Der „dialogus miraculorum“ des Cäsarius von Heisterbach in seinen Beziehungen zu Aachen

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Autor: Johannes Pschmadt
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Titel: Der „dialogus miraculorum“ des Cäsarius von Heisterbach in seiner Beziehung zu Aachen
Untertitel:
aus: Aus Aachens Vorzeit (AAV), Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit.Heft 1/1900
Herausgeber: H. Schnock
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Erscheinungsdatum: 1900
Verlag: Cremer
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Erscheinungsort: Aachen
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Der „dialogus miraculorum“ des Cäsarius von Heisterbach in seinen Beziehungen zu Aachen.
Von J. Pschmadt.

Jeder Rheinländer kennt das waldumrauschte Heisterbach mit seinen malerischen Trümmern, die ein ebenso beredtes Zeugnis ablegen von der Kunst der Cisterziensermönche, die hier von 1203–33 ein prächtiges Gotteshaus erbauten, als auch von jener Barbarei, die sich in unserm Jahrhundert nicht scheute, ein so schönes Bauwerk zu zerstören.

In der langen Reihe von Mönchen, die im Laufe von 600 Jahren Heisterbach bewohnt haben, ist wohl keiner weitern Kreisen so bekannt geworden, als der Prior Cäsarius, der zur Zeit der Erbauung der Kirche dort lebte. Cäsarius war ohne Zweifel Rheinländer; vielleicht war Köln seine Vaterstadt. Jedenfalls hat er als Knabe in Kölner Schulen seine Ausbildung genossen. Er mag um das Jahr 1180 geboren sein. In das Kloster trat er gegen die Wende des 12. Jahrhunderts, etwa um 1198 oder 1199, und starb daselbst in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts. Cäsarius nahm im Orden eine geachtete Stellung ein. Er war der Freund und Reisebegleiter mehrerer Äbte und bekleidete die Ämter eines Priors und Novizenmeisters. Seinen Ruf nach aussen verdankt er seinen Schriften. Er selbst hat uns ein Verzeichnis derselben hinterlassen, in dem 36 Nummern theologischen und geschichtlichen Inhaltes aufgeführt sind. Durch die Werke des Cäsarius weht die Freude am Geheimnisvollen. Namentlich tritt dieser Zug in seinem Dialogus miraculorum hervor, einem Buche, in dem in Form des Gespräches eine Menge von Wunder-, Geister- und Teufelsgeschichten erzählt wird. Wegen dieser Schrift ist Cäsarius der Gegenstand zahlreicher Angriffe gewesen, und in Spanien ist das Buch sogar verboten worden. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass es ein Denkmal der Leichtgläubigkeit des Schriftstellers und seiner Zeit ist. Die meisten der in demselben enthaltenen Geschichten ergeben sich auf den ersten Blick als Erzeugnisse erregter Einbildungskraft. Andere verdanken ihre Aufnahme in ein Buch der „Wunder“ nur dem damaligen Mangel an heil- und naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Aber wenn die Schrift ihre Schwächen hat, so besitzt sie doch auch ihre Verdienste. Es tritt aus ihr das Volksleben jener fernen Zeit in klaren und ansprechenden Bildern hervor. Sie bildet eine unschätzbare Fundgrube für die Personenkenntnis, für die Erforschung der Sitten und Bildung sowie des Sagenreiches des 13. Jahrhunderts. Cäsarius ist auf seinen vielen Reisen auch mehrfach in Aachen gewesen. Gehörten doch die Nonnen des Salvatorberges seinem Orden an. So konnte es denn nicht fehlen, dass auch unsere Heimat in den Mitteilungen des Heisterbacher Priors verschiedentlich erwähnt wurde. Mehreres von dem, was Cäsarius aus Aachen und Umgegend erzählt, ist bereits in einigen Schriften über Aachener Geschichte wiedergegeben worden. Eine Zusammenstellung aller seiner Mitteilungen aus Aachen in hiesigen Veröffentlichungen fehlte bis jetzt. Eine Ausfüllung dieser Lücke dürfte nicht unwillkommen sein. Wir halten uns dabei an die Übersetzung von A. Kaufmann in den Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das damalige Aachen. Es ist das Jugendalter unseres vaterstädtischen Gemeinwesens, in das die Erzählungen des Cäsarius uns versetzen. Der zur Stadt erhobene „königliche Ort“[1] hat eine für die damalige Zeit ansehnliche Grösse erlangt. Während das Aachen Karls des Grossen aus der Pfalz dieses Herrschers und einem westlich[2] von dieser gelegenen Flecken bestand, hat in den folgenden vier Jahrhunderten die Ansiedelung des Volkes sich so vergrössert, dass die alternde Königsburg sich von derselben rings umgeben sieht. Sie bildet nun nicht mehr die östliche Hälfte, sondern den Mittelpunkt Aachens. In den Strassen der Stadt bewegt sich eine täglich wachsende, ebenso privilegienstolze als gewerbfleissige und thatkräftige Bevölkerung, die aber auch dem Leichtsinne[3] nicht abhold ist. Ihre Häuser sind ziemlich eng umschlossen von der durch Friedrich den Rothbart angeordneten Befestigung, deren Mauerring vielleicht noch nicht alle seine 20 Thore und Türme[4] erhalten hat, die aber doch schon stark genug ist, Handstreiche abzuwehren und dem Landvolk der Umgegend in Kriegszeiten eine sichere Zufluchtsstätte für sich und seine fahrende Habe[5] zu gewähren. In der Mitte der Stadt erhebt sich, weithin sichtbar, die Pfalz. Ihre Kapelle ist wohl erhalten, und man hat ihr nur neumodische, romanische[6] Dächer aufgesetzt. Sie dient eben unvergänglichen Zwecken, ist wohl bestiftet und wird von einer angesehenen Genossenschaft, dem Stiftskapitel, bedient und gepflegt. Ganz anders verhält es sich mit dem Palaste. Seine Zeit ist vorbei. Die Könige, deren grosser Vorgänger ihn erbaute, erscheinen kaum noch das eine oder andere Mal in den verfallenden Hallen. Die Güter, welche der Pfalz ihren Bestand sichern sollten, sind grossenteils veräussert, und die Männer, die von dem alten Kaiserschlosse aus das Recht und den Vorteil des Reichsoberhauptes wahrzunehmen berufen sind, scheinen sich allmählich in Aachener Bürger zu verwandeln[7]. So sieht man der Pfalz denn deutlich die Unbilden an, die der Zahn der Zeit, Feuersbrunst und Kriegsnot ihr angethan haben. Neben den Türmen des Palastes und des Münsters überragt der Turm der neuen Leutkirche, St. Foillan, die Ringmauer der Stadt, andeutend, dass neben den Faktoren, welche der alten urbs Aquensis bis dahin ihr Gepräge gegeben haben, ein weiteres Element auf der Bildfläche erschienen ist, dessen Bedeutung vom Beginne des 13. Jahrhunderts ab in zahlreichen Urkunden zum Ausdruck kommt, und das in der Zukunft neben den königlichen Beamten, den Urteilsfindern des Schöffenstuhles und den Würdenträgern des Stiftes sich zur Geltung bringen, ja vorherrschen soll, das Bürgertum. Vor den Thoren erheben sich die Gotteshäuser von St. Salvator, St. Peter, St. Adalbert und St. Jakob. Sie liegen meist an jenen Strassen, auf welchen seit Jahrhunderten Landvolk und Kaufleute, Pilger und Herren, Fürsten und Könige den ersten Königshof im Reiche[8] aufgesucht haben, und zeigen zugleich die Hauptrichtungen an, nach denen sich die Stadt ausdehnen wird.

