Der „Hundertjährige Kalender“

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der „Hundertjährige Kalender“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[35] Der „Hundertjährige Kalender“ ist ein Rest der Astrologie, der sich bis auf unsere Tage erhalten hat, denn es giebt noch immer gewisse Leute, die in ihrem Kalender auch den hundertjährigen kaufen wollen. Dr. Mauritius Knauer zu Langheim in Oberfranken (im 16. Jahrhundert) war der erste Verfasser eines hundertjährigen Kalenders: gedruckt wurde ein solcher zum ersten Male erst im Jahre 1701, wo ihn Dr. Hellwig herausgab. Viele Leute glauben, der hundertjährige Kalender habe seinen Namen daher, daß er das Wetter so anzeige, wie es vor hundert Jahren war. Das ist ein Irrthum, der „Hundertjährige“ leistet mehr: in ihm wird nach astrologischen Regeln das Wetter für ein ganzes Jahrhundert vorausberechnet. Dieser Wetterprophet nimmt nach altem Ptolemäischen System die Erde als feststehend an und räumt den Planeten die Herrschaft über Jahre, Tage und Stunden ein. In der Reihenfolge: Sonne, Venus, Merkur, Mond, Saturn, Jupiter und Mars lösen sich die Wandelsterne des alten Himmelsystems in ihrer Herrschaft ab. Zu dem Herrscher ersten Ranges tritt aber in gewissen Zeitabschnitten ein zweiter Planet hinzu, der den Einfluß desselben je nach seinen Eigenschaften abschwächt oder verstärkt. Nach diesen alten Lehren ist Saturnus der oberste der Planeten, ein Feind und Verderber, „giftig von Natur, kalt und trocken“. Die Sonne ist ein freundliches Gestirn, im Gegensatz. Der Mond ist kalt und windig, Jupiter feucht und warm, Mars heiß und trocken, Venus und Merkur sind kalt. – Wer Lust und Zeit hat, solche astrologische Berechnungen näher kennen zu lernen, der kann dies aus der lehrreichen, für weitere Kreise bestimmten Zeitschrift „Das Wetter“ (Verlag von Otto Salle, Braunschweig) erfahren; Freunden des „Hundertjährigen“ und Anhängern vieler abenteuerlicher Wetterpropheten der Neuzeit möchten wir die Zeitschrift dringend zum Studium empfehlen. Sie werden daraus lernen, wie man „wirkliche“ Wetterprophezeiungen anstellen kann und wie weit unser Wissen und wie weit unser Aberglauben reicht.