Der Arendsee

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Textdaten
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Autor: Jodocus Donatus Hubertus Temme
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Titel: Der Arendsee
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aus: Die Volkssagen der Altmark
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Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Nicolaische Buchhandlung
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Erscheinungsort: Berlin
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52. Der Arendsee.

Der merkwürdigste See in der Altmark ist der sogenannte „große See“ bei dem Städtchen Arendsee, auch blos der „Arendsee“ genannt. Er liegt an der alten Poststraße von Havelberg nach Hamburg. Er hat einen Umfang von einer kleinen deutschen Meile, und ist sehr tief, über 20 bis 30 Klafter. Nach dem Städtchen Arendsee hin hat er hohe Ufer; sonst sind seine Ufer flach und sandig. Sein Wasser ist hell und klar. Schilf und sonstiges Sumpfgewächs findet sich nicht darin, sondern nur hin und wieder etwas Binsengras. Auch wird zuweilen beim Fischen mit den Netzen ein Gras herausgezogen, das über 20 bis 30 Ellen lang ist. Das Wasser des Sees bleibt fast immer in derselben Höhe; es vermehrt sich nicht bei nassem, und vermindert sich nicht bei trockenem Wetter. Doch bemerkt man zu Zeiten, daß es etwas wächst, wenn die, zwei Meilen davon entfernte Elbe bedeutend steigt, weshalb man auch annimmt, daß der See, obwohl zumeist durch unterirdischen Wasserzufluß gebildet, doch durch dergleichen Canäle auch mit der Elbe in Verbindung stehe. Fischerei wird wenig darauf getrieben, weil das Wasser zu tief ist; besonders ist es auffallend, daß der Fisch zwischen Michaeli und Mariä Verkündigung sich ganz in die Tiefe hineinzieht.

Der See friert sehr selten zu, gewöhnlich alle 15 Jahre einmal, und immer nur, wenn der Belt zufriert. Wenn er zufrieren soll, welches alsdann gewöhnlich um Heilige Drei Könige geschieht, so fängt er vorher an zu rauchen wie ein Backofen, dabei läßt er ein entsetzliches Geheul und Krachen in seinem Innern, und ein eben solches [46] Getöse über sich in der Luft hören. Das Nämliche hört man auch, wenn ein starkes Ungewitter, oder ein Sturm in der Nähe ist, oder wenn wieder Thauwetter eintritt. Besonders hört man ein Getöse, als ob ein fürchterliches Ungewitter los wäre, wenn das Eis losgehen will.

Früher stand auch eine Windmühle an dem Ufer des Arendsees. Als aber im Jahre 1685, am 25. November auf St. Catharinentag, sich plötzlich von Nordwesten ein starker Sturmwind erhob, und nun um zwei Uhr Nachmittag das Wasser des Sees mit großer Bewegung aufwärts stieg, da wurde diese Mühle mit dem Hügel, worauf sie stand, auf einmal in die Tiefe des Sees hinuntergerissen, so daß der Müller kaum Zeit hatte, mit seiner Magd herunter zu springen und sich zu retten. Die Stelle, wo die Mühle gestanden, bildet noch jetzt eine merkliche Bucht, und hat eine Tiefe von 20 Klaftern. - Der Müller hatte drei Nächte vorher, jede Nacht zweimal, vom See her eine Stimme gehört, die ihm zurief: Müller heraus, nur bald fort! - ohne daß er einen Menschen hatte sehen können. Kurz vor dem Beginn des Sturms aber hat die Mühle einige Male angefangen zu prasseln, als wenn Alles darin in Stücke zergangen wäre, und doch war nichts darin versehrt. Es ist daher auch noch lange Jahre in dem Städtlein Arendsee der 25ste November wie ein Bußtag begangen.

Beckmann histor. Beschr. v. Brandenburg. Th. 1. S. 1075-1080.