Dat lütte Rümeken

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Dat lütte Rümeken
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 130–132
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[130]
51. Dat lütte Rümeken.
(1429.)

Unter den vielen guten Holsteinischen Fürsten aus dem Hause Schauenburg ist auch der Graf Otto zu nennen, welcher um 1429 zu Pinneberg auf seinem Schlosse residierte und seine Herrschaft wohl regierte. Er war ein freundlicher Nachbar unserer Stadt und lebte mit mehreren Herren des Raths in guter Gevatterschaft; kam auch zum Oefteren, wenn er etwa auf seiner Vogtei zu Ottensheim oder Ottensen (von seinem [131] Großvater Otto also genannt) gewesen war, nach Hamburg herein geritten, allwo er im Rathskeller einen weidlichen Trunk liebte und gemeiniglich von etlichen Rathsherren daselbst bewirthet wurde. Von ihm wird nun Folgendes erzählt:

Als er einstmals also da sitzet und zecht mit den Hoch- und Wohlweisen und ist guter Dinge (und die Wohlweisen trachten, wie sie ihn noch fröhlicher machen und lassen ihm vom Mutterfäßchen den besten Firne-Wein zapfen), da ereignet es sich, daß unvermuthet schnell die Zeit verstrichen und die Stunde, da alle Stadtthore fest verschlossen werden, vorüber ist. Saß also Herr Otto in der Stadt und konnte vor Tagesanbruch nicht wieder heim. Die Hoch- und Wohlweisen aber – vielleicht waren es Herr Bürgermeister Hinrich vom Berge und die Herren Erich von Tzeven, Martin Swartekopp und Simon von Utrecht, allesammt berühmte Männer und tapfere Kriegshelden – wußten ihrem Ehrengaste das Unglück so vergnüglich vorzustellen, daß er sich nicht weiter darum grämte und der Einladung des Bürgermeisters, bis zum Morgen in seinem Hause Herberge zu nehmen, gern nachkam. Als nun der Graf daselbst angelangt, siehe da steht eine saubere Tafel mit den niedlichsten Speisen und herrlichsten Weinen zum Abendimbiß bereit, und des Bürgermeisters Hausfrau credenzt dem hohen Gaste den Goldpokal. Sie war eine feine schöne Frau und ließ es sich angelegen sein, den Grafen wohl zu bedienen und gemeinsam mit ihrem Herrn in fröhlicher Rede so gut zu vergnügen, daß er von all den guten Dingen schier lustig wurde. Und als nun der reichliche Wein auch sein Bestes that, da ist die schöne Bürgermeisterin mit lieblichen Worten und holdseligen Geberden den Grafen angegangen, daß er ihr doch das kleine Räumchen schenken möge, „dat lütte Rümeken“ zwischen dem Millern-Thore und dem Bach, der zur Elbe läuft, weil die Hamburger Frauen gern auf der [132] Stadt Gebiet ihr Linnen bleichen möchten. Und da sie so artig bat und der Graf ein ritterlicher Herr war, der einer bittenden Frau, zumal wenn sie schön war, nichts abschlagen konnte, er in seiner Vergnüglichkeit auch nicht genau sich entsann, daß das gewünschte kleine Räumchen eigentlich ziemlich groß sei – so gewährte er das Ansuchen günstig; und da zufällig Herr Hermann Kreyenberg, der Protonotarius, hinzu kam, und gleich eine Abtretungs-Urkunde darüber in die Feder fassen konnte, so unterschrieb der Graf Otto flugs und fröhlich den Brief und setzte sein Siegel dabei, worauf der Wein nach abgethanen Staats-Geschäften desto besser mundete, bis der Graf vom Bürgermeister und Protonotar, nicht ohne deren thätige Beihülfe, zu Bette geleitet wurde.

Andern Morgens, als er heimkehrend über das abgetretene „lütte Rümeken“ ritt, verwunderte er sich sehr über dessen Umfang, aber er war ein edelmüthiger Herr, der fröhliche Schwänke wohl leiden konnte, darum lachte er über die List seiner Gastfreunde, die er nun wohl verstanb, und ließ die Sache gut sein. Und wenn er später, wie noch oft geschah, gen Hamburg zu Weine und Biere ritt, so nahm er sich besser in Acht, und verpaßte niemals wieder die Stunde des Thorschlusses, und hat auch beim Bürgermeister niemals wieder geherbergt, und hat der schönen Frau Gevatterin lächelnd gesagt: um das ganze Hamburger Linnenzeug zu bleichen, möchte sie wohl seine ganze Herrschaft Pinneberg für ein – lüttes Rümeken ansehen und ihm fördersamst abschwätzen.

Also soll es gekommen sein, daß die Stadt Hamburg den großen Raum bis an den Altonaer Grenzbach erworben hat. Und die seine Art, wie damals die weisen Väter der Stadt für deren Vergrößerung sorgten, wollen wir loben, und die schöne Bürgermeisters-Frau dankbar preisen – auch wenn diese Geschichte nur eine Sage ist.

Anmerkungen

[379] Als Sage auch von Geschichtschreibern erzählt, z. B. Schmid, histor. Beschreibung Altona’s S. 21. Urkundlich ist der [380] Erwerb dieser Gegend abseiten Hamburgs schon im 13ten Jahrhundert nachzuweisen