Das Gehofische Gespenst

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Textdaten
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Titel: Das Gehofische Gespenst
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Erscheinungsdatum: 1684
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Quelle: Scans auf Commons und bei der ULB Halle, im VD17 unter der Nummer 7:644678Q
Kurzbeschreibung: Bericht über eine Gespenstererscheinung in Gehofen
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Das
Gehofische Gespenst


Anno M DC LXXXIV.

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Aus der Graffschafft Mannßfeld wird von Gehofen dieses berichtet:

ES hat die Frau Ebersteinin / gebohrne von Werthern / verwichenes 1683. Jahr auf ihrem Adelichen Hause Gehofen eine Stube zu ihrer Bequemligkeit renoviren lassen / darinne vor etzlichen 100. Jahren eine Nonne gewohnt / nach deren Tod aber wenig bewohnet worden. Auf Endigung solcher Renovation, und Beziehung erwehnter Stube / ist ein Gespenst / in Gestalt einer Nonnen / zu gemeldter Frau von Ebersteinin kommen / und gesagt: Weiln sie dieses gethan / und ihre Stube wiederumb anrichten lassen / sol wolte sie ihr zur Danckbarkeit ihren daselbst im Schlosse über 300. Jahr vergrabenen Schatz geben / Sie solte nur mit gehen / und selbigen heben: es würde aber ein grosser Hund dabey liegen / solchen wolte sie aber weg führen / und solte die Frau Ebersteinin sich nur nicht fürchten; Sie hat aber durchaus nicht mit gehen wollten / ob das Gespenst gleich gesagt / es sey ein guter Geist / ihr auch den Schatz von ferne gewiesen.

Die Historia wil ich hiermit ferner relata referiren: Es sol die Nonne die Fr. Ebersteinin wieder aufs neue den Schatz zu heben forsiret / und dabey von ferne ihr denselben gewiesen haben / als aber sie nicht mit dem Geiste gehen wollen / und zu ihm gesagt; Es stünde gleichwol [6] in der Schrifft: Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand etc. wenn du nun kein böser / sondern deinem Vorgeben nach ein guter Geist / und so wohl ein getauffter und mit Christi Blut erlöster Christ bist / so sage mir doch / was machstu allhier auff Erden? Warauff der Geist geantwortet: Da wäre sie Ursach daran / weil sie ihn so lange auffhielte / und den Schatz nicht heben wolte; Die Frau von Ebersteinin hat aber weiter gefragt: Wo ist aber deine Seele inmittelst? Darauff der Geist beantwortet: Da hast du dich nicht drumb zu bekümmern / sie ist wohl auffgehoben. Und da nun die Frau Ebersteinin / ihrer Gewonheit nach / mit Herrn Hauptmann Hunden / so Sie geführet / über die Brücke in ihrem Hofe in die Bet-Stunde gehen wollen / hat sich die Erde vor ihr von einander gethan / daß Sie den Schatz / an den schönsten Goldstücken / Ducaten / Perlen / und andern Pretiosen / in einer großen Pfanne vor sich stehen sehen / und wäre der Geist alsbald darzu kommen / und zu Ihr gesagt: Siehstu nun / ob ich dir gelogen habe? und bitte dich gar zu sehre / fasse dir doch nur einen Muth / dann du must ihn doch heben / du magst dich auch wehren so lange du wilt / und stelle dir auch frey / du magst einen / oder zehen und mehr Priester / ja die ganze Gemeinde / darzu nehmen / wann du den Schatz heben wilt. Ja / wann du auch dieses nicht thun wilt / so binde doch nur an eine lange Stange deine Schürze / und lege dieselbe auff den Schatz / so kan er nicht fortrücken; Sie hat aber keines nicht thun wollen / weil die eingeholten Urthel ihr durchaus verbothen / mit dem vermeinten Schatze nichts zu thun haben: als ist Sie in ihre Bet-Stunde / und der Geist auch mit ihr gegangen / und so devot gethan / wie ein lebendiger Mensch und Christ. Nachdem Ihr auch gerathen worden / Sie solte etliche Meilen über Land verreisen / und mit ihrem Vetter darauff nacher Sandershausen gefahren / und beyde / nebst ihren Mägden gemeynet / daß sie so alleine führen / zu mahlen sie schon über drey meilen von Gehofen gewesen / so wird diese Frau Ebersteinin ohngefehr gewahr / daß die Nonne hinten auff der [7] Choise gesessen / und mit ihr gefahren; Sie hat es auch alsobald ihrem Herrn Vetter gesagt / welcher trefflich erschrocken / weil ihm dieser Reise-Cammerade gar nicht angestanden. Sie ist also vollends mit marchiret / und nach zweyen Tagen wieder mit nach Gehofen zurück kommen / und darauff inständig gebethen / daß Sie doch den Schatz heben möchte / es wolte ihr der Geist dieses bey ihrer Seeligkeit versprechen / sobald Sie den Schatz gehoben hätte / so wolte die Nonne in Gegenwart aller Leuthe zu ihrem Hofe hinauß / und in die Kirche / und daselbst in ihr Grab gehen / und nimmermehr wieder kommen; Sie bäte aber nur dieses ihr zu versprechen / daß Sie ihr einen neuen Stein auff ihr Grab / und ihren Nahmen / Anna von Trebra / mit ihren Wappen / auch diesen Vers machen lassen:

