Christliche Symbolik/Hexensabbath

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Hexensabbath.

Wenn auch der Hexensabbath ursprünglich aus einem unschuldigen heidnischen Frühlingsfest hervorgegangen seyn mag, so ist er doch ohne allen Zweifel im christlichen Volksglauben zu einer Jubelfeier der Hölle und zu einer absichtlichen Antithese gegen das Christenthum ausgebildet worden. Man bemerkt, dass dem Teufel auf dem Bloxberg alle die Ehre und Anbetung zu Theil wird, die anderwärts Christo gebührt, dass seine Selbstverbrennung eine Nachahmung des Opfertodes Jesu seyn soll, und dass auch eine Menge anderer Ceremonien des Hexensabbaths nur eine Parodie des christlichen Cultus sind. Dem Teufel wird auf dem Bloxberg eine förmliche Afterkirche gegründet.

Die Selbstverbrennung des Bockes und die Vertheilung der Asche, so wie der silbernen Laus entspricht dem Abendmahl. Statt des Bockes erscheint nach Bodinus I. 1. zuweilen ein schwarzer Mann von dreissig Jahren, welcher angebetet wird. Das ist, um den Heiland von gleichem Alter zu verhöhnen. Dem Teufel wird eine förmliche Messe celebrirt, [393] Calmeil, Wahnsinn, von Leubuscher S. 148. Während dieser Messe streckt man die Zunge aus, entblösst sich unanständig, geht rückwärts zum Altar und macht Alles verkehrt und zum Hohne. Görres, Mystik IV. 2. 293. Eine schwarze Hostie wird erhoben, wie in der katholischen Kirche die weisse. Daselbst IV. 2. 284. Dem Abendmahl geht auch eine Beichte vorher. Wie der Christ das Böse, was er gethan und gedacht, reuig beichtet, so beichten die Hexen dem Teufel dasselbe, aber nicht reuig, sondern mit Stolz, zu ihrem und des Teufels Ruhm, und er feuert sie dabei zu neuen Uebelthaten an und straft die Trägen, die nicht genug Schaden gestiftet. Jedermann kennt die Unterredung der Hexen in Shakespeare’s Macbeth, wo sie einander selbst erzählen, was sie alles Böses gethan haben. Görres a. a. O. Delrio p. 173. Bodinus II. 4. – Als Weihwasser dient der Urin des Bockes, mit dem alle Hexen besprengt werden, de Lancre S. 457. – Auch eine Hexentaufe wird vorgenommen: jede Hexe bekommt auf dem ersten Sabbath, dem sie anwohnt, einen neuen Namen; zum Taufwasser dient schmutziges Wasser aus Pfützen und Wagengeleisen (Pferdehufspuren?). Prätorius, Bloxberg S. 406. Das Aergste, was in dieser Art ersonnen worden, ist die Verhöhnung der Messe auf einem Höllenbilde von Callot. „Auf einem Absatz des Felsens über der Höhle des Eremiten hat sich eine sonderbare Gemeinde versammelt. Eine nackte vogelartige Gestalt mit dickem Bauch, langem Hals und einem nicht menschlichen und doch menschlichen Gesicht liest aus einem Messbuche vor. Man kann sich nichts Heuchlerischeres vorstellen. Um diesen Pfaffen herum sind allerhand Teufel, keiner dem andern gleich und doch alle in einem widrigen Zuge der gemeinsten Sinnlichkeit und Heuchelei sich ähnlich. Einer faltet die Hände. Einer, auf eines Reiseesels Rücken kniend, scheint Ablass zu verkünden. Einige spielen auf ihren langgezogenen Nasen Clarinette; andere haben an Stelle des Gesichts einen After, auf welchem sie trommeln. Ganz zur Linken des Bildes, von uns aus, erblicken wir einen Felsen, der sich mit mehreren Einschnitten [394] hoch hinaufwölbt. Auf einem Vorsprung steht hier ein ganz und gar verschrobenes, kriegerisch angethanes Wesen, das nach Oben blickt, von wo ihm ein Ungethüm Koth in den schmunzelnd geöffneten Schlund fallen lässt. Es fühlt sich durch solche Herablassung und Mittheilung beseligt. Ganz im Vordergrunde steht ein vierfüssiges, ganz aus Panzerstücken und Armaturen zusammengesetztes, längliches Thier, aus dessen aufgesperrtem Rachen so eben Lanzen, Gewehre, Pfeile, Kugeln aller Art entstürzen, weil ein leichtsinniger Bursche mit einer Lunte den Hintern angezündet hat. Voran rennt ein obscuranter Krebs mit einer qualmenden Laterne.“

Abgesehen von diesen teuflischen Nachäffungen des christlichen Cultus wird dieser letztere auch direkt entweiht. Die Hexen stehlen echte Hostien aus Kirchen, um sie auf dem Hexensabbath zu verbrennen. Einem Hexenmeister, der eine solche verbrennen wollte, schlug sie ein Blitz aus der Hand. Görres a. a. O. 291. Zu scheusslichster Verhöhnung dient eine grosse Hostie, daselbst 290.

