Christliche Symbolik/Oel

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Oel,

der reinste Lichtstoff, aus der unschuldigen Pflanzenwelt entnommen, daher von jeher geheiligt. Zugleich heilkräftig, den Schmerz der Wunden lindernd, bedeutet das Oel in der christlichen Symbolik zunächst die Gnade Gottes. Jedoch scheint dem häufigen Gebrauch des Oels im christlichen Cultus vornämlich auch die alte Erinnerung an die Ringer, die sich vor dem Kampfe mit Oel salbten, zum Grunde zu liegen. Man gebraucht das Oel zur Salbung bei der Taufe und Firmelung, bei Sterbenden (die letzte Oelung), bei Priesterweihen [167] und bei der Krönung der Könige (die Salbung). Damit verbindet sich wohl der doppelte Sinn theils einer Uebertragung göttlicher Milde auf den Gesalbten, theils einer Stärkung zu schwerem Ringen und Kämpfen. Vgl. Rippel, Alterthumb der Cäremonien S. 145. Das biblische Bild vom unerschöpflichen Oelkrug der armen Wittwe (2. Kön. 4, 2.) bezeichnet die Fülle der Gnade. In der griechischen Kirche hat das Oel als Gnadenmittel die grösste Bedeutung. Am Palmsonntag wird das Oel für das ganze Reich in einem grossen Kessel vom Patriarchen selbst oder dessen Stellvertreter gesotten, von Diaconen mit Cypressenzweigen (Anspielung auf den Tod Christi, da die Cypresse den Tod bedeutet) umgerührt und mit einer grossen Perlmutterschale (in welcher das erste heilige Oel aus Constantinopel gebracht worden war) ausgeschöpft und in die Krüge gefüllt, in denen es in’s ganze Reich verschickt wird. Hier sieht man, welcher Werth auf eine im geweihten Oele sich fortpflanzende Segenskraft gelegt wird.

Dieselbe Idee wird auch in der katholischen Kirche durch die ewigen Lampen ausgedrückt, die, vor dem Allerheiligsten brennend, nie erlöschen dürfen, und immerwährend mit Oel gefüllt werden. Damit verbindet sich aber eine noch tiefere Idee, nämlich die des Lichts, das aus dem Oele, der Weisheit, die aus der Liebe fliesst. Schon im Propheten Zacharias 4, 3. findet sich ein schönes Bild der in der ewigen Liebe gebornen Weisheit: ein Leuchter zwischen zwei Oelbäumen. Vgl. Offenb. Joh. 11, 4, wo die zwei Zeugen Oelbäumen verglichen werden. Auch die Thür zum Allerheiligsten des salomonischen Tempels war von Oelbaumholz. Vgl. Kugler, Kunstgeschichte S. 80. Insbesondere aber wird die Gnadenmutter mit einem Oelbaume verglichen, der Oel in Fülle hat für alle Wunden der Menschen. Conrad von Megenberg, Buch der Natur 1482, Fol. 157.

Wenn im Chrysam Oel und Balsam die vereinigten beiden Naturen Christi bezeichnen (Rippel a. a. O. 462.), so [168] ist unter dem Oele die menschliche Natur verstanden, als der reinste irdische Stoff.

Sofern die göttliche Gnade sich nach der Sündfluth in der Befriedigung der Elemente bewährte und Gott mit Noah einen neuen Bund des Friedens einging, dessen Zeichen der Regenbogen wurde, bedeutet auch der Oelzweig, den die Taube Noä in die Arche zurückbrachte, zunächst den Frieden, was der älteren heidnischen Symbolik entspricht; denn auch bei den Römern war ein Oelzweig Friedenszeichen. Das hing auch mit der Erfahrung zusammen, nach welcher Oel, auf wildbewegtes Wasser gegossen, dasselbe alsbald stillt und ausgleicht. Als Friedenssinnbild muss auch der Oelbaum auf altchristlichen Kindergräbern betrachtet werden. Vgl. Bellermann, Katakomben von Neapel S. 31. Mit Bezug auf Psalm 128, 3, wo Kinder um den Tisch her mit Oelzweigen verglichen werden.

