Der Balkon (Rilke)

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Autor: Rainer Maria Rilke
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Titel: Der Balkon
Untertitel: Neapel
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 56–57
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Erscheinungsdatum: 1918
Verlag: Insel-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
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DER BALKON

NEAPEL

Von der Enge, oben, des Balkones
angeordnet wie von einem Maler
und gebunden wie zu einem Strauß
alternder Gesichter und ovaler,

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klar im Abend, sehn sie idealer,

rührender und wie für immer aus.

Diese aneinander angelehnten
Schwestern, die, als ob sie sich von weit
ohne Aussicht nacheinander sehnten,

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lehnen, Einsamkeit an Einsamkeit;


und der Bruder mit dem feierlichen
Schweigen, zugeschlossen, voll Geschick,
doch von einem sanften Augenblick
mit der Mutter unbemerkt verglichen;

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und dazwischen, abgelebt und länglich,

längst mit keinem mehr verwandt,
einer Greisin Maske, unzugänglich,
wie im Fallen von der einen Hand

aufgehalten, während eine zweite

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welkere, als ob sie weitergleite,

unten vor den Kleidern hängt zur Seite

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von dem Kinder-Angesicht,

das das Letzte ist, versucht, verblichen,
von den Stäben wieder durchgestrichen

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wie noch unbestimmbar, wie noch nicht.