Beschreibung des Oberamts Rottweil/Kapitel B 34

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Zimmern unter der Burg,


Gemeinde III. Klasse mit 493 Einwohnern, worunter 3 Evangelische. a. Zimmern, Pfarrdorf, 470 Einwohner; b. Schafhof, Hof, 10 Einwohner; c. Thalhof, Hof, 13 Einwohner. Kath. Pfarrei; die Evangelischen sind nach Täbingen eingepfarrt. 21/2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.
An den Einmündungen des Schwaigholzbachs und des Wiesenthälchensbachs in den Schwarzenbach hat der lang gedehnte, mit Obstbaumgärten umgebene Ort theils in den tief eingeschnittenen Thälern dieser Bäche, theils an den untersten Thalgehängen eine geschützte, nicht unfreundliche Lage. Der Ort selbst besteht mit wenigen Ausnahmen größtentheils aus mittelgroßen oder kleinen, theils getünchten| theils geriegelten, ziegelbedachten Häusern, die sich an den weniger gut unterhaltenen Ortsstraßen in mäßigen Entfernungen, zuweilen auch gedrängt lagern. Vicinalstraßen nach Gößlingen, Neukirch und eine auf die Rottweil–Balinger Landstraße sichern dem Ort den Verkehr mit der Umgegend. Das enge Thal zwischen hier und Gößlingen zeichnet sich aus durch seine tiefe Stille und seinen saftgrünen Wiesengrund.

Die dem h. Jakobus geweihte unscheinbare und baufällige Kirche stammt noch aus gothischer Zeit, hat einen mit Staffelgiebeln besetzten Thurm im Osten, dessen kreuzgewölbtes unteres Stockwerk die Stelle des Chors vertritt; sie enthält drei Zopfaltäre, über dem hölzernen Südeingange steht die Jahreszahl 1791. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde.

Am Wege nach Gößlingen stehen drei alte Holzbilder, Christus a. K., Maria und Johannes.

Der früher um die Kirche gelegene Begräbnißplatz wurde 1835 aufgegeben und außerhalb (westlich) des Dorfs angelegt.

Das im oberen Ortstheil etwas erhöht gelegene ansehnliche Pfarrhaus mit Mansardendach wird das „Schlößle“ genannt, war früher das fürstlich Waldburg-Zeil’sche Rentamt und ist von der Gemeinde zu unterhalten. In dem 1849 erbauten Schulhaus befindet sich ein Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. Das Rathhaus gleicht einem gewöhnlichen Bauernhaus. Ein öffentliches Back- und Waschhaus, ein Armenhaus und ein Schafhaus sind vorhanden.

Mit sehr gutem Trinkwasser versehen den Ort reichlich 6 laufende, 2 Schöpf- und ein Pumpbrunnen, überdieß fließen die oben angeführten Bäche durch den Ort, von denen der Schwarzenbach zuweilen Schaden bringend über sein Bette tritt und namentlich in den Jahren 1845 und 1853 alle Brücken mit sich fortriß. Es führen 3 gewölbte und 4 steinerne Deckelbrücken, eine hölzerne Brücke und 3 Stege über die Bäche; die Unterhaltung derselben hat die Gemeinde. Früher bestand östlich vom Ort ein Weiher, der längst trocken gelegt und in Wiesengrund umgewandelt ist.

Die im allgemeinen fleißigen und sparsamen Einwohner, von denen gegenwärtig 4 über 80 Jahre alt sind, treiben hauptsächlich Feldbau und Viehzucht; die Gewerbe dienen meist den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen, mit Ausnahme der Maurer und Zimmerleute, welche den Sommer über vielfach im Elsaß arbeiten. Außerhalb des Orts besteht eine Mühle mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang und am südwestlichen Ortsende liegt eine Sägmühle mit Hanfreibe und Ölmühle. Schildwirthschaften und Kramläden sind je 2 vorhanden.| Als Nebenbeschäftigung wird die Stickerei in großer Ausdehnung auf Bestellung in die Schweiz getrieben. Auch wird Streusand gewonnen. Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind ziemlich mittelmäßig und bestehen bei dem vermöglichsten Bürger in 40 Morgen, bei dem Mittelmann in 12–20 Morgen und bei der ärmeren Klasse in 1–5 Morgen Grundeigenthum, wobei jedoch jedem Ortsbürger noch etwa 3 Morgen Allmanden zur Benützung überlassen werden.

Die kleine Markung, von der überdieß noch ein Theil mit Wald bestockt ist, hat eine bergige und von mehreren Thälern tief durchfurchte, mühsam zu bebauende Lage und einen fruchtbaren, meist schweren Boden, der aus den Zersetzungen der oberen Keuperschichten und auf den Anhöhen aus denen des schwarzen Jura bis zu dem Posidonienschiefer besteht. In der Nähe des Orts wurden vor einigen Jahren Stubensandsteinbrüche stark betrieben und die gewonnenen Steine für den Eisenbahnbau abgesetzt; gegenwärtig sind die Brüche nicht mehr im Betrieb. Die klimatischen Verhältnis sind ziemlich mild; indessen schaden Frühlingsfröste nicht selten, auch kommt zuweilen Hagelschlag vor.

