Beschreibung des Oberamts Vaihingen/Kapitel B 18

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Sersheim,
Gemeinde II. Klasse mit 1149 Einw., wor. 19 Kath. – Evang. Pfarrei. Die Kath. sind auf den Michelsberg eingepfarrt.
An der Spitze eines zwischen der Metter und dem Aischbach hinziehenden Flachrückens liegt in dem weitgedehnten Flachlande, | 11/2 Stunden nordöstlich von der Oberamtsstadt, der mittelgroße, etwas unebene Ort, dessen ziemlich unregelmäßig angelegten, steinbeschlagenen Straßen durchgängig gekandelt und reinlich gehalten sind. Die ländlichen Wohnungen sind, einzelne ausgenommen, nicht besonders groß, übrigens gut aussehend und meist mit steinernen Unterstöcken versehen. Nördlich, ganz nahe am Ort fließt die Metter vorüber, welche nicht selten austritt und den Wiesen, wie auch den in dem Thal gelegenen Häusern gefährlich wird; sie nimmt unterhalb des Dorfs den durch den südlichen Ortstheil fließenden Aischbach auf, der kurz vor seiner Einmündung durch den von dem sog. Hezweg herkommenden Schöllbrunnen einen Zufluß erhält. Im Ort selbst ist Überfluß an gutem Trinkwasser, das zwei laufende und drei Pumpbrunnen spenden; überall, wo man angreift, zeigt sich bald Wasser, das in nassen Jahrgängen in die meisten Keller dringt. Auch außerhalb des Orts, wie im Aischbach- und im Metter-Thal befinden sich viele Quellen; am Fuß des Donnerbergs entspringt der in Stein gefaßte Ölbrunnen, welcher das ganze Jahr hindurch so reichlich fließt, daß er einen Mühlgang zu treiben im Stande wäre. Im Schöllbrunnen-Thälchen liegt ein 3/4 Morgen großer Weiher, und nordwestlich vom Ort befindet sich ein Hungerbrunnen, der öfters zwei bis drei Jahre ausbleibt. Überdieß sind noch zwei kleine Seen 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort vorhanden.

In Folge dieses Wasserreichthums ist die Luft etwas feucht, übrigens nicht ungesund, dagegen schaden kalte Nebel und Frühlingsfröste nicht selten den feineren Gewächsen. Hagelschlag kommt ziemlich häufig vor und hat sich namentlich in den Jahren 1830, 1838, 1841 und 1847 eingestellt; die Ursache mag die eine Wetterscheide bildende Eselsburg sein, an der sich die Gewitter stoßen und dann nicht selten ihre Richtung gegen die Markung nehmen.

Im nördlichen Theile des Orts steht die im Jahr 1753 einfach und schmucklos erbaute Pfarrkirche, an deren Eingang zwei sehr alte, noch von der früheren Kirche herrührende Bilder, eine Sonne und den von zwei Engeln auf dem Teller gehaltenen Johanneskopf vorstellend, eingemauert sind. Der viereckige, monströse, mit einem Zeltdach gedeckte Thurm, ist sehr alt, wurde aber in seinem untersten Stockwerke, das die Stelle des Chors vertritt, verändert und modernisirt; auf demselben hängen zwei Glocken, von denen die größere 1817 umgegossen, die kleinere aber 1514 von Bernhard Lachmann in Eßlingen gegossen wurde. Das düstere Innere der Kirche enthält einige Grabdenkmale aus dem 17. Jahrhundert, und ein altes, gut aus Holz geschnittenes Bild des Gekreuzigten, das | in dem spitzen Triumphbogen hängt. Die Baulast der Kirche hat nach der Pfarrbeschreibung der Staat vom Kirchengut her.

Der um die Kirche gelegene, gegenwärtig noch ummauerte Begräbnißplatz, ist schon im vorigen Jahrhundert aufgegeben, und ein anderer außerhalb (nordwestlich) des Orts angelegt worden.

Zunächst der Kirche steht das gut erhaltene, im Jahr 1827 erbaute Pfarrhaus, dessen Unterhaltung ebenfalls dem Staat obliegt.

Das zu Ende des vorigen Jahrhunderts erbaute Schulhaus befindet sich in gutem Zustande und enthält, außer den Schulgelassen, die Wohnung des an der Schule angestellten Schulmeisters und eines Lehrgehilfen. Eine Industrieschule besteht schon längst.

