Beschreibung des Oberamts Spaichingen/Kapitel B 6

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Bubsheim.
Gemeinde III. Kl. mit 642 Einw., wor. 4 Ev. a. Bubsheim, Pfarrdorf, 627 Einw., b. Anhausermühlen, 15 Einwohner. – Kath. Pfarrei; die Ev. sind nach Rietheim, O.-A. Tuttlingen, eingepfarrt. 21/2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Der sehr freundliche mit gut aussehenden ziegelbedachten Häusern besetzte Ort, aus dem einige ganz alte Linden hervorschauen, liegt südlich von dem Beginne des hier schon stark in die Hochfläche einschneidenden gegen Südwesten ziehenden Anhauserthales. Eine von diesem Thal gegen Südosten und eine gegen Nordwesten auslaufende Seitenschlucht umfaßt die nordöstliche Hälfte des Ortes samt der Kirche und gewährte ihr einst eine sehr gesicherte, nur gegen Westen leicht zugängliche Lage. Die südliche Seitenschlucht senkt sich hart an den letzten Häusern schroff und wild in die Tiefe des Anhauserthales, das mit seinen steilen, von Felsen unterbrochenen, mit üppigen Wäldern bedeckten Gehängen ein prächtiges Landschaftsbild gewährt, aus dem sich über Felsenkronen die Ruine der Burg Graneck erhebt. Ein weiterer besuchenswerther Aussichtspunkt bietet sich auf dem Kirchberg, westlich vom Ort; man blickt von hier aus weit ins Badische hinein und bei heiterem Himmel an die hellschimmernde Kette der Alpen.

Die innen verzopfte, dem h. Jakobus d. Ält. geweihte Kirche stammt nach Urkunden in der Pfarr-Registratur aus dem Jahre 1451; sie hat im Schiffe der Maßwerke beraubte Spitzbogenfenster und statt des Chores im Osten einen breiten massigen, mit schlichtem Satteldach bedeckten Thurm, dessen unterstes Geschoß von einem rippenlosen Kreuzgewölbe überspannt wird; an seiner Ostwand zeigt sich ein vermauertes gothisches Maßwerksfenster. Das Innere der Kirche besitzt drei sehr reiche Rococoaltäre, eine Kanzel in demselben Geschmack und ein großes, nicht unbedeutendes Krucifix. Die drei Glocken sind neu. Die Unterhaltung der Kirche ruht auf der Gemeinde; es besteht ein eigener Kirchenbaufonds. Der ummauerte Begräbnißplatz, mit schönen Schmiedeisenkreuzen geschmückt, liegt um die Kirche.

Das stattliche zweistockige Pfarrhaus wurde schon im Jahre| 1490 erbaut, seine Unterhaltung ruht auf der Kirchenpflege und weiterhin auf der Gemeinde.

Das im Jahre 1830 errichtete Schul- und Rathhaus enthält außer den Gelassen für den Gemeinderath zwei Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters; neben diesem unterrichtet noch ein Lehrgehilfe.

Ein öffentliches Backhaus, ein öffentl. Waschhaus, eine Gemeindescheuer und ein Farrenstall bestehen.

Gutes Trinkwasser liefern meist hinreichend ein laufender Brunnen unterhalb des Ortes und 64 Schöpfbrunnen (Cisternen). Bei anhaltender Trockenheit entsteht zuweilen Mangel an Wasser, dasselbe muß sodann von der Anhauser Mühle den Berg herauf gebracht werden.

Zwei Wetten sind im Ort.

Auf der Markung finden sich drei schwach fließende Quellen, wovon zwei auf der Hochebene und eine im Anhauser Thal. Dann befindet sich oberhalb dieses Thals die sogenannte Auster-(Oster-)Quelle, die nur von Ostern bis Pfingsten fließt. Der Anhauser Mühlenbach berührt im Osten die Markung.

Die Haupterwerbsquellen der Einwohner bestehen in Feldbau, Viehzucht und Gewerben; von letzteren sind die Maurer und Zimmerleute am meisten vertreten; gegen hundert gehen jährlich nach Frankreich und der Schweiz. Auch werden viele Spinnräder gefertigt und weithin abgesetzt, ferner Weißstickereiarbeiten, die nach der Schweiz gehen.

Zwei Mühlen bestehen im Thal, die obere und die untere Anhauser Mühle, jede mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang.

