Allgemeines Deutsches Kommersbuch:71

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
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[140]

     2. Feiern wollen wir die Stunden unsrer frohen Burschenzeit;
denn das Herz wird nur gesunden, wo es sich der Freundschaft weiht!
Offen liegen alle Herzen, wo der Becher traulich blinkt, und verhüllt
entfliehn die Schmerzen, wo uns Lieb und Treue winkt.

     3. Wenn die Feinde uns umringen, reichen wir die mutge Hand,
und des Kerkers Riegel springen vor dem treuen Bruderband. Wo
sich Brüder froh umarmen, flieht der Haß, der blasse Neid; nur die
Freundschaft mag erwarmen in dem Schoß der Fröhlichkeit.

     4. Zwar der Trennung bange Stunde winkt uns oft nur allzu=
früh, reißt uns aus dem schönsten Bunde, der uns manchen Freund
verlieh! doch verscheuchet den Gedanken, jetzt, da ihr noch Burschen
seid! Nie wird unsere Freundschaft wanken, dauert unsre Biederkeit.

     5. Finden wir uns einstens wieder in der Heimat goldnem Land,
preisen unsre Jubellieder noch das — — — — Band, feiern wir das
Angedenken an die flotte Burschenzeit, bis sich unsre Blicke senken in
das Meer der Ewigkeit.



          148.     Festgelage.     (I. 65.)

     Singw.: Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren ec.

     1. Brüder, zu den festlichen Gelagen hat ein guter Gott uns hier
vereint; allen Sorgen laßt uns jetzt entsagen, trinken mit dem Freund,
der’s redlich meint! |: Da, wo Nektar glüht, valleralla! holde Lust ent=
blüht, — valleralla! wie den Blumen, wenn der Frühling scheint. :|

     2. Laßt uns froh die goldne Zeit durchschwärmen, hangen an des
Freundes treuer Brust; an dem Freunde wollen wir uns wärmen, in
dem Weine kühlen unsre Lust! In der Traube Blut, — valleralla! trinkt
man deutschen Mut, — valleralla! wird der Mann sich hoher Kraft
bewußt.

     3. Nippet nicht, wenn Bacchus Quelle fließet, ängstlich an des
vollen Bechers Rand; wer das Leben tropfenweis genießet, hat des
Lebens Deutung nicht erkannt. Nehmt ihn frisch zum Mund, valle=
ralla! leert ihn bis zum Grund, valleralla! den ein Gott vom Himmel
uns gesandt!

     4. Auf des Geistes lichtgewohnten Schwingen stürzt der Jüngling
mutig in die Welt; wackre Freunde will er sich erringen, die er fest
und immer fester hält. Bleibt die Meinen all bis zum Welteinfall,
treu dem Freund auf ewig zugesellt!

     5. Lasset nicht die Jugendkraft verrauchen, in dem Becher winkt
der goldne Stern! Honig laßt uns von den Lippen saugen, Lieben ist
des Lebens süßer Kern! — Ist die Kraft versaust, ist der Wein ver=
braust, folgen, alter Charon, wir dir gern!

Aus den „Breslauer Burschenliedern“ von 1821.



[141]           149.     Zum Stiftungsfest.

     Singw.: Sind wir vereint zur guten Stunde ec.

     1. Das ist für uns ein Tag der Freude, an dem dereinst der
feste Grund errichtet ward zu dem Gebäude, daraus emporwuchs unser
Bund. Drum laßt die Lieder voll ertönen und ruft es trotz der Feinde
Neid: Ein ewig Blühn dem Reich des Schönen, dem unser Streben
wir geweiht!

     2. Wenn vor des Lebens Sturmgewalten das Ideal kein Obdach
fand: wir haben treu dran festgehalten, und nimmer uns der Mut ent=
schwand. Wir schirmten stets, so eng verbündet, des Lebens höchstes,
schönstes Gut: das Feuer, das in uns entzündet, giebt uns den rechten
Lebensmut.

     3. Und wie wir hier in schönem Bunde noch festvereint zusammen=
stehn, wer weiß, wie bald schon naht die Stunde, da wir uns nimmer
wiedersehn. Doch folgt uns eins, das ist die Treue, wohl übers ganze
Erdenrund; stoßt an und ruft es stets aufs neue: Ein ewig Blühen
unserm Bund!

Rich. v. Wilpert.



          150.     Ingenieurlied.

     Singw.: Krambambuli, das ist der Titel ec.

     1. Dem Ingenieur ist nichts zu schwere, er lacht und spricht:
„Wenn dieses nicht, so geht doch das!“ Er überbrückt die Flüsse und
die Meere, die Berge unverfroren zu durchbohren ist ihm Spaß. Er
türmt die Bögen in die Luft, er wühlt als Maulwurf in der Gruft,
kein Hindernis ist ihm zu groß, er geht drauf los!

     2. Den Riesen macht er sich zum Knechte, des wilder Mut, durch
Feuersglut aus Wasserflut befreit, zum Segen wird dem menschlichen
Geschlechte — und ruhlos schafft mit Riesenkraft am Werk der neuen
Zeit. Er fängt den Blitz und schickt ihn fort mit schnellem Wort von
Ort zu Ort, von Pol zu Pol im Augenblick am Eisenstrick!

     3. Was heut sich regt mit hunderttausend Rädern, in Lüften
schwebt, in Grüften gräbt und stampft und dampft und glüht, was
sich bewegt mit Riemen und mit Federn, und Lasten hebt, ohn Rasten
webt und locht und pocht und sprüht, was durch die Länder donnernd
saust und durch die fernen Meere braust, das alles schafft und noch
viel mehr der Ingenieur!

     4. Die Ingenieure sollen leben! In ihnen kreist der wahre Geist
der allerneusten Zeit! Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben, dem
Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht! Der Arbeit Segen
fort und fort ihn breitet aus von Ort zu Ort, von Land zu Land, von
Meer zu Meer — der Ingenieur.

Heinrich Seidel. 1871.