Das Rittergut Kleinwolmsdorf bei Radeberg

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Das Rittergut Kleinwolmsdorf bei Radeberg
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 45–48
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Commons
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16. Das Rittergut Kleinwolmsdorf bei Radeberg.
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Denkstein an der Flurgrenze zwischen Kleinwolmsdorf und Großerkmannsdorf.

Am östlichen Eingange von Kleinwolmsdorf, eines freundlichen Kirchdorfes bei Radeberg, liegt ein Rittergut. Dasselbe trägt den Namen des nahen Dorfes, von dem es nur durch das Tal der Schwarzen oder Kleinen Röder getrennt ist. Es ist das Rittergut Kleinwolmsdorf eine alte Besitzung und zwar ein sogenanntes schriftsässiges Rittergut. Seine Gründung fällt um’s Jahr 1200. Es soll früher ein Vorwerk des großen, später zerlegten Radeberger Kammergutes gewesen sein. Bis zum Jahre 1659 gehörte das Rittergut Kleinwolmsdorf dem Landesherrn, wurde aber im genannten Jahre von diesem verkauft und kam in außerfürstlichen Besitz.

Auf dem ehemaligen Vorwerke Kleinwolmsdorf haben von altersher die Herren Cuchinmeyster, d. h. Küchenmeister, gewohnt. Dieselben versahen bei den Sächsischen Herzögen und Kurfürsten entweder die Stelle eines Oberküchenmeisters, bez. Speisemeisters, oder sie führten nur dessen Titel. Der Titel Küchenmeister war eine ehrende Auszeichnung, und stolz konnten diejenigen sein, welchen der hohe Landesherr diese zukommen ließ. Die Küchenmeister von Kleinwolmsdorf standen in gar großem Ansehen. Der bekannteste unter ihnen ist Herr George Ernst von Döhlau, der am 19. Dezember 1656 aus der Reihe der Kurfürstl. Sächs. Kammerjunker berufen ward, die Stelle eines Oberküchenmeisters am Kurfürstlichen Hofe zu Dresden einzunehmen. 24 Jahre hindurch hat er die ihm übertragene Stelle und Würde behauptet und mit Ehren verwaltet und durchgeführt. Das ihm bei Übernahme dieser Stelle zugesicherte Einkommen war nach damaligen Verhältnissen ganz ansehnlich. Ihm wurden jährlich „auf seinen Leib“ 4 Pferde zugeschrieben, außerdem 3 Diener, für seinen persönlichen Dienst ein Äquivalent von 1000 Talern, „für ihn, einen Schreiber und einen Jungen die Kost am Hofe“. – Bis auf das bare Geld scheint Döhlau auch alles erhalten zu haben. Bares Geld hatte damals einen bedeutend höhern Wert als heutzutage. Es war ja sehr selten zu haben. Der damalige Kurfürst Johann Georg II. sieht sich darum veranlaßt, seinem treuen Diener 1659 an Stelle der baren Besoldung das Vorwerk und Küchengut zu Kleinwolmsdorf „an der kleinen Redern bei Ragebergk“ in Lehn und Erbe zu geben. Der hierüber ausgestellte Lehnsbrief stammt vom 25. Juli 1656. – Herr v. Döhlau war ein Mann von großer Umsicht, Tatkraft, Geduld, von großem Geschick und großer Festigkeit. Der 30jährige Krieg war auch für das Küchengut Kleinwolmsdorf in mannigfacher Hinsicht verderblich gewesen. Herr v. Döhlau verstand es aber, die ehemalige Ertragsfähigkeit der Teiche, des Waldes, der Wiesen und der Felder [46] wieder herzustellen. Unter ihm blühte das Rittergut Kleinwolmsdorf sichtlich empor. Weithin war Herr v. Döhlau bekannt unter dem Namen: „Der neue Wolmsdorfer Herr.“ Im Herrenhause des Schlosses zu Wolmsdorf entfaltet Herr v. Döhlau ein Leben, wie es seiner Stellung und dem Geschmacke und Luxus jener Zeit entsprach. Wagen vom kurfürstlichen Vorwerk Kleinwolmsdorf, welche Jagdbeute, die Erträgnisse der Fischerei oder Früchte an den Hof nach Dresden führten, traf man zu jener Zeit wiederholt auf dem Wege nach Dresden über Großerkmannsdorf, Ullersdorf, Bühlau, Loschwitz. Den Ort Weißer Hirsch gab es damals noch nicht. – Der neue Wolmsdorfer Herr ritt immer eins der schönsten Pferde des kurfürstlichen Marstalles. Dem Herrn v. Döhlau voran sprengte stets ein Diener in der neuen, geschmackvollen Hoftracht auf mutigem Rosse, um die Bahn freizuhalten. Zwei wohlbewehrte Diener folgten ihrem Herrn und zwar hoch zu Roß.