Drei Schildwirthschaften, darunter eine mit Bierbrauerei, und vier Kramläden sind vorhanden. Auch zwei Frachtfuhrleute, die hauptsächlich nach Tuttlingen und Spaichingen fahren, wohnen im Ort.

Die Vicinalstraße von Böttingen nach Egesheim geht über Bubsheim. Über den Anhauser Bach führt ein von der Gemeinde zu unterhaltender hölzerner Steg.

Die Vermögensverhältnisse sind im Ganzen gut, der vermöglichste Bürger besitzt 50 Morgen Feld und 6 Morgen Wald, der Mittelmann 20 Morg. Feld und 1 Morg. Wald, die weniger bemittelten, wenn sie überhaupt Grundbesitz haben, 1/2–11/2 Morg. Feld. Auf angrenzenden Markungen haben hiesige Bürger etwa 150 Morg. Feld und Wald. Gegenwärtig befindet sich| keine Person im Ort, die einer Unterstützung von Seiten der Gemeinde bedürftig wäre.

Die mittelgroße Markung gehört, mit Ausnahme des noch tief in dieselbe eingreifenden Anhauser-Thals, der hügeligen, mit trockenen Thälchen und Rinnen durchzogenen Hochebene des Heubergs an; die bedeutenderen Hügel sind der Kirchberg, das Börnle, der Buchenberg und der Nack. Der Boden gehört zu den fruchtbareren des Heubergs; er besteht meist aus den Zersetzungen des weißen Jurakalks und ist deshalb thon- und kalkreich, jedoch meist etwas schwer und durchgängig mit Jurakalktrümmern gemengt. Zwei Steinbrüche im weißen Jura und ein beinahe ausgebeuteter im Kalktuff sind vorhanden. Die klimatischen Verhältnisse sind, wie überhaupt auf dem Heuberg, rauh, windig und schädliche Frühlingsfröste, wie auch kalte Nebel, kommen zuweilen vor, dagegen ist Hagelschlag selten.

Der landwirthschaftliche Betrieb ist den natürlichen Verhältnissen entsprechend und der Feldertrag wird durch kräftige Düngung (Stalldünger, Jauche, Pferch, Gips und Asche) zu steigern gesucht. Außer dem allgemein üblichen deutschen Wendepflug sind auch noch einige eiserne Eggen und die Walze im Gebrauch. Von den Cerealien werden vorherrschend Dinkel, Haber, Gerste und weniger Roggen gebaut; ferner baut man Linsen, Kartoffeln, ziemlich viel Futterkräuter, (dreibl. Klee, Esparsette, Futterwicken), Reps, etwas Mohn, Hanf und Flachs, letzteren in ziemlicher Ausdehnung und theilweise zum Verkauf. Von den Getreidefrüchten können über den eigenen Bedarf jährlich etwa 400 Sch. Dinkel, 450 Sch. Haber und 30 Sch. Gerste meist auf den Schrannen in Tuttlingen und Spaichingen abgesetzt werden, auch verkauft man etwa 30 Sch. Linsen. Der ausgedehnte Wiesenbau liefert gutes Futter, das im Ort verbraucht wird und einen namhaften Viehstand ermöglicht. Die Obstzucht wird mäßig betrieben, weil das Obst nicht gerne gedeiht, daher man auch nur rauhe, späte Kernobstsorten und ziemlich viel Kirschen pflanzt. Die Jungstämme bezieht man theils aus der Gemeindebaumschule, theils von Spaichingen. Ein besonderer Baumwart ist aufgestellt. Das Obst wird im Ort verbraucht.

Die Gemeinde besitzt 330 Morgen gemischte Waldungen, von deren jährlichem, in 60 Klaftern und 2400 St. Wellen bestehendem Ertrag jeder Ortsbürger 1/4 Klafter erhält; der Rest wird zu Gunsten der Gemeindekasse um etwa 100 fl. verkauft. Aus den vorhandenen 186 Morgen Weide, nebst der Brach- und| Stoppelweide, bezieht die Gemeinde eine Pachtsumme von 6–700 fl. und überdieß trägt ihr die Pferchnutzung 4–500 fl. ein. Allmanden sind 180 Morgen vorhanden, hievon erhält jeder Bürger pachtweise 11/4 Morgen zur Benützung, was der Gemeinde eine jährliche Rente von 156 fl. sichert.

