Das Höhlenschloß Puxer Luegg in Steiermark

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Autor: Z.
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Titel: Das Höhlenschloß Puxer Luegg in Steiermark
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 204
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[201]
Die Gartenlaube (1877) b 201.jpg

Das Höhlenschloß Puxer Luegg in Steiermark.
Nach einer Farbenskizze von Robert Zander in Wien.

[204] Das Höhlenschloß Puxer Luegg bei Teufenbach in Steiermark. (Mit Abbildung S. 201.) In Oesterreichs Alpen sind es besonders zwei Burgen, welche durch ihre eigenartige Lage die Aufmerksamkeit des Touristen fesseln. Die eine derselben, Puxer Luegg bei Teufenbach im Judenburger Kreise, ist im wahren Sinne des Wortes „ein Höhlenschloß“. Die andere befindet sich tief in Krain, vier Stunden von Adelsberg im Birnbaumer Walde; sie liegt in der Thalschlucht vor einer Felsengrotte und führt einfach den Namen Luegg. Beide Bauwerke, jetzt mehr Ruinen, mögen zu gleichem Zwecke erbaut worden sein; denn ihre versteckte Lage läßt keinen Zweifel darüber aufkommen, daß wir es mit Raubschlössern des Mittelalters zu thun haben. In Bezug auf geheimnißvolle Lage bietet Puxer Luegg entschieden ein größeres Interesse.

Um die Burg zu erreichen, benutzt man die Kronprinz-Rudolfs-Bahn, indem man von Judenburg ab in der Richtung nach Villach, einige Stationen südöstlich, bis zum Haltepunkt Teufenbach fährt. Der Ort liegt an der Landstraße auf der Hälfte des Weges, welcher vom uralten Stift St. Lambrecht nach Judenburg führt. Hier erhebt der hohe Puxberg sein trotziges Haupt, auf der Südseite in steilen Wänden senkrecht abfallend. Da ist auch die Stelle, wo sich in der Höhe von hundert und einigen Klaftern über der Thalsohle die Eingänge zweier Höhlen befinden. Beide bargen einst bedeutende Bauten, von denen jetzt nur noch in der größeren, etwas höher gelegenen einige Ruinen und verworrenes Trümmerwerk erhalten sind. Recht deutlich spricht sich in diesen Ruinen dem Beschauer der Zweck des ehemaligen Schlosses aus. Raubritter, verschlagen und tollkühn zugleich, bezogen die einsame Höhle, um bequem die in geringer Ferne einander kreuzenden Heerstraßen beobachten zu können und die daselbst ziehenden zahlreichen Handelsleute auszuplündern. Im sichern Versteck, jedem Versuch zu einem Ueberfall hohnlachend, verzehrten sie ihren Raub in dem unheimlichen Felsenneste, dessen Zutritt dem geübtesten Bergsteiger bei Anstrengung und Gefahr auch heute nur mit Steigeisen und Leitern möglich ist. Deshalb wird der vereinsamte Winkel von den Fremden auch nur selten besucht. Die Tiefen der Höhle, deren Eingang die Burg unangreifbar machte, sind den Jetztlebenden unbekannt; benachbarte Thalbewohner versichern, daß sie sich stundenlang in das Innere des Berges hinzögen. Ebenso ist die Sage geschäftig, die seit langen Zeiten in Trümmern liegende Feste „Puxer Luegg“, auch „Puxer Loch“ und „Chalon“ genannt, mit allerlei Schauerhistorien in Verbindung zu bringen, zahlreich genug um eine Romanbibliothek zu füllen.

Wohl mag diesen blutigen Erzählungen bis zu einem gewissen Grade Wahrheit zu Grunde liegen, denn es ist nicht anzunehmen, daß die einstigen Inhaber des lichtscheuen Verstecks lediglich aus Liebhaberei hier wohnten, aber die locale Geschichte berichtet hierüber nichts Gewisses, und wo ihre Halbschwester, die Volkssage, Platz greift, wird die Grenze von Wahrheit und Phantasie bekanntlich stets getrübt.
Z.