Beschreibung des Oberamts Vaihingen/Kapitel B 15

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Ober-Riexingen,
Gemeinde II. Kl. mit 1102 Einw., wor. 1 Kath. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Hohen-Asberg eingepfarrt.

Das Städtchen Ober-Riexingen liegt 26° 41’ 29,55″ östlicher Länge und 48° 55’ 33,78″ nördlicher Breite, ziemlich uneben an einem südlichen, leicht geneigten Abhange gegen die Enz, welche ganz nahe an der südlichen und südöstlichen Seite des Orts vorüberfließt, und beim Austreten nicht selten den unteren Theilen derselben Gefahr droht, jedoch an den Thalgütern weniger Schaden verursacht. Der enge zusammengebaute Ort, welcher noch das Gepräge eines im Mittelalter wohlbefestigten Orts trägt, ist rings um mit einer Mauer und auf drei Seiten mit einem tiefen Graben umgeben, dessen Stelle an der vierten Seite die Enz vertritt. Von zwei Thoren hat sich das obere noch erhalten, das untere wurde im Jahr 1818 abgebrochen. Die meist alten, ziemlich unansehnlichen Gebäude, lagern sich an den schmalen, etwas unregelmäßig angelegten Ortsstraßen, die übrigens reinlich gehalten und durchgängig gekandelt sind. Die der Länge nach von dem oberen bis zu dem unteren Thore führende Hauptstraße wurde im Jahr 1842 verbessert, und durch den Abbruch eines Gebäudes in der Nähe der Kirche und Zurücksetzung der Kirchhofmauer erweitert, was der Gemeinde einen Aufwand von 4000 fl. verursachte.

Die erhöht gelegene Pfarrkirche, zu der nun eine neue steinerne, an der einen Seite mit Kugelakazien besetzte Treppe führt, besteht aus einem neueren, im einfachen Styl erbauten Langhaus, während der schöne massive Thurm, welcher in seinen unteren Theilen viereckig, gegen oben achteckig und mit einem Bohlendach gedeckt ist, noch aus der germanischen Periode stammt. Das untere Stockwerk vertritt die Stelle des Chors, der dreiseitige, mit Strebepfeilern versehene Chorschluß aber ragt über den Leib des Thurms hinaus; an einem der Strebepfeiler steht anno dom. 1439, ohne | Zweifel das Jahr der Erbauung des Thurms und des damit verbundenen Chors. Das Innere der Kirche hat nichts Bemerkenswerthes. Auf dem Thurme hängen drei Glocken, zwei im Jahr 1733 und eine etwa vor 40 Jahren gegossen. Die Unterhaltung der Kirche hat die Stiftungspflege zu besorgen. Der Begräbnißplatz liegt etwas erhöht außerhalb des Orts. Hinter der Kirche steht das etwa 150 Jahr alte, übrigens gut erhaltene Pfarrhaus, das von dem Staat im Bau erhalten wird. Das in der Nähe des Pfarrhauses gelegene Schulhaus ließ die Gemeinde im Jahr 1828 mit einem Aufwand von 5000 fl. erbauen, und in demselben auch die Wohnungen der Lehrer (des Schulmeisters, eines Unterlehrers und eines Lehrgehilfen) einrichten. Neben der Volksschule besteht noch eine Industrieschule. Das im nordöstlichen Theile des Orts stehende Rathhaus, ein schönes, wohlunterhaltenes Gebäude, ist im Jahr 1699 erbaut und im Jahr 1722 von der Gemeinde um 900 fl. angekauft und seiner gegenwärtigen Bestimmung übergeben worden; neben demselben steht die im Jahr 1828 mit dem Kelterrecht von dem Staat um 500 fl. erkaufte Gemeindekelter. Ein Gemeindebackhaus wurde im Jahr 1836 mit einem Aufwand von 600 fl. erbaut; einen weiteren öffentlichen Backofen ließ die Gemeinde im Jahr 1849 in dem schon längst bestehenden Gemeindewaschhaus einrichten. Die frühere herrschaftliche Zehentscheuer erkaufte im Jahr 1852 die Gemeinde um 700 fl.

Im östlichen Theile des Orts sind den 10. September 1846 sieben Gebäude abgebrannt.

