Cotill

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Textdaten
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Autor: Christian Fürchtegott Gellert
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Titel: Cotill
Untertitel:
aus: Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 198-199
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1769
Verlag: M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch
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Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Erstdruck 1746/48
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Cotill.


Cotill, der, wie es vielen geht,
Nicht wußte, was er machen sollte,
Und doch nicht müssig bleiben wollte;
Denn müssig gehn, wenn mans nicht recht versteht,

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Ist schwerer, als man denken sollte;

Cotill gieng also vor die Stadt,
Und machte sich etwas zu schaffen.
Er gieng, und schlug im Gehen oft ein Rad.
O! schrie man, seht den jungen Laffen,

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Der den Verstand verloren hat!

Er macht die Hände gar zu Füßen.
Ihr Kinder, zischt den Narren aus!
Allein Cotill ließ sich dieß alles nicht verdrießen.
Kurz, es gefiel ihm so, er gieng vors Thor hinaus.

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Man mochte, was man wollte, sagen,

Er fuhr doch fort, im Gehn sein Rad zu schlagen.

     Der Teufel! Seht, das war ein rechtes Rad!
Fieng endlich einer an zu fluchen.
Ich möcht es doch bald selbst versuchen!

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Er sagt es kaum, als ers schon that.

Nun, sprach er, seh ich wohl, wie viel man Vortheil hat.
Es ist ganz hübsch um so ein Rad,
Denn man erspart sich viele Schritte.
Der Mann ist nicht so dumm, der es erfunden hat.

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Den Tag darauf kam schon der dritte,
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Und that es nach. Die Zahl vermehrte sich.

In kurzem sprach man schon gelinder;
Man fragte stark nach dem Erfinder,
Und lobt ihn endlich öffentlich.

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     Nimm alles vor, es sei so toll es will.

Heiß anfangs närrisch, wie Cotill;
Dein Beyfall ist drum nicht verloren.
Sey nur beherzt, und spare keinen Fleiß!
Ein Thor findt allemal noch einen größern Thoren,

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Der seinen Werth zu schätzen weis.