Habe Danck vor diese Gaben/
GOtt wird dich dafür im Himmel laben.

und solte / ehe der Schatz gehoben würde / diese Lieder singen: Freu dich sehr / O meine Seele. GOtt der Vater wohn uns bey. Nun lob mein Seele den HERREN.

Weiln nun die Frau Ebersteinin den Schatz nicht gehoben / so hat die Nonne jämmerlich geweinet / und zu ihr gesagt / daß sie ihn nun nicht erlangen könte / biß eine Zeit vorbey wäre / selbige wolte sie ihr etliche Tage zuvor anzeigen. Inmittelst kömmet der Geist täglich zu Ihr umb die gesetzte Stunde / und peiniget Sie ziemlich / daß jedermann die blauen Flecke an ihren Armen sehen kan / und verlanget männiglich / wie doch das Ende endlich ablauffen werde. Ein solch Exempel ist wohl nie gesehen noch gehöret worden. GOTT stehe dieser Ehrlichen Dame mit seines Heiligen Geistes Krafft ferner bey. Dieses schreibe ich ex ore eines Cavalliers / welcher vor wenig Tagen selbsten zu Gehofen gewesen / und alles von der Fr. Ebersteinin erzehlen hören / auch die blauen Flecke auf ihren Armen und Beinen gesehen.

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Fernerer Bericht

ZU Gehofen ist der Geist nun wieder täglich / als des Morgens zwischen 6. und 7. Uhr / und des Abends zwischen 5. und 6. Uhr zugegen / und hat abermahls inständigst verlanget / daß die Fr. von Ebersteinin mit ihm gehen / und den Schatz heben solte / Sie hätte es aber verweigert / und angefangen: Alle gute Geister loben GOTT den HErrn! Da hat die Nonne ihr geantwortet / dieses thue ich auch / denn ich bin auch ein guter Geist / und kein Teuffel. Ja / da Sie das Blut JEsu Christi gebethet / so hat der Geist mit ihr gebethet / und gesaget: Dieser hat mich auch von meinen Sünden schon vor zwey hundert Jahren rein gemacht. Und als Ihr gute Freunde gerathen / Sie solte fleißig in die Kirche fahren / und bethen / (wie denn darzu gewisse Bet-Stunden angeordnet seyn) so ist diese Nonne mit der Ebersteinin in die Kutzsche gestiegen / mit in die Kirche gefahren / und die Bet-Stunden mit ausgewartet. Und wie nun auch dieses Ihr nicht länger angestanden / und sich mit vielen Leuthen in die Kutzsche gesetzet / daß kein Mensch darinne Platz finden können / so ist der Geist bey der Kutzsche mit gelauffen / und mit der einen Hand sich allezeit an die Kutzsche gehalten. Ja / was noch mehr ist / es hat diese Nonne / und / wie sie sich nennet / Jungfer Anna von Trebra / der Frau von Ebersteinin diese geistlichen Lieder / ehe Sie den Schatz heben würde / zu singen befohlen / als nemlich: Freu dich sehr / O meine Seele. GOtt der Vater wohn uns bey. Nun lob mein Seele den HERREN. Und wenn sie Morgens zu Ihr kömmt / und findet Ihr Gebet-Buch auf dem Tische / nimmt der Geist solches / und lieset den Morgen-Seegen daraus / daß iedermann / des es von der Frau von Ebersteinin erzehlen höret / sich darüber entsetzet. Wie es nun weiter mit diesem wunderbahren Geiste ablauffen werde / berichte ich ferner.