Reichliche Waldbestände umgeben diese, und ihre grimmigen Bewohner, die Wölfe, bilden eine wahre Landplage[9].

Das Aachen des beginnenden 13. Jahrhunderts nennt sich die „königliche Stadt“[10], nicht bloss in dem Sinne, in welchem noch unsere Urgrossväter sich mit Stolz Bürger der kaiserlichen freien Reichsstadt nannten. Nein, es führt diese Bezeichnung auch darum, weil dieselben Leute, die meist in dem „königlichen Orte“ an Stelle des Königs alles zu bedeuten gehabt haben, noch fortfahren, im Namen des kaiserlichen Herrn das grosse Wort zu führen. Es sind das die kaiserlichen Beamten: der Vogt, der Schultheiss und der Meier[11]. Neben ihnen bilden Ministerialen, Ritter und Schöffen den massgebenden Teil der Bevölkerung, vornehme Männer, deren Damen sich bei Ausgängen von Dienern begleiten lassen[12]. Seit Jahrzehnten erben die Ämter von Vogt und Schultheiss in denselben Familien fort[13]. Die Vögte heissen meist Wilhelm und nennen sich, wie es aller Vögte Brauch ist, nach dem Orte „von Aachen“. Die Schultheissen tragen den Namen Arnold und entstammen der edeln Sippe „von Gymnich“. Neben der weltlichen Obrigkeit haben auch die Vertreter der Kirche höchstes Ansehen. Die Mutterkirche ist unser ehrwürdiges Münster. Seine Würdenträger[14], Dechant, Propst, Scholaster, Kantor und Erzpriester, geniessen hohe Ehren. Erlauchte Männer haben diese Würden schon bekleidet. Der Erzpriester ist das geistliche Oberhaupt des Volkes. Das Stiftskapitel steht unabhängig neben den weltlichen Obrigkeiten. Als Korporation ist es älter als die bürgerliche Gemeinde. Es verwahrt deren Siegel, Urkunden und Privilegien[15]. Seine gelehrten Geistlichen amten als Archivare und Notare. Sie verwahren nicht bloss der Stadt Privilegien, sondern stellen deren auch aus, wenn es nötig ist[16]. Das Kapitel und seine Untergebenen sind von städtischen Lasten frei[17]. Zwischen Pfaffheit und Laien herrscht nicht immer gutes Einvernehmen[18]. Schon haben Aachener Ritter auf kaiserlichen Befehl bestraft werden müssen, weil sie an Stiftsherren des Münsters die frevelnde Hand gelegt haben[19]. Während das links der Wurm liegende Aachen zur Diözese Lüttich gehört, untersteht das „over Worm“ liegende Burtscheid mit seinem herabgekommenen Benediktinerstift[20] dem Erzbischofe von Köln. Das Volk ist seit Jahrhunderten zum Christentum bekehrt und durch seine Geschichte und seine Einrichtungen mit demselben enge verwachsen. Dennoch müssen einzelne Reste des Heidentums von der Kirche noch immer bekämpft werden. Man tanzt um den Maibaum[21] und veranstaltet aus heidnischen Anschauungen hervorgehende Aufzüge[22]. Daneben zeigen sich auch Kundgebungen tiefen Ernstes und grosser Frömmigkeit.

