Allgemeines Deutsches Kommersbuch:277

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
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[552]           614.     Trinken und Singen.     (IV. 10.)

     Schnell. J. W. Lyra.

     1. Viel Es=sen macht viel brei=ter und hilft zum Him=mel
     kracht die Him=mels=lei=ter, kommt so ein schwe=rer

nicht; es
Wicht. Das Trin=ken ist ge=schei=ter, das

schmeckt schon nach I=dee, da braucht man kei=ne Lei=ter, das
geht gleich in die

das geht gleich in die Höh.
 
     2. Viel Reden ist manierlich: „Wohlauf?“ - Ein wenig flau.
- „Das Wetter ist spazierlich.“ - Was macht die liebe Frau? -
„Ich danke“ - und so weiter, und breiter als ein See - das Singen
ist gescheiter, das geht gleich in die Höh!

     3. Die Fisch und Musikanten, die trinken beide frisch, die Wein,
die andern Wasser - drum hat der dumme Fisch statt Flügel Fleder=
wische und liegt elend im See - doch wir sind keine Fische, das geht
gleich in die Höh!

     4. Ja, Trinken frisch und Singen, das bricht durch alles Weh,
das sind zwei gute Schwingen: gemeine Welt, ade! Du Erd mit deinem
Plunder, ihr Fische samt der See, 's geht alles, alles unter, wir aber
in die Höh!

Eichendorff. Um 1822.


[553]           615.     Gläserklang.

     Singw: Von allen Ländern in der Welt ec.

     1. Von allen Tönen in der Welt ist keiner, der mir baß gefällt
als voller Gläser Klingen, wenn einen Spruch, wie's Herz ihn meint,
entgegenbringt der Freund dem Freund, daß hoch die Pfropfen springen.
 
     2. Auch hör ich gern des Hammers Schlag, der aus den Tonnen
allgemach den Spund weiß auszutreiben. Und wenn der liebe, klare
Wein rinnt plätschernd in die Flaschen ein - der Klang ist zum
Betäuben.

     3. Hoch springt mir gleich das Herz empor, hör ich der Winzer
Jubelchor von einem Berge schallen, verkündend gute Erntezeit, verheißend
Heil und Seligkeit uns treuen Zechern allen.

     4. Wer's also meint, der stoße an, und wer nicht mit mir singen
kann, sein Glas, das wird doch klingen! Und wer den Becherklang
nicht liebt, und wer sich ohne Schmerz betrübt, dem sollen Käuze singen!

Wilhelm Müller.


          616.     Bier, Bier und Wein!.     (I. 52.)

     Mäßig.

     1. Wa=rum sollt im Le=ben ich nach Bier nicht stre=ben, wa=rum
sollt ich denn nicht manchmal fröh=lich sein? Mei=nes Le=bens Kür=
ze al=ler=bes=te Würze sind ja Gersten=säf=te und der Wein.
 
     2. Wenn die Auen grünen und die Bächlein rinnen, wenn die
Felder strotzen alle gerstenvoll, |: wenn auf Hopfenstangen duftge Blüten
prangen, ei, wie wird's mir da ums Herz so wohl! :|

     3. Kann bei herben Zeiten wohl den Wein auch meiden, wenn es
nicht gebricht am edlen Gerstenbier; kann ja alles dulden, scheue keine
Schulden, leide gerne machen Spott dafür!