Der Graf und die Nonne

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Titel: Der Graf und die Nonne
Untertitel:
aus: Deutscher Liederhort,
S. 57–58
Herausgeber: Ludwig Erk
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Th. Chr. Fr. Enslin
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Google und Wikimedia Commons
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[57]
18b. Der Graf und die Nonne.


Langsam. Mündlich, aus der Gegend um Schwäbisch-Hall. 1791.
Noten


1.
Stund ich auf hohen Bergen

und sah wol über den Rhein;
ein Schifflein sah ich fahren, :|:
der Ritter waren drei. :|:

2.
Der jüngste, der darunter war,

das war ein Grafensohn;
hätt mir die Eh versprochen,
so jung als er noch war.

[58]
3.
Er that von seinem Finger herab

ein Ring von Gold so roth:
„Nimm hin, du Hübsche, du Feine,
du Herzallerliebste meine,
trag ihn nach meinem Tod!“

4.
‚‚‚Was soll ich mit dem Ringlein thun,

wenn ichs nicht tragen darf?‘‘‘ –
„Ei sag, du habsts gefunden
draußen im grünen Gras!“

5.
‚‚‚Ei, warum sollt ich lügen?

steht mir gar übel an;
viel lieber will ich sprechen,
der jung Graf wär mein Mann.‘‘‘

6.
„Ei Jungfer, du wärst schön genug,

wärst nur ein wenig reich;
fürwahr, ich wollt dich nehmen,
sähn wir einander gleich!“

7.
‚‚‚Und ob ich schon nicht reiche bin,

aller Ehren bin ich voll:
meine Ehr will ich behalten,
bis daß meins Gleichen kommt.‘‘‘

8.
„Kommt aber deines Gleichen nicht,

was fängst du darnach an?“ –
‚‚‚Darnach geh ich ins Kloster,
zu werden eine Nonn.‘‘‘

9.
Es stund wol an ein Vierteljahr,

dem Grafen träumts gar schwer,
als ob sein herzallerliebster Schatz
ins Kloster zogen wär.

10.
„Steh auf, steh auf, lieb Reitknecht mein!

sattel mir und dir ein Pferd!
wir beide wolln reiten über Berg u. Thal,
das Mädel ist Alles werth!“

11.
Und als sie vor das Kloster kamn,

gar höflich klopften sie an:
„Komm raus, du Hübsche, du Feine,
du Herzallerliebste meine,
komm nur ein wenig raus!“

12.
‚‚‚Was soll ich aber draußen thun?

hab ich ein kurzes Haar:
meine Haar sind abgeschnitten,
jetzt kriegst mich nimmermehr!‘‘‘ –

13.
So muß es auch alln Junggesellen gehn,

die trachten nach großem Gut!
Sie hätten als gern schöne Weiber,
sind aber nicht reich genug.


(C. G. Böckh u. F. D. Gräter’s „Bragur. I. Bd. Leipzig, 1791.“ S. 264–271.)

13. In der Gegend von Frankfurt a. M. auch so: Ihr Jungfern und Junggesellen, freit nicht nach Geld und Gut! freit euch ein wackers Bürschchen (Mädel), wies euch gefallen thut. – 13, 3. als, allzeit, immer.