Gehen wir nun zu den Mitteilungen über, die Cäsarius von Heisterbach uns aus dem damaligen Aachen hinterlassen hat. Er erzählt: „Ein Mann, der in der Nähe von Aachen wohnte, hatte drei Kinder. Zu der Zeit aber, da König Philipp dort gekrönt wurde, zeigten sich in der Gegend viele Wölfe. Einer derselben fand ausser dem Hause jenes Mannes eins von dessen Kindern, raubte es, warf es sich auf den Rücken und eilte damit in den Wald. Ein Ritter, der zufällig des Weges geritten kam, erbarmte sich des Kindes, verfolgte den Wolf, und es gelang ihm, den Knaben gesund und wohlbehalten den Zähnen des Ungetüms zu entreissen. Nicht lange nachher ist derselbe Knabe wieder von einem Wolfe geraubt, erwürgt und aufgefressen worden. Der Knabe besass noch eine ältere Schwester. Als diese einmal, um aus einer Quelle Wasser zu holen, über Feld geschickt worden war, stürzte vor den Augen vieler ein Wolf auf sie los, und ehe man ihr zu Hülfe kommen konnte, hatte er das Mädchen getötet und zerfleischt. So hatte also jener Mann zwei Kinder verloren. Als er nun einmal während eines Krieges sein Weib und seine fahrende Habe nach der Stadt gebracht hatte, liess er sein drittes Kind, einen Knaben, um das Haus zu behüten, zurück. Heimkehrend fand er den Knaben nicht mehr und hat ihn niemals wiedergesehen. Es ist wahrscheinlich, dass er gleich den beiden andern durch einen Wolf geraubt und erwürgt worden ist.“

So weit Cäsarius. Noch im vorigen Jahrhundert waren Wölfe in der Aachener Umgegend keine Seltenheit. So erzählt der Ratsdiener Jansen in seinem Gedenkbuche[23], dass ein Einwohner von Kornelimünster in der Nähe seines Hauses von einem Baume aus den Wölfen auflauerte. Nach den Mitteilungen des Freiherrn von der Trenck wurden noch in dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts grosse Wolfjagden in den Waldungen bei Montjoie[WS 1] veranstaltet[24]. Vielleicht den letzten Wolf in der Nähe unserer Stadt erlegte im Jahre 1860 Herr Freiherr von Broich bei Laurenzberg[WS 2]. Philipp von Schwaben, zu dessen Zeit sich die von Cäsarius erzählte Geschichte zugetragen hat, war von 1198–1208 deutscher König und wurde am 6. Januar 1205 hier gekrönt. Von 1187–1193 bekleidete er im Aachener Münster die Würde eines Propstes und liess die Klostergebäude, namentlich das Dormitorium, neu erbauen[25]. Wahrscheinlich rührt die Säulenstellung an der Armenseelenkapelle des Domumganges von seinen Bauten her. In dem Kriege, der den unglücklichen Vater veranlasste, seine fahrende Habe nach Aachen zu retten, dürfte die Belagerung Aachens durch den Gegenkönig Philipps, Otto von Braunschweig, stattgefunden haben im Jahre 1198. Ich lasse jetzt den Cäsarius fortfahren.

„In Burtscheid lebte ein Mönch von so grosser Einfalt, dass er beinahe Tag und Nacht bei den Bädern, welche dort vor der Klosterpforte auf natürliche Weise warm zum Vorschein kommen, mitten unter den Armen sass, ihnen die Rücken rieb, die Köpfe wusch und die Kleider reinigte. Als ihn der Abt und die Brüder öfters und scharf deshalb zur Rede stellten, liess er doch nicht davon ab, sondern entgegnete mit den Worten heiliger Einfalt: „Wenn ich es lassen wollte, wer würde dann den Armen solche Dienste leisten?“ Als er einmal einen Bittgang nach Köln gemacht, wohnte er dort bei einem gewissen Abraham. Wie nun in der Peterskirche zur Matutin geläutet wurde, stand er auf, und als er dorthin eilend, ein Fenster des obern Stockwerks, in welchem er geschlafen, offen stehen sah, hielt er dasselbe für eine offene Hausthür, ging hinaus und gelangte wohlbehalten auf die Strasse und in die Kirche. Als er nach beendigter Matutin an der wirklichen Hausthüre pochte und von denjenigen, welche ihm öffneten, gefragt wurde, woher er komme und auf welche Art er das Haus verlassen habe, da erfuhren sie durch seine Antworten, dass er nicht durch die Thür, sondern durch jenes Fenster hinausgelangt sei; er selbst war sich nicht bewusst, dass ein Wunder an ihm geschehen, denn da besagtes Fenster, das ich selbst kenne, ziemlich hoch gelegen ist, so unterliegt es keinem Zweifel, dass ihn heilige Engel hinabgetragen haben.“

Die Burtscheider Klosterpforte, von der Cäsarius hier redet, ist wohl das Jonasthor und das davorliegende Bad das nach der Abteikirche benannte erst kürzlich abgebrochene Johannesbad.