Was die Viehzucht betrifft, so ist die der Pferde ganz unbedeutend, dagegen die des Rindviehs namhaft und bildet eine besondere Erwerbsquelle der Einwohner. Man hält eine Kreuzung von der Simmenthaler- mit der Landrace und hat zur Nachzucht und Verbesserung des Viehstandes 3 Farren (2 gekreuzte und einen reinen Simmenthaler) aufgestellt. Mit Vieh wird auf benachbarten Märkten ein beträchtlicher Handel getrieben. Viehaustrieb findet nur in unbedeutender Ausdehnung noch statt. Auf der Markung läßt ein fremder Schäfer 5–600 St. Bastardschafe den Sommer über laufen. Schweine werden keine gezogen, dagegen viele jung aufgekauft und mit den aufgemästeten wird ein beträchtlicher Handel getrieben. Ziegen sind etwa 50 im Ort.

Es bestehen Armenstiftungen: von Anna Maria Moser 400 fl., von Freifräulein von Pflummern 130 fl., von Pfarrer Ferdinand Marx 300 fl. und von Agatha Graf 50 fl.

Die alte „Poststraße“, vermuthlich ursprünglich eine römische Anlage, (s. die Ortsb. von Böttingen) lief 1/4 Stunde östlich am Ort vorüber nach Böttingen und weiter an die Donau. Auf dem Kirchberg soll eine Kirche gestanden sein, man stößt daselbst allenthalben auf Bauschutt und Mauerreste, auch kommt nahe dabei der Flurname „Hohemauer“ vor; hier stand ohne Zweifel ein römischer Wohnplatz. Nach der Sage soll früher der Ort größer gewesen sein und jetzt auf der dritten Stelle stehen und zwar zuerst auf dem Kirchberg, alsdann auf der sog. Brandstatt und zuletzt an seinem gegenwärtigen Platze. In den an der Südwestseite des Orts gelegenen Krautgärten hat man schon viele mit Steinplatten umfriedigte Reihengräber aufgefunden, die neben den menschlichen Skeletten Schwerter, sog. Sachse, Speerspitzen, Perlen von Thon und Glas etc. enthielten. Überdieß kommen noch einige Flurnamen vor, die auf ehemalige Befestigungen schließen lassen, wie „Bürgle“ in der Nähe der Anhauser Mühle und „Wasserstall“, 1/4 Stunde südlich vom Ort.

Der Ort, dessen Name wohl auf einen Eigenamen vom Stamme Bob, Bobo zurückzuführen und von dessen Geschicken überhaupt nur wenig bekannt ist, wird zwar in den Quellen der Hohenberger Geschichte nicht genannt, gehörte aber unter der| österreichischen Herrschaft entschieden zur Grafschaft Oberhohenberg, deren Schicksal er theilte. Nach der Hohenberger Erneuerung von 1582 gaben die von Bubsheim schon vermöge alten Urbars kein Ackergeld, waren aber dagegen den Bau oder Dung zu Hohenberg auszuführen schuldig (Schmid Hohenb. 381). Die österreichische Jurisdiktionstabelle vom J. 1804 führt hier alle Rechte als österreichisch auf mit Ausnahme des Patronates, welches das Stift Beuron beziehungsweise Hohenzollern-Sigmaringen von diesem Hause als Mannlehen innehabe. Zur Zeit des ersten großen Städtekrieges (1376–1378) verbrannten die Rottweiler Burg und Dorf Bubsheim (Ruckgaber, Rottweil 2b, 132, besonders aber v. Martens 76).

Den 24. Nov. 1488 stifteten Vogt Richter und ganze Gemeinde des nach Egesheim eingepfarrten Ortes B. (vergl. auch unten Egesheim) auf den St. Jakobsaltar in der hiesigen Kapelle eine ewige Messe, für deren Kaplan sie der Probstei Beuron das Präsentationsrecht vorbehielten, was alles der Constanzer Generalvikar den 29. Nov. d. J. bestätigte. Zwar machte im Anfang des 16. Jahrhunderts gegenüber dem von dem Kloster präsentirten Kaplane ein anderer Priester Anspruch auf die Kaplanei, wobei er sich auf die Verleihung durch Gr. Eitelfriedrich von Zollern als Landvogt der österreichischen Regierung berief, indem letztere von der Gemeinde ihr durch die Gründung der Kaplanei erworbenes Recht übertragen erhalten habe, er wurde jedoch den 30. Juni 1503 durch den Constanzer Generalvikar mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Nach obiger Erneuerung vom J. 1582 bezogen die Kaplanei, genanntes Kloster und Thaddäus Ifflingers von Granegg sel. Kinder den großen, der Egesheimer Pfarrherr den kleinen Zehenten, im J. 1615 aber wurde die Kaplanei zu einer selbständigen Pfarrei erhoben.

