Christliche Symbolik/Zinsgroschen

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Zinsgroschen, der.

Als Jesus nach Jerusalem gekommen war und das allgemeinste Aufsehen erregte, beriethen sich die Schriftgelehrten, Pharisäer und Sadducäer, wie sie ihn beschämen und in der Meinung des Volkes vernichten wollten. Da traten zuerst die Pharisäer heuchlerisch an ihn heran, rühmten und priesen ihn und stellten ihm die verfängliche Frage: ob man noch ferner dem römischen Kaiser Zins zahlen solle (oder ob es schon an der Zeit sey, sich etwa unter seiner Herrschaft für unabhängig zu erklären)? Hätte er gesagt, man solle den Römern nicht mehr zinsen, so hätten sie ihn als Rebellen denuncirt. Hätte er aber gesagt, man solle zinsen, so hätten sie ihn beim Volke, das von ihm die politische Befreiung und weltliche Emancipation hoffte, verdächtigt. Jesus aber sprach: „Zeiget mir einen Zinsgroschen!“ und als er ihn erhielt, frug er: „Wessen ist das Bild darauf?“ Die Pharisäer antworteten: „Des Kaisers.“ „Nun also,“ sprach Jesus, „so gebet dem Kaiser was des Kaisers, und Gott was Gottes ist.“ Matth. 22, 15 f. Marc. 12, 13. Lucas 20, 19. – Das ist das Fundament der christlichen Lehre vom Verhältniss des Staats zur Kirche.

Das berühmteste Bild vom Zinsgroschen ist das von Titian in Dresden. Jesus überrascht eben die Pharisäer mit seiner Erklärung, indem er sie ruhig und fest mit der ganzen Ueberlegenheit seines Geistes und doch ohne alle Ostentation anblickt, sie aber die getäuschte Erwartung ausdrücken. [572] Während sie hofften, ihn zu berücken, sehen sie sich selbst beschämt, und die höhnische Freude erscheint auf einmal als verschmitzte Dummheit. Die Pharisäer haben übrigens hier von Natur edel angelegte und nur durch ihre Laster corrumpirte Gesichter (vgl. Mosen, Dresdner Gal. 32.). Ein Bild von Prete Genovese im Pallast Durazzo in Genua fasst den ersten Moment der Frage auf und legt in die Gesichter der Pharisäer die lauernde Schadenfreude. Ein Bild des Zinsgroschen malte auch Rubens schön und grossartig, aber viel zu theatralisch. Während Titian auf die geistreichste Weise die feine Hand des Heilandes nur dem Zinsgroschen nähert, ohne ihn zu berühren, lässt Rubens ihn den Zinsgroschen mit Pathos in die Höhe heben und declamiren: „Gebt dem Kaiser etc.“ Nach dem Kunstblatt 1823. Nr. 72. scheint sich dieses Bild in Königsberg zu befinden.