Beschreibung des Oberamts Ravensburg/Kapitel B 6

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6. Gemeinde Bodneck.
bestehend aus 101 Parzellen mit 1048 E. Der ganze Gemeindebezirk, der auf der südöstlichen Grenze des Oberamts hoch und hügelig liegt, und zum C. A. Tettnang eingetheilt ist, gehörte, wenigstens factisch, zur vorm. Landvogtei mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit mit Ausnahme von 11 Parz. und 2 theilweise, über welche Waldburg-Wolfegg, und 1 Parz., über welche das Kl. Weingarten die Landeshoheit hatten, s. u. Die Gutsherrschaft war vielfach vertheilt, größtentheils aber Weissenauisch oder Weingartisch, es gab auch sowohl ein Weingartisches und Weissenauisches als ein landvogt. Amt Bodneck. Mehrere der Weingartischen Höfe kamen durch den großen Verkauf des Truchsessen Eberhard 1357 an das Kloster. Mit den unten bemerkten Ausnahmen von 14 Parz., die nach Amtzell und Krumbach eingepfarrt sind, gehört der ganze Gemeinde-Bezirk in die Pfarrei Bodneck. Die Zehnten haben die königl. Kammer, der k. bayerische Religions-Fonds in Lindau (ehem. Kl. Langnau) die Pfarrstellen Amtzell, Krumbach und Waldburg, die Kaplanei und die Kirchenpflege Bodneck zu beziehen, einzelne Güter sind zehentfrei. Die Grundgefälle werden jetzt größtentheils von der k. Kammer bezogen, der Rest ist vielfach vertheilt, s. u.| Im Jahr 1827 errichtete die Gemeinde zu Kammerhof ein Armenhaus zur Wohnung für arme Gemeinde-Angehörige. Die Waldburgischen Parzellen gehörten früher zur Gemeinde Waldburg und wurden erst 1826 davon getrennt; durch die k. Deklaration vom 10 Februar 1831 wurden sie in Beziehung auf standesherrliche Eigenschaft auch von den fürstl. Besitzungen getrennt, und gegen andere vertauscht, s. S. 52. Der Bezirk kam theils durch den Preßburger Frieden, theils durch die rheinische Bundesacte an Würtemberg.
  • 1) Bodneck, ehemals „im Bodnegg“ genannt, ein Pfarrw. mit 49 Einw., in hoher Lage, 2½ St. südöstlich von R., mit 1 Schule und 2 Schildwirthschaften, vormals meist Weissenauischer Gutsherrschaft, s. o. Die Pfarrkirche zum heil. Ulrich liegt sehr hoch und weithin sichtbar auf einer Bergspitze, sie ist ziemlich alt und besitzt einen hinreichenden Kirchenfonds an Grundgefällen und Kapitalien, im Durchschnittsertrag von 300 fl. jährl. Umpfarrungen fanden statt in den J. 1809, 1812, 1813 und 1834. Jetzt gehören 92 Parzellen in die Pfarrei, darunter vier aus der Schultheißerei Waldburg.

    An der Pfarrkirche ist neben dem Pfarrer auch ein Kaplan angestellt. Die Kaplanei wurde ums J. 1500 von der Gemeinde gestiftet. Das Patronat war früher Weissenau-Sternbergisch, jetzt ist es königlich. Die Pfarrei wurde 1473 dem Kloster einverleibt, das dieselbe bis 1803 durch einen Klostergeistlichen versehen ließ. Das Kloster Weissenau besaß schon vom 12ten Jahrhundert her einen Hof in Bodneck (curtem in bodnegge), den es von Ortolf von Bisenburg erhielt, s. Blitzenreute. Im J. 1463 kaufte das Kloster von Conr. v. Stein v. Reichenstein das Vogtrecht, den Kirchensatz, 2 Maierhöfe, die Badstube, auch Widdum und Tafern zu B., sodann die Höfe zu Weckelthürn, Schwarzenach, Bäch, Mühlbachsau, Raihen etc. für 1927 fl. Weitere Erwerbungen machte das Kloster 1470 von den Grafen v. Montfort und 1486 von Jodok Humpiß von Senftenau. Bei dem Orte stand ehemals eine Burg, und unter den im 14ten Jahrhundert aufgenommenen Ravensburger Bürgern kommt auch ein Bodneck vor.
  • 2) Achmühle, H. mit 1 Mahl- und 1 Säge-Mühle u. Hanfreibe, 9 Einw., an der Schwarzach, Filial von Krumbach. G. H. zum Theil die Kirchenpflege Bodneck.
