Das „Karideln“ in der Mark

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Titel: Das „Karideln“ in der Mark
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 69, 84
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[69]
Die Gartenlaube (1896) b 0069.jpg

Das „Karideln“ in der Mark.
Nach einer Originalzeichnung von F. Müller-Münster.

[84] Das „Karideln“ in der Mark. (Zu dem Bilde S. 69.) An Fastnachtsbräuchen war die Mark einst sehr reich, und diese Bräuche hielten sich lange mit großer Zähigkeit. Selbst in der nächsten Nähe Berlins, in Stralau und Köpenick, übte man einige von ihnen noch vor wenigen Jahrzehnten. Fastnacht und der Sonntag davor waren ja die Tage, wo das jetzt durch Landes-, Polizei- und andere Gesetze hart verpönte Betteln in Blüte stand, wo alle Welt „zemperte“, „hänselte“, „karidelte“. Des Morgens zogen die Kinder, nachmittags mit Musik die Knechte umher, von Hof zu Hof; dann stäupten sie in neckischer Weise mit Birkenreisern zuerst die Hausfrau, hierauf die Töchter und die Mägde, bis sie Eier, Mettwurst und Schnaps empfingen. Die Umzüge der Knechte kamen allmählich ganz „aus der Mode“, die der Kinder aber bestehen noch hier und da zu Recht. Die lustige Rotte schart sich in aller Frühe um ihren vortragskundigen Führer, der eine mächtige, mit mehreren Zweigen versehene Rute, an manchen Orten auch eine Gabel trägt; mit Hallo rückt man vor die Häuser der „Riken“, wozu gewohnheitsmäßig Schlächter, Bäcker und „Kooplüd“ gezählt werden, und jeder von den Gebrandschatzten bekommt das schön dialogisierte Lied zu hören:

 Anführer.
Hahn, Aeppel, Hahn!
Fastelnacht geht an!
De Kauken (Kuchen) will nich rutschen,
Gebt mir von eurem Speck,
Dann geh’ ich von der Thüre weg;
Ich stell’ die Leiter an die Wand
Und schneid’ mir ein Stück Speck drei Ellen lang!

 Alle.
Sie werden sich wohl bedenken
Und uns einen Fastelabend schenken!
Sie schenken uns einen Thaler,
Danach wohl vierundzwanzig;
Sie schenken uns einen Schweinskopp,
Ist besser as eine Bratwurst;
Sie schenken uns eine lange
Un laten de korte hangen!

 Anführer.
Wir wünschen dem Herrn ein’ vergoldenen Tisch,
Auf alle vier Ecken ein’ gebratenen Fisch,
Und in der Mitte eine Kanne voll Wein,
Das soll dem Herrn sien Fastelabend sein!
Wir wünschen der Frau zum Fastelabend
Einen jungen Sohn mit schwarzbraunem Haar!

 Alle.
Sie werden sich wohl bedenken
Und uns einen Fastelabend schenken!

Nunmehr sträuben sich die Angesungenen nicht länger und bringen ihre Gaben, zumeist Würste und allerhand Backwerk, auch wohl „en half Schock ollen Käse un en half Gulden Geld“. Die Geschenke werden fürsorglich auf die Rutenzweige gesteckt, und zwar befestigt man die Würste gern so, daß männiglich gleich sehen kann, welche Wirtin die generöseste war und die größte gespendet hat. Vorm Abzug singt noch der ganze Schwarm den Schlußreim:

Sie haben uns eine Verehrung gegeben
Fürs ganze Jahr;
Jahr ein und aus
All Unglück fahre zum Giebel heraus!

Hat die jauchzende Horde endlich das ganze Dorf abgeweidet, so beginnt unter Jubelgeschrei die Teilung der Beute, und da reichlich gegeben worden ist, also niemand zu kurz kommt, ist mit einem Schlage die rechte Feststimmung da. Wo aber fröhliche Kinder sind, da können die Erwachsenen gar nicht anders, sie ahmen ihnen die Fröhlichkeit nach, und so sieht denn der Krug, das Wirtshaus, abends beim Tanze lauter von herzlicher Freude überglühte und deshalb schöne Gesichter.