Als der Frau von Eberstein gerathen ward / Sie solte etliche Meilen weit verreisen / und Sie mit Herrn Stallmeister Hunden [9] nach Schönwerda gefahren / hat der Geist / in Gestalt der Nonnen / sich daselbst auch eingefunden / und der von Hund gesaget: Ist denn der Hundsvötsche Teuffel auch schon allhier; und Ihr ein Pistol gegeben / Sie solte auff ihn / den Geist / schiessen / (maßen ihr solches einige sollen gerathen haben) die Frau von Ebersteinin solches auch gethan / so hat der Geist gesagt: Harre / ich will dich schiessen lernen / und Ihr darauff Arme / Hände und Beine / wie ein Hencker aus allen Gelencken verdrehet / daß Sie wie ein armer Krippel hat müssen weggetragen und vom Barbier wieder eingerichtet werden. Dem von Hund aber hat die Nonne / weil er mit der Schwanck-Ruthe nach ihr gehauen / eine solche erscheckliche Maulschelle gegeben / daß er zu Boden gefallen / und sich lange Zeit nicht besinnen / auch keinen Zahn im Munde brauchen können / ihn auch am Leibe zusammen gedrückt / daß ihm hätte mögen die Seele ausfahren / und darbey die Formalia grbraucht: Ich bin kein Teuffel / sondern ein guter Geist / du hingegen ein rechter teuffelischer Höllenbrand / und ich will dich nun verfolgen / und wenn du lieffest biß ans Ende der Welt. Es weiß nun fast kein Geistlicher sich in diesen Geist zu schicken / zumahlen / da er dieses auch nur neulich noch gethan / indem er der Frauen von Eberstein sein Glaubens Bekändtniß thun sollen / so hat er sich auff die Knie vor Ihr nieder gesetzet / und mit seinen Händen / so er vor das Gesicht gehalten / in ihren Schoß gelegt / und die drey Häupt-Artickel unsers Christlichen Glaubens von Wort zu Wort her gebethet / auch nachgehendes der Frau von Ebersteinin / als Sie sehr betrübt gewesen / ein schön Geber in ihrem Buche / wider die bösen Gedancken und Anfechtung / auffgeschlagen.

Dieses habe ich ex relatione rechtschaffender beglaubter Leute / die selbst zu Gehofen gewesen / und aus Curiosität nach diesen Dingen genaue Nachfrage gehalten. Und ist nun iedermann die Zeit lang / wie doch das Ende noch ablauffen werde. Der Höchste helffe Ihr diese schwehre Versuchung frölich überwinden / wie es vor der Ehrl. Christl. Dahme zum seeligen Wohlstande gereichen mag.

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Contin: 3. Martii.

Zu Gehofen ist (leider Gott erbarm es!) ein erbärmlicher Zustand / weil nunmehro das Gespenst sich nicht in voriger / sondern in Teuffelischer Gestalt sehen lässet. In Summa / es ist der Teuffel ein Lügner von Anbegin der Welt; und dieses erweiset er auch an ietzo an dieser lieben Frauen / indem er nun begehret / daß Sie alleine mit ihm gehen / und den Schatz heben solte; da er doch vorhero die Priester und viele mit sich zu nehmen begehret / itzo aber nicht. Die gute Frau hat nach diesem die schwere Noth bekommen / so Sie täglich überfället / daß Sie auch 6. starcke Kerl kaum erhalten können / welches dahero die Herren Geistlichen vor eine Besitzung halten wollen / wie es nun ferner wird ablauffen mit ihr / wird sich vielleicht bald erweisen.

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