Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 20

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20. Friedingen,

ein kath. vormals Heiligkreuzthalisches Pfarrdorf, in einem engen Wiesenthale der Alp, am Fuße des Linsenbergs und an der Landstraße nach Gamertingen, 21/2 St. w. von Riedlingen, mit 367 Einw. C. A. H. Kreuzthal, F. A. Zwiefalten. Zehnten, den großen beziehen 1/2 der Staat, 1/2 die Pfarrey, mit Ausnahme von 94 J. zehntfreyer Äcker, den kleinen die Pfarrey, und eben diese auch den großen auf allen Wechselfeldern.

Gefälle beziehen der Staat 206 fl. 36 kr. und 19 Sch. 61/4 Sr. D., 29 Sch. 41/4 Sr. H.; Ortsheilige 39 fl. 27 kr.; Pfarrey 45 kr.;| Pfarrey L.Enslingen 4 fl. 8 kr. und 3 Sch. D., 3 Sch. H.; Heiligenpflege Vöhringen Stadt 1 fl. 20 kr.

Die Baulast der Kirche und des Pfarrhofes ist getheilt; der Staat hat Baumaterialien zu liefern, die Gemeinde Hand- und Spannfrohnen zu leisten, an den Handwerkskosten aber die Heiligenpflege 2/3, und die Pfarrey nebst den Besitzern zehntfreyer Güter 1/3 zu leisten. Das Cam. Amt hat jährlich 77 fl. für die Arme zu reichen. Auch hat die i. J. 1822 verstorbene letzte Äbtissinn von Kreuzthal eine Armenstiftung von 170 fl. hinterlassen. Der Ort hat 2 Schildw. und 1 Brauerey, ehemals befand sich auch eine Mühle daselbst, welche von dem Zusammenflusse der Quelle im Thale getrieben wurde; 1406 erlaubt K. Ruprecht dem Kloster Kreuzthal eine neue Mühle in Fr. zu bauen.

Friedingen war ehemals, wie Pflumern und Grüningen, Filial von L.Enslingen, 1399 stiftete Elsbeth, Conrads von Stein Wittwe, welche einige Güter zu Fr. besaß, und 1397 auch von ihrem Bruder Hans von Hornstein zu Wilflingen einen Zehnten daselbst für 400 Pf. erkauft hatte, eine Caplaney bey dem Kirchlein zu Fr. Im J. 1545 wurde die Caplaneypfründe an das Kloster H. Kreuzthal verkauft und durch dieses 1670 zur Pfarrey erhoben, jedoch so, daß, zur Anerkenntniß der alten Verbindung, der Pfarrer zu Enslingen ferner noch einige Gefälle beziehen sollte.

Es schrieb sich ehedem eine Familie von Friedingen; Rudolph von Friedingen erscheint in dem Östr. Habsburgischen Urbar als östr. Burgvasall auf dem Bussen, und hundert Jahre später, 1392 wieder ein Rudolph von Fr. in einer Kreuzthaler Urkunde, der nach den Marchthaler Annalen 1380 „auf der Burg zu Friedingen“ saß. Auch war das Geschlecht im Besitze eines Theils von Taugendorf, und von den Grafen von Landau trugen sie die Vogtey Dietelhofen und Uigendorf zu Lehen. S. Dietelhofen. Aber man findet weder mehr eine Spur von der Burg, noch irgend einen urkundlichen Beleg davon, daß die Familie das Dorf Fr. besessen, oder auch nur Güter da gehabt habe, und wahrscheinlich| schrieb sich das Geschlecht nicht von dem diesseitigen Friedingen, sondern von Friedingen an der Donau. Dagegen findet man schon früher die Grafen von Veringen, zu deren Comitie Friedingen gehörte, im Besitze von Gütern und der Vogtey. 1278 beschenkt die Gr. Sophie v. V. das Kloster Kreuzthal mit einem Gute zu Fr., 1286 verkauft Gr. Heinrich von Veringen seine Güter und Rechte, mit Ausnahme jener, die bereits Andern verliehen seyen, und 1357 verkaufen die Grafen auch vollends das Vogtrecht mit allen ihnen noch angehörigen Gütern und Leuten an das Kloster. Neben den Grafen von Veringen haben aber auch Andere Theil an dem Grundbesitze zu Fr., hauptsächlich die von Greiffenstein und von Hornstein, zum Theil als Lehensleute der Gr. v. Veringen. Beide verkaufen ihre Besitzungen ebenfalls an Kreuzthal, die erstern von 1292 bis 1337 die letztern von 1291 bis 1411. Auch die Grafen von Landau hatten ihren Theil an Friedingen, wenigstens erscheint Cuno von Greiffenstein in dem ofterwähnten Landauischen Lehensverzeichnisse mit Zehnten zu Fr. die er von Landau zu Lehen trage. Nachdem das Kloster durch den Kauf der Vogtey in den vollen Besitz des Dorfes gekommen war, gab es dieses – das Dorf und sämtliche Güter des Klosters – 1358 den Grafen Eberhard und Conrad von Landau zu kaufen, unter der Bedingung, daß das ganze Besitzthum nach dem Tode der Grafen an das Kloster zurückfallen, dafür aber beyder Grafen Jahrzeit gehalten werden solle. Die Grafen gaben es jedoch schon 1361 als fromme Stiftung zurück, mit der besondern Bestimmung, daß nie über das Dorf ein Vogt gesetzt werden dürfe, und auf diese Weise blieb der Ort auch immer mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit unter der unmittelbaren Herrschaft des Klosters. S. H. Kreuzthal. Eine halbe Stunde von Friedingen liegt über einer engen Thalschlucht, der alten Sigeburg gegenüber, eine schroffe Felsenspitze, der Schloßberg genannt. Auf der Spitze dieses Felsenberges findet man noch Spuren von Mauern und Graben, welche die Bedeutung seines Namens bestätigen, und| noch wird ein anliegendes Ackerfeld, der Schloßgarten genannt. Es ist zu zweifeln, ob hier die Burg der oben erwähnten Herrn von Friedingen gestanden habe: aber wahrscheinlich könnte man es finden, daß die Edlen von Velsberg hier ihren Sitz gehabt haben, deren in den Heiligkreuzthaler Urkunden öfters gedacht wird. So verkauft nach denselben Heinrich Velsoberg 1288 einen Hof zu Andelfingen an das Kloster und in dem obenerwähnten Landauischen Lehensverzeichnisse kommt ein Gut vor, das der Truchsessen von Urach und Velßberg war.