Der deutschen Nordmark Ehrenwacht

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Titel: Der deutschen Nordmark Ehrenwacht
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aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 728–730
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Der deutschen Nordmark Ehrenwacht.


In der Entwickelung der Geschichte giebt es keine unvermittelten Uebergänge, keine jähen Sprünge. Jede Zeit, auch die größte, hat ihre Vorbedingung

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Siegesdenkmal auf den Düppeler Höhen.
Nach einer Photographie.

in einer früheren. So müssen wir auch, wenn wir die Wurzeln suchen, aus welchen die Großthaten der letzten beiden Jahre erwuchsen, über die Ereignisse des Jahres 1866 zurückgehen bis in die Tage jener Kämpfe, welche die Wiedervereinigung des verlorenen Bruderstammes von Schleswig-Holstein mit dem deutschen Mutterlande im Jahre 1864 zur Folge hatten. Düppel und Alsen sind die großen Namen, an welche die stolzesten Erinnerungen jener Zeit sich knüpfen. Und so mag es denn auch zeitgemäß sein, heute, da wir uns der Errungenschaften des letzten französischen Krieges erfreuen, uns einmal wieder zurückzuwenden zu der Bedeutung dieser beiden Namen, zumal sie neuerdings gelegentlich der Enthüllung zweier Erinnerungsmale wieder häufiger genannt worden sind.

Prinz Friedrich Karl, so erzählt der schleswig-holsteinische Geschichtsschreiber Graf von Baudissin dieses Ereigniß, hielt am Abende des 17. April auf dem Schlosse zu Gravenstein einen Kriegsrath ab, in welchem beschlossen wurde, am folgenden Tage die Schanzen Nr. 1 bis 6 zu stürmen, denn die übrigen vier hatten noch zu wenig gelitten und wurden als unangreifbar angesehen. Um halb drei Uhr Morgens sollten die Sturmcolonnen sich in den Laufgräben und Parallelen aufstellen, von drei bis zehn Uhr die Batterien gegen die Schanzen ein Schnellfeuer unterhalten, und dann die Sturmcolonnen, ohne einen Schuß zu feuern, hervorbrechen und mit dem Bajonnet angreifen. Weil kein Bataillon auf die Ehre verzichten wollte, sich an dem Waffentanze zu betheiligen, im Ganzen aber nur sechsundvierzig Compagnien zur Verwendung gelangen konnten, mußte das Loos darüber entscheiden, welche Truppentheile vorläufig in Reserve stehen bleiben sollten. Die nach Ausfall solchen Loosens zum ersten Vorrücken bestimmten, in sechs Colonnen getheilten und mit Pionnieren, Artilleristen und Siegesfahnenträgern versehenen Truppentheile rückten neuntausend Mann stark in stiller, dunkler Nacht in die Laufgräben und Parallelen ein. Sie hatten am Tage vorher das Abendmahl empfangen. Da mag denn wohl Vielen das Herz lauter geschlagen haben, und mancher feuchte Blick wird nach der theuren Heimath und den lieben Angehörigen gerichtet worden sein! Zu dem furchtbaren Ernst dessen, was bevorstand, kam aber noch die peinliche Aufgabe, viele bange Stunden ausharren zu müssen, bevor es zum Angriff ging. Um zehn Uhr Vormittags gab Prinz Friedrich Karl das Zeichen zum Angriff. Um diese Zeit war bemerkt worden, daß einige dänische Regimenter nach Sonderburg zurückgingen, was darin seinen Grund hatte, daß der dänische General du Plat, welcher bei Tagesanbruch wohl einen Ueberfall erwartet hatte, diesen aufgegeben wähnte, als Stunde um Stunde verlief, ohne daß die Belagerer sich regten.