„In dem Kloster Burtscheid, nahe bei Aachen, befindet sich ein ellengrosses Gemälde des hl. Bischofs Nikolaus, welches der griechische Königssohn Gregor, der Gründer und erste Abt jenes Klosters, dorthin gebracht hat. Es soll dasselbe Gemälde sein, das, wie in den Wundern des hl. Nikolaus erzählt wird, der heidnische Zöllner an sich genommen und als Bewachung seines Schatzgewölbes aufgestellt hatte, was dann Veranlassung zu seiner Bekehrung bot, als er sein Vermögen verloren, dasselbe jedoch wiedererhielt, nachdem er das Bild geschlagen hatte. Das Gemälde hat viele Wunder gewirkt. Als es einmal in das Haus einer in Geburtswehen liegenden, ehrbaren Frau gebracht und derselben gegenüber an der Wand aufgestellt worden, hat es sich in der Geburtsstunde, gewissermassen um nicht auf die Kreisende sehen zu müssen, vor den Augen aller Anwesenden umgedreht. Das Gesicht auf dem Bilde ist länglich und mager, sehr ernst und würdevoll. Die Stirne kahl, die Haare des Hauptes und des Bartes sind weiss. Als unlängst die Mönche das Kloster verliessen, erhielten die Nonnen unseres Ordens das Gebäude nebst diesem Bilde.“

Das Bild, von welchem hier die Rede ist, befindet sich noch immer in der Schatzkammer der Burtscheider Abtei. Es ist ein byzantinisches Bild und mag daher wohl von dem Gründer der Abtei, dem seligen Abte Gregor, der aus dem byzantinischen Reiche stammte, nach Burtscheid gebracht worden sein. Es hat im Jahrhunderte des Cäsarius eine künstlerische Umrahmung erhalten, auf welcher die Geschichte von dem heidnischen Zöllner dargestellt ist. Das Bild ist von Dr. Franz Bock in seiner Schrift über die Burtscheider Heiligtümer in Holzschnitt wiedergegeben worden[26]. Die noch in unsern Tagen geltende Annahme, Abt Gregorius sei ein griechischer Königssohn gewesen, ist heute durch die neuesten Forschungen widerlegt[27]. Gregor stand der Burtscheider Abtei von 996–999 vor. Auf Anregung des verstorbenen Pfarrers, Herrn Wilhelm Straub zu Burtscheid, wurde ihm in der Abteikirche ein Denkmal gesetzt. Das Kloster Burtscheid war Benediktinerkloster bis 1222, wo die letzten fünf Mönche in das der Kirche gegenüberliegende jetzige Pfarrhaus, das noch heute eine Nikolauskapelle besitzt, versetzt wurden[28]. Das Abteigebäude selbst bezogen dann auf Anordnung des Erzbischofs von Köln, des hl. Engelbert, die Nonnen des Salvatorberges.

„Als Meister Johannes, Dechant von Aachen, sich noch auf der Schule befand, wurde er einmal so schwer krank, dass er beichtete und die hl. Ölung empfing; es schien keine Hoffnung mehr vorhanden, ihn dem Tode zu entreissen. Schon stieg ihm die Materie ins Gehirn. Wie er nun so allein dalag, geriet er in Verzückung und sah ihm unbekannte Männer eintreten. Sie hatten Wageschalen in den Händen und legten kurze viereckige Hölzer vor ihn. Während diese Männer an der einen Seite des Bettes standen, erschienen drei berühmte Bekenner, der hl. Bischof Martin von Tours, der hl. Bischof Godehard von Hildesheim und der hl. Bernward, und stellten sich an die andere Seite des Bettes. Jetzt legten jene Männer den Knaben Johannes auf die eine Wageschale und beschwerten die andere mit den Hölzern; als jedoch die Wageschale, auf welcher der Kranke lag, als die leichtere, in die Höhe ging, legten die hl. Bekenner zu dem Knaben noch einen Bettelbuben in die Schale, und nun sank diese weit tiefer als jene, welche mit Hölzern beladen war. Sofort kam Johannes, wie er mir selbst erzählt hat, in Schweiss; es erfolgte die Krisis, und in kurzer Zeit war er von der Krankheit genesen. Jenem kleinen Bettelbuben hatte Johannes öfter Brot geschenkt und hatte ihn der Mildthätigkeit seiner Mutter empfohlen.“

Magister Johannes, Dechant des Münsters, wurde 1222 Abt zu St. Trond und 1223 Abt zu Deutz[29]. Das Seelen- oder Sündenwägen kommt in Erzählungen des Mittelalters öfter vor[30]. Bekanntlich meldet auch der Pseudo-Turpin, wie das Schicksal Karls des Grossen in der anderen Welt in der Weise entschieden worden sei, dass die Sünden des Kaisers in eine Wageschale, seine guten Werke aber in die andere geworfen worden seien[31].

