Die Ostjaken

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Autor: Alfred Brehm
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Titel: Die Ostjaken
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, 22, 24, S. 594–596, 702–704, 754–756
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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[594]
Die Ostjaken.[1]
Von Alfred Edmund Brehm.

Leicht und mühelos ist gegenwärtig und wohl noch auf Jahrhunderte hinaus der Kampf ums Dasein, welchen der Mensch in Sibirien zu bestehen hat, leicht und mühelos namentlich in den von der Natur überreich begabten Gefilden im Süden des Landes, nicht allzuhart und schwer aber auch in jenen Gegenden, welche wir als eine eisige Wüste, als unwirthliche Einöde zu betrachten gewohnt sind. Wohl tritt im hohen Norden Westsibiriens das Klima dem Menschen rauh und streng entgegen; wohl weigert sich hier die in geringer Tiefe unter ihrer Oberfläche für ewig erstarrte Erde, nährende Frucht zu bringen, aber auch hier schüttet die Natur gütig ihr Füllhorn aus, und was das Land versagt, gewährt das Wasser. In unseren Augen mag der in jenen Breiten seit Jahrhunderten ansässige Mensch arm und elend erscheinen, in Wahrheit ist er weder das eine noch das andere. Auch der Ostjake gewinnt sich seine Bedürfnisse; auch er umgiebt sein Dasein mit ihn beglückenden Reizen, denn seine Heimath schenkt ihm mehr, als er zum Leben bedarf.

Es mag sein, daß der Stamm der Ostjaken, der zu der finnischen Völkerfamilie gehört, in früheren Zeiten zahlreicher gewesen ist als gegenwärtig; ein Volk nach unseren Begriffen aber hat er wohl nie gebildet. In einzelnen Theilen des von ihm besiedelten oder wenigstens von ihm durchwanderten Gebietes soll die Einwohnerzahl stetig abnehmen, in anderen dagegen in geringem Grade sich vermehren; von erheblichem Belang scheint aber weder die Zu- noch die Abnahme zu sein. Man rechnet hoch, wenn man den Gesammtbestand auf fünfzigtausend Köpfe anschlägt. – Alle am Irtisch und oberen, beziehungsweise mittleren Ob hausenden Ostjaken wohnen in feststehenden, sehr einfachen, den russischen ähnlichen Blockhäusern, und nur hie und da trifft man zwischen diesen bereits eine höhere Gesittungsstufe anzeigenden unbeweglichen Wohnungen auch einmal auf ein Birkenrindenzelt, „Tschum“ genannt, wogegen dieses am unteren Ob unbedingt vorherrscht und, wie erklärlich, die alleinige Behausung des wandernden Renthierhirten ist. Fast, wenn auch nicht vollständig im Einklange damit steht, daß die in feststehenden Dörfern lebenden Ostjaken der russisch-katholischen Kirche angehören, wogegen die im Tschum hausenden ihrem uralten Glauben noch gegenwärtig treu sind. Mit der Annahme des Blockhauses und des Christenthums geht ebenso Hand in Hand, daß die im mittleren Ob- und unteren Irtischgebiete ansässigen Ostjaken nicht allein ihre Kleidung bis zu einem gewissen Grade mit der des benachbarten russischen Fischers vertauscht, sondern im Umgange mit diesem auch viel von seinen Sitten und Gewohnheiten angenommen, von den ihrigen dagegen verloren, zum Theil auch die Reinheit ihres Stammes eingebüßt und eigentlich nichts weiter behalten haben als die unveräußerlichen Merkmale des Stammes, die Sprache, sowie vielleicht noch die dem ganzen Volke gemeinsame Geschicklichkeit, Anstelligkeit und – harmlose Gutmüthigkeit. Ich beschränke meine Mittheilungen im wesentlichen auf diejenigen Ostjaken, welche ihren alten Glauben, ihre alten Sitten bis heute festgehalten haben.

[595] Von einem ostjakischen Stammesgepräge ist schwer zu reden, dasselbe zu beschreiben, noch schwieriger. Die Leute sind hinsichtlich ihrer Gesichtsbildung, der Färbung ihrer Haut, ihres Haares und ihrer Augen ungemein verschieden; ihre Rassenangehörigkeit, also ihr Mongolenthum, ist keineswegs immer so leicht wahrzunehmen, und wenn man wirklich einmal glaubt, bestimmte, durchschnittlich gültige Merkmale festgestellt zu haben, wird man durch eine Anzahl anderer Angehöriger des Stammes belehrt, daß denselben keinesfalls eine unbedingte Gültigkeit zugesprochen werden darf.

Die Ostjaken sind mittelgroß, durchschnittlich schlank gebaut, ihre Hände, Füße und Glieder überhaupt verhältnißmäßig. Ihre Gesichtsbildung steht gewissermaßen zwischen der anderer Mongolen und der der nordamerikanischen Indianer in der Mitte; die braunen Augen sind klein, nicht auffallend, aber stets merklich schief geschlitzt, die Backenknochen nicht wesentlich vorgedrängt, die unteren Theile des Gesichtes gegen das stets schmale und spitzige Kinn zu aber so zusammengedrückt, daß das ganze Gesicht winkelig erscheint und, da auch die Lippen scharf geschnitten sind, bei vielen, zumal bei Kindern oder Frauen, zu einem wahren Katzengesichte wird, obgleich die Nase im ganzen wenig abgeplattet ist. Das reiche, schlichte, aber nicht straffe Haar ist gewöhnlich schwarz oder tiefbraun, seltener lichtbraun und noch seltener blond gefärbt, der Bart schwach, jedoch nur infolge der Gewohnheit junger Stutzer, denselben sich auszurupfen, die Augenbrauen sind stark, oft buschig. Die Hautfärbung endlich steht an Weiße der eines viel an frischer Luft, Wind und Wetter sich bewegenden Europäers kaum nach, und der gelbliche Schein, welchen sie in der Regel zeigt, kann sich fast gänzlich verwischen.

Ueber die Sprache der Ostjaken vermag ich kein Urtheil zu fällen, kann daher nur sagen, daß sie in zwei, auch dem Ohre des Fremden deutlich erkennbare Mundarten zerfällt, von denen die am mittleren Ob herrschende sehr wohllautend, wenn auch etwas gedehnt und singend klingt, wogegen die am unteren Ob gebräuchliche, wohl infolge der hier allgemein üblichen Gewohnheit aller Ostjaken, sich mit Vorliebe des weicheren Samojedisch zu bedienen, in rascherem Flusse, obwohl noch immer mit deutlicher Abgrenzung der Silben, gesprochen wird.

