Das Birnli will nit fallen (1812)

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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Das Birnli will nit fallen
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe.
S. 338-340
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1812
Verlag: Realschulbuchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: old.grimms.de = Commons
Kurzbeschreibung: nur 1812: KHM 72
Siehe auch die Anmerkungen von Johannes Bolte und Jiří Polívka zu KHM 72a Commons (1915)
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[338]
72.

Das Birnli will nit fallen.

Der Herr will das Birnli schüttle,
das Birnli will nit fallen:
der Herr, der schickt das Jockli hinaus,
es soll das Birnli schüttle:
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr das Hündli naus,
es soll das Jockli beißen:
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr das Prügeli naus,
es soll das Hündli treffen:

[339]

das Prügeli trifft das Hündli nit,
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr das Fürli (Feuer) naus,
es soll das Prügeli brennen:
das Fürli brennt, das Prügeli nit,
das Prügeli trifft das Hündli nit,
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr das Wässerli naus,
es soll das Fürli löschen:
das Wässerli löscht das Fürli nit,
das Fürli brennt das Prügeli nit,
das Prügeli trifft das Hündli nit,
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr das Kälbli naus,
es soll das Wässerli läpple: (trinken)
das Kälbli läppelt das Wässerli nit,
das Wässerli löscht das Fürli nit,
das Fürli brennt das Prügeli nit,
das Prügeli trifft das Hündli nit,
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr den Metzger naus,
er soll das Kälbli metzle:

[340]

der Metzger metzelts Kälbli nit,
das Kälbli läppelt das Wässerli nit,
das Wässerli löscht das Fürli nit,
das Fürli brennt das Prügeli nit,
das Prügeli trifft das Hündli nit,
das Hündli beißt das Jockli nit,
das Jockli schüttelts Birnli nit,
das Birnli will nit fallen.

Da schickt der Herr den Schinder naus,
er soll den Metzger hängen:
der Schinder will den Metzger hänge,
der Metzger will das Kälbli metzle,
das Kälbli will das Wässerli läpple,
das Wässerli will das Fürli lösche,
das Fürli will das Prügeli brenne,
das Prügeli will das Hündli treffe,
das Hündli will das Jockli beiße,
das Jockli will das Birnli schüttle,
das Birnli das will fallen.

Anhang Band 1

[XLVII]
Das Birnli will nit fallen. No. 72.

Mündlich aus der Schweiz. In derselben Art ist No. 30 und 80. Auch die Juden haben ein damit zusammenhängendes Volkslied, welches Wagenseil (jüd. teutsche Red- und Schreibart Frankf. 1715. 4. S. 108-110.) mittheilt, und in den Kinderliedern S. 44-47. (Wunderhorn III.) abgedruckt ist.

Ein Zicklein! ein Zicklein!
das hat gekauft das Väterlein
um zwei Schilling Pfenning:
ein Zicklein!

Da kam das Kätzlein und aß das Zicklein, das hat gekauft u.s.w.
da kam das Hündlein und biß das Kätzlein,
da kam das Stecklein und schlug das Hündelein,
da kam das Feuerlein und verbrennt das Steckelein,
da kam das Wässerlein und verlöscht das Feuerlein,
da kam der Ochs und trank das Wässerlein,
da kam der Schóchet (Metzger) und schecht den Ochsen,
da kam der Málach Hammóves (Todesengel) und schecht den Schóchet,
da kam unser lieber Herr Gott und schecht den Málach Hammoves.

[XLVIII] Der vorstehende Refrain ist aus einem chaldäischen Osterlied der Juden, welches sich wie auch das bei Wagenseil in Bodenschatzens kirchlicher Verfassung der Juden (II, 2. Sect. 8) findet.

Herr Gräter theilt dies alles in seiner Alterthumszeitung No. 40. u. 41. 1812. unser Volkslied aber nicht ganz vollständig, mit, auch bemerkt er ein anderes jüdisches, das durch eine etwas ähnliche Manier auf dieses zu deuten scheint, indessen ergiebt sich durch das aus Wagenseil der vermuthete Zusammenhang viel näher. Die mystische Bedeutung eines Leberecht, die dort gleichfalls angeführt wird, ist uns nicht so wahrscheinlich als Herrn Gräter: das Lied scheint die Macht Gottes, als die letzte und größte darstellen zu wollen, nennt man es albern, so sind es die Mythen der Rabbiner, und im Talmud noch mehr. Interessant ist noch die ebendaselbst abgedruckte lateinische Recension des Volkslieds, welche nicht bloß an manche Studentenlieder (in dem bekannten: Laurentia schönste Laurentia mein etc., wachsen die Strophen gleichfalls immer mehr an), sondern an andere Kinderlieder erinnert, worin lateinische Brocken angebracht sind. Viele Rhein- und Mainbewohner gedenken wenigstens noch des Lieds von einem Hund, der in der Küche die Bratwurst frißt und dem der Koch den Schwanz abhaut, worin auch ähnliche Wiederholungen vorkommen.

Anhang Band 2

[LXVIII] Num. 72. (das Birnli.) S. Fischarts Spielverzeichniß im Gargantua. Nr. 398.