„Als Oliver, der Scholastikus von Köln, vor etlichen Jahren durch ein Dorf kam, sah er dort einen Widder aufgerichtet und um denselben einen Reigen mit Gesang und Musikinstrumenten aufführen; so oft aber die Tanzenden bei dem Kopfe des Widders vorbeikamen, schauten sie zu demselben auf und verbeugten sich gesenkten Hauptes, als ob sie ihn anbeteten. Wegen dieses verabscheuungswürdigen Gebahrens wollte Oliver jenes Dorf nie wieder betreten. Neulich habe ich von einem frommen und gelehrten Manne gehört, der Ort, wo man solch ein Unding auf richte, würde durch Hagel, Feuer oder eine sonstige Plage verwüstet werden. Denn als in diesem Jahre, um vom Widder zu schweigen, in Aachen ein Kranz aufgerichtet worden war, und Johannes, der Pfarrer dieser königlichen Stadt, den Baum, wie auch andere Kränze hatte abhauen lassen – der Pfarrer wurde dabei durch Leute, die sich widersetzten, verwundet – befahl Wilhelm, der Vogt von Aachen, gegen den Priester in heftige Schmähungen ausbrechend, alsbald einen noch höhern Baum aufzurichten; wie jedoch viele vorausgesagt, verhängte Gott wegen der ihm und seinem Priester angethanen Schmach und älteren Sünden des Volkes eine schwere Strafe. Schon nach wenigen Tagen vernichtete eine so grosse und entsetzliche Feuersbrunst nahezu die ganze Stadt, dass viele seufzten: Schwer liegt auf uns die Hand des Herrn.“

Scholaster Oliver von Köln war eine Zierde des deutschen Klerus. Er war Kreuzprediger und Kreuzfahrer, wurde Bischof von Paderborn und starb als Kardinal 1225[32]. Der Erzpriester Johannes, der nicht mit dem oben genannten Dechanten gleichen Namens zu verwechseln ist, kommt in Urkunden vor. Sein Neffe Konrad, Kanonikus-Kantor, stiftete ihm 1261 ein Jahrgedächtnis[33]. H. Loersch ist geneigt, in den Bäumen, die der Aachener Pleban umhauen liess, sogenannte Maibäume zu sehen[34]. Er setzt dann den im Reineke de Vos vorkommenden, bis dahin unerklärten Satz „dar hadde hî werf alse meibôm tô aken“ mit dem von Cäsarius berichteten Vorgang in Verbindung und deutet diesen Satz so: Ebensowenig als ein Maibaum nach Aachen gehört, ebensowenig hatte der Fuchs im heiligen Lande zu schaffen. Die Feuersbrunst, welche damals die Stadt einäscherte, ereignete sich am 1. August 1224. Das ist also das Jahr, da die Aachener um den „Maibaum“ tanzten und ihren pflichtgetreuen Erzpriester misshandelten. Die Errichtung von Maibäumen entstammte alten heidnischen Gebräuchen[35]. Der Stadtpfarrer Johannes bekämpfte also in dem Baume einen Rest heidnischer Anschauung. Ganz gewiss führten solche Feste auch oft zu Unordnungen anderer Art.

Der bei dem Vorgange auftretende Vogt Wilhelm wird zuerst in einer Urkunde von 1213 genannt. Er verwaltet die Vogtei bis 1249. In den Streitigkeiten zwischen Kaiser und Papst steht er auf Seiten des ersteren. Im Jahre 1230 stellt er dem päpstlichen Legaten, Kardinal Otto von St. Nikolaus, im tullianischen Kerker nach und nimmt den aus Preussen zurückkehrenden Bischof von Modena in Aachen gefangen. Noch im Jahre 1248 ist er die Seele der Verteidigung Aachens gegen König Wilhelm von Holland. Danach verschwindet sein Name in der Aachener Geschichte. Das Totenregister des Münsters erwähnt die durch ihn erfolgte Schenkung eines Hauses in der Kleinmarschierstrasse an das Münster und fügt hinzu, dass er vor der Kirche begraben worden sei[36]. Ob wir hier nun an eine Beerdigung in der Vorhalle des Münsters oder an eine solche auf dem heutigen Domhofe zu denken haben, bleibe dahingestellt. F. Jungbluth[37] meldet, man habe 1843 bei den Nachgrabungen im Münster in der Vorhalle an der südlichen Wand gegenüber dem an der nördlichen Seite befindlichen Grabe des Gerhard Chorus ein Grab gefunden, das er für das Grab des Schultheissen Arnold von Gymnich hält. Arnold war Zeit- und Gesinnungsgenosse des Vogtes Wilhelm. Beide handelten oft gemeinsam. Hat Jungbluth nun vielleicht den Schultheiss mit dem Vogt verwechselt? Oder woher stammt die Vermutung, das Grab in der Vorhalle sei das Grab des Gymnichers?