Während die christlichen Ostjaken, wie bereits bemerkt, die Tracht der Russen nachahmen und die Frauen nur dadurch von denen der russischen Fischer abweichen, daß sie ihre Kleider an vielen Stellen mit bunten Glasperlen verzieren, verwenden die heidnischen Stammesangehörigen unseres Völkchens ausschließlich die Decke und die Haut des Renthieres zu ihrer Kleidung und gebrauchen Felle anderer Thiere nur ausnahmsweise zum besonderen Schmucke der Renthier- oder, wie die Russen sagen, der Hirschpelze. Die Kleidung besteht aus einem bis über die Kniee herabreichenden, eng anliegenden Pelze mit anhängender oder doch dazu gehöriger Kapuze und angenähten Fausthandschuhen, Lederhosen, welche bis unter das Knie herabreichen, und Lederstrümpfen, welche oberhalb des Kniees befestigt werden. Der Pelz ist bei Frauen mit Säumen, welche aus verschiedenfarbigen, kleinen, viereckigen, kurzhaarigen Pelzstückchen mühsam zusammengesetzt werden, unten auch regelmäßig mit einem breiten Besätze aus Hundepelz, bei Männern mindestens mit letzterem verziert, auch stets mit der Kapuze versehen; die Lederstrümpfe bestehen aus sehr vielen verschiedenfarbigen, geschmackvoll zusammengesetzten Streifen aus dem Felle der Läufe des Renthieres und einem plumpen Schuh. Ein breiter, meist mit metallenen Knöpfen besetzter Ledergurt, an welchem das Messer hängt, schnürt den Pelz des Mannes zusammen; ein buntes, mit langen Fransen besetztes Kopftuch, welches im Sommer anstatt der Kapuze getragen wird, fällt über den Pelz der Frau herab.

Um sich zu schmücken, steckt die Ostjakin soviele einfache Messing-, im allergünstigsten Falle Silberringe an alle Handfinger, als die inneren Glieder derselben zu tragen vermögen, hängt sich außerdem eine mehr oder minder reiche Kette aus Glasperlen um den Hals und sehr schwere, aus Glasperlen, Drahtwindungen und Metallknöpfen zusammengesetzte quastenartige Ohrgehänge an die Ohren und flicht endlich ihre Haare in zwei tief herabfallende, aus Wollenschnüren strickartig gedrehte Zopfhülsen ein. Letzteres thut auch der ostjakische Stutzer, wogegen der vernünftige Mann für gewöhnlich sein Haar lang, aber lose trägt.

Einfacher noch als die Kleidung, aber ebenso zweckmäßig wie sie ist die Wohnung des Ostjaken, der Tschum, die kegelförmige, mit Birkenrinde umkleidete, bewegliche Hütte des Fischers wie der Wanderhirten. Zwanzig bis dreißig dünne, geglättete, oben und unten zugespitzte, vier bis sechs Meter lange Stangen, von denen zwei gegen das obere Ende hin mittels eines kurzen Strickes vereinigt werden und allen übrigen als Stützpunkt dienen, bilden, im Kreise ausgestellt, das Gerüst, fünf bis acht nach dem Mantel des Kegels geschnittene, aus kleinen Stücken vorher gekochter und dadurch geschmeidig gemachter Birkenrinde zusammengesetzte Tafeln die äußere Umkleidung, eine vom Winde abgekehrte, mit einer anderen Rindentafel verschließbare Oeffnung die Thür der Hütte, deren Kegelspitze stets unbedeckt bleibt, um dem Rauche freien Abzug zu gestatten. Von der Thür an in gerader Richtung zur entgegengesetzten Seite des Tschums verläuft ein Gang, in dessen Mitte das Feuer angezündet wird; über ihm befindet sich, aus zwei wagerecht angebundenen Stangen hergestellt, ein Trockengerüst, an welchem auch der Kochkessel aufgehängt wird. Rechts und links von dem Gange decken Bretter oder wenigstens Matten den Boden und dienen als Laufstege sowie als Abschluß der Lagerstätten, deren Kopfende gegen die Wand sich richtet. Aus Riedgrasbündeln gefertigte Matten, langhaarige, weiche Renthierfelle und mit Renthierhaaren oder getrocknetem Wassermoose gestopfte Kissen stellen die Lagerstätten, Pelze die Decken her; ein Mückenzelt, unter welches im Sommer die ganze Familie kriecht, schützt die Schlafenden wirksamer als das am Eingange des Tschums beständig brennende, mit Weidenreisern unterhaltene Schmauchfeuer gegen die geflügelten Quälgeister. Ein Koch-, ein Thee- und ein Trinkkessel, Mulden, Ledersäcke zur Aufbewahrung des Mehles und hartgebackenen Schwarzbrotes, kleine verschließbare Truhen zur Unterbringung der werthvollsten Habseligkeiten, insbesondere auch des Theegeschirrs, ein Beil, ein Bohrer, Lederschaber, ein muldenartiges Nähkästchen, Bogen, Armbrust oder Gewehr, Schneeschuhe, sowie verschiedene Fangwerkzeuge vollenden den Hausrath; die Stelle des in den Hütten der christlichen Ostjaken selten fehlenden Heiligenbildes vertritt ein Hausgötze.

Gegen den Winter, seine Kälte und seine Stürme sucht man den Tschum durch eine außen übergebreitete, aus dem Leder abgetragener Pelze zusammengenähte Decke oder noch besser dadurch zu schützen, daß man einen zweiten Mantel aus Birkenrindentafeln über den ersten breitet.

Ist der Tschumbesitzer Fischer, so sieht man außen vor dem Tschum Trockengerüste zum Aufhängen der Netze und solche zum Dörren der Fische, sehr sauber gearbeitete, ungemein leichte und kunstvolle Reusen, mehrere unübertreffliche kleine Boote und sonstige Fischereigeräthe; ist er auch Jäger, dann allerlei Fangwerkzeuge, Stellbogen und als Selbstschüsse wirkende Armbrüste; ist der Tschumwirth Renthierhirt, dann mehrere sorgsam gearbeitete Schlitten nebst dazu gehörigem Geschirr und einem auch für ihn unerläßlichen Boote.

Jeder Ostjake ist des Fischfangs kundig, fast jeder auch Jäger oder Fallensteller, nicht jeder aber Wanderhirt. Renthiere besitzen, bedeutet unter unserem Völkchen ebensoviel als wohlhabend sein, einzig und allein von der Fischerei leben müssen, das Gegentheil. Pferde und Rinder sieht man in sehr geringer Anzahl zwar auch in einzelnen ostjakischen Niederlassungen, aber nur in denen des mittleren Stromgebietes, Schafe und vielleicht sogar eine Katze werden hier ebenfalls dann und wann gehalten; die eigentlichen Hausthiere der Ostjaken aber sind Renthier und Hund. Ohne sie, zumal ohne Renthier, vermeint der wohlhabende Mann nicht leben zu können; und sie allein ermöglichen ihm thatsächlich das, was er Freude des Daseins nennt.

Nach der Anzahl der Renthiere schätzt der Ostjake den Besitz eines Menschen, in den Renthieren siet er seinen Reichthum, sein Glück. Daher verliert er nicht allein dieses wie jenen, wenn die würgende Seuche seine Herden vernichtet, sondern noch weit mehr: Ansehen und Rang, Selbstbewußtsein und Zuversicht, ja seinen Glauben, seine Sitten und Gewohnheiten, sich selbst.