  • 3) Aigen, Hs. mit 7 Einw., vormals Wolfeggisch. G. H. ist die kathol. Pfarrkirche Ravensburg. S. o.|
  • 4) Alberberg, W. mit 11 Einw. 1 Hof gehörte zu Weissenau, 1 zu Weingarten, 1 H. zur Kaplanei Bodneck. Weingarten kaufte seinen Theil 1514 von den Kindern des Jos. v. Hundpiß in Senftenau, Weissenau den seinigen nebst andern Höfen 1486 von Jos. selbst.
  • 5) Allisreute, W. mit 18 Einw., G. H. ist die Präsenz Ravensburg.
  • 6) Altergarten, richtiger Alt-Ergaten, H. mit 10 E., G. H. vormals dem Kloster Weissenau.
  • 7) Annahäusen, H. mit 13 Einw.
  • 8) Bach, H. mit 5 Einw., 1568 kaufte Weissenau den Hof Bach, sodann Schmitthäusern, Thal und den Lützelmannshof von dem Kl. Kreuzlingen, das die 4 Höfe 1556 von Balth. v. Castelmauer erkauft hatte.
  • 9) Baltersberg, W., 28 E., mit 1 Mahl- u. 1 Säge-Mühle und Hanfreibe, an einem Seelein, woraus die Schwarzach abfließt.
  • 10) Billen, W., 12 E., G. H. vorm. Weissenauisch.
  • 11) Bösfeld, Hs. mit 7 Einw.
  • 12) Boschenthal, H., 11 E., G.H. vorm. Weing.
  • 13) Boselberg, H. mit 5 Einw., G.H. vorm. Weissen.
  • 14) Bruderhof, W., 13 E., G.H. vorm. Weing.
  • 15) Buch, W., 16 E., an der Schwarzach mit einer Bierbrauerei, Fil. von Krumbach; Weing. erhielt es schon 1055 von den Welfen.
  • 16) Büchel, W., 22 Einw., 1 Hof war Weissenauisch.
  • 17) Buzers, H. mit 3 Einw., Fil. von Amtzell, ganz im O.A. Wangen eingeschlossen, G.H. Pfarrei Waldburg, vorm. unter W. Wolfegg. Landeshoheit.
  • 18) Dietmannsweiler, W., von 2 H., 9 E., G.H. vormals Weingartisch.
  • 19) Duller, H. mit 16 E., G.H. vorm. Weissenau.
  • 20) Dürre, Hs. mit 6 E., vorm. W. Wolfeggisch.
  • 21) Dürrnast, H. mit 1 Schildwirthschaft, 2 Einw., vormals östreich. Zollstätte.
  • 22) Edenwieden, H. mit 5 Einw.
  • 23) Egarten, jetzt auch Ergeten, H. mit 11 Einw., Fil. von Krumbach, G.H. vormals Weingart.
  • 24) Eggenberg, H. mit 24 Einw., das Kloster Weingarten kaufte diesen und den vorigen Hof 1356 von Privaten.
  • 25) Emmelhofen, W., 18 E., mit 1 Mahl- und 1 Säge-Mühle und Hanfreibe, an dem Eckbach, vorm. theils landvogt., theils W. Wolfeggisch. Zu E. befand sich ehemals ein Schloß; 1356, 1587 und später verkauften die v. Rosenharz den Ort mit dem| Burgstall an Weingarten. Noch 1420 verkaufte der Ritter Raupper (Ruprecht) v. Rosenharz 1 Mühle und Hof zu E. an Weingarten. 1652 erbaute daselbst Gr. Friedr. v. Fugger eine Sägemühle. Ein Gerloh und Rudgerus de Emihihoven stehen als Zeugen in einer Weissenauer-Urkunde von 1258.
  • 26) Fahnhalden, H., 5 Einw.
  • 27) Felben, H., 15 Einw. 1307 verkaufte Rud. v. Wyl, ein Ministerial des Klosters St. Gallen, die Höfe zum Felben, zur Halden, zu Höhe, 1 Hof zu Kerlenmoos, 1 zu Schmidhäusern, den Rosenhartsbriel zwischen Emmel- und Wollmarshofen, deßgl. 1 Hof und die Mühle in letzterm Ort an Weingarten.
  • 28) Fricker, Hof mit 6 Einw. Conrad Blaser verkaufte den Hof 1487 an Weingarten. Dazu gehört Seher, ein einzelnes auf der Markung stehendes Haus.
  • 29) Goldegger, Hs. mit 2 E., ganz im O.A. Wangen eingeschlossen, Fil. von Amtzell. G.H. und vorm. Landesh. F. v. W. Wolfegg.
  • 30) Graben, H., 17 Einw., G.H. vorm. Weissenau.
  • 31) Gragenbach, H. mit 1 Einw.
