Dampf-Grabe-Maschine

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Joseph Bauer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Dampf-Grabe-Maschine
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 94–96
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[94]
Dampf-Grabe-Maschine
von Joseph Bauer, k. k. Hauptmann.

Wenn irgend eine neue Erfindung in dem jetzt so wichtigen Maschinenwesen gemacht worden ist, welche zu der Hoffnung berechtigen kann, daß ihre Anwendung von unberechenbarem Einfluß auf das Leben der Menschen werden müßte, so ist gewiß die obengenaunte eine solche, da durch sie in der That ein Problem gelöst ist, das bisher den vielfach angestellten Versuchen nicht gelungen war zu realisiren. Die Dampfgrabe-Maschine ist bestimmt die Bestellung des Feldbodens an Stelle des Pfluges und mit Anwendung des Dampfes anstatt mit thierischen Kräften zu übernehmen, und zwar in einer Weise, daß die von ihr gelieferte Arbeit nicht nur weniger kostspielig werde als die bisher allgemein angewandte Pflugbestellung, sondern auch so beschaffen sei, daß ein erhöhter Ertrag der mit ihr bestellten Felder erzielt werde.

Wer mit Aufmerksamkeit dem in neuerer Zeit so rege gewordenen Streben nach Verbesserung in der Landwirthschaft gefolgt ist, wird erfahren haben, wie sehr vor nicht zu langer Zeit unsere deutschen Feldbauer, an dem Althergebrachten hängend, noch zurück waren gegen die anderer Länder. Allein die Nothwendigkeit ist auch in diesem Bereiche der menschlichen Thätigkeit zur strengen Lehrerin geworden, und wir finden jetzt überall fast dies Streben durch vernünftige Benutzung der Mittel, welche die Naturwissenschaften an die Hand geben, den Ertrag des Bodens zu erhöhen und ihn dem immer wachsenden Verbrauche entsprechender zu machen.

Eines der erfolgreichsten Mittel die Ertragsfähigkeit des Bodens zu erhöhen, ist nun eine vollkommnere Ackerung desselben, als sie bisher mit dem gewöhnlichen Pfluge hergestellt wurde. Es kommt nämlich bei Bestellung des Feldes vor Allem darauf an, die von der darauf gewachsenen Frucht ausgebeutete Oberfläche zu beseitigen und eine neue noch kräftige dafür zu erzielen. Dazu dient eines Theils das Umackern des Feldes, welches die oberen Schichten nach unten, und die unteren Schichten der Ackerkrume nach oben zu bringen hat, den Boden lockert und so dem nöthigen Zutritt der Luft und dem Wasser öffnet. Andererseits dient dazu die Düngung. Es kann hier nur die Rede von der ersteren Art sein, zu deren Vervollkommnung die Dampfgrabe-Maschine dienen soll. Die tiefere Auflockerung des Feldbodens, als sie gewöhnlich mit dem Pflug hergestellt werden kann, hat sich für so entschieden vortheilhaft herausgestellt und für den nutzbaren Bau verschiedener Feldfrüchte so unbedingt nothwendig, daß man den Pflug als unzureichend verlassen, zum Spaten greifen und mit demselben das Feld umgraben mußte. So entstand die sogenannte Spatencultur, deren Kostspieligkeit indessen von dem erhöhten Ertrage ausgeglichen wird. Diese so wichtige Art der Bodenbehandlung in erhöhtem Maaße einzuführen und somit die Nutzbarkeit und Ergiebigkeit des Bodens zu erhöhen, ist die Aufgabe der Bauer’schen Dampfgrabe-Maschine. Wie aus dem oben Gesagten schon hervorgeht, ist die von dieser Maschine bewirkte Bearbeitung des Bodens eine vollständige Umspatung desselben und zwar eine so vollkommene, daß das Erdreich bis zu einer Tiefe von 10 Zoll aufgegraben wird und dabei eine vollständige Umwendung der Ackerkrume stattfindet. Besonders auch diese Eigenschaft der Maschine ist hervorzuheben, da durch sie mit einem einmaligen Umgraben das erreicht wird, was mit dem Pfluge erst nach drei- bis fünfmaligem Ueberpflügen zu ermöglichen ist, abgesehen von der geringeren Tiefe des Eindringens des Pfluges.

Wir geben beifolgend eine Abbildung der Dampfgrabe-Maschine in ihrer gegenwärtigen Form und Ausführung, bemerken aber zugleich, daß der Erfinder zur weiteren Vervollkommnung derselben schreiten wird bei dem Baue künftiger Maschinen, die indessen nur einen sichereren Gang bezwecken sollen und das Princip der Maschine ungeändert lassen werden. Die Maschine besteht in

[95]
Die Gartenlaube (1854) b 095.jpg

Joseph Bauer’s Dampfgrabemaschine.