Gutes Trinkwasser liefern in hinreichender Menge zwei laufende Brunnen, von denen der vor dem Rathhaus stehende, vierröhrige, von dem Schulmeister Daniel Müchler im Jahr 1789 gestiftet wurde; das Wasser wird nördlich vom Ort gefaßt und zu dem Rathhausbrunnen geleitet, dessen Überreich den einröhrigen, unteren Brunnen speist. Außerhalb des Orts befinden sind mehrere reichhaltige Quellen, wie der Mühlbrunnen, der Reichlesbrunnen, der Dürrmenzbrunnen etc.; periodisch fließende Quellen (Hungerbrunnen) kommen 1/8 Stunde nördlich vom Ort in der Seite, im Bruch etc. vor.

Die Stadtgemeinde zählte im Jahr 1852 615 männl., 586 weibliche, zusammen 1201 Angehörige, wovon 30 im Auslande wohnten. Die Zählung von 1846 ergab 1165 (577 männl., 588 weibl.), wovon 1164 der evangelischen, 1 der katholischen Confession angehörten. Ortsanwesend waren in diesem Jahr 1010 Personen, wovon 373 unter, 637 über 14 Jahre alt waren.

| Die angehörige Bevölkerung vom Jahr 1846 vertheilte sich nach Altersklassen, wie folgt:
männl. weibl.
unter 6 Jahren 98 90
von vollend. 06. bis 14. Jahre 84 101
0n vollnd. 14 00 20     „ 62 69
0n vollnd. 20 00 25     „ 55 59
0n vollnd. 25 00 40     „ 126 128
0n vollnd. 40 00 60     „ 105 98
0n vollnd. 60 00 70     „ 34 32
0n vollnd. 70 00 80     „ 11 9
0n vollnd. 80 00 90     „ 2 2
0n vollnd. 90 00100     „
577 588

1165

Nach dem Familienstand zählte man zu gleicher Zeit:

Verehelichte   355
Wittwer 24
Wittwen 39
Geschiedene 2
Unverehelichte 745
1165

Familien zählte man 1846 242; auf eine Familie kommen hienach 4,81; auf ein Ehepaar 6,5 Angehörige.

In dem Jahrzehend von 1842/52 wurden im Durchschnitt jährlich 53,9 Kinder, und zwar 29,3 Knaben, 24,6 Mädchen hier geboren, worunter sich 7,3 uneheliche Kinder (3,8 Knaben, 3,5 Mädchen) befanden. Hienach kommen auf 1000 Angehörige jährlich 46,3 Geburten (1:21,6), und auf 100 Geburten treffen 13,5 uneheliche, oder 1 auf 7,4.

In demselben Jahrzehend starben im Durchschnitt jährlich 21,0 männliche, 20,8 weibl., zusammen 41,8 Angehörige. Es kommen hienach auf 1000 Einwohner 35,9 Sterbefälle (1 auf 27,8); und zwar auf 1000 männl. Einw. 36,3; auf 1000 weibl. 35,6 Gestorbene.

Auf 1000 Sterbefälle kommen 1289,5 Geburten, und der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung berechnet sich für das Dezennium 1842/52 auf 121 (83 männl., 38 weibl.). Die wirkliche Zunahme auf 41, wobei für die männl. Bevölkerung ein Zuwachs von 48 Seelen, für die weibl. ein Rückgang von 7 Seelen erscheint.

Die im Allgemeinen gesunden Einwohner verbinden mit Fleiß und Sparsamkeit einen kirchlichen Sinn; der früher häufigere Kretinismus | nimmt in neuerer Zeit bedeutend ab, und epidemische Krankheiten kommen nur selten vor. Feldbau, Viehzucht und Weinbau bilden die Hauptnahrungsquellen, obgleich sich auch viele Ortsangehörige durch Taglohnarbeiten ihr Auskommen zu sichern suchen. Die Gewerbe sind untergeordnet und arbeiten, mit Ausnahme einer am Ort stehenden Mühle, mit vier Mahlgängen und einem Gerbgang, einer Sägmühle, die überdieß einen Mahlgang enthält, nur für den örtlichen Bedarf. Im Ort sind drei Schildwirthschaften, ein Kaufmann und ein Krämer vorhanden. Die Flößerei auf der Enz bringt manchen Verkehr und Verdienst, indem die Flößer häufig hier übernachten und sich zu Wagen wieder in ihre Heimath zurückführen lassen. Was die ökonomischen Verhältnisse der Einwohner betrifft, so herrscht der Mittelstand vor, während etwa 30 Personen Unterstützung aus öffentlichen Kassen erhalten. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 80 Morgen, der gewöhnliche 8 Morgen; die Mehrzahl der Parzellen ist 1/2 bis 1 Morgen groß.