Das verhängnißvolle Zeichen war also gegeben, und während die Musikbanden in Parallele Nr. 2 den von Friedrich dem Großen componirten Marsch aufspielten, brachen die sechs Sturmcolonnen mit donnerndem Hurrah hervor und legten den zwischen drei- und vierhundert Schritt betragenden Zwischenraum [729] im Laufschritt zurück. Aber auch die Dänen zeigten sofort, daß sie auf Alles gefaßt seien. Die entsendeten Regimenter hatten bald wieder den Weg nach den Schanzen zurückgelegt, und Gewehrkugeln wie Kartätschen sausten auf die Heranstürmenden herab. Palissaden und Sturmpfähle gähnten den Angreifenden entgegen und diese mußten die Pionniere erst mit gewaltigen Streichen zerhauen. Dabei erfüllte wohl Jeder getreu seine Pflicht, aber Einer that sich doch besonders hervor. Vor Schanze Nr. 2, in welcher der in jener Zeit oft rühmlich genannte dänische Lieutenant Anker befehligte, ging es besonders heiß her, und die Pionniere vermochten hier gegen die Palissaden nichts auszurichten. Da trat der Pionnier Wilhelm Klincke mit einem Pulversack vor und rief: ‚Durch müßt Ihr, Cameraden, und koste es auch mein Leben!‘ mit diesen Worten hängte er den Pulversack an eine Palissade, entzündete ihn und stürzte gräßlich zerstümmelt nieder – ein zweiter Winkelried! denn er hatte den Nachstürmenden eine Gasse eröffnet. Grausig wütete nun der Kampf in dieser Schanze, denn hier war von Pardonnehmen oder Pardongeben nicht die Rede. Die dänischen Soldaten wehrten sich – zu ihrem Ruhme sei es gesagt – mit äußerster Bravour und verkauften ihr Leben theuer, aber unter den Kolbenschlägen der Angreifer sank einer nach dem Andern hin, und auch Anker würde diesem Schicksal nicht entgangen sein, wenn preußische Officiere ihm nicht das Schwert mit Gewalt entrissen und ihn gerettet hätten.

Die Gartenlaube (1872) b 729.jpg

Siegesdenkmal zu Arnkiel am Alsensunde.
Nach einer Photographie.

Doch nicht blos hier wüthete der Kampf, denn auch bei den anderen Schanzen schritt der Kriegsgott grimmig einher, und Todte und Sterbende bezeichneten seine Pfade. Schanze Nr. 6 kostete namentlich viele Opfer, und hier fand auch Major von Beeren den Heldentod. Er hatte schon in den Jahren 1848 und 1849 für Schleswig-Holstein gefochten und gelegentlich geäußert: ‚Für dies Land möchte ich sterben!‘ Dieser Wunsch wurde hier erfüllt, aber Schleswig-Holstein wird des Braven auch nie vergessen!

Nur zweiundzwanzig Minuten waren verflossen, als schmetternde Fanfaren verkünden konnten, daß die Schanzen Eins bis Sechs genommen seien; das Tagewerk war damit aber noch nicht beendet. Es waren vier dänische Regimenter aus dem Brückenkopf hervorgebrochen, und diese suchten die Schanzen hinter Nr. 4 wieder zu erobern. Diesen frischen Truppen vermochten die geschwächten preußischen Compagnien um so weniger zu widerstehen, als ‚Rolf Krake‘ (das damals vielgenannte dänische Thurmschiff) mittlerweile ebenfalls herbeigekommen war und aus seinen Vierundachtzigpfündern ein mörderisches Feuer auf sie eröffnete. Zum Glück gelang es der (auf Sundewitt angelegten und mit sehr schwerem Geschütz ausgerüsteten) Gammelmark-Batterie, in die Schießscharte des Drehthurmes zu treffen, wodurch das Panzerschiff gezwungen wurde, sich aus der Schußlinie zurückzuziehen. Hierzu kam, daß die mitgenommenen Artilleristen die in den Schanzen eroberten Geschütze gegen den Feind hatten kehren können, so daß dieser nun auch aus seinen eigenen Kanonen mit Kugeln überschüttet wurde. Ein glücklicher Gedanke des Prinzen Friedrich Karl gab in diesem Moment wohl den Ausschlag. Er hatte nämlich dem Generalmajor von Goeben den Befehl ertheilt, mit seiner Brigade nach dem Alsensund vorzurücken und scheinbar Anstalten zu treffen, um nach der Insel überzugehen. Diese Kriegslist gelang, denn zwei dänische Regimenter, die schon im Begriff standen, in die Action einzugreifen, erhielten jetzt Gegenbefehl, und den im Brückenkopf kämpfenden dänischen Truppen ging die Ordre zu, nach Alsen zurückzugehen. Dies entflammte den Muth der Preußen auf’s Neue, und als nun auch die Brigaden Raven und Cannstein im Sturmschritt vordrangen, wobei sie das feindliche zweiundzwanzigste Regiment über den Haufen rannten und total vernichteten, – da war ein blutiger Sieg errungen! Nicht fähig, dem Anprall der Preußen länger zu widerstehen, suchten die Dänen nur noch zu retten, was zu retten war, und da sie die Insel Alsen als letzten sichern Zufluchtsort ansehen mußten, versenkten sie, um dem Feinde den Uebergang abzuschneiden, einen Theil der Pontons und ließen andere in Flammen aufgehen. Sie nahmen dadurch allerdings den eigenen Leuten die Möglichkeit des Rückzuges, denn bei dem Falle der vier übrigen Schanzen geriethen dreitausend Dänen in Gefangenschaft; aber sie schützten den Rest vor gleichem Schicksal, denn nach der Insel konnten die Preußen wenigstens sofort nicht gelangen.