„So lange die Seuche unsere Herden noch nicht heimsuchte,“ sagte uns der Gemeindevorsteher Mamru, der verständigste Ostjake, welchen wir kennengelernt haben, „lebten wir freudig und waren wir reich, seitdem wir unsere Renthiere verloren, werden wir allgemach zu armen Fischern; wir können ohne sie nicht bestehen, ohne sie nicht leben!“

Arme Ostjaken! – mit diesen Worten ist euer Geschick ausgesprochen. Schon gegenwärtig sind die einst nach Hunderttausenden [596] zählenden Renthiere auf fünfzigtausend zusammengeschmolzen, und nach wie vor, alljährlich fast, wüthet der Würgengel unter den geweihtragenden Herden.

Das nordasiatische Renthier ist ein von dem lappländischen wesentlich verschiedenes Geschöpf; es ist nicht allein größer und stattlicher, sondern auch ein Hausthier im besten Sinne des Wortes; dort, in Lappland, ein ewig widerstrebender, mit ersichtlichem Unwillen unter das Joch des kleinen Mannes sich beugender, unablässig auf Wiedererlangung der Freiheit bedachter Hirsch, hier in Sibirien ein folgsames, williges, an dem Menschen hängendes, ihm vertrauendes Thier. Freilich weiß der Ostjake auch vortrefflich mit ihm umzugehen. Er behandelt es zwar nicht mit der Zärtlichkeit, mit welcher er den Hund hätschelt, aber im ganzen doch auch nicht unfreundlich und nur sehr ausnahmsweise derb oder roh. Abweichend von dem Lappen, verzichtet er darauf, es zu melken, spannt es aber dafür viel regelmäßiger ein als dieser, denn es muß ihn und seine Familie, den Tschum sammt Zubehör und alle übrigen auf der Wanderung zu bewegenden Lasten im Sommer wie im Winter von einer Stelle zur anderen befördern, wogegen es der Lappe nur im Winter zum Ziehen benutzt. Das Fleisch des geschlachteten Thieres dient zur Nahrung, die Knochen und Geweihe liefern allerlei Geräthschaften, die Sehnen Zwirn zum Nähen der Kleider, Haut und Fell diese selbst und was sonst noch aus Leder gefertigt wird; selbst die Hufe finden Verwendung. Mit dem Renthier fährt der Ostjake, auf seinem leichten Schlitten sitzend, im Sommer wie im Winter von Ort zu Ort, mit ihm zur Brautschau, zu Festlichkeiten, zur Jagd, zum Begräbniß seiner Freunde; mit ihm fährt er seine Todten zur letzten Ruhestätte; das Renthier schlachtet und verspeist er, um seine Gäste und seine Todten zu ehren; in seine Felle hüllt er die letzteren wie sich selbst. Gewiß, er kann ohne das Renthier nicht bestehen, nicht leben!

Kaum minder wichtig als seine geweihtragende Herde ist ihm sein zweites Hausthier, der Hund. Ihn besitzt, ihn hegt und pflegt nicht allein der Wanderhirt, sondern jeder Ostjake überhaupt, der Fischer ebenso gut wie der Jäger, der seßhafte wie der umherschweifende Mann. Der ostjakische Hund gehört zwei verschiedenen, hauptsächlich jedoch nur hinsichtlich der Größe von einander abweichenden Rassen an. Ob unsere Liebhaber ihn schön finden würden, vermag ich nicht zu sagen; ich meinestheils muß ihn schon aus dem Grunde für schön erklären, weil er, mit alleiniger Ausnahme der Färbung, noch alle Merkmale des wilden Hundes besitzt. Am meisten kommt er mit unserem Spitz überein, er ist aber gewöhnlich größer als dieser, nicht selten so groß, daß er kaum oder nur wenig hinter dem Wolfe zurücksteht; auch sein schlankerer Bau zeichnet ihn vor dem Spitze aus. Der Kopf ist gestreckt, die Schnauze mittellang, der Hals kurz, der Leib lang, die Gliederung schlank, der Schwanz mittellang, das erzfarbene Auge schief geschlitzt, das kurze, spitzige Ohr aufrecht gestellt, das Fell außerordentlich dicht und lang, die Färbung verschieden, vorherrschend reinweiß oder weiß mit tiefschwarzer, gewöhnlich höchst regelmäßiger Abzeichnung an beiden Seiten des Kopfes einschließlich der Ohren, auf dem Rücken und an den Seiten, sonst auch wolfs-, mäuse- oder fahlgrau, gewässert und gewellt, nicht aber gestreift. Die schwachbuschige Fahne wird stets hängend oder gestreckt, niemals gerollt getragen und die Aehnlichkeit mit einem Wildhunde dadurch wesentlich vermehrt.

Der stetige und innige Umgang mit dem Menschen hat den Ostjakenhund zu einem überaus gutmüthigen Thiere gewandelt. Er ist wachsam, aber nicht bissig, muthig, aber nicht streitsüchtig, treu und eifrig, aber nicht fremdenfeindlich und hitzig; mißtrauisch, wenn auch nicht gerade unfreundlich dem Fremdling entgegeneilend, nähert er sich ihm vertrauensvoll, sobald er ihn mit seinem Herrn reden hört oder in den Tschum eintreten sieht.

In keiner Weise verwöhnt, giebt er sich, so gern er auch den Platz im Tschum mit seinem Herrn oder seiner Herrin theilt, doch, ohne Mißbehagen zu bekunden, Wind und Wetter Preis, wirft sich ohne Bedenken in das kalte Wasser des Stromes und schwimmt schnurgerade über breite Arme desselben oder trabt beim Zuge durch die Tundra unter dem Schlitten dahin, an welchen er angefesselt wurde, und ob der Weg auch durch Sumpf oder Morast, durch Zwergbirkengestrüpp oder Wasser führe, klug und verschmitzt, findig und behend, weiß er sein Leben behaglich zu gestalten und sich in allen Lagen desselben zu helfen. Im Tschum liegt er entsagungsvoll neben ihm sonst erwünschter Speise; außerhalb der Hütte seines Herrn wird er zum naschhaften und dreisten Diebe; im Zwergbirkengestrüpp der Tundra trabt er gleichmüthig unter dem Schlitten einher, im glatten Moraste oder auf sonstigem guten Wege aber stellt er sich, alle Viere von einander, auf die Schlittenkufe und läßt sich fahren; auf der Jagd begleitet er seinen Herrn als treuer und nützlicher Gehilfe; dem Fremdling aber schnappt er die Beute vor den Augen weg und verzehrt dieselbe mit einer so harmlosen Behaglichkeit, daß man dem Schelme doch nicht böse sein kann; beim Hirtendienste erweist er sich als aller Eigenheiten und Unarten des Renthieres kundig; aber niemals ist er so verlässig wie unser Schäferhund, gestattet sich im Gegentheile eigenes Urtheil und leistet seine Dienste nur dann ohne Weigerung, wenn ihm dies unbedingt nöthig zu sein scheint.

