Der Venusberg bei Ufhausen

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Textdaten
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Autor: Heinrich Schreiber
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Titel: Der Venusberg bei Ufhausen
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 395–396
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[395]
Der Venusberg bei Ufhausen.[2]

Oben auf der auf dem Schinberge bei Ufhausen, eine Stunde von Freiburg gelegenen Schnewburg lebte in alter Zeit ein Ritter, der Jahre lang viele und große Verbrechen beging und in Ueppigkett und wilder Sinnenlust seine Tage und Nächte verschwelgte. Endlich wachte sein Gewissen aus dem Traume auf und er nahm sich vor, einen andern Lebenswandel zu führen; da ihn aber kein einheimischer Priester von seinen Sünden lossprechen wollte, so pilgerte er nach Rom, [396] um von dem Papste selbst die Absolution zu erlangen. – Doch auch dies blieb vergebens. Vielmehr entsetzte sich der Papst, als er des Ritters Beichte vernommen hatte, so sehr darüber, daß er ihm sagte: „Eher wird der Stab, den ich hierin der Hand halte, Rosen tragen, als daß Eure Sünden bei Gott Vergebung finden.“ – Trostlos kehrte nun der Ritter den weiten Weg nach Hause über die Alpen zurück. Als er aber das Thal hinauf nach seinem Schlosse ritt, sah er seitwerts den Eingang des Berges, in welchem die heidnische Göttin Venus ihren üppigen Hofhalt verlebt hatte, offen; rauschende Musik und süße Lieder klangen ihm daraus entgegen und lockten sein verzweiflungsvolles Herz mit so unwiderstehlicher Gewalt, daß er, um seine innere Qual zu vergessen, mit seinem Pferde hineinsprengte in die Tiefe des Berges.

Zwei Jahre später fing unvermutheter Weise der Stab des Papstes, derselbe, den er in Gegenwart des Ritters in der Hand gehabt, an, zu grünen und Rosen zu treiben, worauf sich der heilige Vater des bereits vergessenen Sünders wieder erinnerte. Sogleich erging vom Papst aus ein Bericht darüber an des Ritters hinterlassene Wittwe auf der Schnevburg. Die arme Frau ließ unverzüglich in dem Venusberge nachgraben, wo man auch wirklich in der Tiefe der Höhle, welche den Eingang zum Venushofe bildete, den Ritter, aber todt, und noch aus seinem Pferde sitzend, fand.

(Vergl. „Taschenbuch für Geschichte und Alterthum.“ Herausgegeben von Dr. Heinrich Schreiber. Freiburg, 1839. Emmerling. S. 349.)

  1. Ein solcher Venusberg kommt unter andern auch zu Waldsee in Schwaben vor. „Bericht des Schaffners der Universität Freiburg über den Zehendstadel auf dem Venusberge.“
  2. [396] Die Sage vom Venusberge kommt, außer in Thüringen, auch zuweilen am Oberrhein vor[1]. Schöne Natur und mildes Klima begünstigen daselbst die Lustgelage im Freien, und mancher Ritter, wie Tanhuser, fruchtlos gewarnt von einem treuen Eckart, mochte bei solchen Gelegenheiten, in fröhlicher Gesellschaft am Saume des Waldes, spurlos verschwunden seyn. Dann hieß es gewöhnlich, Frau Venus mit ihren Gespielinnen habe ihn zu sich in die Tiefe des Berges gelockt, wo zwar in den kristallenen Sälen Tanz und Spiel und allerlei Festlichkeiten gefeiert werden, aber auch die Rückkehr auf die Oberwelt für ewig versagt bleibt.
    (Vergleiche „Taschenbuch für Geschichte und Alterthum.“ Herausgegeben von Dr. Heinrich Schreiber. Freiburg, 1839. Emmerling.)