  • 32) Grub, H., 9 E., gehörte ehemals den v. Wildeneck.
  • 33) Gutmanns, W. von 2 H., 11 Einw. 1382 verkauften Benz Eder von Lindau und Peter Eder von Ravensburg die zwei Höfe Gutmanns an Weingarten.
  • 34) Halden, H., 5 Einw., G.H. vorm. Weing.
  • 35) Hargarten, W. bestehend aus Hinter- und Vorder-H., mit 51 Einw., vorm. theils W. Wolfegg., theils landvogt. G.H. war das Kloster Weingarten und wie noch jetzt zum Theil W. Wolfegg und die Stiftungspflege Waldburg.
  • 36) Hecht, Hs. mit 14 Einw.
  • 37) Hemmern, H. mit 6 E., wurde 1560 mit Hub von der Wittwe Hundpiß an Weingarten verkauft.
  • 38) Herben, H., 10 E. G.H. vorm. Weissenau.
  • 39) Hinterberg, W., 13 E., Fil. von Amtzell. G.H. u. vorm. Landeshoheit F. v. W. Wolfegg.
  • 40) Hinterhölzer, W. von 2 H., 6 Einw, Zur Kirchenpflege Bodneck gehörig.
  • 41) Hinterreute, W. mit 39 Einw., Fil. von Krumbach zur Präsenz Ravensburg gehörig.
  • 42) Hirscher, W., 19 E.
  • 43) Hochholz, Hs., 4 E.
  • 44) Hochstätt, W. von 2 H., 15 Einw.
  • 45) Höhe, H. 2 E. – S. Felben.|
  • 46) Hub, H., 5 E., s. Hemmern.
  • 47) Hütten, H., 2 E.
  • 48) Ippenried, W., 19 Einw. 2 Höfe waren Weingart., 1 Hof gehört der Präsenz Ravensburg.
  • 49) Josenhalden, H., 5 Einw. Liegt ganz im O.A. Wangen.
  • 50) Kammerhof, W., 48 Einw., mit einem Armenhaus, s. S. 177, vorm. Weingart. 1276 schenkte Albert v. Summerau dem Kloster den Kammerhof und 1282 Bertz und Joh. v. Morheim mit Bewilligung des Truchsessen Eberhard von Waldburg die Mühle daselbst bei der Burg. Weder von der Mühle noch von der Burg ist jetzt noch eine Spur vorhanden.
  • 51) Kammersteig, W. mit 8 Einw.
  • 52) Keller, H., 6 Einw. G.H. Spital Constanz, vormals unter W. Wolfegg. Hoheit.
  • 53) Kerlenmoos, W., 32 Einw. G.H. von 1 H. Kirchenpflege Bodneck; von den übrigen Höfen war es das Kloster Weingarten, das den Weiler 1272 von Albert v. Liebenau, 1307 von Rud. v. Wyl, s. o., 1308 von Eberhard v. Summerau u. a. zusammenkaufte.
  • 54) Keuzenmoos, H., 11 Einw.
  • 55) Knäpling, H. mit 6 Einw. G.H. Präsenz Ravensb.
  • 56) Knöbele, Hs. mit 8 Einw. G.H. badische Dom. Verwalt. Meersburg, vorm. W. Wolfegg. Hoheit.
  • 57) Kofeld, W., 34 Einw., vorm. G.H. Weingarten.
  • 58) Lachen, W. von 2 H., 9 Einw., gehörte den Nonnen zu St. Michael in Ravbg.
  • 59) Landstraß, Hs., 5 Einw.
  • 60) Langenacker, Hs. mit 5 Einw.
  • 61) Laubern, W. mit 24 Einw., vorm. Weing. G.H.
  • 62) Lehrwangen, H., 15 Einw., Fil. von Amtzell, vorm. W. Wolfegg. Hoheit.
  • 63) Lempen, W. von 2 H., 16 Einw.
  • 64) Linden, W. mit 96 Einw., die Gutsrechte waren früher vielfach getheilt und sind es zum Theil noch jetzt.
  • 65) Loch, Hs. mit 6 Einw., Fil. v. Krumbach, G.H. Pfarrkirche Ravensburg.
  • 66) Luß, H., 26 Einw.
  • 67) Mangenhäusle, Hs. mit 5 Einw., wie 56.
  • 68) Mohrhaus, H. mit 8 Einw., gehörte früher dem Junkher Waltrams.
  • 69) Moos, Hs. mit 12 Einw.
  • 70) Mühlepassau, eigentlich Mühlebachsau, H., 4 Einw., vorm. G.H. Weissenau, s. Bodneck.|
  • 71) Neuhaus, W. von 2 H. 8 E.