Das Rathhaus, auf dessen First ein Thürmchen mit Glocke sitzt, wurde noch im vorigen Jahrhundert erbaut und entspricht seiner Bestimmung.

Von den vorhandenen zwei Gemeindebackhäusern wurde eines 1832, das andere 1836 erbaut. Die zwei öffentlichen Waschhäuser bestehen schon länger. Auch hat die Gemeinde die Kelter im Jahr 1828 von dem Staat um 500 fl. erkauft. Das ansehnliche Schafhaus steht am südlichen Ende des Orts. Ein im Dorf befindliches ehemaliges Schlößchen, das im Anfang der 1780er Jahre ein Herr v. Schleppengrell bewohnte (s. unten), ist in Privathände übergegangen.

Die im Allgemeinen körperlich gut beschaffenen Einwohner, bei denen sich eine auffallend geringe Sterblichkeit zeigt, sind fleißig, sparsam und geordnet; ihre Vermögensumstände gehören daher zu den besseren und die Mittelvermöglichen, mit einem Güterbesitz von 10–12 Morgen, herrschen vor. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 50 Morgen.

Die ziemlich große wohl arrondirte Markung besteht, so weit sie für den Acker- und Wiesenbau benützt wird, aus einem welligen Flachlande, welches das nicht tief eingefurchte Metterthal und einige Seitenthälchen desselben durchziehen.

Der Boden besteht im Allgemeinen aus einem fruchtbaren Diluviallehm; im westlichen und südlichen Theil der Markung, wo der untere Keupermergel lagert, wird derselbe schwer und thonig, während die Aluvialablagerungen in den Thalebenen sich für den Wiesenbau vortrefflich eignen, mit Ausnahme des Aischbach-Thälchens und der Sulzwiesen, wo saures Futter erzeugender Moorgrund vorkommt, der schon zu Versuchen auf Torfbau Veranlassung gab. Die ergiebigsten Güter liegen auf dem Haslacher Feld.

Bei der Landwirthschaft, welche gut und umsichtig betrieben wird, bedient man sich nicht nur allgemein des Brabanterpflugs, | sondern auch der Walze; die Düngerstätten sind gut eingerichtet und namentlich mit Gülleneinrichtungen versehen, da zur Besserung des Bodens außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln, neben ziemlich viel Gyps und Compost, hauptsächlich die Gülle angewendet wird. Von den gewöhnlichen Getreidearten baut man vorzugsweise Dinkel und Hafer, welch letzterer vortrefflich gedeiht. Bei einer Aussaat von 6–7 Simri Dinkel, 2 Simri Roggen, 4 Simri Einkorn, 2–21/2 Simri Gerste und 4 Simri Hafer wird ein durchschnittlicher Ertrag von 8 Scheffel Dinkel (einzelne Güter geben 10 bis 11 Scheffel), 21/2 Scheffel Roggen, 5–6 Scheffel Einkorn, 4 Scheffel Gerste und 5–6 Scheffel Hafer per Morgen erzielt. Weizen kommt wenig zum Anbau. In der zu 2/3 angeblümten Brache baut man Kartoffeln, Futterkräuter, von denen namentlich die Esparsette gut gedeiht, viel Angersen, auch Hirsen, und von Handelsgewächsen kommt etwas Reps, ziemlich viel Butterreps, Mohn und die Raukarde zum Anbau; mit Hopfen wurde ein Versuch gemacht, der guten Erfolg hatte. Nach der Ernte wird die Stoppelrübe häufig gepflanzt. Der höchste Preis eines Morgens Acker beträgt 400 fl., der mittlere 250 fl., und der geringste 50 fl. Von den Früchten wird sehr viel Dinkel und Hafer an Händler und Bäcker, welche im Ort selbst aufkaufen, abgesetzt. Die durchgängig zweimähdigen Wiesen, von denen etwa 100 Morgen bewässert werden können, ertragen durchschnittlich per Morgen 25 Centner Heu und 10–12 Centner Öhmd; ihre Preise bewegen sich von 200–400 fl. per Morgen. Von namhafter Ausdehnung ist die Obstzucht, welche in günstigen Jahren einen beträchtlichen Absatz an Obst nach Außen zuläßt; es werden vorzugsweise Luiken-, Schreiner-, Knollenäpfel, und Brat-, Knaus-, Palmisch- und Sauerbirnen gepflegt. Von Steinobst zieht man viele Zwetschgen und nur wenig Kirschen. Die Gemeinde besitzt zwei Baumschulen, aus denen die Jungstämme bezogen werden. Auf etwa 100 Morgen wird Weinbau getrieben, der sich hauptsächlich mit Elblingen, Silvanern, Klevnern etc. beschäftigt und ein ziemlich gutes, nicht besonders lagerhaftes Erzeugniß, einen sog. Schiller liefert. Die Bauweise ist die in der Umgegend übliche, und der Ertrag eines Morgens wird zu 6–8 Eimer angegeben; der Eimer kostete in den Jahren 1846 30–40 fl., 1847 10 fl., 1848 15 fl., 1849, 1850, 1851 und 1852 aber nur 10–11 fl. Die Preise der Weinberge bewegen sich von 160–200 fl. per Morgen. Der Wein wird meist im Ort verbraucht.