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Das Schäfereigebäude des Rittergutes Kleinwolmsdorf.

Diese Begleitung war damals nicht nur durch die Hofsitte geboten, sondern mehr noch durch die Notwendigkeit. Der Weg durch die Heide war nicht immer gefahrlos. Zwischen der Dresdner Heide und dem Karswalde und der Masseney bei Arnsdorf wechselte in förmlichen Herden das Hochwild, dazu waren Wölfe damals keine seltene Erscheinung. Auch allerhand Gesindel machte die Gegend unsicher. – Als Küchenmeister hatte Herr George Ernst v. Döhlau für die kurfürstliche Küche zu sorgen, außerdem den Landesherrn bei Jagden und Fischfesten in der Umgegend von Radeberg zu bewirten und zu beherbergen, und sehr oft haben die Landesherren bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts Einkehr im Herrenhause zu Kleinwolmsdorf gehalten. Der erwähnte Küchenmeister Herr George Ernst v. Döhlau starb im Jahre 1683. In der Familiengruft unter dem Altarplatze der Kirche zu Kleinwolmsdorf liegt er begraben und ruht darin noch heute. – Bei seiner Beisetzung wurden sein kunstreich geschnitztes und gemaltes Familienwappen (3 silberne Fische auf blauem Grunde), sowie sein Degen und zwei schwarze, mit goldenen Inschriften versehene Fahnen in der Nähe der Kanzel aufgehängt und eine den Verstorbenen betreffende Inschrift darunter angebracht. – Wo er so gerne weilte, wollte [47] er auch im Tode sein. – Im Besitze derer v. Döhlau blieb das Rittergut bis zum Jahre 1725. Die Besitzer wechseln nun vielfach. Es werden folgende Besitzer genannt: v. Gaultier, Christian Fr. Schlötter, Christian Gotthelf v. Gutschmidt, der den heutigen Felixturm bei Wallroda erbauen ließ, Felix Freiherr v. Gutschmidt, Christian Fr. Just, Dr. Minckwitz aus Pulsnitz, unter dem ein gar großer Teil des Gutes parcelliert und verkauft ward, Johann Gotthelf Hübner, Joh. Fr. Gotthelf Zänker, 1870–1871 Philipp, 1871–1883 Kammerherr v. Beust und dessen Sohn Freiherr von Beust, 1883–1890 Suhle, 1890–1898 Amtsrat Braune und von 1898 bis zur Gegenwart Herr Gustav Georg Fleischer, der vorher mehrere Jahre hindurch Pachter des Rittergutes gewesen war.

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Jahrhunderte alte Röderbrücke in Kleinwolmsdorf.
(Im Hintergrunde das Herrenhaus des Rittergutes.)