„Auf dem Salvatorberg bei Aachen ist unlängst eine Eingeschlossene gestorben, welche unter andern Reliquien auch einen Zahn des hl. Bartholomäus besass. Da der Priester, welcher ihr die Messe las, hiervon Kunde hatte, bat er sie um den Zahn; als aber die Eingeschlossene sich weigerte ihn herzugeben, stiess der Priester die Drohung aus, er würde sich ganz von ihr zurückziehen, wenn sie ihm nicht wenigstens die Hälfte des Zahnes überlassen wolle. Sie liebte zwar ihre Reliquien sehr, konnte aber den Priester nicht entbehren, und so liess sie denn, wenn auch ungern, die Teilung zu. Aber, o Wunder! Sobald der Priester das Messer an den Zahn legte, tröpfelte plötzlich Blut heraus, als ob der Heilige noch einmal leiden müsse. Entsetzt bei diesem Anblicke, gab der Priester jener ihren Zahn zurück. Ich habe denselben im verflossenen Jahre bei den Nonnen zu Burtscheid gesehen.“ Ein Zahn des hl. Bartholomäus befindet sich noch heute im Burtscheider Reliquienschatze[38]

„Als unser Abt im verflossenen Jahre auf dem Salvatorberg bei Aachen die Messe las, wurde ihm nach Beendigung derselben eine Besessene zugeführt. Nachdem er über ihr Haupt die evangelische Lektion von Christi Himmelfahrt gelesen und bei der Stelle: „Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden geheilt werden“, die Hand auf das Haupt der Besessenen gelegt hatte, schrie der Teufel so entsetzlich, dass wir alle von Grausen erfüllt wurden. Beschworen, auszufahren, erwiderte er: „Noch will es der Allerhöchste nicht“. Gefragt, wie er eingefahren, gab er keine Antwort und litt auch nicht, dass die Frau antwortete. Endlich hat diese bekannt, bei den Worten ihres erzürnten Mannes: „Geh’ zum Teufel“, habe sie empfunden, wie der Böse durchs Ohr in sie hineingefahren sei. Es war diese Frau eine bekannte Person aus der Gegend von Aachen“.

Der hier von Cäsarius angeführte Heisterbacher Abt war Abt Heinrich[39]. Die erste Kirche auf dem Salvatorberge liess Ludwig der Fromme erbauen. Sie musste bereits 870 von Ludwig dem Deutschen wieder in Stand gesetzt werden[40]. 997 gründete dann die edle Witwe Alda dort ein Kloster für freigeborene Jungfrauen[41]. Das Kloster lag nördlich von der Kapelle[42]. Es war von den Nonnen bis 1222 bewohnt, wo diese nach Burtscheid versetzt wurden.

„Vor ungefähr drei Jahren ist auf dem Salvatorberge, einem Hause unseres Ordens, um Weihnachten ein, wie ich meine, neunjähriges Mädchen gestorben. Als aber der Konvent bei lichtem Tage im Chore war, trat auch jenes Mädchen mit in den Chor. Beim Eintritte verneigte es sich tief vor dem Altare und begab sich dann an seinen gewohnten Platz. Ein anderes Mädchen von beinahe gleichem Alter erblickte dort die Erscheinung, und da es wusste, dass seine Gefährtin gestorben war, wurde es von solchem Grausen ergriffen, dass alle es bemerkten. Von der Frau Abtissin Benigna, aus deren Munde ich den Vorfall gehört habe, befragt, was solch ein Entsetzen hervorgerufen, antwortete das Kind; „So und so ist Schwester Gertrudis im Chore erschienen, und als nach dem Schlusse des Vespergebetes das Gedächtnis unserer lieben Frau gebetet wurde, hat die Verstorbene, neben mir stehend, bei der Kollekte sich zu Boden geworfen. Nach ihrer Beendigung stand sie wieder auf und entfernte sich. Das war die Ursache meines Entsetzens.“ Die Abtissin, welche fürchtete, es liege Teufelsblendwerk zu Grunde, sagte zu dem Mädchen: „Schwester Margarethe“, so hiess das Kind, „sollte Schwester Gertrudis noch einmal zu dir kommen, so sprich „Benedicite!“ Antwortet sie dir mit „Dominus“, so frage, woher sie komme, und was sie begehre?“ Am folgenden Tage kam Schwester Gertrudis abermals, und als sie auf jenen Gruss mit „Dominus“ geantwortet hatte, sagte Schwester Margaretha: „Schwester Gertrudis, woher kommst du, und was begehrst du?“ Sie erwiderte: „Zur Genugthuung bin ich hierher gekommen. Weil ich im Chore gern mit dir zischelte und halblaute Worte flüsterte, ist mir befohlen, an demselben Orte, wo ich gesündigt habe, auch Genugthuung zu leisten, und wenn du dich nicht vor dem gleichen Fehler hütest, wirst du nach deinem Tode dieselbe Strafe erleiden.“ Als sie zum vierten Male so Genugthuung geleistet, sagte sie zu ihrer Mitschwester: „Nun ist meine Busszeit um, und du wirst mich ferner nicht mehr sehen“, was denn auch geschah. Vor Margarethas Augen ging sie auf den Kirchhof zu und stieg in merkwürdiger Weise über die Mauer. Das war das Fegefeuer dieses Mädchens. Margaretha aber ist durch diese Drohung der Verstorbenen so erschüttert worden, dass sie bis auf den Tod erkrankte. Vollständig der Sinne beraubt, lag sie da, wie bereits gestorben. Nach einer Stunde wieder zu sich gekommen, beteuerte sie, bei unserer lieben Frau einige der Schwestern gesehen, andere dagegen nicht gesehen zu haben. Sie teilte ferner mit, die hl. Jungfrau habe eine Krone in der Hand gehabt und gesagt, sie gehöre dem Priester Steppo. Dieser Steppo war ein frommer und erstaunlich mildthätiger Mann, welcher auf demselben Berge Gott und den Schwestern diente. Damit man aber wisse, dass man sich über die Art und Weise, wie auch ein Gerechter sterben kann, nicht zu viel Sorge machen soll, bemerke ich noch: Selbiger Steppo erkrankte im verflossenen Jahre an einem Fieber, und als ihm die Materie ins Gehirn stieg, wurde er so vollständig der Sinne beraubt, dass er allerlei Gotteslästerungen ausstiess. Nachdem er gestorben und beerdigt worden, wollte Gott dessen Verdienste an den Tag bringen und hat ihn gewürdigt, dass an seinem Grabe Wunder geschahen. Wie ich gehört habe, legen sich Kranke darauf und gehen hergestellt von dannen.“

