Der Grafensprung

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Autor: Alois Wilhelm Schreiber
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Titel: Der Grafensprung
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aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 298–300
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[298]
Der Grafensprung.

Wolf von Eberstein war in Fehde mit Graf Eberhard von Würtemberg. Dieser rückte mit großer Heeresmacht [299] gegen die Burg Alt-Eberstein und zerstörte dieselbe. Der Besiegte machte hierauf den Anschlag, den Würtemberger im Wildbade zu überfallen und gefangen zu nehmen. Dieser Plan aber scheiterte und Wolf wurde in die Reichsacht gethan. Er flüchtete nun auf das Schloß Neu-Eberstein, wo man ihm freundlich eine Freistätte bot. Sein Aufenthalt daselbst blieb jedoch nicht lange verborgen und er mußte abermals sein Heil in der Flucht suchen. Er wollte um die Morgendämmerung das Schloß verlassen und saß bereits wohlbewaffnet auf einem raschen Pferde. Allein die Feinde hatten über Nacht alle Ausgänge am Fuße des Berges bis an die Murg besetzt, die unten an der jachen Felsenwand vorbeirauscht. Der letzte Weg zur Rettung schien dem Geächteten jetzt vollends abgeschnitten, doch war er entschlossen, lieber sich selbst den Tod zu geben, als lebendig in die Hände seiner Verfolger zu gerathen. Rasch lenkt er sein Pferd auf die steil über den Fluß hinausragende Felsenkuppe und sprengt es mit einem gewaltigen Spornstreich in den schäumenden Abgrund hinunter. Wie durch ein Wunder aber bleibt er selbst ungefährdet, nur sein Roß versinkt mit zerschmetterten Beinen in der Tiefe, während er sich glücklich an’s jenseitige Ufer und von dort in das Hoflager seines Pfalzgrafen rettet. Die Stelle auf dem Felsen oben, von der aus er sich in die Fluthen hinabschwang, heißt noch heutigen Tages der Grafensprung.

Eine andere Sage berichtet:

Ein Graf von Eberstein hatte eine wunderschöne Tochter. Eine Menge vornehmer Herren stellte sich auf dem Schlosse ein, um ihre Hand zu werben; da lud sie der Graf sämmtlich eines Tags zu einem Gastmahl ein, wobei es hoch herging und auf’s Tapferste gezecht wurde. Endlich, als Alle des süßen Weines voll waren, sprach er lächelnd zu seinen Gästen: „Wer von euch, ihr Herren, keck und glücklich genug ist, die jähe Felsenwand hier bis an die Murg hinabzureiten, dem soll die Hand meiner Kunigunde und mit ihr ein reicher Brautschatz zu Theil werden!“ – Die Herren sahen sich einander verdutzt und bedenklich an, als dächte jeder bei sich: „wer hat Lust, den Hals zu brechen? Ich nicht!“ – Nur ein junger tollkühner Edelknabe, von glühender Liebe zu Kunigunden entflammt, unternahm [300] das entsetzliche Wagestück; doch sein Pferd glitt aus, noch bevor es ein Drittel des Weges zurückgelegt hatte, und beide stürzten zerschmettert in die Fluthen der Murg.

(Siehe Al. Schreiber’s „Sagen aus den Rheingegenden etc.“)