Die Oberharzer Silberhütten

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Heinrich Morich
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Die Oberharzer Silberhütten
Untertitel:
aus: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Jahr 1937, S. 44–45
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum:
Verlag:
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[44]
Die Oberharzer Silberhütten.
Von Rektor i. R. H. Morich-Clausthal.


     Mit der Wiederaufnahme des Oberharzer Bergbaues im 16. Jahrhundert stellte sich bald das Bedürfnis ein, die gewonnenen Erze nicht nur zweckmäßig aufzubereiten, sondern auch durch Schmelzen zugute zu machen. Es wurden deshalb in der Nähe der Bergwerke Silberhütten errichtet, in denen man die Metalle, namentlich Blei und Silber zur Darstellung brachte.

     Der Hüttenprozeß bestand zuerst darin, daß man das feingepochte Erz (Schlich) in Windöfen mit Holz verschmolz, wobei man aber viel Eisen vorschlagen mußte, ehe der Rost in Fluß kam. Später röstete man die Schliche in Brennöfen und verschmolz sie sodann unter Eisenzusatz in niedrigen Öfen mit der sogenannten krummen Arbeit. Das entstandene Werkblei, welches das Silber enthält, wurde im Treibofen abgetrieben, wobei das Silber als edles Metall zurückblieb.

     Die älteste Silberhütte ließ Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel in Wildemann errichten, wo er den Erzbergbau 1524 wieder aufgenommen hatte. Sie war schon 1532 im Betriebe und soll auf dem Markte, wo jetzt das Rathaus steht, gewesen sein. Nach Merian (um 1650) standen 2 Schmelzhütten im unteren Teile der Stadt, etwas unterhalb der Mündung des Spiegeltales. Im Jahre 1704 wurde die Silberhütte neu gebaut, doch ist sie noch im 18. Jahrhundert eingestellt.

     Im Zellerfelder Tale, unterhalb des heutigen Hüttenteiches, lag die Zellerfelder Hütte, die schon 1311 genannt wird, wo sie bis etwa 1350 Rammelsberger Erze verschmolz. Durch das Eindringen der Pest in den Oberharz war sie dann auf lange Zeit stillgelegt. Im 1580 kam sie wieder in Betrieb, der auch im 17. Jahrhundert noch anhielt. Im Jahre 1703 scheint sie überflüssig geworden zu sein, weshalb sie abgebrochen wurde.

     Im Jahre 1703 wurde in Schulenberg eine Silberhütte angelegt, wo der Bergbau einen großen Aufschwung genommen hatte; 1760 standen dort nicht weniger als 10 Gruben im Bau. Vielleicht besteht ein Zusammenhang zwischen dem Abbruch der Zellerfelder Silberhütte und der Errichtung der Schulenberger Hütte in ein und demselben Jahre. Die Hütte lag in Unter-Schulenberg und verschmolz die in Schulenberg-Festenburg gewonnenen Erze, bis diese so gering wurden, daß die Hütte nicht mehr bestehen konnte. Im Jahre 1797 wurde sie eingestellt, worauf ihre Schliche nach der Altenauer Silberhütte geschafft werden mußten.

     Die Altenauer Silberhütte wurde im Jahre 1609 erbaut. Im dreißigjährigen Kriege stillgelegt und verfallen, wurde sie 1691 wieder neu aufgebaut. Sie verschmolz in früherer Zeit vorwiegend die Bleierz-Schliche des oberen Burgstädter Zuges bei Clausthal, die des Schulertberger Gangzuges und die in Clausthal und Zellerfeld gewonnenen Kupferkiese. Später wurde auch das Roh-Kupfer von anderen Hütten zur Weiterverarbeitung nach Altenau geschickt. Seit 1878 bestand hier das elektrolytische Verfahren, wodurch man chemisch reines Kuper herstellte. Hier war der Kupfer-Hüttenprozeß des Oberharzes konzentriert.

