Der weiße Mann und der Bauer

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Autor: Bernhard Baader
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Titel: Der weiße Mann und der Bauer
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 479–480
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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[479]
Der weiße Mann und der Bauer.

An dem Berg, worauf die verfallene Burg Schenkenzell[1] liegt, weideten einst zwei Bauern miteinander ihre Ziegen. Da [480] gesellte sich ein ganz weißer Mann zu ihnen und sagte zu dem Einen, der allein ihn sah und hörte, er solle mit ihm gehen. Als derselbe folgte, ward er auf die Burg an eine eiserne Bogenthüre geführt, die er noch nie zuvor bemerkt hatte und die sein Führer mit einem großen Schlüssel öffnete. Sie traten ein und gelangten durch einen langen Gang und zwei andere eiserne Thüren, welche der weiße Mann ebenfalls aufschloß, in ein Gewölbe, worin eine große Kiste stand. Nachdem der Bauer, auf seines Führers Begehren, deren Deckel zurückgeschlagen, hieß ihn Jener so viel von den Goldmünzen, womit sie angefüllt war, mitnehmen, als er fort zu bringen im Stande wäre. Er nahm aber, aus Schüchternheit, weit weniger, und da ihn sein Begleiter, als sie sich wieder unter Gottes freiem Himmel befanden, deßhalb zur Rede stellte, gab er zur Antwort, er wolle schon wieder holen, wenn das, was er mitgenommen, verbraucht sey. Da sagte Jener, dies sey unmöglich und weil er ihm Solches erst jetzt eröffnen dürfe, habe er ihn vorhin so viel mitnehmen heißen, als er fort zu bringen vermöge. Hierauf verschwand der weiße Mann; die Thüre war ebenfalls nicht mehr zu sehen und ist auch bisher von keinem Menschen mehr wahrgenommen worden. Von den Goldmünzen, welche dünn und so groß wie Sechsbätzner sind, befinden sich noch heut eilf Stücke im Dorfe Schenkenzell, woselbst auch der andere Bauer, welcher den weißen Mann weder sehen noch hören hatte können, erst kürzlich, über hundert Jahre alt, gestorben ist.

(Nach mündlicher Ueberlieferung, mitgetheilt von Bernhard Baader in Mone’s „Archiv zur Kunde der teutschen Vorzeit.“ Jahrg. 1837. S. 69.)

  1. Drei Stunden östlich von Wolfach.