Der Taufstein im Sebnitzer Walde

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Der Taufstein im Sebnitzer Walde
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 441
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Digitalisat der SLUB Dresden und bei Wikimedia Commons
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191. Der Taufstein im Sebnitzer Walde.

Durch den Sebnitzer Wald führt von der Stadt Sebnitz aus nach Nixdorf in Böhmen ein Fußweg. An diesem liegt ein großer Stein, ein Felsblock, in dem sich eine Höhlung befindet. Diesen Stein nennt man den Taufstein. Hier wurden im 30jährigen Kriege die Kinder getauft, als die Umwohner vor den wilden Kriegshorden ihre Zuflucht in die Wälder nehmen mußten. Das war ganz besonders der Fall 1637, als im April des genannten Jahres die Truppen des kaiserlichen Feldmarschalleutnants Graf Melchior von Hatzfeld die Neustädter und Sebnitzer Gegend arg heimsuchten. Die Plünderungen dauerten vier volle Wochen an. Am 8. April überfielen diese Räuber die Stadt Sebnitz, „jagten hier alles von Haus und Hof, plünderten die ganze Stadt aus und verdarben alles, was sie nicht mitnehmen konnten. Die Kirche wurde wieder erbrochen und ihres Ornates und der Kelche beraubt.“ – Die Bewohner aller umliegenden Orte waren geflohen, sie nahmen ihre Zuflucht in die dichten Wälder der Umgegend, besonders in das angrenzende Felsengebiet der Sächsischen Schweiz. Die Schluchten und Höhlen daselbst waren ihre Schlupfwinkel. Aber auch hier sollten die Flüchtlinge nicht immer Ruhe haben. Als die plündernden Krieger gewahr wurden, daß die geflohenen Bewohner ihre Habseligkeiten, ihr Vieh und ihre Lebensmittel in den Wäldern, Schluchten und Höhlen verborgen hatten, so drangen sie auch in diese Verstecke ein und durchsuchten alle Steinklüfte und Löcher mit unglaublicher Mühe und Gefahr, indem mancher durch eine verborgene Kugel dabei seinen Tod fand. – Sie nahmen alles, was sie antrafen. – „Viele Meilen weit im Umkreise war weder Zug- noch Zuchtvieh anzutreffen. Man konnte keinen Gottesdienst in den Kirchen halten, sondern mußte, um nur das Leben zu retten, in Wald und Felsen seine Sicherheit suchen und sich lange Zeit von Kräutern und Wurzeln nähren.“ – (Götzinger, Chronik von Sebnitz, Seite 283 und 284.) – Aus jenen Tagen stammt nun der Taufstein im Sebnitzer Walde. In der Höhlung dieses Steines stand das Taufbecken.