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Die Gemeinde besitzt 823 Morgen Laubwaldungen, welche in 24jährigem Umtrieb bewirthschaftet, jährlich etwa 10.000 Stück | Wellen liefern, wovon jeder Bürger 40–70 Stück erhält; das Oberholz wird verkauft und gewährt der Gemeindekasse einen Erlös von jährlich 1400 fl. Eigentliche, der Gemeinde gehörige Weiden, sind 120 Morgen vorhanden, welche nebst der Brach- und Stoppelweide an einen Pachtschäfer um jährlich 360 fl. verliehen sind; neben dem Pacht trägt die Pferchnutzung noch etwa 500 fl. der Gemeinde ein. Der Ortsschäfer hält 375 Stück feine Bastardschafe, während die Ortsbürger 275 Stück frei einschlagen dürfen. Der Abstoß der Schafe geht nach Canstatt und Heilbronn, die Wolle wird auf dem Kirchheimer Markt verkauft. Eigentliche Pferdezucht besteht nicht, jedoch werden ziemlich viel Zugpferde gehalten. Von namhaftem Belang ist die mit einer rothen und falben Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht; dieselbe wird durch vier Farren, welche die Widdum-Gutsbesitzer zu halten haben, nachgezüchtet. Mit Zucht- und Mastvieh wird ein lebhafter Handel auf benachbarten Märkten getrieben. Die Schweinezucht, welche eine besondere Erwerbsquelle der Einwohner bildet, wird in einer Ausdehnung betrieben, die nicht nur einen bedeutenden Verkauf an Ferkeln, sondern auch an gemästeten Schweinen nach Außen zuläßt; die Haltung der Eber liegt ebenfalls den Widdumsbesitzern ob. Ziegen werden nur von Unbemittelten gehalten. Die Bienenzucht wird ziemlich gut betrieben.

Als Gewerbe sind zwei Mühlen, die obere mit zwei Mahlgängen und einem Gerbgang, die untere mit zwei Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Gypsmühle und einer Hanfreibe, drei Schildwirthschaften und eine Brauerei zu nennen; die übrigen Gewerbe dienen nur den nöthigsten örtlichen Bedürfnissen.

Durch Vicinalstraßen nach Horrheim, Nieder-Haslach, Groß-Sachsenheim, Ober-Riexingen und Klein-Glattbach, wie durch die Nähe der Eisenbahn und des nur 1/2 Stunde entfernt gelegenen Bahnhofs Sersheim, ist dem Ort sein Verkehr hinreichend gesichert.

Von Brücken sind zwei steinerne, eine an der Straße nach Horrheim, die andere an der Straße nach Ober-Riexingen, und eine hölzerne in der Nähe des Orts über die Metter vorhanden.

Am Hummelberg befindet sich ein Lettenkohlensandsteinbruch, der übrigens wegen des bedeutenden Abraums wieder aufgegeben wurde; dagegen hat die Gemeinde einen Muschelkalksteinbruch erst in neuerer Zeit von der Gemeinde Groß-Sachsenheim gegen 2 Morgen Wald eingetauscht. Auch ist auf der Markung eine Lehmgrube vorhanden, Töpfererde kommt häufig vor.