An die herrschaftlichen Gebäude des Rittergutes stößt ein schattiger, im englischen Geschmack angelegter, parkähnlicher Garten, der von einer hohen Mauer rings umgeben ist. An der östlichen und südlichen Parkseite vorüber führt der Fahrweg nach dem Dorfe über zwei uralte Brücken, welche die Röder und einen Abzweig derselben, den Mühlgraben, überspannen. Romantisch ist die Lage des schloßartigen Herrenhauses nach Westen hin oder nach dem Rödertale zu. Die Gebäude sind auf steilen Granitfelsen aufgeführt und von hohen Bäumen beschattet. – Südöstlich vom Rittergute liegen die Hofehäuser, gegen 20 Gebäude mit ungefähr 100 Einwohnern. Die Hofehäuser gehörten noch im Jahre 1839 zum Rittergute, auf dessen ehemaligem Grund und Boden sie stehen. Sie bildeten mit diesem eine Gemeinde mit eigener Gerichtsbarkeit. Infolge des neuen Heimatgesetzes wurden die Hofehäuser oder die Hofgemeinde mit der Kleinwolmsdorfer Gemeinde links der Röder, der sogenannten Amtsgemeinde, zu einem Heimatbezirke mit einer gemeinschaftlichen Armenkasse vereinigt. Amtsgemeinde und Hofgemeinde traten zu einem einzigen Gemeindeverbande zusammen, wodurch die Hofgemeinde auch Anteil an den ziemlich umfangreichen Besitzungen der bisherigen Amtsgemeinde erhielt und dagegen sämtliche Gemeindelasten mitzutragen übernahm. –

[48] Zum früheren Vorwerke Kleinwolmsdorf, dem jetzigen Rittergute, gehörten schon im Jahre 1349 nach einer alten Urkunde die Dörfer Wolmsdorf, Häslich, Wallroda, Arnsdorf, Rudigersdorf (jetzt wüste Mark in der Masseney), Erkmannsdorf, etliche Grundstücke von Groß- und Kleinröhrsdorf. Im Erbbuche des Gerichtsamtes Radeberg vom Jahre 1551 heißt es:

„Dieser Dörfer Einwohner haben vor Zeiten neben andern der kleinen Pflege-Dorfschaften das Vorwergk zu Wolmisdorff mit aller Notdurft, wie sichs gehöret, beschicken müssen. Als es aber den 2. Juni Anno 1558 von unserm gnädigsten Herrn vererbet, sind ihnen besagte Dienste an ein gewisses Geld geschlagen worden. Obwohl nun wiederum die Leute mit solchen Diensten gegen Ostra gewiesen, so muß doch der Verwalter dieses Ortes jährlich solch Dienstgeld einantworten.“

Im Jahre 1604 hatte nach dem Copialbuche des Kgl. Sächs. Haupt-Staats-Archivs das Rittergut Kleinwolmsdorf folgende Allodialbesitzungen:

„Arnsdorf, das wüste Dorf Reinhardtswalde, einige Fluren in Radeberg, Wallroda, Lotzdorf, im Amte Stolpen 2 Zinswiesen, Kleinerkmannsdorf, Wiesen in Fischbach und Wilschdorf, Grundstücke in Groß- und Kleinröhrsdorf, ein wüstes Gut in Wallroda außerhalb des Dorfes, Straußens Gut genannt, das den 1. Mai 1605 zu Wolmsdorf kam.“ –

Zum Rittergute wurde das ehemalige Vorwerk Kleinwolmsdorf am 4. Januar 1665 unter dem damaligen Besitzer George v. Döhlau durch kurfürstlichen Spruch umgewandelt „für alle Zeiten“, dazu schriftsässig mit aller Ober- und Untergerichtsbarkeit für die ganze Pflege belehnet. –

Auf dem Rittergute Kleinwolmsdorf wurde früher bedeutende Schafzucht getrieben. Seit Jahren hat man aber die Zucht aufgegeben, da verschiedene Grundstücke nach und nach an Privatpersonen verkauft wurden und auf diese Weise mit der Zeit Mangel an genügender Weide eintrat. Doch die ehemalige Schäferei, ein großes, umfangreiches Gebäude, ist noch vorhanden. Eine große Schäferei des Rittergutes stand auch auf dem Schafberge bei Wallroda, den heute der Felixturm krönt. Der Berg trägt zur Erinnerung noch heute diesen Namen. – Das Rittergut Kleinwolmsdorf hatte ehemals auch eine eigene Försterei. Die umfangreichen Waldungen, welche vordem zu dieser Besitzung gehörten, wurden von einem Förster oder Jäger beaufsichtigt, die frühere Jägerwohnung, das alte Forsthaus des Rittergutes, ist noch gegenwärtig vorhanden. –