Es mochte ein Uhr Nachmittags sein, als die preußischen Fahnen auf sämmtlichen Schanzen flatterten und kein dänischer Soldat mehr im Sundewitt stand. Außer vielen Fahnen und Geschützen verloren die Dänen an diesem 18. April an Todten, Verwundeten und Gefangenen über 5500 Mann.

Aber auch auf preußischer Seite waren schwere Opfer zu beklagen! Mit den 39 in dänische Gefangenschaft gerathenen Soldaten betrug der Verlust preußischerseits an Todten und Verwundeten 1192 Mann.

Nach dieser Niederlage und nachdem die Dänen genugsam erfahren, daß sie irrthümlich ihre Artillerie für die beste der Welt gehalten hatten, glaubte die in London sitzende Diplomatie, vom Waffenstillstand zu den Friedensverhandlungen übergehen zu können; sie stieß aber auf so unbeugsamen dänischen Trotz, daß den Waffen die letzte Entscheidung überlassen werden mußte.

Beim Wiederbeginn der Feindseligkeiten richteten die Preußen ihre Blicke nach der Insel Alsen, welche die Dänen noch vollständig inne hatten und von wo aus sie mit Hülfe ihrer Schiffe noch viel Unheil anrichten konnten. Prinz Friedrich Karl war schon im März 1864 ernstlich darauf bedacht gewesen, dieselbe durch einen Handstreich zu nehmen, aber Stürme machten es unmöglich, die wogende See auf Kähnen zu überschiffen. Auch jetzt schien ein Uebergang nach Alsen ein tolles Wagestück zu sein, denn es galt hierbei nichts weniger, als mit einer verhältnißmäßig schwachen Macht in Kähnen und Booten eine durch Schanzen, Laufgräben, Batterien mit zahlreichem Geschütz, [730] 10,000 dänische Soldaten und eine Anzahl Kriegsschiffe vertheidigte Insel zu erobern; – aber es mußte versucht werden, und es gelang!

Das Ueberschiffen sollte am Morgen des 29. Juni vor Tagesanbruch in hundertsechsundsechszig Kähnen und Booten erfolgen und die Division Manstein zuerst übergesetzt werden; ihr sollte die Division Wintzingerode folgen. Nach diesem Befehl begann die Mannschaft der ersten Division um zwei Uhr Morgens in aller Stille ihre Fahrzeuge in das Wasser zu schieben. Das Ufer war so flach, daß die Soldaten eine längere Strecke im Wasser waten mußten, bevor sie einsteigen konnten. Einige Boote schlugen um, weil die Soldaten nur an einer Seite einstiegen; es ging aber dabei kein Menschenleben verloren. Sowie ein Boot flott war, griff Alles, Officiere wie Soldaten, nach den Rudern, und es begann ein edler Wettkampf, denn jedes Fahrzeug wollte das erste am jenseitigen Ufer sein!

Die vorderste Reihe der Kähne und Boote mochte sich noch sechshundert bis siebenhundert Schritte von den feindlichen Laufgräben befinden, als von dort her ein Schuß fiel. Er wurde auf allen Fahrzeugen mit lautem „Hurrah!“ beantwortet, was aber zur Folge hatte, daß nun in den Tranchéen ein lebhaftes Feuer entstand, welches wieder aus den Fahrzeugen nicht minder lebhaft erwidert wurde. Viele Boote wurden von Kugeln durchlöchert und einige sanken, darunter dasjenige, auf welchem sich der Fahnenunterofficier des ersten Bataillons vom vierundzwanzigsten Regimente befand. Hauptmann von Radowitz eilte schwimmend hinzu und rettete Fahne und Unterofficier; von der übrigen Mannschaft der gesunkenen Boote erreichten die Meisten schwimmend glücklich das Ufer.