Über den hier genannten Priester Steppo liegen auch anderweitige Nachrichten vor, welche die Mitteilungen des Cäsarius bestätigen. So heisst es von ihm in einer Mitteilung, die sich bei Gelenius findet, zum 30. Mai, dass er, nachdem er der Priester der Cisterzienserinnen auf dem Salvatorberge und ihr Beichtvater gewesen, im Jahre 1221 gestorben sei und nach dem Tode durch Wunder geglänzt habe[43].

„Wie die Abtissin Helswendis von Burtscheid in den Orden eingetreten ist.

Diese Helswendis war und ist noch die Tochter des Schultheissen von Aachen, eines höchst mächtigen und reichen Mannes. Schon in frühester Kindheit hegte sie den lebhaftesten Wunsch, in ein Kloster zu treten und bat ihre Mutter: „O lass mich doch Nonne werden!“ Sie pflegte mit ihrer Mutter öfters den Salvatorberg zu besuchen, auf welchem damals die Burtscheider Schwestern ihren Konvent hatten. Eines Tages schlich sich das Kind durch ein Kirchenfenster hinein, bestieg den Schlafsaal, hüllte sich in ein Nonnenhabit und ging mit in den Chor. Als die Mutter, die eben im Begriffe stand, wegzugehen, von der Abtissin den Vorfall gehört, nahm sie denselben scherzhaft und sagte dann: „Ruft den Diener! wir müssen fort.“ Da erschien das Kind am Fenster und sagte: „Ich bin Nonne! ich gehe nicht mit dir!“ Die Mutter, welche sich vor ihrem Gatten fürchtete, erwiderte der Kleinen: „Komm jetzt nur mit, ich werde deinen Vater bitten, dass er dir erlaubt, ins Kloster einzutreten.“ So kam das Mädchen heraus und ging mit. Zu Hause aber schwieg die Mutter über den Vorfall. Da ereignete es sich, dass die Mutter einmal, während die Tochter noch schlief, wiederum auf den Berg ging. Als Letztere aufgestanden war und die Mutter in der Kirche suchte, aber nicht fand, vermutete sie dieselbe auf dem Berge und folgte ihr dorthin nach. Hier kletterte sie wieder durch jenes Fenster, zog wieder ein Nonnengewand an und entgegnete der Mutter, als diese sie bat herauszukommen: „Jetzt wirst du mich nicht abermals täuschen“, mit welchen Worten sie auf jenes Versprechen deutete. Nachdem die Mutter in grosser Angst und Bestürzung den Berg verlassen, stieg der Vater, begleitet von seinen Brüdern, wutschnaubend hinauf, brach die Thüre ein und holte die jammernde Kleine heraus. Diese wurde sodann Verwandten übergeben, welche sie von ihrem Vorhaben abbringen sollten. Obwohl sie aber, wie ich glaube, noch nicht volle neun Jahre alt war, gab sie auf alle Einwendungen so kluge Antworten, dass alle sich darüber verwunderten. Wie aber begab es sich weiter? Als der Bischof von Lüttich den Vater und die Andern, welche das Kind entführt hatten, in den Bann gethan, wurde dasselbe dem Kloster zurückgegeben und nach Verlauf nur weniger Jahre erwählte man Helswendis zur Abtissin.“

