Beschreibung des Oberamts Saulgau/Kapitel B 11

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11. Geigelbach; 407 G.Einw.

1) Geigelbach, ein aus einem Hof und einer Ziegelhütte bestehender Weiler, 3 St. südwestlich von Saulgau, mit 14 kath. Einw. Filial von Ebersbach; Hof-C.A. und F.V. Altshausen, C.A. Waldsee; Grundherrschaft zu Geigelbach und, mit Ausnahme von Ebisweiler und Laubbronnen, in dem ganzen Gemeindebezirke: die K. Hofkammer. Den großen Zehnten bezieht die Hofkammer, den kleinen, Obst- und Blutzehnten die Pfarrey; für den Heuzehnten wird ein ständiges Geldsurrogat an die Hofkammer entrichtet. Dieselben Zehent-, Filial- und andere Verhältnisse finden, mit den besonders bemerkten Ausnahmen, auch in den übrigen Gemeinde-Orten statt.

| Geigelbach liegt in der Ebene des Schussengebiets, der ganze übrige Gemeindebezirk aber auf und an den Bergen. Dieser Bezirk bildete vormals in Verbindung mit dem Gemeindebezirk Boms das Amt Geigelbach, das zur östreichischen Landvogtey Schwaben gehörte. Das Amt führte den Namen Geigelbach, ohne daß deßwegen der Amtssitz an Geigelbach gebunden war, wie denn auch gegenwärtig der Schultheißerey-Sitz nicht in Geigelbach, sondern in Schwemme ist. Die Grundherrschaft in dem Amte hatte früher, mit wenigen Ausnahmen, welche unten bemerkt sind, das vormalige Kloster Baindt.

2) Atzenberg, Ober-Atzenberg, ehemals auch Hatzenberg geschrieben, ein kleiner Weiler auf der Höhe, 2 St. südöstlich von Saulgau, mit 25 kath. Einw., Seit 1827 Filial von Renhardsweiler, früher von Ebersbach. Der Ort wurde sonst gemeiniglich auch Atzenberg auf den Bergen genannt, zum Unterschied von „Atzenberg hinter den Bergen," oder U. Atzenberg im O.A. Waldsee. Man hat von Ober-Atzenberg aus eine der schönsten Aussichten in Oberschwaben. Vergl. S. 35.

3) Badhaus, ein Hof unter Atzenberg am Abhange, mit einem zweyten entfernt stehenden kleinen Wohnhause, zusammen mit 15 kath. Einw., Filial von Boos, Schule Musbach. Von 7 Jch. hat die Pfarrey auch den großen Zehnten. S. o. Der Name des Hofs rührt von einem Bade her, das noch vor 40 Jahren damit verbunden war.

4) Boos, ein kath. Pfarrweiler, 11/2 St. südöstlich von Saulgau, im Thale, an der Vicinal-Straße von Saulgau nach Aulendorf, mit 88 Einw. Die Pfarrkirche zum h. Valentin steht auf einer kleinen Anhöhe. Die Baulast der Kirche ruht auf den Zehntberechtigten des Pfarrsprengels – Hofkammer, Taxis, Sternberg, Stadtpfarrey Saulgau, die i. J. 1823 auch eine jährliche Aversal-Summe von 71 fl. für Cultkosten auf sich nahmen. Das Patronat hatte das| Kloster Baindt, dem die Kirche schon 1324 einverleibt worden war. Nach Auflösung des Klosters nahm Östreich dasselbe mit der Kirche in Beschlag, und jetzt ist es landesfürstlich.

Filiale der Pfarrey sind: Badhaus, Lampertsweiler und der Riedenhof; der letztere war bis 1812 nach Saulgau eingepfarrt. Die Pfarrey hat keine eigene Schule, die Kinder von Boos besuchen die Schule in Musbach, O.A. Waldsee.

Nach Bruschius und Crusius hatte das Kloster Baindt zuerst seinen Sitz „am Berge Buß, bey dem Städtlein Sulgau.“ Aber nicht der Bussen bey Riedlingen, wie beyde glauben, sondern unser Boos war der erste Sitz des Klosters, wie nicht nur der dortige Besitzstand desselben, sondern auch folgende urkundliche Nachrichten beweisen. Graf Gottfried von Sigmaringen bestätigte i. J. 1231 den Kauf etlicher Güter der Klosterfrauen zu Boos von Albrecht von Büttelschieß, und ein Nachbar von Boos, Conrad Schenk von Winterstetten, nahm sich der armen Klosterfrauen, die sich in Boos gar schlecht befunden haben müßen, an, und baute ihnen das Kloster Baindt, in das sie i. J. 1241 einzogen. – I. J. 1796 wurde Boos von den Franzosen rein ausgeplündert; die Einwohner flüchteten sich in das Ried. Auf der Gränze der Markung liegt ein kleiner See, das Booser Seele genannt; vergl. S. 34.