  • 72) Oberaich, H. 6 E., G. H. u. vormals L. H. Fürst v. W. Wolfegg.
  • 73) Ober-Wagenbach, W. von 2 H. 13 E., vorm. Weing. G. H. 1350 von dem Truchsessen Eberhard v. Waldburg erkauft.
  • 74) Pfauen, H. 9 E., Fil. v. Amtzell. G. H. Pfarrei Waldburg, vorm. unter W. Wolfegg. Hoheit.
  • 75) Pfauenmoos, H. 6 E., vorm. Weissen. G. H.
  • 76) Raihen, W. 30 E., s. Bodneck.
  • 77) Roggenacker, H. 5 E., vorm. Weing. G. H.
  • 78) Rosenharz, W. 37 E., mit einer Schildw. und Brauerei. Zwischen R. und Emmelhofen auf dem Rosenharzbriel stand eine Burg, worauf die Herren v. Rosenharz ihren Sitz hatten, die im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert öfters vorkommen. Ein Wilhelm v. R. wurde 1397 Bürger in Ravensburg. Hans v. R. verkaufte 1426 Burg und Vestung Rosenharz an den Gr. Wilhelm v. Montfort, von dem sie wieder an Andere kam. S. auch Emmelhofen.
  • 79) Rothhaidlen, W. 44 E., vorm. zum Theil Weingartisch G. H.
  • 80) Salzbrunnen, H. 10 E.
  • 81) Schmidhäusen, W. von 2 H. mit 7 E. 1 H. gehörte Weissenau, 1 H. und der Zehente Weingarten, s. Bach und Felben. Es gab ein östreich. Lehen „zu den Häusern“ – Schmid und Sonthäusern – 1477 empfängt Georg Werrenwag das Lehen von Herzog Sigismund, 1746 wurden die Heim damit belehnt.
  • 82) Schmitten, H. 9 E. – vorm. Weing. G. H. 1276 eignet Albert von Liebenau den von den v. Mosheim an das Kloster verkauften Hof ad fabricam („zur Schmitten“) bei Kammerhof.
  • 83) Schönberg, W. 33 E. – Kam 1551 durch Tausch mit Gr. Hugo v. Montfort und später vollends durch Kauf an Weingarten.
  • 84) Schrading, W. von 2 H. 16 E. – 1 Hof gehört der Bruderschaft Ravensburg.
  • 85) Sommershub, H. 8 E. – vormal. Weingart. G. H.
  • 86) Sonthäuser, H. 8 E. – ebenso. S. Schmidhäuser.
  • 87) Spinnenhirn, W. v. 2 H. 14 E. – Der Ort, der theilweise ehemals Rothlinden hieß, kam 1588 durch Kauf an Weissenau.
  • 88) Steinhaus, W. v. 2 H. 6 E. Wurde 1394 von Weissenau an Weingarten verkauft, dem Georg v. Neidegg, Bürger zu Ravensburg, 1543 das Vogtrecht überließ.|
  • 89) Tannberg, Hs., im Ober-Amt Wangen eingeschlossen, 1 E., Fil. v. Amtzell, G. H. und vorm. auch L. H. Fürst v. W. Wolfegg.
  • 90) Teschen, H. 6 E.
  • 91) Thal, (im Thal), H. 3 E., s. Bach.
  • 92) Tobel, W. 59 E. Ein Gut gehört zur Kaplanei Bodneck.
  • 93) Unteraich, W. von 2 H. 10 E., vorm. Weissenau. G. H.
  • 94) Unter-Wagenbach, W. 18 E., Filial v. Krumbach. 3 H. gehörten dem Kl. Langenau.
  • 95) Wagensperre, Hs. 4 E.
  • 96) Weeg, H. 6 E.
  • 97) Weihers, H. 2 E. Joh. v. Ebersberg stiftete das Gut 1411 zum Kl. Weissenau mit N. Gerichtsbarkeit und Besteuerungs-Recht, die aber nachher von der Landvogtei weggenommen wurden.
  • 98) Widdach, sonst auch Weidach, W. von 2 H. 10 E.
  • 99) Widdum, H. 7 E., vorm. Weissenau. G. H. S. Bodneck.
  • 100) Winteröhr, H. 3 E., G. H. von Hundbiß, zu Waldrams.
  • 101) Wollmarshofen, W. 22 E., G. H. und L. H. vorm. Weingart. 1305 schenkte Heinrich v. Sigmarshofen, Bürger in Ravensb., dem Kloster sein Gut in W. 1307 verkauft Rud. v. Weiler an dasselbe eine Mühle und 1 H. zu W. Jetzt gibt es keine Mühle daselbst.