Bisher hatte dunkle Nacht die beschriebenen Scenen umhüllt, aber plötzlich flammte das rothe Licht des Fanals an der Alsenküste auf und zischende Raketen stiegen gen Himmel. Es war ein Feuerwerk, wie man noch keins gesehen hatte, und im rosigen Lichte desselben sprangen die Preußen aus den Booten und stürmten dem Ufer zu. Lieutenant Petry, vom brandenburgischen Pionnierbataillon, war der Erste, der den Fuß auf die Insel setzte; Oberst Hacke pflanzte mit eigener Hand die erste Fahne auf die Brustwehr.

Die zweite Colonne folgte nun und hierauf die dritte; aber Granaten, Kartätschen und Gewehrkugeln begrüßten die Herannahenden und brachten Tod und Verderben. Eine Granate zerschmetterte einen der Kähne, und im Nu verschwand die Mannschaft in der Tiefe. Die nächsten Boote wollten helfen und retten; aber ‚Vorwärts!‘ donnerte das Commando, denn es stand Größeres auf dem Spiele! Zum Glück enthielt dieser Kahn gute Schwimmer, doch mußten Drei den Tod in den Wellen finden.

Es hatten jetzt nach und nach drei Colonnen das jenseitige Ufer erreicht, und die Kriegsfurien durchflogen die Reihen! Die Dänen wehrten sich anfangs tapfer, und so entspann sich auf beiden Seiten ein wüthender Kampf; dem stürmischen Angriffe der Preußen vermochten sie aber doch nicht lange zu widerstehen, und als sie erst aus ihren Schanzen hinausgeworfen und auf die dahinterliegende Fohlenkoppel zurückgedrängt waren, hielten sie nicht mehr Stand, sondern retirirten nach Rönhof und Kjaer, wo sie von frischen Truppen aufgenommen wurden. General v. Manstein gebot seinen Truppen hier auch Halt, weil er abwarten wollte, daß ein zweites Echelon mit einer Batterie übergesetzt sein würde. Dies hatte auf der Ueberfahrt mit dem dänischen Panzerschiff ‚Rolf Krake‘ einen harten Strauß zu bestehen. Kaum war dies Ungethüm herangedampft, als es die Boote mit Kartätschen und Kugeln zu überschütten begann; es sollte aber erfahren, daß man einen Gegengruß in Bereitschaft hatte. Die Bemannung auf dem Decke wurde durch die Zündnadelgewehre weggefegt, und aus einer Anzahl schwerer gezogener Geschütze am Strande schlug eine solche Masse Kugeln in das Schiff, daß es nach wenigen Minuten umkehren mußte. Die Landung wurde nun glücklich vollbracht.

Während der nun folgenden Kämpfe gegen die Besatzung der Insel war General von Goeben gegen Sonderburg marschirt und rückte in drei Colonnen vor. Alle drei Colonnen stießen auf den Feind, dieser leistete aber nur matten Widerstand, und als die Preußen die Stadt erreichten, fanden sie diese von den Dänen verlassen.

Die ruhmvolle Eroberung der ganzen Insel kostete den Preußen dreihundertdreiundsiebenzig Mann an Todten und Verwundeten. Der Verlust der Dänen betrug nach ihrer eigenen Angabe fünfundsiebenzig Officiere und dreitausendeinhundertsechsundzwanzig Mann. Außerdem büßten sie sämmtliche Positionsgeschütze, eine Menge Munition, Brückenmaterial, achthundert Betten, viele Lazarethgegenstände, bedeutende Quantitäten an Holz, viele Boote, Schiffe und Waffen aller Art und eine wohlgefüllte Kriegscasse ein.

Eingedenk dieser beiden großen Waffenthaten hat nun die deutsche Nation den gefallenen Heldenbrüdern auf Düppel und Alsen zwei Denkmäler gesetzt, deren Hülle unter angemessener Feierlichkeit am 30. September dieses Jahres gefallen ist.