5) Buch, ehemals „im Buch,“ jetzt auch Buo, Bue genannt, ein kath. Weiler auf den Bergen mit 59 Einw. und einer Bierbrauerey. S. o.

6) Ebisweiler, ein Hof mit 5 kath. Einw., Filial von Aulendorf. Grundherr: Gr. v. Königsegg. Den großen Zehnten hat die K. Hofkammer, den kleinen und Blutzehnten die Pfarrey Ebersbach. Der Hof ist ein Theil von dem Königseggischen Weiler Ebisweiler, der auf diese Weise nicht nur unter 2 Gemeinden – Geigelbach und Aulendorf, sondern sogar unter 2 Oberämter: Saulgau und Waldsee, getheilt ist, und deßwegen auch in den Staatshandbüchern| doppelt erscheint. Der Grund dieser Theilung ist ohne Zweifel der, daß jener Hof früher unter der Oberhoheit der Östr. Landvogtey stand. S. Steegen und Königseck. In der K. Declaration von 1828 über die staatsrechtlichen Verhältnisse des gräflichen Hauses Königsegg-Aulendorf ist übrigens bestimmt, daß der abgerissene Theil von Ebisweiler, so wie die Orte Laubbronnen und Steegen mit dem Gemeindebezirke Aulendorf und dem Oberamte Waldsee verbunden werden, bis dahin aber die Ausübung der standesherrlichen Rechte ausgesetzt bleiben sollen.

7) Irrenberg, ein kleiner, aus 2 Höfen bestehender Weiler, mit 16 kath. Einw., auf den Bergen. Von dem großen Hof war früher Weingarten, von dem kleinen Baindt Grundherr. S. o. I. J. 1288 verkaufen die Brüder Wezel und Conrad von Rinkenburg ihren Hof in Irrenberg, den sie von den Brüdern Ulrich und Berthold von Königsegg und Fronhofen zu Lehen hatten, an das Kloster Weingarten, und 1349 verkauft Conrad von Magenbuch die Vogtey über den Hof des Klosters an dasselbe.

8) Laubbronnen, ein kleiner, aus 2 Höfen bestehender Weiler, am Fuße der Berge, unweit Ebersbach, mit 14 kath. Einw. und einer Capelle zur Privat-Andacht. S. o. Grundherrliche und Zehentverhältnisse wie bey Ebisweiler. S. Königseck und Steegen.

9) Menzenweiler, ein aus 5 zerstreuten Höfen bestehender Weiler auf den Bergen mit 51 kath. Einw. S. o.

10) Oberweiler, ein kath. Weiler auf den Bergen mit 35 Einw., Filial von Aulendorf. Grundherr war früher Weingarten, das den Ort von den Schwenden 1341 bis 1350 erkaufte. Ehemals soll bey Oberweiler ein Schlößchen gestanden haben.

11) Ried, ein kath. Weiler am Fuße der Berge, 1/4 St. von Ebersbach, mit 87 Einw. S. o. Einzelne Theile des Orts liegen ziemlich entfernt; der Ort ist deßwegen, mehr aber noch wegen früherer Verhältnisse, unter 2 Schultheißereyen,| Ebersbach und Geigelbach, getheilt. Zu der Gemeinde Ebersbach gehören 35, zur Gemeinde Geigelbach 52 Einw. In dem Ebersbacher Theile war der Land-Commenthur von Altshausen Landes- und Grundherr; in dem Geigelbacher Theile hatte derselbe nur 1 Bauerngut, und das Kloster Baindt die übrigen Lehen; die Landeshoheit aber war hier Östereichisch. Durch den Vertrag von 1759 kam die Landeshoheit auch von diesem Theile, jedoch nur pfandweise, an Altshausen. Der Ort hat eine Capelle zur Privatandacht. Die Markung ist vereinödet. Zu Ried gehört:
Dobelwagner, ein einzelnes, unter dem Walde bey Ried stehendes Haus.

12) Schwemme, „auf der Schwemme,“ ein aus 2 Höfen bestehender Weiler, dermalen Sitz des Schultheißen, mit 18 kath. Einw. auf der Höhe, unter Renhardsweiler, wovon es Filial ist. Den kleinen, den Obst- und Blutzehnten bezieht die Pfarrey Renhardsweiler. Die übrigen Zehent- und andere Verhältnisse wie bey 1).

13) Winnenden, ein aus 2 Höfen bestehender Weiler auf den Bergen, mit 16 kath. Einw. S. o. Nach der gemeinen Aussprache wird der Name des Orts auch Winnaden geschrieben. Es gab eine adeliche Familie, die sich von Winnenden schrieb – die Wielen von Winnenden (s. Buchau); es scheint aber nicht, daß die Familie ihren Sitz in dem diesseitigen Winnenden, sondern entweder in Klein-Winnenden bey Schussenried, oder in Michel-Winnenden, wo sich noch die Ruinen einer Burg befinden, gehabt habe.