Kein Hexensabbath ohne eine gemeinschaftliche Mahlzeit der Hexen und Zauberer am Tisch des Teufels.

Bemerkenswerth dabei ist 1. die überall im Hexenwesen vorkommende Umkehr des Guten in’s Schlechte. Nach de Lancre S. 194. assen die Hexen in Frankreich nichts als die ekelhaftesten Speisen, die für sie aber Delikatessen waren, das Fleisch von ausgegrabenen Leichen oder Gehenkten, das Aas von Thieren, Kröten etc. Nach Pater Abraham, Judas der Erzschelm II. 171, trinken sie den Urin des Bockes als den köstlichsten Wein. Nach Görres, Mystik IV. 2. 216, war Menschenfleisch von Leichen zu fressen, der Gipfel des Genusses für die Hexen. De Lancre p. 402. macht eine schaudererregende Beschreibung von diesen cannibalischen Mahlzeiten der französischen Hexen. Da bringen Eltern ihre eignen Kinder zum Sabbath, um sie am Spiesse zu braten und zu fressen. – 2. Die Hexenmahlzeit ist nur Schein. Wenn die Hexen heimkehren, haben sie nichts gegessen und hungern. Görres, Mystik IV. 2. 215. – 3. Das Brodt ist von [395] schwarzem Hirse gebacken. De Lancre S. 194. – 4. Salz darf nicht auf den Tisch kommen. Wenn man nur den Namen des Salzes nennt, verschwindet der ganze Spuk. Vgl. Salz.

Am Schlusse jedes Hexensabbaths ruft der Teufel mit Donnerstimme: „Rächt euch, oder ihr müsst sterben!“ Gödelmann, vom Zaubern S. 196. Das ist die Rache, die Lucifer in ohnmächtiger Wuth zu nehmen lechzt, oder die Rache der von ihren Altären gestürzten Heidengötter.

Das aufgeklärte Zeitalter hat von den Hexenprozessen nichts zu sagen gewusst, ausser dass sie aus einem dummen Wahne hervorgegangen seyen, und dass Kirche und weltliche Justiz an den armen unschuldigen alten Weibern unerhörte Grausamkeit geübt haben. Aber man hätte daran denken sollen, dass, wenn es sich auch lediglich um einen Wahn handeln sollte, das Aufkommen desselben in solcher Macht und weiten Ausdehnung mit den grossen Zerrüttungen der Kirche kurz vor, während und nach den Reformationsstürmen im wesentlichen Zusammenhange stand. Das Losreissen der Geister vom Glauben, und noch mehr von der Liebe, musste solche Erscheinungen hervorbringen. Die Zeit der Gottesminne, der frommen Einfalt, jenes alten Kirchenfriedens, den die Kunst des Mittelalters in allen uns hinterlassenen Werken abspiegelt, war vorüber. Weltliche Ueppigkeit war in’s Innerste der Hierarchie eingedrungen, Laster hatten selbst den Stuhl St. Petri besudelt; das Heidenthum war aus dem Grabe erstanden, und mit seinen alten, verführerischen Symbolen geschmückt, hielt die uralte Sünde der Welt einen bachantischen Triumphzug durch die Höfe und Universitäten. Mit alten heidnischen Zauberkünsten, dem Stein der Weisen, der Nekromantie, Alchymie, Magie aller Art, rief man die Naturkräfte zum Kampf gegen die heilige Kirche. Auch die Kritik der sogenannten Vernunft und der freie Wille emancipirten sich von der Autorität der Kirche in colossaler Frechheit. Der Bau der Kirche war bis in seine Grundfesten erschüttert und die bisher unter ihn gebannten [396] Dämonen wurden auf eine Zeit lang frei. Je absichtlicher man sich von Gott abwandte, um so begieriger suchte man den Teufel auf. Nicht blos jene alten Weiber, auch vornehme Leute, Gelehrte, selbst Fürsten beschworen die böse Macht, dass sie ihnen Gold verschaffe und zeitliches Glück, Ruhm und Sieg, oder dass sie ihre Gegner verderbe. Spieler, Freischützen, Schatzgräber, Goldmacher, Gespenster- und Teufelsbeschwörer trachteten mit Hülfe der Hölle mühelos zu erwerben, wozu sie sonst Anstrengung gebraucht hätten. Es war ein von Faulheit und Feigheit gepflogener Teufelscultus, aus dem viel grössere und zahlreichere Verbrechen hervorgingen, als in den Hexenprozessen irgend den alten Weibern aufgebürdet werden konnten. Die Hexenprozesse lüfteten die Decke nur von einem Theil der im 16ten und 17ten Jahrhundert im Schwange gehenden Teufelei.