Das Kreuz auf dem Friedhofe (Schreiber)

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Textdaten
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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Das Kreuz auf dem Friedhofe
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aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 195–196
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Das Kreuz auf dem Friedhofe.

Markgraf Karl hatte um das Jahr 1462 mit einigen geistlichen und weltlichen Fürsten einen Bund geschlossen gegen die heilichen westphälischen Gerichte, obgleich unter seinen eigenen Räthen sich einige Wissende befanden, wovon er jedoch nichts ahnte. Da fand man eines Morgens an dem Thore des Schlosses zu Baden einen Brief angeschlagen, worin Markgraf Karl vor den heimlichen Richterstuhl zu Walldorf vorgeladen wurde. Darob entstund bei Hof und in der Stadt große Bewegung und man forschte streng nach dem Thäter. Unter Andern wurde auch ein Fremder eingezogen, der sich des Nachts aus seiner Herberge heimlich entfernt hatte und erst gegen Morgen wieder dahin zurückgekehrt war. Dieser sagte im Verhör aus, er sey ein reisender Bildhauer, Meister Niklas mit Namen, und es wandle ihn manchmal des Nachts die Lust an, im Freien umher zu schweifen und seinen Gedanken nachzuhängen. Diesmal sey er, ohne zu wissen wie, auf den Kirchhof gekommen, wo er unter dem Oelberg eine Flamme in Gestalt eines Kreuzes vom Boden aufsteigen gesehn, worauf er alsbald gelobt habe, ein steinernes Kreuz zu verfertigen und es an diesem Platze aufzurichten.

Der Markgraf maß dieser Aussage wenig Glauben bei; da er aber im Begriff stand, zu dem unglücklichen Zuge gegen den Pfalzgrafen Friedrich V. abzureisen, so befahl er, dem Gefangenen einen Stein, wie er ihn verlangen werde, und Werkzeuge zu geben, damit er das Kreuz beginnen und vollenden könne. Sollte derselbe aber damit nicht zu Stande kommen, so erwarte ihn der Tod durch den Strick.

Der Mann legte Hand an das Werk und es gelang ihm wunderbar. Als der Markgraf später aus seiner Gefangenschaft zurückkehrte und das herrliche Werk sah, fand er an demselben großen Wohlgefallen und ließ es auf dem Friedhof aufstellen; [196] dem Meister Niklas aber schenkte er die Freiheit und behielt ihn in seinen Diensten, obgleich er sich niemals überzeugen mochte, daß derselbe nicht als Frohn im Dienste der heiligen Vehme gestanden. Wahrscheinlich hatte man den Markgrafen nur abschrecken wollen, noch ferner gegen jene Gerichte mit Ernst einzuschreiten.

Noch jetzt ist dieses Kreuz eine Zierde des Badener Friedhofes und erregt durch seine kunstvolle Arbeit die Bewunderung des Kenners. Es trägt die Inschrift: Nikolaus von Leyden, mit der Jahrzahl 1462; auch ein Wappen ist dabei angebracht.

(Siehe „Sagen aus Baden und der Umgegend.“ Karlsruhe, 1834.)