Brief an Kurt Schwitters 15. September 1925 (Van Doesburg)

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Textdaten
Autor: Theo van Doesburg
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Titel: Brief an Kurt Schwitters
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aus: K. Schippers: Holland Dada. Amsterdam: Querido 1974, S. 153–155
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Entstehungsdatum: 15. September 1925
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[153] [Typoscript]

Clamart, 15. IX. 25


Lieber Kurt und liebe Helma, Deine Briefe und Karten habe ich dankend erhalten. Ich werde Dir genau Punkt für Punkt antworten. Es ist nicht meine Schuld, dass die Stylvertretung für Deutschland ganz in Unordnung geraten ist. Schuld daran hat nur Wasmuth auf den ich mich verlassen habe. Er selbst hat schon vor Jahren um die Vertretung gebeten und ich habe mich nicht mehr darum gekümmert in dem Glauben, dass er die Sache ordnungsgemäss durchführt. Vor ungefähr einer Woche habe ich ihm wieder eine Karte geschickt mit der Bitte alle bei ihm befindlichen Hefte Dir zu schicken.


Was nun die Prozente für Dich betrifft, so muss ich Dich darauf aufmerksam machen, dass wir bei meinem letzten Aufenthalt bei Dir in Hannover übereinkamen, dass Du 10% für das Einziehen der Gelder bekommst. Was nun die Prozente für neue Abonnenten betrifft, so ist das Höchste, was ich zahlen kann 33%. In Holland bekomme ich für ein Abonnement von 6 Gulden, 4.8 von der Buchhandlung, das macht also nur 20% Rabatt. Also das Höchst, was ich machen kann ist folgendes:

a) fürden Versand und Einziehen der Abonnementgelder… 10%

b) Versandspesen auf meine Kosten, ebenso Briefporto für Styl betreffende Korrespondenz

c) Für neue Abonnenten… 33% im Ganzen, d.h. inklusive Einziehen der Abonnomentgelder

d) Abrechnung dreimonatlich

e) Das Material wird durch mich geliefert. Als Material gilt eine der Abonnentenzahl entsprechende [154] Anzahl der Stylhefte, dito für die Kreuzbänder zum Versand und Zahlungsquittungen


Was nun die Lieferung neuer Abonnenten durch die Buchhandlung an Dich anbelangt, wird es am besten sein folgende Verteilung zu treffen: 20% für die Buchhandlung und 13% für Dich, da Styl unmöglich mehr als 33% im Ganzen zahlen kann. Unter oben erwähnten Bedingungen hat auch Wasmuth die Vertretung übernommen und ebenso gerne sind dazu bereit die jüngeren Buchhandlungen wie Günther und Twardy in Berlin. Ich habe gestaunt über Deine Forderungen umso mehr, da Du doch weisst wie schwer es ist eine moderne Zeitschrift auf den Beinen zu halten. Du verlangst nämlich 65% im ganzen, wenn es sich um neue Abonnenten handelt. Ich selbst werde dann für ein Abonnement nur 35% bekommen, was weniger ist als die Herstellungskosten. Unter solchen Bedingungen ist an eine Vertretung durch Dich überhaupt nicht zu denken.


Was nun die Sache mit Wasmuth anbelangt muss ich Dich darauf aufmerksam machen, dass er ab Heft 12, Anthologie bis Heft 6/7 eine den Abonnenten entsprechende Anzahl Hefte gehabt hat. Ich selbst habe bei meinem letzten Besuch ein ganzes Paket von Heft 5 bei ihm liegen gesehen. Die durch Hanna Hoech geholten Hefte sind nur Propagandamaterial gewesen. Trotzdem, dass er alle Hefte bis 8 gehabt hat kommen ständig von deutschen Abonnenten Reklamationen, dass sie nach Heft 3/4 nichts mehr bekommen haben. Selbstverständlich habe ich nach Heft 7 aufgehört ihm Hefte zu schicken.

Dass Mies van der Rohe gezahlt hat stimmt, aber ich glaube nur bis Heft 12 1923. Weiter haben auch Kielmansegg, Dr. Langer an mich bezahlt. Von F.Basmann kann ich mich nicht erinnern.


Die vier neuen Abonnenten, welche Wasmuth geworben hat, werde ich auf seinen Namen notieren.


Ich bin absolut im unklaren, welche Hefte die Leute bekommen und welche sie nicht bekommen haben. Ich werde Dir in einigen Tagen eine Liste schicken von jenen Heften der alten Jahrgänge, welche noch lieferbar sind. Ausser einigen Nummern von 2, 3, 4, welche bei Hanna Hoech sind, sind vom laufenden Jahrgang keine Hefte mehr lieferbar. Wir sind also gezwungen neue Abonnenten nur ab 1. Heft der 12. Serie (Nummer 6/7) zu beliefern. Entweder die Abonnenten zahlen ein halbes Jahr bis Nummer 12 oder sie zahlen für Serie 12 und Serie 13 bis auf Nummer 6 des nächsten Jahrganges.


Ausser den vier Heften für Wasmuth und der entsprechenden Anzahl für die Abonnenten kann ich Dir noch 10 Hefte von jeder neuen Nummer zusenden. Von Heft 8, das schon längst erschienen ist schicke ich Dir für Wasmuth auch vier Hefte zu.


Ich habe nur durch Wasmuth die Abonnenten beliefert, und damit nach Heft 6/7 aufgehört. Ich selbst habe nur neue Abonnenten wie Bielefeld, Sturm, Günther und Twardy (für Detailverkauf) beliefert. Von diesen hat nur Günther 5 Goldmark bezahlt. Weiter habe ich alle Hefte der letzten Serie an Frau Dr. Käthe Steinitz, an Dr. Dorner und an das Bauhaus in Waimar geschickt. Als ich in Deutschland war habe ich Dr. Dorner Nummer 5 und 6/7 persönlich gegeben. Von Paris aus hat er alle übrige Hefte bekommen, wofür er sich selbst in einem Briefe für die Uebersendung bedankt hat.


Nach erfolgter dreimonatlicher Abrechnung bitte ich um Ueberweisung der Abrechnungssumme.


Falls wir uns über die Bedingungen geeinigt haben werde ich Dir von Heft 8 und den neu erscheinenden Heften je 65 schicken.


Sende mir auch bitte sofort 3 Hefte Nummer 3/4 welche Du von Wasmuth zurückbekommen hast.


Sende mir eine genaue Liste wieviel Exemplare Du von jeder Nummer der letzten Serie brauchst, damit ich endlich einmal einen genauen Ueberblick habe.


Was die Doesburgmonografie im Apossverlag betrifft, so wäre es für mich wichtig zu wissen, ob es in absehbarer Zeit erscheinen kann, weil ein anderer Verleger mich um eine ähnliche Broschüre gebeten hat. Das Klischeematerial brauche ich vorläufig nicht. Wenn ich Dir das Klischee von Müllers Drahtfühlung noch nicht zurückgeschickt habe, so wird es sich noch in Berlin in meiner Kiste befinden.

[155] Hoffentlich höre ich bald von Dir. Sei herzlichst umarmt von Nelly und mir.