Der Hund des Ostjaken wird als Spielkamerad, als Wächter des Tschums, als Hüter der Herden und als Zugthier verwendet, jedoch auch nach seinem Tode noch benutzt. Vor den Schlitten spannt man ihn nur im Winter, legt ihm dann aber ein so ungeschicktes Geschirr auf, daß er schon nach wenig Jahren lendenlahm umherhinkt. Nach dem Tode muß er sein treffliches Fell hergeben, ja viele Ostjaken halten offenbar nur deshalb eine so unverhältnißmäßig große Anzahl von Hunden, um jederzeit im Winter über deren Felle verfügen zu können.

Zu gleichem oder ähnlichem Zwecke dienen wohl auch verschiedene, dem Neste entnommene Säugethiere und Vögel, insbesondere Füchse, Bären, Eulen, Krähen, Kraniche, Schwäne etc., welche man im oder vor dem Tschum des Fischers wie des Wanderhirten angekettet sieht. So lange solche Thiere jung sind, behandelt man sie freundlich und pflegt sie sorgfältig, sobald sie aber erwachsen und gut von Fell oder Federn sind, weiht man sie dem Tode, verspeist, was gegessen werden kann, und verwendet außerdem Fell und Federn, verhandelt namentlich das erstere zu oft erstaunlich hohen Preisen.

[702] Dem Wollen des Menschen fügt sich hier wie überall der Hund, aber der Mensch muß sich den Bedürfnissen des Renthieres fügen. Diese Bedürfnisse, nicht der Wille oder die Laune des Hirten, bestimmen das Wanderleben des umherschweifenden Ostjaken. Mit Beginn der Schneeschmelze zieht er langsam dem Gebirge zu; mit Beginn der Mückenplage steigt er an den Wänden der Berge aufwärts oder mindestens zu den Rücken der Hügelzüge empor; mit dem Aufhören der Qual, welche freilich auch die freien Höhen nicht gänzlich verschont, kehrt er allmählich wieder in die Tieftundra zurück, um hier, womöglich in der Nähe seines heimathlichen Stromes, den Winter zu verbringen. Dies ist der Kreislauf, welchen er in jedem Jahre zurücklegt, falls nicht das Unglück über ihn hereinbricht, die entsetzliche Seuche ihn heimsucht.

Noch bevor der kurze Sommer einzieht in seine unwirthliche Heimath, noch bevor das erste Wehen des Frühlings sich regt, in einer Zeit, in welcher die starke Eisdecke noch unerschüttert liegt auf dem gewaltigen Strome, seinen Zuflüssen und allen den unzähligen Seen der Tundra, bringen die Renthiere ihre Kälber; es gilt deshalb mehr als je„ einen Platz aufzusuchen, welcher auch jetzt den Altthieren wie den Kälbern gedeihliche Weide bietet. Zu diesem Zwecke wandert unser Hirt nicht den tiefsten Thälern, sondern im Gegentheile den Höhen zu, von deren Kämmen der tobende Wintersturm so viel als möglich den Schnee weggeweht hat, und schlägt hier seinen Tschum an der geeignetsten Stelle auf. Tage-, wochenlang verweilt er hier, bis die freigelegte Renthierflechte ringsum überall aufgezehrt worden ist und auch der breite Huf des Thiers, welcher den Schnee wegräumt, um zu der von diesem bedeckten Weide zu gelangen, nichts mehr zu Tage fördert. Dann erst bricht er von neuem aus und wendet sich einer unfernen Stelle zu, welche ähnliche Vorzüge besitzt wie die erste. Auch sie verläßt er nicht früher, als bis er wiederum Weidemangel verspürt; dennoch erfreut er sich einer Zeit, welche er die gute nennen darf. Die Herden weiden jetzt in dichtgeschlossenen Trupps; unter den Hirschen, deren Geweihe eben erst zu sprossen begonnen haben, herrscht tiefster Friede; die Kälber werden von den sorgsamen Altthieren nicht aus den Augen gelassen; die Herde zerstreut sich weder, noch entfernt sie sich weiter aus der Nähe des Tschums, als der laute Hirtenruf tönt, welcher sie gegen Sonnenuntergang zurückruft. Nachts zwar umschleicht sie der gierige Wolf, welchen der Winter vom Gebirge herabtrieb in die Tieftundra, aber die muthigen Hunde halten scharfe Wacht und wehren dem Räuber; unser Hirt sorgt sich daher ebenso wenig um den Wolf wie um den Winter, welchen er wie alle hochnordischen Völker als die beste Jahreszeit betrachtet. [703] Die noch sehr kurzen Tage werden rasch langer und die Nächte immer kürzer; die Gefahren für seine wehrlosen Herdenthiere also geringer. Der Strom wirft seine winterliche Decke ab, mit den in den Steppen des Südens erwärmten Fluthen strömen laue Winde durch das Land; ein Hügelrücken nach dem andern wird schneefrei, und hier wie im Thale, wo die jungen Knospen üppig schwellen, finden die wetterharten Thiere reiche Weide; die Tieftundra ist zu einem Paradiese geworden in den Augen unseres Hirten. Doch nur kurze Zeit währt sein und seiner Herdenthiere behagliches Leben, die rasch sich hebende und immer länger, immer wärmer strahlende Sonne schmilzt auch in den flacheren Thälern den Schnee, auf den breiten Seen das Eis, thaut selbst die Oberfläche der gefrorenen Erde auf und ruft neben den ersten harmlosen Kindern des Frühlings – Milliarden quälender Mücken, zudringlicher Bremsen zum Leben wach. Nunmehr beginnt die Wanderung wirklich; jetzt zieht der Hirt, in kurzen Tagesmärschen zwar, aber doch eilig dem Gebirge zu.

Sobald der Nachtthau trocken geworden ist auf Moosen, Flechten, Gräsern und jungen Blättern der Zwerggesträuche, brechen die Frauen den Tschum ab, welchen sie gestern erst errichtet haben, und bepacken die Schlitten. Währenddem jagt der Hirt auf seinem leichten, mit vier kräftigen Hirschen bespannten Schlitten der zerstreut äsenden oder weidesatt in Gruppen gelagerten Herde zu, treibt die Thiere zusammen und nach der Lagerstelle, auf welcher seine Familiengenossen bereits zum Empfange gerüstet sind. Ein dünnes Seil, welches die Renthiere nur selten zu überspringen wagen, in den Händen haltend, bilden sie einen Kreis um die Herde; der Hirt begiebt sich, die Fangschlinge in der Rechten, mitten unter die Thiere, wirft den erwählten Hirschen fast unfehlbar die Schlinge um Hals oder Geweihe, fesselt sie, schirrt und spannt sie ein, befiehlt, daß alle übrigen entlassen werden, besteigt wiederum seinen Schlitten und fährt in der Wegrichtung davon. Alle übrigen Schlitten, gelenkt von den Mitgliedern der Familie, folgen ihm in langer Reihe nach; auch die gesamte freie Herde setzt sich blökend und grunzend und bei jedem Schritte eigenthümlich knackend in Bewegung; die Hunde endlich umspringen, beständig bellend und die zum Umherschweifen geneigten Thiere zusammenhaltend, den ganzen Zug, können es aber doch nicht hindern, daß einzelne Renthiere seitwärts abschweifen und zurückbleiben. Mehr und mehr breitet sich die Herde aus; malerisch schmückt sie alle Höhen umher; von besonders beliebter Aesung festgehalten, verweilt sie truppweise hier und da, bis der Hirt mit seinem Adlerblick den ganzen Unfug wahrnimmt, seitlich ausbiegt, in weitem Bogen die Säumigen umfährt und durch das Machtwort seiner Stimme oder durch die Hunde den vorausgezogenen Genossen nachtreibt. Neues, allgemeines Grunzen, lauteres Bellen der Hunde – und dahin wogt die wieder geschlossene Schar, ein wahrer Wald von Geweihen.