Die Heiligenpflege der St. Jakobskapelle erwarb den 19. Juli 1477 ein Drittel des Großzehentens zu Obernheim von Jörg von Werenwag, wie diesen schon Jörgs Vorfahren besessen hatten; diesen Zehenten bezog übrigens der Pfarrer nicht selbst, sondern durch Übereinkunft mit dem Pfarrer zu Obernheim blos ein bestimmtes Maß von Früchten. Ein Versuch des Selbsteinzugs erregte im J. 1731 einen heftigem Streit zwischen den beiden Pfarreien, welcher durch das Reichskammergericht zu Wetzlar zu Gunsten der Bubsheimer entschieden wurde. Den 14. Jan. 1500 erwarb die Pflege auch 5 Mltr. Vesen Vogtrecht aus dem Allenspacher Zehenten (s. ob. S. 266). – Im J. 1768 wollte| Beuron die Pfarrei statt wie bisher mit einem Weltgeistlichen, mit einem Kanoniker besetzen, allein die Gemeinde und Österreich protestirten. Nachdem das Kloster durch die Säkularisation an Hohenzollern-Sigmaringen gefallen war, wurde das Patronatrecht der Pfarrei den 27. Sept./2. Oktbr. 1813 an Württemberg abgetreten, bei der Pfründenausscheidung im Anschluß an die k. Verordnung vom 21. Dez. 1857 jedoch diese Pfründe der bischöflichen Kollatur zugewiesen (Regbl. v. 1858 S. 30).

Zu der Gemeinde gehören die 1/8 Stunde östlich vom Ort am Anhauser Mühlenbach gelegenen Anhauser Mühlen.

Anhausen oder Ahausen, an welchen Ort die Anhauser Mühle noch heutzutage erinnert, erscheint zuerst im J. 1095, indem Mangold von A. den 10. und 15. Jan. d. J. als anwesend bei Schenkungen an das Kl. St. Georgen aufgeführt wird (Mone Zeitschr. 9, 219). Sonst kommt es besonders in Urkunden des Klosters Kirchberg (O.-A. Sulz) vor: den 2. Jan. 1263 eignete Gr. Friedrich von Zollern genanntem Kloster die hiesige Mühle, welche sein Dienstmann Walger von Bisingen (hohenz. A. Hechingen) um seiner und seiner Eltern Seelenheil willen dem Kloster übergeben (Monum. Zolleran. 1, 81); den 12. Juli 1291 schenkten Gr. Albrecht (II.) von H. und seine Gattin Margarethe von Fürstenberg, als sie dem genannten Kloster eine ihrer Töchter anvertrauten, den Weiler A. („oppidum, villa, villula“), mit allen Rechten und Zugehörden, welcher Margarethen vordem zur Morgengabe angewiesen gewesen war, an dasselbe (Schmid Urkb. 98–100); im J. 1293 endlich überließ Ritter Walther der Schenk von Zollern diesem Kloster Wilburg die Ehefrau des Müllers Konrad allhier. – Das „Gut der l. Heiligen St. Peters und Ottilia Patronen, zu Anhausen ob Egesheim daselbst gelegen“ hatte der Egesheimer Vogt Auberlin Denkinger im J. 1521 als Erblehen in seinem Besitze (vergl. unten Egesheim). Den großen Zehenten, abgesehen von einem kleinen Bezirk, in welchem derselbe dem Pfarrer zustand, erkaufte den 4. Juni 1426 das Kloster Beuron um 180 Pfd. Hell. von dem Rottweiler Bürger Hans Engelfried und besaß auch Gülten und Laudemien allhier, der von diesem Kloster herrührende Besitz wurde übrigens den 30. Dez. 1833 von Hohenzollern-Sigmaringen an Württemberg abgetreten. Die Johanniterkommende Rottweil kommt mit Erblehen allhier vor (Lgb. von 1699). Endlich war auch die Klause Egesheim hier begütert (s. unten).



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