     Seit 1700 verhüttete man in Altenau auch ostindische Golderze und seit den 1870er Jahren auch überseeische Silber- und Bleierze, um die Apparate und Wasserkräfte auszunutzen und die 220 Mann starke Belegschaft zu erhalten. Man gewann Gold, Silber, Blei, Elektrolytkupfer, Kupfervitriol, Bleigelb (Farbe) und Schwefelsäure. Als die fremdländischen Schmelzgüter ausblieben oder nicht mehr mit Vorteil verarbeitet werden konnten, wurde die Altenauer Hütte am 1. Oktober 1911 nach 300jährigem Bestehen eingestellt.

     Die St. Andreasberger Silberhütte ist gegen Mitte des 16. Jahrhunderts aus gewerkschaftlichen, vermutlich von der Herrschaft unterstützten Mitteln errichtet worden, später aber in lediglich landesherrschaftlichen Besitz übergegangen. Im Anfange des dreißigjährigen Krieges kamen die Andreasberger Gruben zum Erliegen, deshalb ward 1624 auch die Silberhütte abgebrochen. Erst im Jahre 1663 wurde sie wieder neu aufgebaut. Sie soll dann am 18. September 1673 durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört, später aber in größerem Maße wieder hergestellt worden sein.

     Seit den 1870er Jahren verarbeitete die Andreasberger Hütte neben den Oberharzischen Erzen auch überseeische Schmelzgüter, die vorzugsweise aus Süd-Amerika stammten und durchweg silber- und goldhaltig waren. Dadurch konnten die Betriebskosten aufgebracht und die Hüttenleute, deren Zahl durchschnittlich 165 betrug, beschäftigt werden. Man gewann güldisches Blicksilber, goldfreies Blicksilber, raffiniertes Weichblei, raffiniertes Hartblei und Schwarzkupfer. Die Blicksilber gingen zur Weiterverarbeitung nach der Lautenthaler Hütte, und das Schwarzkupfer wurde an die Altenauer Hütte abgegeben. Nach dem der Bergbau 1910 aufgehoben war, wurde 1912 auch die Hütte eingestellt.

     Die Clausthaler Silberhütte bestand schon vor Jahrhunderten als Hütte zu den Frankenscharn, die ehemals und durch lange Zeit einen großen Betrieb gehabt hat. Sie verhüttete anscheinend nur Oberharzer Erze. Erwähnt wird [45] sie im Jahre 1355. Kurz vor 1554 wurde sie neu gebaut, deshalb wird als Gründungsjahr zumeist 1554 angegeben. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte bedeutende Vergrößerungen erfahren. Die Hauptgebäude stammen aus dem Jahre 1688, wie die Juschriften ergeben. Im Jahre 1734 wurde die Hütte vergrößert und um 1773 der erste Hochofen eingebaut. Gleichzeitig erfolgte die Einführung der Niederschlagsarbeit durch Zusatz von Eisen, aber erst 1865 wurde das metallische Eisen durch andere eisenreiche Materialien ersetzt.

     Hier wurden fast die gesamten Bleierze der Berg-Inspektionen Clausthal, sowie ein Teil der bleiischen Erze der Berginspektion Grund verichmolzen. Sie ist in der Hauptsache Rohhütte, d. h. es werden aus ihr die angelieferten Bleierze lediglich aus Halbfertige Produkte verarbeitet. Von letzteren wird sämtliches Werkblei und Blicksilber der Lautenthaler Hütte überwiesen; das Schwarzkupfer wurde früher an die Altenauer Hütte zur Weiterverarbeitung abgegeben. Seit dem Raub Oberschlesiens 1922 werden die silberhaltigen Bleierze, die bisher aus der Friedrichshütte bei Tarnowitz verschmolzen wurden, in Clausthal mit zugute gemacht.

     Die Lautenthaler Silberhütte ist um das Jahr 1638 erbaut und 1727 vergrößert. Sie steht auf dem Schlackenfelde der alten Bielsteinhütte, was dadurch erwiesen wird, daß die bei Bauarbeiten aufgefundenen Schlackenlager der Verhüttung Rammelsberger Erze entstammen. Ursprünglich verschmolz man hier die Lautenthaler und Bockswieser Erze, später auch noch einen Teil der Erze von den Gruben Bergwerkswohlfahrt, Hülfe Gottes und Ernst August. Gegen Ende der 1860er Jahre wurde die Lautentthaler Hütte zur Zentral-Entsilberungs-Anstalt des Oberharzes erweitert, worauf die Werkbleie der Clausthaler Hütte zur Weiterverarbeitung nach Lautenthal gelangten. Jetzt dient die Lautenthaler Hütte nur als Feinhütte oder Silberhütte. Das Werkblei wird durch Zink entsilbert, und die Blicksilber werden im Gebläseflammofen „fein gebrannt“ (Brandsilber).