Die Sonne neigt sich; die Zugthiere ächzen und stöhnen mit lang aus dem Halse hängender Zunge: es wird Zeit, ihnen Ruhe zu gönnen. In geringer Entfernung, neben einem der zahllosen Seen, hebt sich ein flach gewölbter Hügel; ihm wendet der Hirt sich zu; auf der Höhe desselben bringt er sein geweihtragendes Gespann zum Stehen. Ein und der andere Schlitten langt dort an; die freie Herde erscheint ebenfalls, begiebt sich jedoch sofort auf die Weide, und die entschirrten Zugthiere folgen nach. Die Frauen wählen eine geeignete Stelle zur Errichtung des Tschums, stellen die Stangen im Kreise auf und umkleiden sie mit dem Rindenmantel; der Hirt aber geht mit seiner zum Gebrauche fertigen Wurfleine unter die Herde, wählt sich kundigen Auges einen jungen feisten Hirsch und wirft ihm die Schlinge über. Vergeblich versucht der Renhirsch sich zu befreien, er muß dem Fänger bis in die Nähe des inzwischen, aufgestellten Tschums folgen. Ein Beilhieb auf den Hinterkopf wirft das Opfer zu Boden, ein Messerstich ins Herz endet sein Leben. Zwei Minuten später ist das Thier bereits gehäutet, aufgebrochen und kunstfertig ausgeweidet; eine Minute darauf tauchen alle rasch versammelten Familienglieder die in Streifen zerschnittene Leber in das in der Brusthöhle zusammengeflossene Blut und das „blutige Mahl“ beginnt. Im Kreise um den noch lebenswarmen Hirsch hockend, schneiden sich die Schmausenden Rippen oder Stücke von den Rücken- und Schenkelmuskeln ab; die Lippen röthen sich, ein und der andere Blutstropfen fließt an ihnen herab, über Kinn und Brust; die Hände färben sich ebenfalls, beschmieren, triefend von Blut, auch Nase und Wangen, und blutige Gesichter starren dem verwunderten Fremdling entgegen. Die Hunde aber sitzen lauernd hinter den Essenden und schnappen die abgenagten Knochen auf, welche man ihnen zuschleudert. Gesättigt erhebt sich ein Mahlgenosse nach dem andern, wischt sich die blutige Hand am Moose ab, reinigt das Messer in gleicher Weise und begiebt sich sodann in den Tschum, um hier behaglich zu ruhen. Die Hausfrau aber füllt den Kochkessel mit Wasser, legt sodann so viel Fleisch von dem halb ausgegessenen Thiere in den Kessel, als dieser fassen kann, und zündet Feuer an, um den Nachtimbiß zu bereiten.

Währenddem hat der Hirt sein Obergewand abgeworfen und sich selbst so dem Feuer genähert, daß die Flamme mit voller Wirkung gegen den entblößten Oberleib strahlen kann. Er fühlt sich höchst behaglich und denkt an neuen Genuß. Ein wunderlicher Kauz, welcher in seiner Gesellschaft dem Gebirge zuzieht, ein Deutscher seines Herkommens, hat ihm nicht allein Tabak, ein wahrhaft entsetzliches Kraut allerdings, aber ein sehr kräftiges Kraut, sondern auch einen großen Bogen Zeitungspapier geschenkt. Von diesem reißt er bedächtig ein viereckiges Stück ab, dreht es zu einer kleinen spitzigen Düte zusammen, füllt diese mit dem Tabak, knickt sie in der Mitte, und das Pfeifchen ist fertig, brennt auch einen Augenblick später trefflich und riecht so vorzüglich, daß seine Gattin die Nüstern weitet und nach demselben Genusse verlangt, auch ihren Wunsch sofort erfüllt sieht. Reihum wandert das Pfeifchen, und jedes Familienglied erfreut sich der Labung.

Doch im Topfe beginnt es zu brodeln; die Abendkost ist fertig geworden und alle „erheben die Hände zum lecker bereiteten Mahle“. Dann tritt der Hirt vor die Thür des Tschums, stößt mit langgezogenen Lauten einen weitschallenden Ruf aus, versammelt durch ihn für heute zum letztenmal die unruhige Herde und kehrt befriedigt in den Tschum zurück. Hier hat unterdessen die Frau das Mückenzelt aufgeschlagen, und wenige Minuten später verkündet lautes Schnarchen, daß die ganze Familie den Schlaf der Gerechten gefunden hat.

Am nächsten Morgen beginnt derselbe Tageslauf, und so geht es weiter, bis die Höhen des Gebirges längeres Rasten und Verweilen auf einer und derselben Stelle gestatten. Der oben sehr zeitig fallende Schnee mahnt bereits im August zur Rückkehr, wiederum beginnt die Wanderung und führt, jetzt nur langsamer und gemächlicher, Hirt und Herden nach der Tiefe zurück.

Mit dem Schwinden des Eises beginnt auch die Thätigkeit der ostjakischen Fischer am Strom. Viele dieser Fischer arbeiten im Solde oder doch in Gemeinschaft der Russen, andere verhandeln nur einen Theil des Ueberschusses ihres Fanges an diese und fischen auf eigene Rechnung. Unmittelbar nach dem Eisgange stellen die einen ihren Tschum neben den Fischerhütten der Russen auf oder beziehen die andern ihre hart am Strome gelegenen Sommeransiedelungen, Blockhäuser einfachster Bauart. Da, wo ein Fluß in den Strom mündet, sperrt man ihn durch einen Zaun, welcher nur einen Durchgang enthält; bei tieferem Wasserstande stellt man Reusen und legt Grundangeln; außerdem fischt man nur mit dem Zugnetze und Schleppnetze.