Der Gemeindehaushalt hat sich unter der umsichtigen und thätigen Leitung des dermaligen Schultheißen Gärttner auf eine | erfreuliche Weise gehoben, indem nicht nur die namhafte Gemeindeschuld getilgt, sondern auch die Last der sog. Beetfrüchte und eines Schäferei-Übertriebes mit 7100 fl. zum Besten der Bürger, ohne eine Umlage zu machen, abgelöst wurde.

Vergl. übrigens über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt Tabelle III.

An Stiftungen sind vorhanden: 1) etwa 1400 fl. von einer Herzogin Maria Dorothea von Württemberg, und 2) 100 fl. von dem verstorbenen Kronenwirth Sieber von Vaihingen im Jahr 1826 gestiftet; die Zinse dieser Capitalien werden an Unbemittelte in Geld, Brod und Schulbüchern ausgetheilt.

Als Bürgertheile genießen je die älteren Bürger (etwa 92 an der Zahl) von den vorhandenen Gemeindegütern jeder ein Hanfland, eine Wiese und einen Krautgarten unentgeldlich.

Östlich vom Ort, an der unteren Mühle, heißt eine Stelle „die Kapellenäcker“, an dieselben stoßen die St. Johannisgärten und ein gegen Rechentshofen führender Weg trägt den Namen St. Johannispfad; nach der Volkssage soll auf dieser Stelle eine dem heil. Johannes geweihte Kapelle gestanden sein.

Etwa 1/4 Stunde nördlich vom Ort wird eine Flur „Spindelhofen“ und in den Aischbachäckern eine Stelle „Peterskirche“ genannt; ersteres deutet auf einen abgegangenen Wohnort, letzteres auf eine ehemalige Kirche hin.

Eine Römerstraße zieht unter der Benennung „Sträßle“ von Bietigheim über das 1/4 Stunde südlich vom Ort gelegene „Steinmäurach“ nach Klein-Glattbach (s. den allg. Theil).

Der Ort kommt 792 erstmals vor, als das Kloster Lorsch ein Paar Höfe allhier erhielt (Cod. Laur. Nr. 2394). Im betreffenden Urkundenauszug wird er Saraesheim geschrieben, sonst Sarabasheim (eb. Nr. 2365), Sarweshein (J. 1289, Mone Zeitschr. 4, 446), Serweszhein (1374. Mon. Zoller. Nr. 367), Särwißhein (1393. Mone 5, 192), Sarssheim (Cod. Hirsaug. 67b). Konrad von Beutelsbach im Anfang des 12. Jahrhunderts, Bruder Abt Bruno’s von Hirschau, schenkte letzterem Kloster all seinen hiesigen Besitz (Cod. Hirs. a. a. O.). Die oberste Vogtei gehörte den Grafen von Vaihingen und kam mit ihnen an Württemberg. Ortsherren waren die Herren von Sachsenheim.

Anna von Sachsenheim und deren Gemahl Dietrich Landschad von Steinach verkauften im Jahr 1436 ihren Antheil von S. (1/10) mit Zugehör für 210 fl. an die Gemeinde, und ledigten sie von der Treue ihres Eides, erlaubten ihr auch einen Herrn zu wählen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kaufte Simon Schenk | von Winterstetten 1/10 des Orts von den von Sachsenheim, und trat es im Jahr 1478 seinem Bruder Konrad ab. Kleinere Antheile waren um diese Zeit zeitweilig auch in Nippenburgischem und Münchingischem Besitz. Auch die von Liebenstein hatten einen Antheil, welcher in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Händen ihrer Erben Hans Philipp von Helmstadt und Heinrich von Morsheim erscheint.

Ein hiesiges bet- und steuerfreies Schloßgut war im Jahr 1580 in Händen des Maulbronner Vogts, Andreas Schmid, und kam im Jahr 1649 von dessen Erben an Veit Baußbach, vormaligen französischen Commissär, 1678 von den Baußbach’schen Erben an Oberrath Joh. Heinr. v. Gaisberg, von dessen Wittwe 1699 an den Obristwachtmeister Eustachius v. Miltiz und von dessen Wittwe im Jahr 1704 an Obristlieutenant Joh. Günther Krumhaar, Oberamtmann zu Merklingen, 1739 an den Kriegsrath Ketterlinus, 1742 an Geh. Legationsrath v. Goll, 1745 an den Obristlieutenant v. Franken, 1761 an Karl v. Adelsheim, und noch in demselben Jahr an Leopold v. Arnim. Später gelangte es an Eberhard v. Schleppegrell, welcher einen Theil der zum Schlößchen gehörigen Güter nebst der Hälfte des Schlosses und Pertinentien im Jahr 1782 an den Rathsverwandten Seeger verkaufte (vergl. oben).