Der Schultheiss Arnold von Gymnich tritt seit 1211 in Urkunden auf. Er steht in den Kämpfen zwischen Otto von Braunschweig und Friedrich II. auf welfischer Seite. 1215 hält er vor dem Staufen die Thore der Krönungsstadt geschlossen. Allein die Mehrzahl der Aachener ist staufisch gesinnt. Sie jagen den Schultheiss in die Befestigung, welche er neben oder bei dem Palaste errichtet hat, und öffnen dann Friedrich II. die Thore. Von da ab erscheint Arnold von Gymnich als zur staufischen Partei gehörig. Wir sehen ihn überall an der Seite des Vogtes Wilhelm im Interesse Friedrichs II. handeln. Auch mit den Nonnen machte er seinen Frieden und wurde ein grosser Wohlthäter des Burtscheider Klosters, so dass die Cisterzienserinnen nach seinem 1238 oder 39 erfolgten Tode seinen Namen mit Hochachtung in ihrem Nekrologium verzeichneten[44]. Dem Aachener Münster schenkte er neue Chorbücher, wie das Nekrologium dieser Kirche meldet. Diese Bücher sind noch vorhanden, und ihre Blätter tragen in grossen Buchstaben die Überschrift „Orate pro Arnoldo“. Der Bischof von Lüttich, von dem Arnold exkommuniziert wurde, ist Hugo von der Steinbrück.

Das sind die Nachrichten, die der Prior von Heisterbach aus der „königlichen Stadt“ Aachen mitteilt. Es ist nicht gerade viel; aber der Freund der Geschichte vernimmt dergleichen Erzählungen aus den Tagen längst begrabener Geschlechter gern, und er würde es mit Freuden begrüssen, wenn uns aus jedem Zeitalter solche Mitteilungen aufbewahrt wären. Das ist auch der Grund gewesen, aus dem bergische Geschichtsfreunde dem Cäsarius an dem Orte seiner Wirksamkeit, zu Heisterbach, ein Denkmal errichtet haben, eine Thatsache, die der Unbefangenheit dieser Männer alle Ehre macht. Es denke über die einzelnen Erzählungen des Cäsarius jeder nach Belieben. Wenn aber Männer wie Görres, Justinus Kerner, Georg Friedrich Daumer u. a. sich für das interessiert haben, was man die Nachtseite der Natur genannt hat, so ist dadurch festgestellt, dass man auch im 19. Jahrhundert noch angenommen hat, es gäbe Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich die Schulweisheit der Zeit nichts träumen lässt.


  1. Quix, Codex dipl. Nr. 166.
  2. Einhard, Hist. translat. reliq. SS. Petri et Marcellini Cap. XIV.
  3. Meyer, Aachensche Geschichten S. 245, 249.
  4. Rhoen, Befestigungswerke der freien Reichsstadt Aachen, Situationsplan.
  5. Siehe S. 6.
  6. Siehe die Darstellung des Münsters auf dem Karlsschreine; Bock, Das Heiligthum zu Aachen, S. 6, Figur VI.
  7. Quix, Codex Nr. 166.
  8. Vgl. die Sequenz auf Karl den Grossen, Haagen, Geschichte Achens, Bd. I, S. 129, 1. Str.
  9. Siehe S. 6.
  10. Siehe S. 10.
  11. Quix, Codex Nr. 67.
  12. Siehe S. 5.
  13. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. 241.
  14. Quix, Codex Nr. 40.
  15. Quix, Codex Nr. 166 und Lacomblet Bd. II, S. 92.
  16. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. 3.
  17. Haagen, Geschichte Achens Bd. I, S. 148.
  18. Siehe S. 10.
  19. Quix, Beiträge Bd. II, S. 176, Annales aq.
  20. Quix, Die königliche Kapelle, Urk. 20.
  21. Siehe S. 10.
  22. Meyer, Aachensche Geschichten S. 249.
  23. v. Fürth, Beiträge zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien Bd. III, S. 49.
  24. Des Freiherrn von der Trenck merkwüdige Lebensgeschichte Th. II, S. 213.
  25. Quix, Nekrologium; vgl. P. C. Bock, Albertus Aq., Niederrheinische Jahrbücher für Geschichte von L. Lersch S. 42–96; Bock, Rheinlands Baudenkmale I. Serie, Nr. 6.
  26. Fr. Bock, Die Reliquienschätze der Abteien Burtscheid und Comelimünster.
  27. Bosbach, Gründung und Gründer der Burtscheider Benediktiner-Abtei in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. XIX, S. 97 und ff.
  28. Quix, Geschichte der ehemaligen Reichsabtei Burtscheid, S. 83.
  29. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 27.
  30. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 27.
  31. Meyer, Aachensche Geschichten S. 107.
  32. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 26.
  33. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 26.
  34. Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Bd. II, S. 117 ff.
  35. Mannhardt, Der Baumkultus der Germanen S. 160–190.
  36. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. 276 u. ff.
  37. F. Jungbluth, Die Restauration des Aachener Münsters, Aachen 1862, S. 53.
  38. Bock, Reliquienschätze der Abteien Burtscheid und Cornelimünster S. 15.
  39. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 31.
  40. Quix, Codex Bd. I, S. 33, Nr. 45.
  41. Lacomblet, Urkundenbuch Bd. I, S. 81, Nr. 130.
  42. Rhoen, Die St. Salvatorkapelle bei Aachen S. 6.
  43. Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 47, S. 30.
  44. Loersch, Achener Rechtsdenkmäler S. 279 u. ff.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Monschau
  2. gemeint ist hier Laurensberg bei Aachen, nicht das heute dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallene Laurenzberg