Die mittelgroße Markung, in deren südlichem Theile die Stadt liegt, ist, mit Ausnahme der Gehänge gegen das Enz-Thal und einiger Seitenthälchen, ziemlich eben, und hat im Allgemeinen einen fruchtbaren Diluviallehmboden, der in der Richtung gegen Norden leichter, sandiger wird, indem hier die unterlagernde Lettenkohle mehr auf denselben einwirkt; an den Gehängen ist der Boden kalkhaltig, gegen den oberen Rand hin aber nicht selten feinsandig. Die ergiebigsten Felder sind die Quäcker und die Frohnäcker. Das Klima ist mild und schädliche Fröste sind selten; Hagelschlag kam seit dem Jahr 1830 nicht mehr vor.

Die Landwirthschaft steht in gutem Betriebe, indem man mittelst Anwendung verbesserter Ackergeräthschaften, namentlich des allgemein gewordenen Brabanterpflugs, welchen ein Schmied im Ort selbst verfertigt, und durch eine sehr reichliche Düngung dem Boden das Möglichste abzugewinnen sucht. Zum Anbau kommen hauptsächlich Dinkel, Hafer, Gerste und viel Wicken, letztere nicht selten unter Hafer gemengt; in der zu 2/3 angeblümten Brache zieht man außer den gewöhnlichen Brachgewächsen, unter denen die Futterkräuter vorherrschen, Mohn, Sommerreps, Welschkorn, Hanf, und in neuerer Zeit Zuckerrüben; mit Cichorien wurden auf 3–4 Morgen Versuche gemacht, die gut ausfielen. Der durchschnittliche Ertrag wird zu 7–8 Scheffel Dinkel, 6 Scheffel Hafer und 5 Scheffel Gerste per Morgen angegeben. Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 400 fl., die mittleren 200 fl., und die geringsten 60 fl. Getreide kommt in großer Ausdehnung an Bäcker aus Stuttgart | und Ludwigsburg, wie auch an Händler, zum Verkauf. Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, von denen der größte Theil bewässert werden kann, ertragen an gutem, nahrhaftem Futter im Durchschnitt 30 Centner Heu und 15 Centner Öhmd per Morgen; ihre Preise, welche wegen des starken Futterkräuterbaues gesunken sind, bewegen sich von 150–350 fl. Die mit Mostsorten und ziemlich viel Zwetschgen sich beschäftigende Obstzucht ist mittelmäßig, indem das Obst nicht gerne gedeiht; der Ertrag wird im Ort selbst verbraucht. Feines Obst ist selten, dagegen stehen auf der Markung im Ganzen etwa 5000 Kernobstbäume. Auch ist eine Gemeindebaumschule vorhanden. Der Weinbau, dessen Ertrag sich in günstigen Jahren auf etwa 400 Eimer beläuft, wird in der gewöhnlichen Weise des Unterlandes getrieben. Trollinger, rothe und weiße Silvaner, Veltliner, Gutedel und Klevner werden hauptsächlich gebaut und liefern einen angenehmen, übrigens nicht lagerhaften Wein. Der Morgen, welcher mit 100–200 fl. bezahlt wird, erträgt durchschnittlich 4 Eimer, in ganz günstigen Jahren aber 6–7 Eimer; die Preise eines Eimers betrugen im Jahr 1846 48–56 fl., 1847 20–26 fl., 1848 18–25 fl., 1849 12–24 fl., 1850 12–22 fl., 1851 16–20 fl., und 1852 30–36 fl. In günstigen Jahren wird ungefähr die Hälfte des Weinertrags nach Außen verkauft. Die besten Lagen sind Felsenberg und Leinfelden.

