Der Blinde (Heym)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Georg Heym
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Blinde
Untertitel:
aus: Der ewige Tag. S. 18
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1911
Verlag: Rowohlt
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[18]
DER BLINDE


Man setzt ihn hinter einen Gartenzaun.
Da stört er nicht mit seinen Quälerein.
„Sieh Dir den Himmel an!“ Er ist allein.
Und seine Augen fangen an zu schaun.

5
Die toten Augen. „O, wo ist er, wie

Ist denn der Himmel? Und wo ist sein Blau?
O Blau, was bist Du? Stets nur weich und rauh
Fühlt meine Hand, doch eine Farbe nie.“

„Nie Purpurrot der Meere. Nie das Gold

10
Des Mittags auf den Feldern, nie den Schein

Der Flamme, nie den Glanz im edlen Stein,
Nie langes Haar, das durch die Kämme rollt.“

„Niemals die Sterne. Wälder nie, nie Lenz
Und seine Rosen. Stets durch Grabesnacht

15
Und rote Dunkelheit werd’ ich gebracht

In grauenvollem Fasten und Karenz.“

Sein bleicher Kopf steigt wie ein Lilienschaft
Aus magrem Hals. Auf seinem dürren Schlund
Rollt wie ein Ball des Adamsapfels Rund.

20
Die Augen quellen aus der engen Haft,


Ein Paar von weißen Knöpfen. Denn der Strahl
Des weißen Mittags schreckt die Toten nicht.
Der Himmel taucht in das erloschene Licht
Und spiegelt in dem bleiernen Opal.