal-Straße nach Vogt, vormals theils landvogt., theils Waldburg., theils Weingart. G. H. die Stiftungspflege Waldburg und zum größten Theil der Fürst v. W. Wolfegg, vormals mit Landeshoh. 1 H. gehörte mit L. H. zu Weingarten, 3 H. sind eigen. Der Ort hat eine Kapelle zum heil. Joseph, welche 1698 von der Familie Booser erbaut wurde, von der auch eine Stipendien-Stiftung herrührt. W. ist die Heimath des Booserischen Geschlechts, das auch Mit-Eigenthümer an dem Altdorfer Wald war, s. S. 92. Das Geschlecht soll von dem natürlichen Sohn eines Truchsessen von Waldburg abstammen, der ein Mannlehen von ihm erhielt und in den Adelstand erhoben wurde. Des Adels soll das Geschlecht wieder durch einen Brudermord verlustig geworden seyn. Es sollen nämlich, nach der Volkssage, drei Brüder Booser, von Ravensburg herkommend, unterwegs in Streit gerathen und zwei davon getödtet worden seyn, der dritte aber sich selbst entleibt haben, auf dem Platze, der noch jetzt mit drei bemoosten Kreuzen bezeichnet ist.
  • 29) Zundelbach, ehemals Natrumriet genannt, H. mit 7 Einw., Filial von Weingarten, vormals Weingart. 1304 verkauft Ulrich der Wildemann das Gut Z. und ein Gut zu Erolzheim, s. Eratsrein. Bei Zundelbach findet man noch Überreste von einer Burg. S. Richlisreute und Wildeneck.