[96] ihren Haupttheilen aus der Dampfmaschine und dem Grab- und Eggapparat. Die Dampfmaschine ist nach Art der Locomotiven eingerichtet, und besteht aus einem Kessel mit 16 Heizröhren, einer Feuerbüchse und Rauchbüchse, zwei Dampfcylindern, deren Kolben auf eine doppeltgekrümmte Welle bewegend wirken und den nöthigen Steuerungs-, Speise- und Sicherheitsvorrichtungen. Wir übergehen diese Theile als allgemein bekannt schnell und kommen zu der eigentlichen Grabemaschine. Die verschiedenen Functionen der Theile der Grabemaschine lassen sich nach den periodisch erfolgenden Bewegungen derselben eintheilen. Der Hauptbestandtheil ist ein breiter quer unter der ganzen Maschine hingehender Spaten von 5 Fuß Breite, so daß also jeder Einstich dieser Breite entspricht. Dieser Spaten macht nun mittelst der Maschine die nöthigen Bewegungen folgendermaßen. Im ersten Moment fällt er senkrecht herab bis auf die Oberfläche der Erde, wird dann in dieselbe eingedrückt, worauf der eine drehende Bewegung in senkrechter Richtung erhält, durch welche die vor ihm stehende Erde abgebrochen und aufgehoben wird. In demselben Augenblicke fast rückt die Maschine ein Stück von circa 4 Zoll rückwärts und die abgespatete Erde fällt so in den vom vorigen Stich gemachten Einschnitt, daß das, was oben war, zu unterst zu liegen kommt. Dabei wird durch die Heftigkeit des Abwerfens die Erde zerbröckelt und für die nachfolgende Egge bleibt nur ein leichtes Ueberharken, wodurch das gegrabene Land wie ein Gartenbeet hinter der Maschine liegen bleibt. Die Maschine findet nun durch das vierzollige Vorrücken bei dem nächsten wiederholten Herabfallen des Spatens ein neues Stück loszustechendes Land und so wiederholt sich diese Arbeit in der Minute circa 20–30 Mal. Diese sämmtlichen Bewegungen werden durch eine rundgehende Welle vermittelt, welche wiederum durch ein Radvorgelege von der gekrümmten Welle der Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wird. Auf derselben sitzen nämlich eine Anzahl Daumen von verschiedener Größe und Form, welche je nach der nothwendigen Aufeinanderfolge der Bewegungen in entsprechenden Winkeln gegeneinanderstehen. Der Spaten befindet sich vertikal drehbar an dem Ende zweier ebenfalls in diesem Sinne drehbarer Balken, die sogenannten Ackerbalken, welche einestheils den Spaten heben und senken, anderntheils ihm als Dreh- und Stützpunkte dienen. Ein noch weiter gehender Mechanismus ist der, durch den die Maschine nach jedem gethanen Abstich um ein Stück fortgeschoben wird und somit dem Spaten eine neue Erdschicht zum Abstechen darbietet. Die Maschine, deren specielle Beschreibung für den Raum und den Zweck dieses Blattes zu weitläufig sein würde, ist im Ganzen überraschend einfach und nur der erste Anblick kann dem Laien in der Maschinenbaukunst den Eindruck größerer Zusammengesetztheit machen, woran einen Theil der Schuld tragen mag, daß die an sich so einfachen Bewegungstheile der Maschine zum größten Theile doppelt an derselben sind. Zum Gebrauche nun muß die Maschine von zwei Pferden auf das Feld gezogen, das nöthige Wasser und die Kohlen mitgeführt werden, dann arbeitet sie ganz selbstthätig voran und macht am Ende des Feldes angekommen immer fortarbeitend mittelst einer Verstellung der hinteren Räder einen Bogen und kehrt so um, um da Feld abwärts weiter zu arbeiten.

Daß eine solche Maschine nicht gleich nach dem ersten Versuche das leistete, was sie zu leisten bestimmt war, ist einleuchtend genug, allein es ist eben so überraschend das zu sehen, was sie nun leisten kann und es ist der Erfinder durch die mehrfachen in der Zeit der Ausführung gemachten Erfahrungen in den Stand gesetzt für eine anderweite Ausführung der Maschine bedeutende Vortheile in der Sicherheit der Bewegungen und in dem Effecte zu bewirken, deren Erreichung mit der gegenwärtigen Form derselben sich nicht ermöglichen ließ.

Für die Zukunft dürfte die Maschine auch noch weitere folgereiche Anwendungen finden, da sie ganz geeignet ist bei Kanal-, Eisenbahn- und anderen Bauten zum Ausgraben des Erdreiches zu dienen und es hat Herr Joseph Bauer bereits eine derartige Maschine entworfen, welche auch das Aufladen der aufgelockerten Erde übernimmt.

Am 23. November v. J. wurde das in Leipzig ausgeführte Werk in Selowitz in Mähren von dem ungarischen ökonomischen Vereine unter Zuziehung sachverständiger Ingenieure geprüft und erhielt dabei nach Ansicht der anwesenden Abgeordneten das Zeugniß, daß das Princip derselben richtig und gelöst sei; es ergab eine berechnete Kostensumme für die Bearbeitung eines Ackers Feld gegen die in dortiger Gegend sehr billige Pflugbestellung eines gleichen Flächenraumes nicht ganz das Doppelte. Dabei ist indessen herauszuheben, daß dies für einmalige Grabung und einmalige Umpflügung gerechnet wurde und das bestellte Feld fertig ist mit einem Bearbeiten der Maschine, während der Pflug drei- bis fünfmal über das Feld gehen muß, um eine ebenso vollständige Arbeit zu liefern.

Stellen sich schon bei diesem ersten derartigen Versuche solche Vortheile heraus, so werden die Resultate künftiger verbesserter Maschinen noch günstiger sein, und es ist sehr zu hoffen, daß die sinnreiche Erfindung von großer Bedeutung für den Feldbau werden wird.

Wer Gelegenheit gefunden hat die Einrichtung in ihren Einzelheiten entweder an der Maschine selbst oder aus den Zeichnungen zu ersehen, wird uns gern eingestehen, daß die Lösung der gestellten Aufgabe auf eine so geistreiche und einfache Weise dem Erfinder gelungen ist, wie es wohl selten in ähnlichen Fällen möglich geworden, und wir müssen nur bedauern, daß Herr J. Bauer nicht ganz dem Wirkungskreise angehört, für den er ein so großes Talent entwickelt hat.