Die Landwirthschaft wird, so gut als es die Verhältnisse erlauben, betrieben und von den Düngersurrogaten kommt Asche und Gips in Anwendung. Zur Bebauung des Feldes bedient man sich des Brabanter- und des Wendepflugs. Gebaut werden außer den gewöhnlichen Getreidearten Kartoffeln, dreiblättriger Klee, Luzerne, Esparsette und für den eigenen Bedarf Reps, Mohn, Flachs und Hanf. Von den Getreidefrüchten werden jährlich etwa 3–400 Scheff. Dinkel, 100 Scheff. Gerste, 150 Scheff. Haber und 10 Scheff. Weizen auf der Schranne in Rottweil abgesetzt. Der verhältnißmäßig ausgedehnte Wiesenbau liefert reichlich vortreffliches Futter, von dem über den eigenen beträchtlichen Bedarf noch ein Theil nach außen verkauft wird; die Wiesen sind durchgängig zweimähdig und ohne Wässerung. Der Obstbau ist nicht besonders namhaft und erlaubt auch in günstigen Jahrgängen nur selten einen unbeträchtlichen Verkauf nach außen. Man pflegt hauptsächlich Goldparmänen, Hüttenäpfel, Junkersbirnen, Heubirnen und Zwetschgen. Die Jungstämme werden meist aus der Gemeindebaumschule, für die ein besonderer Baumwart aufgestellt ist, bezogen.

Die Gemeinde ist im Besitz von 1072/8 Morgen Nadelwaldungen, deren jährlicher Ertrag theils zu Besoldungsholz und Heizung der Schule und des Rathhauses verwendet, theils zu Gunsten der Gemeindekasse um etwa 100 fl. verkauft wird. Privatwaldungen sind 143 Morgen vorhanden. Ferner bezieht die Gemeindekasse aus der Brach- und Stoppelweide, nebst etwa 74 Morgen| Gemeindegütern die Pachtsumme von 1410 fl., aus der Pferchnutzung 80–90 fl. und aus den an die Bürgerschaft verliehenen Allmanden 400 fl.

Die Zucht der Pferde ist ganz unbedeutend, dagegen bildet die Rindviehzucht einen beträchtlichen Erwerbszweig der Einwohner und erlaubt einen namhaften Handel mit Vieh auf benachbarten Märkten; man hält einen tüchtigen Landschlag mit Simmenthaler Kreuzung und hat zur Nachzucht 3 gekreuzte Farren aufgestellt. Der Herbstaustrieb findet theilweise noch statt. Auf der Markung läßt ein fremder Schäfer 150 Bastardschafe laufen und überwintert sie im Ort. Die Schweinezucht (halbenglische Race) ist ganz unbedeutend und die Ferkel werden meist von außen eingeführt und theils fürs Haus, theils in mäßiger Ausdehnung zum Verkauf aufgemästet. Von dem gezogenen Geflügel wird ein Theil an Händler verkauft.

Ganz in der Nähe (westlich) des Orts stand auf der äußersten Spitze eines schmalen Bergrückens eine Burg, die auf 3 Seiten von Natur fest, und nur von Westen her zugänglich war, dort aber mittelst eines tiefen Grabens unzugänglich gemacht wurde; letzterer und einige Fundamente sind allein noch von der ehemaligen Burg übrig geblieben. Auf dem sog. „Hasenloch“, einer nördlich vom Ort sich erhebenden Bergspitze, ist noch ein alter Befestigungsgraben sichtbar, über dessen ursprüngliche Bestimmung nichts näheres erforscht werden konnte. Etwa 1/4 Stunde südlich von Zimmern befindet sich zwischen dem Thalhof und der Flur Bonland ein Grabhügel, das Lerchenbühle genannt.