Beinahe auf dem höchsten Punkte der Düppeler Höhen, etwa eine halbe Stunde von Sonderburg entfernt, dort, wo einst in der dänischen Schanze Nr. 2 Leutenant Anker sich so tapfer vertheidigte, erhebt sich das Düppel-Denkmal. Dasselbe, nach einem Entwurf des Herrn Oberhofbaurath Strack in Berlin, von Mayer und Kopp zu Herford in Sandstein ausgeführt, hat eine Höhe von siebenzig Fuß rheinisches Maß und schaut stolz auf Land und Meer herab.

Die vier Figuren des Denkmals stellen zwei Infanteristen im Sturmanzug, einen Pionnier und einen Artilleristen dar. Die Reliefs, je eins zwischen zwei Figuren, zeigen nacheinander die Widmungsinschrift, welche die Worte trägt: „Den bei der Erstürmung der Düppler Schanzen am 18. April 1864 siegreich Gefallenen zum fortdauernden Andenken“; ferner einen Kriegsrath mit dem Kronprinzen, Prinz Friedrich Karl, dem Feldmarschall Wrangel und dem Artilleriegeneral Hindersin; dann den Ingenieurobristen Mertens in den Laufgräben und Pionniere, welche mit Schippe und Hacke arbeiten; endlich eine Gruppe Stürmender, unter ihnen den Feldwebel Probst, welcher, wie er die Fahne aufpflanzt, fällt. Ueber jedem Relief befindet sich ein Orden und zwar der Reihe nach: pour le mérite, Hohenzollersche Hausorden, Kronen- und rother Adlerorden mit Schwertern. Rings um das eigentliche Denkmal, das ein eiserner Zaun umschließt, läuft eine größere Plattform, zu der hinauf einige Stufen führen und auf welcher nach drei Seiten zu steinerne Bänke angebracht sind.

Das Denkmal zu Arnkiel, wohin man mit gutem Winde von Sonderburg aus in einer Stunde gelangen kann, liegt dicht am Alsensunde, an der Stelle, wo am 29. Juni 1864 das vierundzwanzigste Regiment gelandet ist. Noch bezeichnet auf dem kurzen Wege vom Strande zum Denkmal ein einfacher Stein, den ein ehemaliger Officier obigen Regimentes, der jetzige Obrist von C., zum Andenken an die glorreiche That hat setzen lassen, genau den Ort, wo der erste Kahn mit Preußen gelandet ist. Das Denkmal ist ebenfalls, wie das Schwesterdenkmal zu Düppel, nach einem Entwurfe des Herrn Oberhofbaurath Strack in Berlin, von den Herren Mayer und Kopp in Herford in Sandstein ausgeführt und hat eine Höhe von achtundsechszig Fuß rheinisches Maß. Auch hier ist die Plattform, hier der eiserne Zaun um das Denkmal, hier die Reliefs, die Orden, die Figuren. Letztere zeigen nach Westen – dem Wasser zu – einen Pionnier im Kahne, nach Norden einen Infanteristen, der mit der Mütze dem Lande zuwinkt, nach Osten – dem Walde zu – einen Jäger und endlich nach Süden einen Artilleristen, der nach den Schanzen hinschaut. Unter ihnen sind auch hier die vier Orden pour le mérite, rother Adlerorden, Kronenorden, Hohenzollersche Hausorden angebracht. Die Reliefs zeigen die Inschrift: „Den bei dem Meeresübergange und der Eroberung von Alsen am 29. Juni 1864 heldenmüthig Gefallenen zum ehrenden Gedächtniß“; ferner: einen Kriegsrath, einen Kahn, in welchem der Steuermann tödtlich getroffen zurücksinkt, während der Officier das Steuer ergreift; endlich noch eine Gruppe Landender.

So ragt denn empor, ihr Siegesdenkmale, als Zeugen einer Kraft, die hier den ersten Schritt auf der Heldenbahn einer neuen Zeit gethan und schon sechs Jahre darnach ihre Triumphbanner auf den wieder deutsch gewordenen Thürmen von Metz und Straßburg aufpflanzte. Und wie diese als Ehrenwächter des Reichs im Westen dastehen, so sind jene beiden Denkmalthürme auf ihren Siegesstätten die deutschen Ehrenwächter gegen den Norden, der leider in kindischem Haß noch immer vergißt, daß aller germanische Geist fortan keinen festeren Schutz hat, als das deutsche Schwert.