Die Rindviehzucht ist in gutem Zustande und erlaubt einen lebhaften Handel mit Vieh auf benachbarten Märkten; man sieht hauptsächlich auf einen tüchtigen Neckarschlag, den man durch drei Farren nachzüchtet. Für die Haltung der Zuchtstiere, von welchen zwei die Gemeinde, den dritten aber der Farrenhalter anschafft, wird dieser mit 125 fl. jährlich und der Nutznießung aus 21/2 Morgen Acker und 11/2 Morgen Wiesen nebst zwei Fuder Stroh entschädigt. Die Zucht der Schweine ist unbedeutend; Bienen werden wenig gehalten. Das Fischrecht in der Enz steht einigen Hofgutsbesitzern zu.

Der Verkehr ist durch Vicinalstraßen nach Enzweihingen, Hochdorf, Klein-Glattbach, Sersheim, Groß-Sachsenheim und Unter-Riexingen hinlänglich gesichert; überdieß beträgt die Entfernung zur nächsten Eisenbahnstation Groß-Sachsenheim nur eine Stunde. Zunächst am Ort führt über die Enz eine auf steinernen Pfeilern ruhende hölzerne Brücke, die im Jahr 1825, an der Stelle der im vorhergehenden Jahre von den Hochfluthen fortgerissenen hölzernen Brücke, neu erbaut wurde.

Der Ort hat das Recht, alljährlich zwei Krämermärkte (den 23. April und den 30. November) abzuhalten, auf denen meist ein lebhafter Verkehr stattfindet.

| Der Gemeindehaushalt ist geordnet und die Gemeindeschadensumlage unbedeutend, indem die Gemeinde neben einem ansehnlichen Kapitalvermögen (s. Tabelle III.) etwa 230 Morgen Waldungen besitzt, die aus gemischten Laubhölzern mit Eichenoberholz bestehen und im 16jährigen Umtriebe bewirthschaftet werden. Der Ertrag des Unterholzes wird an die Einwohner vertheilt, so, daß jeder Bürger jährlich 15–20 Stück Wellen erhält; das Oberholz aber sichert der Gemeinde einen jährlichen Erlös von 300–400 fl. Das Schafweiderecht und die Brach- und Stoppelweide trägt einen Pacht von jährlich 400 fl., woneben die Gemeinde für die Pferchnutzung etwa 500 fl. jährlich einnimmt. Außer diesen Einnahmen bezieht die Gemeindekasse noch etwa 80 fl. jährlichen Pacht aus Gemeindegütern. Unter dem Kapitalvermögen der Stiftungspflege sind 2000 fl. begriffen, deren Zinse zur Unterstützung der Ortsarmen verwendet werden.
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Das Ortswappen ist in die Länge getheilt, im rechten goldenen Felde ein aufrecht stehendes vierzinkiges schwarzes Hirschhorn, im linken schwarzen ein goldenes Ruder.

Auf der Markung befinden sich mehrere Steinbrüche (Muschelkalk und Lettenkohlensandstein), die Eigenthum der Gemeinde sind.

Nördlich vom Ort, auf den sog. Weileräckern, fand man unter der Oberfläche Mauerreste, römische Ziegel etc, die einen hier abgegangenen Wohnplatz andeuten. Etwa 1/4 Stunde südwestlich von Ober-Riexingen stund die Burg Tuseck (Tauseck), wovon der Schloßberg seinen Namen führt und deren Reste im Jahr 1789 vollends abgebrochen wurden, so daß an ihrem Platz jetzt Weinreben grünen.

Der Ort Riexingen (Ober- oder Unter-Riexingen), kommt im Jahr 793 erstmals vor. In diesem Jahr wurde das Kloster Lorsch an der Bergstraße allhier mit zwei Huben und 20 Leibeigenen beschenkt, und erhielt auch ein paar Jahre darauf wiederholt hier Besitzungen. Es vertauschte solche im Jahr 902 (Cod. Lauresh. Nr. 2373. 2367 und eb. Bd. 1, 104). Sehr frühe hatte auch das Elsassische Kloster Weissenburg allhier Güter und Gerechtigkeiten, und besaß auch die Kirche (Trad. Wizenburg. 293. 305). Die früheste Schreibung des Namens ist Rutgisingen, Rotgisinga, Rotgesingon, Ruadgisingen, Ruocgesinga, Ruoggesingen.