     Man gewinnt Brandsilber, Handelsblei, Schwarzkupfer, Bleigelb (Farbe), Zinkvitriol, Schwefelsäure, Eisenvitriol und Glaubersalz, früher auch Gold, das aus den Fremderzen stammte. Das Schwarzkupfer, das früher an die Altenauer Hütte zur Weiterverarbeitung ging, wird jetzt auf der Okerhütte zugute gemacht.




Der ehemalige Eisensteins-Bergbau bei Lerbach.
Von Rektor i. R. H. Morich-Clausthal.


     Das Bergdorf Lerbach verdankt seine Entstehung der Gewinnung und Verhüttung des Eisensteins, wie Grund, Riefensbeek-Kamschlacken, Lonau und Sieber. Wann hier die ersten Schürfversuche aufgenommen sind, ist nicht bekannt, doch muß der Bergbau schon sehr alt sein. Nach mündlicher Überlieferung zogen sich im Lerbachtale und im nahe gelegenen Bremketale in alter Zeit verschiedene kleine Hüttenwerke hinauf, die den in beiden Tälern unmittelbar anstehenden Eisenstein zugute machten. Im Bremketale werden deren drei angegeben, von denen eine nach der Urkunde von 1460 die Zangerhütte hieß, und in Lerbach sollen bei der Fundamentierung von Wohnhäusern die Schlackenstätten von 4–6 Hütten gefunden sein. Da nun auch im Bremketale nach dem Jahre 1460 eine „Lerbacher Eisensteinsgrube“ betrieben ist, so wird man annehmen können, daß dieser Bergbau auch im Lerbachtale schon im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen hat.

     Wenn nun auch die reichen und leicht abzubauenden Eisensteinslager des Lerbachtales schon früh bekannt waren, so scheint es zu festen Ansiedlungen doch erst im 16. Jahrhundert gekommen zu sein, denn im Jahre 1530, das als Gründungsjahr der Ortschaft angegeben wird, sollen hier nicht mehr als 10 Häuser gestanden haben, deren Zahl bis zum Jahre 1660 nur auf 28 gestiegen war. Es ist daraus zu schließen, daß die ersten Bergleute, die von Osterode, Freiheit und anderen Orten des Harzrandes kamen, ihre früheren Wohnsitze vielfach beibehielten und erst später sich in Lerbach seßhaft machten. Ein derartiges Berspiel haben wir in St. Andreasberg, wo die Berg-Beamten und Bergleute lange Zeit vor Erbauung der Stadt im Jahre 1528 in Lauterberg und den umliegenden Dörfern wohnten.

     Im Jahre 1551 wird Lerbach als Hammerhütte erwähnt. Die kleine Ansiedlung gehörte kirchlich zu Osterode und wurde damals schon als Außendorf der St. Aegidienkirche bezeichnet. Aber der Eisensteinsbergbau entwickelte sich nur langsam und wurde durch den dreißigjährigen Krieg sehr gehemmt, wenn er nicht ganz zum Erliegen kam. Erst nach dem Kriege blühte er wieder auf und nahm im 18. Jahrhundert einen bemerkenswerten Aufschwung, der sich lange Zeit erhalten hat. Infolgedessen stieg die Zahl der Wohnhäuser im Jahre 1697 auf 45 und im Jahre 1728 auf 72 mit mehr als 500 Einwohnern.

     Die Verhüttung des Lerbacher Eisensteins erfolgte zum größten Teil auf der Osteroder Eisenhütte, was den großen Vorteil hatte, daß die Transportkosten sehr gering waren. Als aber

Anmerkungen (Wikisource)