Das Münster zu Freiburg

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Textdaten
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Autor: Heinrich Schreiber
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Titel: Das Münster zu Freiburg
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 364–366
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[364]
Das Münster zu Freiburg.[1]

Wo sich am Schwarzwald Freiburg hebt,
Da ist ein Bau zu schauen,
In dem der Vorwelt Größe lebt,
Ein Schmuck den teutschen Gauen.

5
Sein Haupt so stolz, so wunderkühn,

Zum Lichte hoch gehoben,
Wie prangt es in der Sonne Glühn,
Wie prangt es sternumwoben!

[365]

Wie schlingt sich freudig das Gestein,

10
Umarmen sich die Glieder! –

So strahlet herrlich, hell und rein,
Das teutsche Leben wieder.

Und strebt herauf durch Drang und Zeit,
Muß himmelan sich ringen,

15
Und schafft ein Werk der Ewigkeit,

Und läßt sich nicht bezwingen.

Die Massen schwinden, staunend blickt
Der Wanderer nach oben,
Er folgt dem Meister hochentzückt,

20
Kann nicht genug ihn loben.


Das ist der teutsche Geist! So fliegt
Er über Nacht und Schatten;
So hat er, was ihn hemmt, besiegt,
Und wirket ohn’ Ermatten.

25
So lebt er ewig neu und jung

In dem, was er geboren,
Und weiß von keiner Aenderung,
Und bleibet unverloren.

Heinrich Schreiber.

[365] Der Anfang der Erbauung dieses herrlichen Denkmals läßt sich mit ziemlicher Gewißheit in die Tage Herzog Conrad’s von Zähringen, (1122–1152) setzen, der auch gewiß sehr viel zur Beförderung dieses Unternehmens beitrug, da es vorzugsweise seinem Namen zugeschrieben wird. Wie weit aber in den Jahren seiner Regierung dieser Bau gediehen, ist jetzt nicht mehr zu bestimmen. Zwar will die Sage das Münster unter seiner Regierung angefangen und vollendet wissen, erzählt auch noch Manches von ungeheuern Gerüsten, die weit über die Stadt [366] hinausgeragt hätten, um die Massen allmählich hinaufzuwälzen; auch zeigt man noch die Rappen, die älteste Münze der Stadt, von denen der Arbeiter täglich einen erhielt; nicht minder die sogenannten Nestel, schmale, gewirkte Bänder oder Schnüre, damals vielleicht ein nicht unwichtiger Handelsartikel, der zugleich als Geschenk und eine Art von Bezahlung diente, von mannigfaltigem, sogar auch mystischem Gebrauche[2].


Noch während der Regierung des Herzogs Conrad (im Jahre 1146) hatte Freiburg die Freude, den heiligen Vater Bernhard, der auf seinem Zuge, das Kreuz zu predigen, begriffen war, in ihren Mauern zu sehen. Er besuchte das Münster, predigte, wirkte mehrere Wunder und veranlaßte dadurch sehr viele der hartnäckigsten Einwohner, das Kreuz zu nehmen und in’s gelobte Land zu ziehen.

(Siehe im Freiburger Adreßkalender auf das Jahr 1820 S. 21 u. ff. „die Reise des heiligen Bernhard durch das Breisgau im Winter 1146.“)

Graf Conrad I., unter dessen Regierung der Münsterbau vollendet wurde, hat auch in demselben seine Ruhestätte gefunden, die man jedoch heutzutage vergeblich sucht.

(Siehe Dr. Heinrich Schreiber’s „Geschichte und Beschreibung des Freiburger Münsters.“ Freiburg, 1820. Herder.)

  1. [365] Der Baumeister des Freiburger Münsters ist bisher unbekannt geblieben; allein er mag in seinem großen Schüler, in Meister Erwin von Steinbach, verehrt werden, denn dieser arbeitete als Jüngling in der Steinmetzenhütte zu Freiburg, wurde dort in die Geheimnisse der Kunst eingeweiht und entwickelte dabei in seiner Seele wohl den Keim zu einem eigenen Werke, welches er nachmals zu Straßburg so bewunderungswürdig ausgeführt hat.
    (Siehe Joseph Bader’s „Badische Landesgeschichte“ S. 221.)
  2. Noch in später Zeit war dieses Schenken der Nestel in Freiburg gewöhnlich. Als im Jahr 1464 die Weinlese so reichlich ausfiel, daß man den Most nicht mehr aufbehalten konnte und ihn ganz unentgeldlich hergab, machte man noch da und dort ein Geschenk mit einer rothen Nestel, damit der Wein nur abgeholt würde und man ihn nicht ausschütten mußte.