Das Tulpenfest in Konstantinopel

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Das Tulpenfest in Konstantinopel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 190
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[190] Das Tulpenfest in Konstantinopel. Von allen Blumen ohne Ausnahme, selbst die vielgefelerte und vielbesungene Rose mit einbegriffen, die in der letztern Beziehung übrigens gewaltige poetische Sünden zu verantworten hat, erlangte keine so große Wichtigkeit und Bedeutsamkeit, als die Tulpe, und das dürfte um so mehr zu verwundern sein, da sie des Reizes süßen Wohlgeruches entbehrt, den viele andere Blumen mit nicht minderer Farbenpracht vereinigen. Wahr ist es freilich, daß die Tulpe nicht nur die schönsten und lebhaftesten, sondern auch die mannigfaltigsten Farben zeigt, die Cultur durch die Hand des Gärtners hat das Geheimniß entdeckt, die Farbe der Tulpe durch alle Schattirungen bis in das Unendliche zu vervielfältigen, von dem Ponceauroth geht die Schattirung allmählig durch kaum merkbare Abstufungen bis zu dem matten Weiß herab; in Beziehung auf die andern Hauptfarben, Blau, Grün, Gelb, finden die Uebergänge auf gleiche Weise bis zu gänzlich unentschiedenen Färbungen statt. Auf diese einfarbigen Tulpen folgen die gestreiften, gefleckten, getupften, geflammten, mit buntem Rande umsäumten, und wie die unzähligen Abarten genannt werden mögen, die übrigens es wohl verdienen, die Aufmerksamkeit und Bewunderung des Blumisten auf sich zu ziehen.

Ohne die Liebhaberei der Tulpen so weit zu treiben, wie die Holländer, pflegen auch die Türken, welche die wahren Liebhaber schöner Blumengärten sind, die Tulpen mit besonderer Sorgfalt. Da der Himmel so milde und durchsichtig über den schönen Lande Konstantinopels schwebt, feiert man dort schon in den ersten Tagen des Frühjahrs das herrliche und prachtvolle Tulpenfest. In den glänzenden Sälen des Harems, unter den ungeheueren Bogengängen, welche die Gärten umringen, führt man amphitheatralisch Stufengerüste auf, welche man mit den köstlichsten Teppichen bedeckt. Auf diesen symetrisch geordneten Stufen stellt man in dreifacher Reihe Krystallgefäße auf, aus denen Tulpen in den glänzendsten Farben emporragen. Zwischen diesen Krystallgefäßen werden Kästen mit wohlriechenden Sträuchern aufgestellt, und von Strecke zu Strecke sprudeln Springbrunnen Strahlen von Rosenwasser empor, damit dem Geruche zugleich mit dem Gesichte geschmeichelt werde.

Am Abend wird das ganze Serail mit Tausenden buntfarbiger Lampen erleuchtet und in der Mitte dieser glänzenden Illumination erscheint der Sultan in dem blendenden Glanze von Gold und Edelsteinen und begleitet von einem Gefolge, dessen Luxus jeden Glauben übersteigt. In dem Augenblicke, wo er aus dem für ihn errichteten Throne Platz nimmt, ertönt herrliche Musik, und süße Frauenstimmen ergießen sich in weichen Melodien. Plötzlich dringt dann ein wohlgeruchathmender Strom junger Odalisken durch die Menge der Zuschauer, um, die Stirne mit Blumen bekränzt und das Lächeln auf den reizenden Lippen, Tänze und Gruppirungen auszuführen, durch die man versucht werden könnte, an die Wahrheit der lieblichen Mährchen von tausend und eine Nacht zu glauben.