Das Felsenfräulein bei Hornberg

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Das Felsenfräulein bei Hornberg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 483–485
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
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[483]
Das Felsenfräulein[1] bei Hornberg.

Es sind emol, ’s isch ame Sunntig gsi,
D’Schuelmeisteri und ’sDokter’s Sepeli
Go Hornberg zue vo Niederwasser her
– Des Meidli mueß g’wiß nuf in d’Christelehr –

5
Bim Rai am Rübesbe[2] just z’semme cho.

Sie hentsi grüeßt und ’nander d’Zit abgno.
 
Die eine seit: Siehsch dört d’Steiprinzessi stoh? –
„Her Jesis jo; sie luegtis weger no!“
Drum allimol wenn i do füre chum,

10
Se zieht’s mi Blick zuem Felsefräuli num,

Und allimol – chum weidli! ’s isch nit just –
Se chunnts mer für, ’s biwegsi no si Brust.

’s soll no ne Herz im Felsebuse schlah,
So seit mer. Nu, was luegsch mi denn so a?

[484]
15
’s hent zwische sellem g’stärrige Lokehor

Als[3] Aeugli blizt, wie dini, frisch und chlor,
Und menge harte, chezerische To
Isch fürnehm über selli Lippe cho.

Vor Zite het dört ufem Berg im Schloß

20
E Ritter g’waltet mit sim Wib und Troß.

Er het e sufer gwachse Fräuli g’ha,
Hoffertig au und truzig wie ne Ma,
Si einzig’s Chind. Er het’s frei schalte lo,
Drum isch’s vur Busget[4] bis zuem Nüsnutz cho.

25
Het d’Muetter g’seit: „mer wend in d’Chilche go!“

Se het’s nu g’lacht und Pfil und Boge gno,
– Me het vor Alters keini Füsi[5] g’ha –
Und helluf! mit viel Hunde vorned’ra,
Goht’s in de Wald dur mengi Habersoot!

30
Was chümmert sie des frech vertrapplet Brod? –


Und isch en arme Buur zuem Aetti cho
Und seit: „i ha bim Jage Schade gno.“
Se schlüchtet sie[6] bis an de Grabe nus
Und, wie mi Bürli chunnt, nei, ’s isch e Gruus!

35
Gitsem en Schuk[7], und g’schwinder asses blitzt,

Se heter ’s Gehirn im Felsegrab versprizt.

Druf lacht’s und seit: „s chunnt ufen Buur nit a,
Me cha do nidsi gnueg so G’sindel ha!“
’s verzwiflet Wib mit sine Chinderli

40
Chunnt üs’rem Fräuli frili nit in Si. (Sinn)

„Was goht mi ander Lüte Chummer a?“
Seit’s, „wenn nu i, was ’s Herz bigehret, ha.“

’s het All’s si Zit. Es sagt emol im Wald;
Druf stigt e Männli usem Felseg’halt,

45
Mit wiße Loke. ’s stüzt si uf si Stab:

„Ach Fräuli! nummen au e chleini Gab!“ –
„Glattsufernit![8] Marsch mit dim Weh und Ach!“
Und handumcher! se keit’s en nab in Bach.

[485]

Doch eis Rungs stoht mi Männli wieder uf

50
Und wachst in d’Höh bis über d’Felse nuf.

Zum Tremel[9] wird si Stab; er rüehrt’s mit a:
„Du witt di Herz für di alleinig ha?
Se schlag’s für ew’gi Zite dir ellei!
Und sieder g’stablet[10] ’sFräuli zuem e Stei. –

55
So seit mer. Maideli, verstohsch de Si?

„He! ’s Männli wird, denk wohl, d’Vergeltig si;
Und witers: het Eis ’sHerz für ihn’s ellei,
Was isch es andersch, asse chalte Stei?“
De hesch’s verrothe, jo, und ’s fehlt si nit;

60
Jez b’hüet di Gott! versum mer d’Christlehr nit!
’sSchwizerseplis Salmo.
(Siehe „Oberrheinische Zeitung“ von 1844. Nr. 358.)

  1. Eine Felsenpartie bei Hornberg.
  2. Ein Seitenthal.
  3. Ehemals.
  4. Bosheit.
  5. Flinten.
  6. schleicht sie.
  7. Stoß.
  8. Nichts da!
  9. Balken.
  10. Errstarrt.