Rege Thätigkeit herrscht auf allen Fischplätzen, wenn es guten Fang giebt. Ueber der Oeffnung des Zaunes hocken auf schwankendem Gerüst halberwachsene Jungen, eher Knaben als Männer, und sehen scharf in die trüben Fluthen unter sich, um zu erfahren, ob Fische einlaufen in das von ihnen gehaltene, den Durchgang schließende Netz, heben dasselbe von Zeit zu Zeit mit der gefangenen Beute auf und entleeren seinen Inhalt in ihre kleinen Boote. Die Männer fischen auf einer Sandbank gemeinschaftlich mit dem Zugnetze oder auf seichteren Stellen des Stromes mit dem Schleppnetze. Nachmittags oder gegen abend kehren die Fischer heim und theilen jeder Haushaltung ihr Maß von der Beute zu. Am nächsten Morgen beginnt die Wirksamkeit der Frauen. Einzeln oder in Gruppen hocken sie um große Fischhaufen, jede mit einem Brett und einem scharfen Messer ausgerüstet, um die Fische zu entschuppen, auszunehmen, zu theilen und auf lange, dünne Stöcke zu spießen, welche dann an den Trockengerüsten zum Dörren aufgehängt werden. Geschickt und sicher geführte Schnitte öffnen die Bauchhöhle des Fisches und trennen seine seitlichen Muskeln von der Wirbelsäule, einige Handgriffe mehr die Leber und die übrigen Eingeweide von Kopf und Gerippe und den werthvolleren Seitentheilen des Leibes. Eine Leber nach der anderen gleitet über die schlürfenden Lippen; denn die Frauen sind noch nüchtern und nehmen als Vorspeise den Leckerbissen zu sich. Regt sich der Magen doch noch, so wird [704] ein Fisch entschuppt, ausgenommen und in lange Streifen getheilt, das Ende eines solchen in das aussickernde Blut getaucht, also gewürzt in den Mund gesteckt und mit raschem, von unten her hart an der Nasenspitze vorbeigehendem Schnitte ein mundgerechter Bissen nach dem andern abgetrennt. Die Kinder, die sich um die arbeitenden Mütter einfinden, erhalten je nach ihrer Größe Leber- oder Muskelstreifen; vierjährige führen auch das Messer beim Bissenvertheiten bereits ebenso geschickt wie die Alten, welche sich auch Renthierfleischstreifen in dieser Weise zerstückeln. Bald glänzen die Gesichter der Mütter wie der Kinder von Fischblut und Leberthran, die Hände von anklebenden Fischschuppen.

[754] Die Sonne neigt sich; mit neuem reichen Segen kommen die Männer, Jünglinge und Knaben angefahren. Rohe Fische haben sie gegessen nach Bedarf; jetzt verlangt sie’s nach warmen Speisen. Ein großer dampfender Kessel mit gekochten Fischen, köstlichen Renken, der Lachse nächsten Verwandten, wird ihnen vorgesetzt; mit Fischfett getränktes Brot bildet die Zukost, mit dem kalten Wasser auf das Feuer gesetzter, längere Zeit gekochter Ziegelthee (in Form von Ziegeln zusammengepreßte Theeblätter) beschließt das Mahl. Wenn aber „die Begier nach Speise und Trank gestillt ist,“ verlangt auch der Geist seine Nahrung, und deshalb ist der Künstler willkommen, welcher jetzt, die von ihm selbst gearbeitete Harfe oder Zither herbeibringt, sei es, um eines der ureigenthümlichen, unbeschreiblichen Lieder zu spielen, sei es, um die Bewegungen der in absonderlichem Tanze sich hebenden und senkenden, einen Arm um den andern werfenden, streckenden und wieder an den Leib ziehenden Frauen zu begleiten. Bis das Mückenzelt bereitet worden ist, währt solche Fröhlichkeit; dann verschwindet auch hier jung und alt unter dessen Falten.

Der Sommer ist vorüber, auf den kurzen Herbst folgt der Winter. Mit dem Zuge der Vögel beginnt neue Thätigkeit, mit dem Winter neues, nein, das volle wahre Leben der Ostjaken. Den abziehenden gefiederten Sommergästen stellt man das verrätherische Netz; in künstlich hergestellten Lichtungen des dichten Weidenwaldes der Ufer wird es auf den erkundeten Flugstraßen zwischen zwei größeren Wasserflächen ausgespannt, ein großes, leichtbewegliches Fangnetz, in welches nicht allein Enten, sondern auch Gänse, Schwäne, Kraniche fliegen, willkommene Beute ihres Fleisches und ihrer Federn halber. Gleichzeitig mit dem Vogelsteller zieht auch der Wanderhirt aus zur Jagd und stellt in der Tundra seine Fallen auf Roth- und Eisfuchs, auf Wölfe und Füchse, Zobel und Hermeline, Vielfraße und Eichhörnchen. Ist Schnee gefallen, so schnallt sich der geübtere Jäger die Schneeschuhe an die Füße, die Schneebrille vor die Augen und begiebt sich mit den flinken Hunden in den Wald, in die Tundra, um den Bären im Lager aufzusuchen, der Fährte des Luchses zu folgen, dem jetzt behinderten Elch und wilden Renthiere auf der wohl ihn, nicht aber jene tragenden Schneedecke nachzujagen. Hat er einen Bären erlegt, so zieht er frohlockend ein in das Dorf, in den Tschum, Nachbarn und Freunde umstehen ihn jubelnd, bis auch ihn die allgemeine Freude ansteckt, er sich still davon schleicht, vermummt und verlarvt zurückkehrt und sodann den Bärentanz beginnt – wundersame Bewegungen, welche die des Bären in allen Lagen seines Lebens wiedergeben und versinnlichen sollen.

Reiche Beute an Fellen birgt bald die Hütte des Fischers, noch reichere der Tschum des Hirten, da dieser auch viele Decken der im Laufe des Jahres von ihm geschlachteten Renthiere aufgespeichert hat. Jetzt gilt es, sie loszuschlagen. Ueberall rüstet man sich, auf den Jahrmarkt zu ziehen, welcher alljährlich in der zweiten Hälfte des Januars in Obdorsk, dem letzten russischen Dorfe und wichtigsten Handelsplatze am unteren Ob, abgehalten und von Einheimischen und Fremden besucht wird, während dessen der russische Regierungsbeamte die Steuern erhebt von Ostjaken und Samojeden, Streitigkeiten schlichtet und Gericht hält. In langen Reihen erscheinen, von allen Seiten herbeikommend, die renthierbespannten [755] Schlitten, und rings um den Marktflecken erwächst ein Tschum nach dem anderen, jeder einzelne umgeben von Schlitten, die mit dem veräußerlichen Erwerbe des Jahres schwer bepackt sind. Allmorgendlich zieht der Tschumbesitzer mit seiner Lieblingsfrau im vollsten Putze den Marktbuden zu, um Felle zu verkaufen, Waren zu erwerben. Man handelt, man feilscht, man versucht zu betrügen. Branntwein, dessen Ausschank und Verkauf zwar von Regierungs wegen streng verboten, der aber nichtsdestoweniger bei jedem Kaufmann, fast in jedem Hause von Obdorsk zu haben ist, umnebelt die Sinne, raubt den Verstand des Ostjaken wie des Samojeden und macht beide ärmer noch als die entsetzliche Renthierseuche. Branntwein weckt alle Leidenschaften des sonst leidenschaftslosen, gutmüthigen und harmlosen Ostjaken und wandelt den friedfertigen, freundlichen Gesellen zu einem wüthenden, sinnlosen Thiere um. Nach Branntwein lechzt der Mann, nach Branntwein die Frau; Branntwein gießt der Vater dem lüsternen Knaben, die Mutter der verlangenden Tochter in den Schlund; um Branntwein verschleudert der Ostjake seine mühselig erworbenen Schätze, seine ganze Habe, um Branntwein verdingt er sich als Sklave, um Branntwein verkauft er seine Seele, verleugnet er den Glauben seiner Väter. Mit Hilfe des Branntweines erlangt der unredliche Käufer zuletzt alle Felle des Ostjaken, und ledig derselben, mit leerem Beutel und wüstem Haupte kehrt der mit stolzen Hoffnungen nach Obdorsk gezogene, betrogene, um nicht zu sagen ausgeplünderte Mann heim in seinen Tschum. Er bereut seine Thorheit, seine Schwäche, faßt die besten Vorsätze, beruhigt sich dabei und denkt bald nur noch daran, wie vortrefflich er sich mit seinen Stammesgenossen unterhalten hat.