St. Nonnosus, Probst zu Monte di S. Silvestro in Toscana, bewirkte einmal nach einer schlechten Oelerndte blos durch sein Gebet, dass sich alle leeren Oelgefässe des Klosters mit köstlichem Oel füllten. 2. September. Oel triefte von den Fingern der heiligen Luitgardis. Von den Reliquien und Gräbern sehr vieler Heiligen floss heilsames Oel. Vgl. Görres, Mystik II. 47. Nieremberg, hist. nat. 419. 423 f. St. Pantaleon wurde als Martyrer an einen Oelbaum gebunden, der sich mit Früchten anfüllte. – St. Narcissus, Bischof von Jerusalem im 3ten Jahrhundert, bewirkte einst, als beim grossen Osterfest das Oel zu den Lampen fehlte, durch blosses Gebet, dass Wasser statt des Oeles brannte. Drei Bösewichte, die ihn verleumdeten, und von denen einer sagte, wenn es nicht wahr sey, solle ihn Feuer verzehren, der andere, wolle er an einer scheusslichen Krankheit sterben, und der dritte, wolle er blind werden, wurden durch Erfüllung dessen, was sie gesagt, bestraft, indem einer verbrannte, der andere erkrankte, der dritte blind wurde. 29. October. Eusebius, Kirchengesch. VI. 9.

Unter den Heiligen, zu deren Attributen hauptsächlich [169] das Oel gehört, ist der berühmteste St. Remigius, Erzbischof von Rheims, das Haupt der fränkischen Kirche unter König Chlodwig, nachdem derselbe Gallien erobert hatte. Was die Legende von ihm meldet, ist Ausdruck 1) der weltgeschichtlichen Bedeutung der Frankenbekehrung; die für den Norden Europa’s eben so wichtig war, wie Constantins Bekehrung für den Süden. Als bei der Taufe Chlodwigs das heilige Oel fehlte, brachte eine weisse Taube ein Oelfläschchen vom Himmel, worin das Oel nie versiegte, daher alle späteren Könige von Frankreich damit gesalbt wurden. Man findet es abgebildet im Journal des Luxus und der Moden 1793 Dezember, S. 663. Es wurde erst in der Revolution durch das Conventsmitglied Roul auf öffentlichem Platze zu Rheims zerbrochen. Lamartine, Geschichte der Gironde LII. 21. Das berühmte Oelkrüglein bezeichnet die unmittelbare göttliche Weihe der christlichen Frankenkönige, den himmlischen Ursprung ihrer Begnadigung (die Legitimität der Könige von Gottes Gnaden). Die Legende bezeichnet 2) den Stolz des Kirchenmannes, der sich wohl bewusst war, welchen Dienst er dem Königthum leistete. Er soll zu Chlodwig bei der Taufe gesagt haben: „Verbrenne, was du bisher geehrt, ehre, was du bisher verbrannt hast.“ Die Legende bezieht sich 3) auf die grossen Schenkungen, durch die der neue fränkische Staat sich den Beistand der Kirche erkaufte. Der heilige Remigius erhielt vom König Erlaubniss, so viel Land als Kirchengut zu behalten, als er, während der König den Mittagsschlaf hielt, würde umgehen können, und umging nun ein weites Gebiet, trotzdem dass er sich unterwegs noch mehrmals aufgehalten sah und die bösen Nachbarn, die ihn hindern wollten, mit Fluch belegen musste. Weiter berichtet die Legende, wie er einen Grenzstein gelegt, den kein Mensch von der Stelle bringen konnte, und wie Alle, die in das neue Eigenthum der Kirche Eingriffe thun wollten, unglücklich wurden. Flodoardus, hist. Rem. I. 14. 20. Grimm, deutsche Sagen Nr. 422, 424. – Merkwürdig ist Remigius ferner als Feuerbanner. Eine grosse Feuersbrunst in Rheims trieb er vor [170] sich her in Kugelgestalt zum Thore hinaus. Flodoard I. 6. Grimm Nr. 423. Der Heilige wird am 1. October verehrt.