Der Wind und die Blüthen

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Titel: Der Wind und die Blüthen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 341
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[341] Der Wind und die Blüthen. Nicht minder wichtig, als die Thätigkeit der Luft ist die Bewegung derselben, ist der Luftstrom, ist der Wind. Er versieht Dienste in der Natur, die das Auge nicht sehen, sondern der Geist der Forschung nur erst ahnen kann. Der Wind führt Wärme und Feuchtigkeit von Ort zu Ort. Der Wind gleicht Gegensätze auf dem Erdenrund aus. Der Wind zerstreut unsern Odem, den wir aushauchen, damit nicht die Luft verzehrt werde und führt frische Luftströme einher, daß man nicht wieder einathmen dürfe, was man ausgeathmet. Der Wind trägt die Luft, die wir ausgeathmet und die auf Thiere und Menschen giftig wirken würde, den Pflanzen zu, die grade von dieser Luftart gedeihen. Der Wind nimmt die Luft auf, die die Pflanzen aushauchen und mischt ihre Bestandtheile, damit Mensch und Thier frischen Athem habe. Ohne Wind würde Thier und Mensch in ihrer eigenen Atmosphäre ersticken, ohne Wind würde die Pflanze sterben, ohne Wind würde das Festland verdorren, ohne Wind würden die Ströme und Flüsse und Quellen versiegen, ohne Wind das Meer verderben und faulen und starrer Tod auf dem Erdrund herrschen.

Und in seiner großen segnenden Thätigkeit auf dem großen Erdrund vergißt der Wind auch nicht der kleinen Blüthen, die auf seine Hülfe harren, denn er ist’s, der den Stamm der Bäume und den Halm der Gräser aufrüttelt aus dem still lebendigen Pflanzentraum, und wenn der Wind in stiller Mainacht einherzieht, erzittern die Blüthen der Bäume und lassen die Hülle der reifgewordenen Staubbehälter aufspringen und der befruchtende Staub der Blüthe wird einhergestreut, um zu dem Stempel schnell zu gelangen, wenn er nahe ist, oder mit dem Winde auf und davon zu ziehen, wenn keine weibliche Blüthe auf dem Baume vorhanden ist, der Fruchtstäubchen aufnimmt.

Und der Wind, er verrichtet treulich auch diesen kleinen Dienst. In seiner Wanderung durch das Erdrund nimmt er von den Pflanzen, die nur männliche Blüthen tragen, die Fruchtstäubchen in seinen Schooß auf und trägt sie weit und breit und streuet sie umher nach allen Gegenden. Und da die Stäubchen gar so leicht und der Wind gar so mächtig ist, so trägt er die vielen, vielen, vielen Millionen solcher Stäubchen auf seinen gewaltigen Flügeln einher und streut sie überall auf die Flächen der Erde hin, und so gelangen Stäubchen auch zu den Pflanzen, die einsam nur die jungfräulichen Blüthen tragen, die da harren des Freiers, der von Fernen herbeikommen soll, um einen Muttersegen über sie auszuschütten. –

Und dieser Muttersegen fehlt nicht. Es ist wahr und wahrhaftig. Der Wind übernimmt diesen getreuen Dienst der Hochzeits-Equipagen und fährt mit dem Bräutigam und wäre es auch meilenweit, zur harrenden Braut. – Sag’ an, magst Du dem Winde noch gram sein, der Dich frösteln macht in dunkler Nacht, wenn Du bedenkst, daß er nicht umsonst so eilig thut und viele große Dienste zu leisten hat auf dieser Erde, und im unendlichen großen Dienste auch noch im unermüdlichen Liebesdienst begriffen ist, um von Blüthe zu Blüthe die große Rundfahrt zu machen und Heiraths-Partien zu Stande zu bringen, die ohne ihn fast gar nicht stattfinden könnten.

So ist denn der Wind ein herrlicher Heiraths-Commissionär, der Partien zu Stande bringt, ohne einen Kuppelpelz zu verdienen und ohne erst sein Geschäft durch falsche Heirathsanträge in den Zeitungen in guten Schwung zu bringen.