Der älteste bekannte Ortsadelige ist Sigeboto von R. (unbestimmt von welchem R.), welcher um 1090 an das Kloster | Reichenbach ein Gut in Göttelfingen und eine Hube in Endingen für ein Gut in Gemmrigheim und ein Gut in Auenstein vertauschte (Trad. Reichenb. 3a, 21b in Württ. Jahrb. 1852 I. S. 107, 123, s. über ihn auch Cod. Hirsaug. 31a). Er war wohlthätig gegen das Kloster Hirschau, dessen Schenkungsbuch uns mit mehreren Gliedern der Familie, welche im 12. Jahrhundert lebten, bekannt macht, mit Heinrich von „Obernrüxingen" und seiner Gemahlin Hiltegart und seinem Sohn Ulrich, ferner mit Walther, Gerlach und Ernst von R. (Cod. Hirsaug. 28b, 31a, 40a, 42b, 43a, 49b). In den 1370r und 1380r Jahren kommt vor Friz von „Rüxingen", genannt Osterbronn und dessen Vetter Heinrich, genannt der Kirchherr (Gabelkhover, Mone Zeitschr. 5, 84. 90); ein Sohn und ein Enkel Friedrichs hießen Sifried Osterbronn. Am Schluß des 15. und im Anfang des 16. Jahrhunderts erscheinen die Gebrüder Sifried und Georg; Sifrieds Söhne waren Wiprecht und Blicker, welche am Ostermontag 1525 bei Weinsberg von den aufrührerischen Bauern ermordet wurden. Georg hatte zu Söhnen Hans († 1553) und Georg II., welcher im Jahr 1533 von K. Ferdinand Klein-Ingersheim verliehen erhielt, und um 1560 der letzte seines Geschlechts verstarb. Außer an den erwähnten Orten erscheint diese Familie zeitweise mit Gütern und Gerechtigkeiten zu Großgartach, Laufen, Metterzimmern, im Besitz der Veste Bromburg etc. Im Jahr 1427 erhielt sie vom Hochstift Worms 1/3 des Kornzehnten in Nordheim zu Lehen nach Absterben des früheren Trägers Konrads von Klingenberg und behielt es bis zum Erlöschen ihres Mannsstamms (Schannat hist. ep. Worm. 1, 276. 289).

An Württemberg gelangte die Lehensoberherrlichkeit über Riexingen mit der Grafschaft Vaihingen; mit Aussterben der Herren von Riexingen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fiel deren hiesiges Lehen heim. Einzelne kleinere Erwerbungen machte diese Herrschaft zu verschiedenen Zeiten, z. B. im Jahr 1318 von Gütern und Zehnten.

In zeitweiligem Besitz einzelner Güter und Gerechtigkeiten kommen vor die Herren von Nippenburg (1377), die Truchsessen von Höfingen (1389), Bernold Schenk von Winterstetten, gesessen in Ober-Riexingen 1391; noch 1547 nennt sich Schenk Philipp von Winterstetten „von Oberriexingen“. (Reichsständ. Archivalurk. 1, 180); auch der Eßlinger Spital (seit 1281). Einen hiesigen Hof vergabte den 8. August 1391 Adelheid von Enzberg mit ihren Kindern Fritz von Urbach und Adelheid unter Bedingungen an das Kloster Rechentzhofen (Mone, Zeitschr. 5, 188).

| In hiesiger Kirche war im 15. Jahrhundert eine Pfarrstelle mit den Caplaneien der Altäre zur heil. Maria, zum heil. Andreas und zur heil. Catharina (Würdtwein Subs. 10, 342).

Das Nominations- und Confirmationsrecht zur hiesigen Pfarrei steht dem Hause Württemberg zu.

Am 3. April 1465 verwendete der Graf Ulrich von Württemberg unter anderem den halben Theil an der Kirche und an den Zehnten dazu, um an dem Kloster Lorch das Dorf Dornstadt auf der Alp einzutauschen.

Gefällberechtigt waren zur Zeit der Ablösungsgesetze von 1848/49 und erhielten in Folge der Vollziehung derselben an Ablösungs-Capitalien die Finanz-Verwaltung für Zehnten 34.033 fl. 18 kr, der Freiherr v. Gaisberg für sonstige Gefälle 937 fl. 54 kr.


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