Wie für andere Geschäfte, so ist dieser Jahrmarkt auch oft die Stätte, wo die Heirathsverabredungen getroffen werden. Die Bestimmung der Eltern, nicht aber der Wille der Brautleute, schließt eine ostjakische Ehe. Auf Wunsch und Wollen des Bräutigams nimmt man vielleicht Rücksicht, gestattet einem Knaben wohl auch, seine Augen auf eine der Töchter seines Volkes zu werfen, sendet den Freiwerber aber nur in dem Falle zum Vater des Mädchens, wenn die eigenen Verhältnisse mit denen des künftigen Schwähers übereinstimmen. Die Jungfrau wird nicht befragt, schon aus dem Grunde nicht, weil sie, wenn man sie verlobt, noch viel zu jung ist, als daß sie mit Verständniß über ihre Zukunft entscheiden könnte. Hat doch auch ihr zukünftiger Gatte sein fünfzehntes Jahr noch nicht erreicht, wenn der Freiwerber um sie, die Zwölfjährige, anhält. Ist das Brautgeld, über dessen Höhe man sich oft erst nach langwierigen Verhandlungen einigt, bezahlt, so findet die Vermählung der jungen Leute statt. Im Tschum des Brautvaters stellen die Verwandten der Familie sich ein, um der Braut Geschenke zu bringen und aus der für jedermann zur Schau gestellten Morgengabe des Bräutigames solche entgegenzunehmen. Man kleidet die Braut in Festgewänder und rüstet sie und sich zur Fahrt nach dem Tschum des Bräutigams. Vorher hat man tapfer geschmaust von dem Fleische der frisch geschlachteten Renthiere nach üblicher Weise. Gekocht wurden heute nur einige unter dem Eise gefangene Fische; das Fleisch der getödteten Renthiere aß man roh, und wenn eines zu erkalten begann, empfing ein zweites den Todesstoß. Die Braut weint, wie es scheidenden Bräuten zukommt, will den Tschum, in welchem sie ausgewachsen ist, nicht verlassen und läßt sich erst noch tröstender Zusprache Aller hierzu bereit finden. Ein Gebet vor dem Hausgötzen ersteht den Segen Ohrts, des Himmlischen, dessen Zeichen Sornidud, das Gottesfeuer, in unseren Augen nur das knisternde Nordlicht, in vergangener Nacht blutroth am Himmel stand. Die scheidende Tochter wird begleitet von der Mutter, die ihr helfend zur Seite steht; mit der Tochter besteigt sie den Schlitten, die gestimmte zur Hochzeit eingeladene Sippe die ihrigen, und dahin in festlichem Gepränge, unter dem Geläut der Glöckchen, welche heute alle Renthiere an ihren reichsten Geschirren tragen, geht die hochzeitliche Fahrt.

Im Tschum des Vaters erwartet der Bräutigam die vor dem Vater und den Brüdern ihres zukünftigen Gatten heute wie immer das Gesicht züchtig mit dem Kopftuche verhüllende Braut. Ein neues Fest nimmt seinen Anfang, und erst spät in der Nacht trennen sich die Gäste, denen sich auch die Verwandten des Bräutigams zugesellt hatten. Am nächsten Tage aber bringt die Mutter die junge Frau in den Tschum des Brautvaters zurück. Doch schon einen Tag später erscheinen hier alle Sippen des Bräutigams, um sie wiederum für diesen zurückzufordern. Nochmals erfüllt Festjubel die rindenen Wände der Hütte; dann scheidet die Braut für immer aus dieser und theilt fortan mit ihrem Gatten allein oder mit diesem und seinen Eltern und Geschwistern, oder später mit einer zweiten Frau ihres Mannes den Tschum.

Hundertundfünfzig Renthiere, sechzig Felle vom Eis-, zwanzig vom Rothsuchs, ein großes Stück Kleidertuch, mehrere Kopftücher nebst allerhand Kleinigkeiten hatte einst der Gemeindevorsteher Mamru für seine Gattin gezahlt. Damals freilich waren noch bessere Zeiten gewesen und Mamru hatte ein Brautgeld im Werthe von mehr als tausend Silberrubeln wohl aufwenden können für eine ebenso stattliche als reiche Frau aus vornehmer Familie. Jetzt ist der Maßstab ein bescheidenerer geworden. Armer Leute Söhne zahlen als Brautgeld höchstens zehn Renthiere, Fischersöhne nicht einmal diese, sondern nur die nöthigsten Einrichtungsgegenstände des Tschums und theilen diesen oft mit mehreren Familien; zu einem Fest- und Freudentage wird aber auch ihre Hochzeit und dabei gegessen und geschmaust, soviel das geringe Vermögen zuläßt.

Arme Ostjaken nehmen nur eine Frau, reiche aber betrachten es als ein Recht des Wohlstandes, zwei oder mehr zu ehelichen. Doch wahrt sich auch dann noch die Erstgeworbene gewisse Vorrechte den anderen gegenüber, und die letzteren erscheinen mehr als ihre Dienerinnen, denn als gleichberechtigt mit ihr. Nur wenn ihr Kinder versagt sein sollten, mag es anders sein, denn Kinderlosigkeit gilt als eine Schmach für den Mann, und eine kinderlose Frau ist im Tschum eine beklagenswerthe Unglückliche.

Die Eltern sind stolz auf ihre Kinder und behandeln sie mit warmer Zärtlichkeit. Mit unverkennbarem Glück in Blick und Gebärde legt die junge Mutter ihr Erstgeborenes auf das weiche Wassermoos in der niedlichen Wiege aus Birkenrinde; sorglich schnürt sie die Decken zu beiden Seiten zusammen und bedachtsam umhüllt sie das Kopfende des kleinen Bettleins mit dem Mückenvorhange; aber ihre Reinlichkeitsliebe läßt viel zu wünschen übrig. So lange das Kindlein noch klein und unbehilflich ist, wäscht und reinigt sie es allerdings, wenn sie glaubt, daß beides unerläßlich sei; wenn es größer geworden ist, wäscht sie nur einmal täglich Gesicht und Hände, eine Hand voll geschabter Fasern aus dem Holze der Weide als Schwamm, eine andere, trockene als Handtuch verwendend, sieht dann aber ohne jegliche Erregung zu, wenn das kleine Wesen, welches jederzeit Gelegenheit findet, sich zu beschmutzen, in einer uns fast undenkbaren Unsauberkeit einhergeht. Erst wenn der junge Ostjake sich selbst zu helfen vermag, endet allmählich solcher Mißstand; kaum einer aber hält es auch dann für nöthig, nach jeder Mahlzeit sich zu waschen, und mag dieselbe auch noch so blutig gewesen sein.

