Der Revalenta arabica-Schwindel

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Der Revalenta arabica-Schwindel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 17, S. 202
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[202] Der Revalenta arabica-Schwindel. Die Berliner Feuerspritze bringt einen sehr derben Artikel gegen dieses sogenannte Heilmittel, dessen Ankündigung man jetzt in allen Zeitungen liest. Es wird immer eine Herkulesarbeit bleiben, den Augiasstall medicinischer Charlatanerie reinigen zu wollen und man kann es den wenigen Organen der Oeffentlichkeit nur Dank wissen, wenn sie bei den vielen schlechten Resultaten, die sie trotz aller Mühe erzielen, nicht erlahmen. Daß sich aber sogar Aerzte und Zeitungen finden, die dergleichen Schwindeleien unterstützen, wird mit Recht von der Feuerspritze an den Pranger gestellt.

„Eine treffliche Bundesgenossenschaft“ sagt sie „in dieser Razzia gegen das deutsche Publikum hat das englische Haus in unserer periodischen Presse gefunden, die mit unglaublicher Naivität sich zur Fanfare dieser Spekulation machte oder, was noch viel schlimmer ist, sich dazu erkaufen ließ. Wir haben ein Schreiben in Händen, in welchem die Herren Du Barry von der Redaktion einer wissenschaftlichen Zeitschrift gegen das Erbieten eines ziemlich ansehnlichen Insertions-Betrages die Aufnahme einer Reihenfolge lobender Artikel beanspruchen, mit der ausdrücklichsten Bedingung, daß nichts gegen die Revalenta arabica in die quästionirte Zeitschrift aufgenommen werden dürfe. Die wenigsten deutschen Zeitungen vermochten diesem Lockvogel zu widerstehen, und so ist es erklärlich, wenn wir in dem für literarische, wissenschaftliche etc. Notizen bestimmten Theile unserer Zeitungen jene aus der Du Barry’schen Fabrik hervorgegangenen Lobpreisungen mit Hinweis auf die in den Beilagen enthaltene merkantilische Annonce der Revalenta finden.

„Das Publikum, gewohnt, seinen täglichen Bedarf an Intelligenz aus dem Reservoir der Spener’schen und Vossischen zu schöpfen, nimmt bona fide jene Anpreisungen für Redactions-Artikel und hegt nicht den leisesten Zweifel an der ausgezeichneten Wirkung der Revalenta, denn sie hat „in der Zeitung gestanden“. – So machen sich unsere Redactionen, indem sie sich leichtsinnig zu jenen Manipulationen hergeben, zu Mitschuldigen einer absichtlichen Täuschung, welche die Herren Du Barry weiter auszubreiten verstehen, indem sie den Artikel, etwa einer süddeutschen Zeitung, mit den Worten beginnen lassen: „Die Berliner Spener’sche Zeitung sagt Folgendes etc.“ – Hätten unsere Zeitungen ihre Aufgabe richtig begriffen, spürten sie etwas von der moralischen Verantwortlichkeit, die auf ihnen lastet, sie würden sich nimmer, um eines pecuniären Vortheils willen, zu Werkzeugen eines solchen Verfahrens machen. – Von den deutschen Aerzten haben die Herren Du Barry nur drei zu ihren Annoncen-Dienern zu werben vermocht; Schreiber dieses hatte vor Kurzem Gelegenheit, einen derselben kennen zu lernen, und fand in dieser persönlichen Bekanntschaft bald den Schlüssel zu dem Räthsel, wie ein Arzt die Heilkraft der Revalenta gegen Lungenschwindsucht mit seiner Namensunterschrift zu attestiren vermöge. Originell ist das Zeugniß eines englischen Arztes und Chemikers, des Doctor Ure, welches die Herren Du Barry mit großer Emphase produciren; dieser Herr Ure ist der unparteiischste Mensch auf Gottes Erdboden und bezeugt nicht blos der Revalenta, sondern auch der Ervalenta und jedem andern aus der Linse, Wicke, Saubohne oder andern Ingredienzien hervorgegangenen Concurrenz-Produkte, daß es das beste und heilkräftigste ist.

„Mit solchen Mitteln haben nun die Herren Du Barry es vermocht, das deutsche Publikum zu verführen, ja sogar unter den sogenannten gebildeten Ständen enthusiastische Anhänger gemacht, deren einer, zum Hauptmann gesetzt über eine preußische Compagnie, jedem Gegner der Revalenta öffentlich einen „albernen Esel“ aufbrummt und dadurch der logischen Beweisführung einen durchaus neuen Weg eröffnet.“