Der Aufschwung der deutschen Turnerei

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Titel: Der Aufschwung der deutschen Turnerei
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aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 240
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[240] Der Aufschwung der deutschen Turnerei. Das so eben im Auftrage des Ausschusses der deutschen Turnvereine erschienene „Statistische Jahrbuch der Turnvereine Deutschlands von Georg Hirth“, über dessen Anlage bereits früher in diesem Blatte berichtet worden ist (siehe Gartenlaube Jahrgang 1862, Nummer 49, S. 783), giebt einen neuen Beweis von dem bedeutenden Aufschwunge, den das Turnwesen in Deutschland genommen hat. Die umfangreiche Statistik, die wir als eine gemeinsame wissenschaftliche Leistung der in Einigkeit zusammengehenden Turnvereine zu betrachten haben, zeugt von ernstem Streben, von richtiger Erkenntniß, wie man sie nur von Leuten erwarten kann, die über Umfang und Ziel ihrer Aufgaben vollständig im Klaren sind. Ist es nun im Allgemeinen schon erfreulich, zu sehen, wie ein weit ausgebreitetes vaterländisches Vereinswesen von dem rechten Geiste des Fortschritts getragen wird, so erfreuen nicht minder die Aufschlüsse, welche uns die Statistik selbst gewährt. Es bestanden nämlich (um hier nur der hauptsächlichsten Resultate zu erwähnen) am 1. Juli 1862 in Deutschland 1284 Männerturnvereine in 1153 Ortschaften (883 Städten, 99 Marktflecken und 171 Dörfern). Ihre gesammte Mitgliederzahl betrug 134,507, zu welchen noch 21,463 von den Turnvereinen unterrichtete Schulknaben und 3172 Mädchen kamen; die Zahl der überhaupt in den Schulen Turnenden betrug etwa 200,000. Von den eigentlichen Vereinsmitgliedern waren 57,118 Handwerker, 8984 Hand- und Fabrikarbeiter, 8633 Landwirthe, 30,557 Kaufleute und Buchhändler, 2716 Gelehrte, Advocaten und Aerzte, 3523 Lehrer, 7168 Beamte, 3320 Künstler, 1679 Studenten etc. Die verhältnißmäßig größte Ausbreitung hat das Turnwesen[WS 1] im Königreich Sachsen, wo fast auf jede Quadratmeile ein Turnverein kommt; sodann in Thüringen und am Mittelrhein. Am weitesten zurück stehen Oesterreich und die Provinz Preußen. Die größten Turnvereine sind die von Leipzig, Wien, Hamburg, Nürnberg etc.; in Berlin bestehen ihrer 41, mit zusammen 2808 Mitgliedern. Zu den in 218 Orten bestehenden „Turnerfeuerwehren“ stellen die Vereine 10,855 Mann etc. – Die Statistik giebt nun in umfänglichen Specialberichten und Tabellen Rechenschaft über den Bestand des Vereins- sowohl als des Schulturnwesens in ganz Deutschland, in den verschiedenen Gauen desselben, sowie in den einzelnen Orten, so daß man über alle das Turnwesen berührenden Verhältnisse die genaueste Auskunft erhalten kann. Einige Zugaben – so ein Adreßbuch der deutschen Turnerschaft, Aufsätze über Turngeräthe und Turnhallen, Geschichtskalender – machen das Buch auch in andrer Beziehung werthvoll.

Beachtenswert sind die Worte, mit welchen der Herausgeber seine „Gesammtübersicht“ schließt: „Wie es in Zukunft mit dem Turnen in Deutschland werden wird, ist nicht schwer zu sagen. Die deutschen Regierungen sind sittlich und aus höheren „europäischen Gleichgewichtsrücksichten“ gezwungen, die Sache namentlich beim Militär immer ernster und straffer zu betreiben. Ist aber turnerische Durchbildung, d. h. Fertigkeit in allen männlichen Leibesübungen, ein Haupterforderniß des Soldaten, so muß als unausbleibliche Folge die Gewährung abgekürzter Dienstzeit an alle turnerisch Vorgebildeten eintreten. Dadurch wird von den Staatsbehörden unwillkürlich dem Turnen in den Schulen und in den Turnvereinen die Hand geboten, die das Volk gern annehmen wird. Unterdrückungen, wie im Jahre 1819 in Preußen, wird das Turnen bei seinem gegenwärtigen Umfange nicht wohl mehr zu erleben haben; dagegen liegen Maßregelungen der Turnvereine nicht nur im Bereiche der Möglichkeit, sondern sind sehr wahrscheinlich – hat doch bereits Preußen noch vor ganz kurzer Zeit seine Leistungsfähigkeit in dieser Beziehung bewiesen. Das wird aber die deutsche Turnerschaft nicht irre machen in der Verfolgung ihres Zieles; es wird erreicht, komme es wie es wolle.“



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Turwesen