Die Journalisten und Minos

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Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller oder Ferdinand Friedrich Pfeifer[1]
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Titel: Die Journalisten und Minos
Untertitel: 1781
aus: Anthologie auf das Jahr 1782, S. 1 – 6
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum: 1781
Erscheinungsdatum: 1782
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Scans auf Commons
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[1]
Die
Journalisten und Minos.
1781.


Mir kam vor wenig Tagen
     Wie? fragt mich eben nicht,
Vom Reich der ewgen Plagen
     Die Zeitung zu Gesicht.

5
Sonst frag ich diesem Essen

     Wo noch kein Kopf zerbrach,
Dem Freykorps unsrer Pressen
     Wie billig, wenig nach.

Doch eine Randgloß lokte

10
     Izt meinen Fürwiz an,

Denkt! wie das Blut mir stokte,
     Als ich das Blatt begann:

[2]

„Seit zwanzig herben Jahren“
     (Die Post, versteht sich, muß

15
Ihr saures Stündchen fahren

     Hieher vom Erebus)

„Verschmachteten wir Arme
     „In bittrer Wassersnoth,
„Die Höll kam in Allarme

20
     „Und foderte den Tod.


„Den Styx kann man durchwaten,
     „Im Lethe krebset man,
„Freund Charon mag sich rathen,
     „Im Schlamme liegt sein Kahn.

25
„Kek springen schon die Tode

     „Hinüber, jung und alt,
„Der Schiffer kommt vom Brode
     „Und flucht die Hölle kalt.

[3]

„Fürst Minos schikt Spionen

30
     „Nach allen Gränzen hin,

„Die Teufel müssen frohnen,
     „Ihm Kundschaft einzuziehn.

„Juhe! Nun ists am Tage!
     „Erwischt das Räubernest!

35
„Heraus zum Freudgelage!

     „Komm Hölle komm zum Fest!

„Ein Schwarm Autoren spükte
     „Um des Kozytus Rand,
„Ein Dintenfäßgen schmükte

40
     „Die ritterliche Hand,


„Hier schöpften sie, zum Wunder
     „Wie Buben süssen Wein
„In Röhren von Hollunder,
     „Den Strom in Tonnen ein.

[4]
45
„Husch! Eh sie sich’s versahen!

     „Die Schlingen über sie! –
„Man wird euch schön empfahen
     „Kommt nur nach Sanssouci.

„Schon wittert sie der König,

50
     „Und wezte seinen Zahn,

„Und schnauzte drauf nicht wenig
     „Die Delinquenten an.

„Aha! sieht man die Räuber?
     „Weß Handwerks? Welches Lands?

55
„„Sind teutsche Zeitungsschreiber!““

     „Da haben wir den Tanz!

„Schon hätt ich Lust gleichbalden
     „Euch, wie ihr geht und steht,
„Bei’m Essen zu behalten,

60
     „Eh euch mein Schwager mäht.
[5]

„Doch schwör’ ichs hier bei’m Styxe,
     „Den eure Brut bestahl!
„Euch Marder und euch Füchse
     „Erwartet Schand und Qual!

65
„So lange, bis er splittert,

     „Spaziert zum Born der Krug!
„Was nur nach Dinten wittert
     „Entgelte den Betrug!

„Herab mit ihren Daumen!

70
     „Laßt meinen Hund heraus!

„Schon wässert ihm der Gaumen
     „Nach einem solchen Schmaus.

„Wie zukten ihre Waden
     „Vor dieses Bullen Zahn!

75
„Es schnalzen Seine Gnaden,

     „Und Joli pakte an.

[6]

„Man schwört, daß noch der Stumpen
     „Sich krampfigt eingedrukt,
„Den Lethe auszupumpen

80
     „Noch gichterisch gezukt.


Und nun, ihr guten Christen
     Beherziget den Traum!
Fragt ihr nach Journalisten,
     So sucht nur ihren Daum!

85
Sie bergen oft die Lüken,

     Wie Jauner ohne Ohr
Sich helfen mit Perüken, –
     Probatum! Gut davor!

Y.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Die Autorschaft des Textes ist nicht zu hundert Prozent geklärt. Die Chiffre Y. kann zwar Friedrich Schiller zugeordnet werden, allerdings gibt Heinrich Döring sowie auch Eduard Boas (dieser änderte später aber seine Meinung) Ferdinand Friedrich Pfeifer aus Pfullingen als Autor an. Bülow und Goetze bezeichnen allerdings Schiller als Verfasser. Genaueres in:
    • Heinrich Döring: Friedrichs von Schiller Leben. Weimar: in der Hofbuchhandlung der Gebrüder Hoffmann.
    • Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen von Karl Goedeke. Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Fünfter Band - Vom siebenjährigen bis zum Weltkriege. Zweite Abteilung. Dresden: Verlag von L. Ehlermann, 1893, Seite 166f.
    • Friedrich Schiller; Eduard Bülow (Hrsg.): Anthologie auf das Jahr 1782 von Friedrich Schiller — Mit einer einleitenden Abhandlung über das Dämonische und einem Anhange neu herausgegeben von Eduard Bülow. Heidelberg: Verlag von Bangel & Schmitt; Hoffmeister’sche Univ.-Buchhandlung, 1850. Seite XXXI.