Die Kinder ihrerseits hängen ebenso zärtlich und treu an ihren Eltern wie diese an ihnen, sind auch in anerkennenswerther Weise folgsam und dem Willen ihrer Erzeuger unterthan. Ehrfurcht gegen die Eltern ist das erste und vornehmste Gebot der Ostjaken, Ehrfurcht gegen die Gottheit wohl erst das zweite. Als wir Mamru, dem erwähnten Gemeindevorsteher, den Rath ertheilten, seine Kinder in der russischen Sprache und Schrift unterrichten zu lassen, erwiderte er uns, daß er den Nutzen solcher Kenntnisse wohl einsehe, jedoch fürchten müsse, daß seine Kinder dann vergessen könnten, Vater und Mutter zu ehren, und damit das wichtigste Gebot des Glaubens verletzen möchten. Dies mag der Grund sein, weshalb kein einziger Ostjake, welcher noch dem Glauben seiner Väter anhängt, mehr erlernt, als sein Zeichen, einen Krikelkrakel, auf Papier zu malen, in Holz oder in das Fell der Renthiere einzuschneiden. Und doch lernt er, als höchst anstelliger und geschickter Mensch, so rasch und leicht, was ihn gelehrt wird, daß er in dem frühreifen Alter, in welchem er verheirathet wird, alles versteht, was zur Begründung und Erhaltung eines Haushaltes erforderlich ist.

Der Glaube des Volkes ist einfach und kindlich. In den Himmeln thront Ohrt, dessen Name so viel wie „Ende der Welt“ bedeutet. Er ist ein allmächtiger Geist, welcher nur dem Tode gegenüber keine Macht hat, den Menschen wohlwollend zugeneigt, Geber des Guten, Spender der Renthiere und Fische und Pelzthiere, Feind des Bösen und Rächer der Lüge, streng nur dann, wenn ihm Versprochenes nicht gehalten wird. Ihm feiert man Feste, ihm opfert und zu ihm betet man; seiner gedenkt der Flehende, welcher sich vor ein heiliges Bild stellt. Böse Geister wohnen im Himmel wie auf Erden, aber Ohrt ist mächtiger als sie alle; nur der Tod ist mächtiger als er. Ein ewiges Leben nach dem Tode giebt es nicht, eine Auferstehung ebenso wenig; [756] aber der Todte wandelt noch ferner als Schatten auf Erden umher und hat noch immer Macht, Gutes und Böses zu thun.

Stirbt ein Ostjake, so beginnt unmittelbar nach seinem Tode das Schattenleben des Gewesenen; daher schreitet man unverzüglich zu seiner Beerdigung. Schon vor seinem Tode hatten sich alle Freunde des Scheidenden versammelt; sofort nach dem Ableben zündet man im Tschum, in welchem die Leiche liegt, ein Feuer an und unterhält es, bis man zur Grabstätte aufbricht. Diese liegt stets in der Tundra, auf erhabener Stelle, gewöhnlich auf dem Rücken eines langgestreckten Hügels; die Gräber sind mehr oder minder kunstvoll zusammengefügte Truhen, welche über dem Boden aufgestellt werden. In Ermangelung fester Bohlen zu ihrer Herstellung zerschneidet man ein Boot und bettet in dieses den Leichnam; nur sehr arme Leute tiefen eine seichte Grube im Boden aus und begraben in ihr den Todten.

Der Leichnam wird nicht gewaschen, aber mit Feierkleidern angethan und sein Haar gestrählt, sein Gesicht sodann mit einem Tuche verdeckt. Alle übrig bleibenden Kleider fallen den Armen zu. Einen fremden Todten berührt man nicht mit den Händen, einen geliebten Verwandten aber wohl, küßt ihm selbst mit Thränen im Auge das erstarrte Antlitz.

Auf einem Schlitten, unter Geleit aller versammelten Verwandten und Freunde, bringt man den Leichnam zum Bestattungsorte. In die Truhe oder in das Grab legt man ein Renthierfell, auf welchem der Todte ruhen soll, ihm zu Häupten und zu beiden Seiten Tabak, Pfeife und allerlei Geräth, welches er im Leben gebrauchte; um und unter die Truhe kommen alle diejenigen Stücke zu liegen, welche in ihr selbst nicht Platz finden, nachdem man die Geräthschaften vorher zerschlagen oder irgendwie für Lebende unbrauchbar gemacht hat, nach ostjakischer Ansicht zu Schatten von dem, was sie waren.

Währenddem hat man in der Nähe des Grabes auch ein Feuer angezündet und eins oder mehrere Renthiere geschlachtet, deren Fleisch jetzt von den Leidtragenden theils roh, theils gekocht genossen wird. Nach dem Leichenmahle spießt man die Schädel der geschlachteten Renthiere auf Pfähle, umwickelt sie oder nahestehende Bäume auch mit deren Geschirr, hängt die Glöcklein, welche sie bei festlichen Gelegenheiten und so auch heute trugen, an den oberen Jochen der Grabtruhe selbst auf, zerschlägt endlich den Schlitten, stürzt ihn über dem Grabe um und giebt diesem damit seinen letzten Schmuck. Dann zieht man heimwärts. Die Klage verstummt, und das Leben fordert wiederum seine Rechte.

Im Dunkel der Nacht aber beginnt der Schatten des Todten, ausgerüstet mit den zu Schatten gewandelten Werkzeugen, sein geheimnißvolles Wesen. Was er gethan, als er noch unter den Lebenden wandelte, thut er auch ferner. Unsichtbar für alle weidet er seine Renthiere, treibt er sein Boot durch die Wellen, schnallt er sich die Schneeschuhe an die Füße, spannt er den Bogen, stellt er das Netz, erlegt er die Schatten gewesenen Wildes, fängt er die Schatten gewesener Fische. Im Dunkel der Nacht tritt er in den Tschum seiner Familie, fügt er seinen Nachgelassenen Gutes und Böses zu. Sein Lohn ist, seinem eigenen Fleisch und Blut Wohlthaten zu erzeigen; seine Strafe besteht darin, seinen Angehörigen fortdauernd Böses zufügen zu müssen.



  1. Aus dem im Verlage der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart soeben in Lieferungen erscheinenden Buche „Vom Nordpol bis zum Aequator. Populäre Vorträge von Dr. A. E. Brehm. Mit Illustrationen von R. Friese, G. Mützel, Fr. Specht u. a.“