Württemberg erwarb sich Sersheim auf folgende Weise. Das 1/10 des Orts, das sich nach Obigem im Jahr 1436 selbst losgekauft hatte, unterwarf sich Württemberg freiwillig. Nach dem Aussterben der Herren von Sachsenheim im Jahr 1561 fielen als Lehen und durch Vertrag 5/10 heim, 3/10 kamen an die von Sachsenheimischen Erben, und von ihnen an Württemberg. Herzog Ludwig erwarb im Jahr 1581 von Philipp von Helmstadt und seiner Gemahlin Maria 11/2 Zehntel für 5000 fl., 1582 von Barbara Landschad, Heinrichs von Morsheim Wittwe, 11/2 Zehntel gleichfalls für 5000 fl., im Jahr 1589 ein winterstettisches Zehntel von Anna von Remchingen, geb. von Winterstetten, für 3333 fl.

Am 17. März 1583 wurde S. der Landschaft incorporirt (Landesgrundverfassung 190. Reyscher Sammlung 17a, CVI). In dem Vertrag vom 30. Okt. 1769 überließ der Ritter-Kanton Neckarschwarzwald dem Herzog von Württemberg in einem Theil von S. das Besteuerungsrecht (s. Groß-Sachsenheim).

Was den hiesigen Zehnten betrifft, so belehnte Graf Eberhard von Württemberg den 26. Mai 1382 die von Liebenstein mit einem Drittheil desselben (Scheffer 32). Gleichfalls ein Drittheil eignete dieser Graf den 13. Juni 1384 der Gräfin Anna von Hohenlohe, welche solches am folgenden 27. Juni an die Capelle auf dem | Böselsberg für die neugestiftete Messe übergab (St. A.). Theile sowohl des großen, als auch des Kleinzehnten, erwarb der Spital Markgröningen im Jahr 1454 für 1212 Goldgulden von Dietrich von Bietigheim und dessen Hausfrau Elisabeth von Riexingen, und im Jahr 1457 für 430 fl. von Schwarzfriz von Sachsenheim. Einen weiteren Antheil an dem Zehnten, welchen Graf Eberhard im Bart von Schweicker Sturmfeder erkauft hatte, veräußerte derselbe im Jahr 1482 dem Kloster Rechentshofen (Steinhofer 3, 363), welches schon im Jahr 1458 einen Theil des Großzehnten als Laienzehnten von den hinterlassenen Kindern Bertholds von Sachsenheim um 1100 fl. erkauft hatte (Cleß 2b, 83), und sonst auch mehrere Erwerbungen machte (z. B. 1379 Mone 5, 81). Gerechtigkeiten hier hatte schon vor 1304 der Eßlinger Spital.

Der früheste bekannte hiesige Kirchherr, im Jahr 1287, hieß Heinrich (Mone Zeitschr. 4, 447). In Urk. vom 16. Okt. 1396 wird Agnes, geb. Gräfin von Zollern, Wittwe Schwiggers von Gundelfingen, durch ihren Bruder Graf Friedrich von Zollern-Eselsberg, Schwägerin Mechthildens, geb. Gräfin von Vaihingen, als Lehensfrau dieser Kirche erwähnt (St. A.). Im Jahr 1396 bewidmete die hiesige Gemeinde die Frühmeß in hiesiger Pfarrkirche. Den 3. Juli 1522 bewilligt K. Karl V., daß das Pfarrwidem zu S. zu Erblehen verliehen werden dürfe.

Der Pfarrsatz ist heutzutage königlich.

Gefällberechtigt waren zur Zeit der Ablösungs-Gesetze von 1848/49 und erhielten in Folge der Vollziehung derselben an Ablösungs-Capitalien die Finanz-Verwaltung: für Zehnten 23.379 fl. 46 kr., für sonstige Gefälle 6236 fl. 53 kr.; die Ortspfarrei: für Zehnten 1000 fl., und der Hospital Markgröningen für Gefälle 944 fl. 32 kr.


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