Chinesische Uhren

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Autor: N. N.
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Titel: Chinesische Uhren
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 364
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[364] Chinesische Uhren. Der berühmte französische Thibet- und China-Reisende, Le Huc, erzählt folgende Art und Weise, wie die gemeinen Chinesen nach der Uhr sehen: „Eines Tages, als wir unsere zum Christenthum bekehrte chinesische Gemeinde besuchen wollten, begegneten wir unterwegs einem Jungen, der einen Ochsen hütete. Wir fragten ihn im Vorbeigehen, ob es schon 12 Uhr sei. Der Junge guckte nach der Sonne, aber sie steckte hinter dicken Wolken, so daß er diese Uhr nicht zu Rathe ziehen konnte.

„Der Himmel ist so voll Wolken,“ sagte er, „aber wartet einen Augenblick.“ So lief er in den benachbarten Bauernhof hinein und kam in einer Minute mit einer Katze auf dem Arme zurück. „Seht,“ sagte er, „’s ist noch nicht 12 Uhr.“ Dabei zeigte er uns die Augen der Katze, indem er deren Lider aufwärts schob. Wir sahen den Jungen erstaunt an, aber er war augenscheinlich im vollen Ernst, und die Katze, obgleich ihr die Operation unangenehm schien, war doch offenbar daran gewöhnt und benahm sich sehr verständig, als wäre es ihr eigentliches Geschäft, Uhr zu sein. Wir sagten: „Sehr gut, mein Junge, besten Dank,“ und lachten, da wir uns schämten, uns von dem Jungen belehren zu lassen. Als wir aber unsere Freunde fanden, war es unser Erstes, nach dem Sinne dieser Operation mit der Katze zu fragen. Sie wunderten sich sehr über unsere Unwissenheit und sammelten bald ein paar Dutzend Katzen aus der ganzen Nachbarschaft, um uns zu zeigen, daß die Uhren in deren Augen alle richtig gingen. Die Pupillen der Katzenaugen wurden bis Mittags 12 Uhr immer kleiner, und erreichen dann ihre engste Zusammenziehung in Form einer feinen Linie, wie ein Haar, perpendiculär über das Auge gezogen. Dann dehnt sie sich allmälig wieder aus, bis sie Nachts 12 Uhr die Form einer ziemlich großen Kugel erreichen. Man versicherte uns, daß jedes Kind bald eine große Fertigkeit und Genauigkeit in Angabe der Zeit aus den Katzenaugen erreiche. Wir selbst überzeugten uns sofort, daß die Uhren sehr richtig gingen und genau übereinstimmten. Wir wollen hoffen, daß wir mit Enthüllung dieser chinesischen Art, Chronometer und Uhren zu ersetzen, die edle Kunst unserer Herren Uhrmacher nicht beeinträchtigen. Minutenzeiger fehlen doch immer noch in den Pupillen von Hinz dem Kater und Suse der Katerine.