Beschreibung des Oberamts Waiblingen/Kapitel B 21

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21. Gemeinde Leutenbach,
Gemeinde dritter Classe, mit 837 evang. Einwohnern, worunter 1 Katholik.


Das Dorf liegt auf der Winnender Hochebene, zunächst in dem Buchenbachthälchen, 1/2 Stunde nördlich von Winnenden, 21/2 Stunde nordöstlich von Waiblingen, und grenzt gegen Norden an das Oberamt Marbach. Das Clima ist gut und mild, Wetterschlag selten, der Boden allermeist fruchtbar. Auf der Markung sind zwei Steinbrüche, welche leichtere Bausteine liefern. Der Ort gehört zum Forstamt Reichenberg und zum Hofkameralamt Winnenden, welches sämmtliche Zehenten zu beziehen hat, aber nur den Weinzehenten in Natur erhebt. Wegen dieses Rechtes hat es das Faselvieh zu halten. Seit 1818 hat die Gemeinde für | 8237 fl. 2 kr. grundherrliche Rechte, worunter alle Laudemien, der königl. Hofdomainenkammer abgekauft. Außerdem hat die Stiftungspflege Winnenden gegen 40 Sch. Gültfrüchte zu beziehen.

Leutenbach, früher Luitenbach (vom Mannsnamen Luito, Liuto), lagert sich von Osten nach Westen in einer Straße um eine ganz unbedeutende Thalhöhe, ohne von Bergen geschützt zu seyn. Seine Beschaffenheit ist freundlich und macht namentlich von der Ferne einen guten Eindruck. Am Orte fließt der Buchenbach vorbei; auch ist kein Mangel an gutem Trinkwasser. Derselbe ist mit den benachbarten Orten durch gute Straßen verbunden.

Er zählt 125 Haupt- und 97 Neben-Gebäude. Die Kirche ist unansehnlich und von der Stiftungspflege zu erhalten. Sie hat ein kleines Chor und ihr Alter ist daraus abzunehmen, daß die Gemeinde „Luitenbach“ 1493 ein Sammelpatent zur Erbauung einer neuen Capelle der heil. Maria, St. Bernhards und St. Sebastians erhielt. Das Schulhaus hat die Gemeinde erbaut. Ein Rathhaus wurde 1847 neu zu bauen begonnen. Die Mahlmühle am Buchenbache gehört der königl. Hofdomainenkammer, welche dieselbe 1680 aus bürgerlichen Händen erkauft hat. Eine Walkmühle, eine Wergreibe und eine kleine Sägmühle liegen weiter unten an demselben Bache.

Die Einwohner sind den wohlhabenderen des Oberamtes beizuzählen. Ihre Haupterwerbsquellen sind Feldbau und Viehzucht. Die Markung besteht in 382/8 Morgen Gärten, 13113/8 Morgen Acker, 343 Morgen Wiese und 29 Morgen Weinberg. Sie gehört also zu den größeren. Der Ackerbau wird noch in älterer Weise betrieben, die Brache jedoch stark eingebaut. Von Getreide wird hauptsächlich Dinkel, sodann Haber, Wicken, Gerste, Roggen und Weizen gebaut. Der Ertrag ist in den Hauptgegenständen 8–10faltig. Das Feld wird gewöhnlich mit 2 Ochsen bestellt. Zur Erntezeit stellen sich fremde Schnitter ein. Die Früchte werden in Winnenden verkauft. Der Hanf ist von vorzüglicher Güte. Die Wiesen können nur kleinern Theils gewässert werden, sind aber sehr ergiebig. Die meisten Weinberge liegen auf fremder Markung. Der Wein ist nicht unbeliebt. Der Obstbau ist im Zunehmen; die Obstsorten eignen sich zunächst nur zur Mostbereitung. Kirschbäume gibt es nicht. Ein Morgen Acker kostet 100–400 fl., Wiesen 200–500 fl., Weinbergs 200–600 fl. Die Gemeinde besitzt 120 Morgen Laubwald, die rationell behandelt werden. Die Weide ist Winters dem Gemeindeschäfer eingeräumt.

Der Rindviehstand ist bedeutend und die Haltung gut. Es sind mehrere Bürger im Orte, welche sich hiedurch – im allgemeinen Emmenthaler Schlag – auszeichnen. Die Zahl des | Schmalviehs ist bedeutend (S. 61) und die Viehzucht ein besonderer Erwerbszweig, wozu der bedeutende Viehmarkt in Winnenden sehr geeignet ist. Mastung ist den Winter über gewöhnlich. Die Schafe sind Bastarde. Von den Gewerben sind außer den oben angegebenen Wasserwerken nur 2 Holzhändler, 12 Weber, 4 Maurer, 3 Küfer, 13 Schuhmacher und 2 Schreiner, insoferne diese auch für Außen arbeiten, zu erwähnen.

Leutenbach ist Filial von Winnenden. Einer der Helfer hat jedoch in der hiesigen Kirche jährlich sechsmal Predigt und zweimal Communion zu halten. An der Schule steht ein Schulmeister mit einem Lehrgehilfen.

Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; die Stiftungspflege hat 660 fl. Vermögen.

Leutenbach gehörte zum äußeren Gerichte in Winnenden. Die Kellerei Winnenden besaß 1524 zwei halbe Höfe, 12 ganze und 2 halbe Lehen, wovon 2 von der Propstei Backnang herrührten; der Heilige zu Winnenden 2 Höfe und 3 Lehen, die Pfarrei daselbst 2 Lehen und die Caplanei Bürg 1 Lehen. Der hiesige Heilige wird bereits 1535 genannt. Die jetzigen Rechte der Hofdomainenkammer kamen 1665 durch Kauf mit Winnenden an den Staat, der sie 1807 austauschte.

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