Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 18

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
« Kapitel B 17 Beschreibung des Oberamts Riedlingen Kapitel B 19 »
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Für eine seitenweise Ansicht und den Vergleich mit den zugrundegelegten Scans, klicke bitte auf die entsprechende Seitenzahl (in eckigen Klammern).
|
18. Erisdorf,

ein kath. Pfarrdorf, das vormals zum Gebiet der Stadt Riedlingen gehörte, auf der Anhöhe des rechten Donauufers, 1 St. von Riedlingen, mit 324 Einw. C. A. Heiligkreuzthal, F. A. Zwiefalten, Grundherrschaft: Spital Riedlingen; Zehnten, den großen beziehen Baden, s. S. 82, den kleinen, in Folge des Sequesters, der Staat, vormals Stiftskirchenpflege Buchau, letzterer ist für 80 fl. verpachtet.

Gefälle beziehen: Spital Riedlingen 358 fl. 36 kr., 280 Sch. D. 70 Sch. H., 70 Sch. Gerste, 25 Sch. Roggen; der Staat, an Riedbatzen, 3 fl. 56 kr.; die obigen Großzehntherrn 10 fl. 46 kr., 4 Sch. H., 7 Sch. R.; F. Taxis 2 fl., Ortsheilige 7 fl. 43 kr., Pfarrey 2 Meß Holz; Capl. Riedlingen 2 fl. 20 kr. Die Gemeinden Ertingen 44 fl., Neufra 3 fl. 20 kr., Waldhausen 21 fl. 47 kr., Altheim 21 kr.

Der Ort liegt um den wasserreichen Kessel herum, worin der Röthenbach entspringt und mächtige Tuffsteinlager sind, S. 19. Er hat eine Mahlmühle mit 4 G., 1 Schildw. und Brauerey. Der Name des Orts wird in ältern Urkunden auch Ehrensdorf und Eringsdorf geschrieben gefunden. Der Ort war Filial von Ertingen, hatte aber schon frühe seine eigene Kirche mit einem Geistlichen. 1813 wurde die| Kirche zur unabhängigen Pfarrkirche gemacht. Kirche und Pfarrhaus werden von der Heiligenpflege und im Falle der Unzulänglichkeit, von der Gemeinde gebaut. Die Gemeinde hatte früher auch das Ernennungsrecht des Caplans, dessen Stelle 1403 von der Gemeinde gestiftet worden seyn soll, jetzt übt es der Landesherr aus.

Von den frühesten Zeiten, und wahrscheinlich von den Vergabungen der Dynasten vom Bussen her, gehörte Erisdorf größtentheils zum Kloster Reichenau. Die hohe Gerichtsbarkeit und das Jagdrecht wurden von der Grafschaft Friedberg, in deren Banne E. lag, in Anspruch genommen, von Riedlingen aber darum widersprochen, weil 1695 eine Landesfürstliche Commission entschieden hatte, daß die Stadt in den 3, zu ihrem Spital gehörigen, Orten hohe und niedere Obrigkeit hergebracht habe. Theils als Lehen, theils als freyes Eigenthum hatten die von Hornstein Erisdorf inne. Von Johann von Hornstein wurde es an Heinrich von Reischach verkauft. 1361 erbte es Adelheid von Reischach, Gemahlinn Walters von Freyberg, und diese verkaufte das Allodium 1398 an den Spital Riedlingen für 620 Pf. H. Von ihren Söhnen verkaufte Heinrich auch den lehenbaren Antheil an eben denselben Spital für 1400 Pf. und der Abt von Reichenau hob auf Bitten der Riedlinger 1403 den Lehensverband auf. Der große Zehnte war bey Reichenau, und nachher bey Constanz, geblieben. Von Constanz kam er durch die neuen Veränderungen an Baden. S. o. In den H. Kreuzthaler Urkunden kommt auch ein Hans von Eringsdorf vor, der 1594 einen Hof zu Waldhausen an das Kloster verkauft.