Im Anfang des 14. Jahrhunderts erscheint der Ort, welcher auch die Namen „zerbrochen Zimmern“, „Zimmern im Löchle“ führte, im Besitz der Grafen von Sulz. 1311 verkauften die Gr. Berthold und Wölflin v. S. Güter allhier und zu Gößlingen (s. ob. S. 417). Den 22. Apr. 1349 verkauften jedoch die Gr. Hermann und Alwig v. S., des Gr. Berthold sel. Söhne, an Berthold von Sinkingen, Chorherrn zu Zürich, und seine 4 Brüder, Zimmern, Burgstall und Dorf mit allen Zugehörden, Leuten und Gütern um 315 Pfd. Hllr. Von dieser Familie kam Z. durch die Verheirathung Georgs von Ehingen im J. 1524 mit einer sinkingenschen Erbtochter, Elisabeth, an die Ehingen. Den 19. März 1526 verschrieb sich die Gemeinde zur Sühne für ihre Betheiligung am Bauernkrieg gegen Georg von Ehingen zu gewissen Frohndiensten. Im J. 1549 verkaufte Georg von Ehingen Zimmern mit Täbingen an Christoph von Landenberg; (den 2. Mai 1559 verglich sich der Käufer mit dem Prälaten zu Alpirsbach wegen der Versehung der hiesigen Pfarrei durch den Gößlinger Pfarrer). Von dieser Familie kamen beide Orte im J. 1657 an Johann Albert Föhlin von| Frickenhausen zu Illertissen (s. ob. S. 534) und Zimmern im J. 1661 durch Kauf an Maria Elisabeth geb. Scheer von Schwarzenburg, Wittwe des Hans Wernher von Stuben, und deren Familie. Den 12. Juli 1663 wurden verschiedene, zwischen genannter Elisabeth und der Gemeinde seit alter Zeit strittige Punkte durch commissarisches Urtheil geregelt: Dem Haus Österreich gehört die hohe Jurisdiktion mit allen Zugehörungen eigenthümlich, wogegen die zur niederen Gerichtsbarkeit gehörigen Sachen der Herrschaft eigenthümlich verbleiben. Nachdem im J. 1744 mit dem Freiherrn Joseph Anton von Stuben, welcher ledigen Standes ohne Testament verstarb, der stubensche Mannsstamm erloschen, wurden die Regredienterben Maria Chleophe Freifrau von Rost geb. von Schelleberg und Reinhard Friedrich, Freiherr von Neuenstein im J. 1749 in Folge eines Vergleiches vom 10. Dec. d. J. mit der Intestaterbin Maria Anna Wilhelmine von Bach geb. von Barille in den Besitz des Gutes Zimmern samt Rechten und Zugehörungen gesetzt. Den 12. Sept. 1799 verkaufte der Schwäbischen-Kreises-Oberstlieutenant Freiherr Karl von Neuenstein seinen bis daher mit dem Käufer gemeinschaftlich innegehabten Antheil, d. h. seine Hälfte des ritterschaftl. Orts Zimmern u. d. B. mit aller niedergerichtlichen Herrlichkeit und allen Zugehörden um 50.000 fl. an den Bayrischen Geheimerath und Administrator der Grafschaft Schwabeck Erbtruchseßen Maximilian Wunibald Grafen zu Waldburg-Zeil-Trauchburg, welcher die andere Hälfte von seiner ersten Frau, Maria Johanna von Hornstein, bereits ererbt hatte. So nennt denn auch die österreichische Jurisdiktionstabelle von 1804 den Ort als Eigenthum des Fürsten von Zeil-Trauchburg, als mit Steuer- und Waffenrecht zum Kanton Neckar-Schwarzwald gehörig, die Landeshoheit und das Gesetzgebungsrecht als zwischen Württemberg und Truchseß streitig, den Blutbann als österreichisch. Den 16. Apr. 1833 verkaufte jedoch der Fürst Franz Thadäus von Waldburg das hiesige Rittergut an die Gemeinde, während er sich das Patronat der Pfarrei Dautmergen vorbehielt.

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Im J. 1314 vergabte der Rottweiler Bürger Bertold von Justingen ein hiesiges Gütlein an das Kl. Rottenmünster und stiftete zugleich einen Jahrtag für sich, seinen Vater Konrad, seine Mutter Offamia und seine zwei Frauen, Willeburg und Mechtilde, sowie seinen Herrn den Grafen Hermann von Sulz. Auch erwarb das genannte Kloster im 14. und 15. Jahrhundert noch mancherlei Güter und Gefälle hierselbst. Den 20. Dec. 1318 theilten die Gr. Hugina-Clause zu Oberndorf eines- und Berthold Heinrichs von Justingen sel. Sohn und der Rottweiler Bürger Bertold Bäsge andrerseits| die Güter, welche sie mit einander den Herzogen von Teck abgekauft hatten.

Der Ort war früher Filial von Gößlingen (s. d.) und wurde den 14. Dez. 1837 mit dem Schaf- und Thalhof zu einer eigenen Pfarrei erhoben.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Schafhof, 1/8 Stunde nördlich vom Mutterort gelegen; zu dem Hof gehört ein im Eigenthum der Gemeinde stehendes 89 Morgen großes arrondirtes Gut (13 Morgen Äcker, 49 Morgen Wiesen und 27 Morgen Weiden).

c. Thalhof, liegt 1/4 Stunde südlich von Zimmern im Schmellbach-Thal; zu demselben gehört ein 29 Morgen großes Gut.



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