Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar

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Autor: Phillip Demel
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Titel: Die Pfarrkirche in Fulnek und das Mariabild am Hochaltar
Untertitel: Von einem Ungelehrten für Ungelehrte, zur Belehrung und Aufklärung
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1869
Verlag: Verlag des Verfassers
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Erscheinungsort: Fulnek, Tschechien
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Die

Pfarrkirche in Fulnek

und das

Mariabild

am Hochaltar.


Von

einem Ungelehrten für Ungelehrte,

zur

Belehrung und Aufklärung.



Fulnek 1869.

Verlag des Verfassers.



Buchdruckerei von J. N. Enders in Neutitschein.


Was ich hier schreibe, ist abgeschrieben aus einer Beschreibung des damals lebenden Meßners Josef Hopp über das Mariahilf-Bild, welches mit Recht als der Ursprung unserer jetzigen Pfarrkirche angesehen werden kann. Er schreibt also, daß folgende Schrift der Fundator unter das Bildniß Mariahilf, in einem Schild mit Gold geschrieben, hiemit hat aufrichten lassen, und lautet also:

„Im Jahre 1648 den 1. October ist der ehrbare Junggesell Paulus Mudrack, 19 Jahre alt, unschuldigerweiß in dem Hauswald (Thiergarten) erschossen worden. Und dann im Jahre 1649 den 3. März ist Andreas Mudrack nach erlangten heiligen Sakramenten der christkatholischen Kirche, von dieser Welt geschieden. Seines Alters 22 Jahre 5 Monath. Denen zur Gedächtniß die betrübten Eltern, als Georg und Anna Mudrack, d. Epitaphium aufrichten lassen. Gott verleihe allen christgläubigen Seelen die ewige Ruhe und Seligkeit amen.“

Dieses Bild ist zuerst in der alten Pfarrkirche in der St. Josephs Kapelle bei dem Taufstein aufgerichtet worden. Von da ist es wieder abgenommen und zwischen zwei Kirchenfenstern gestellt worden. Im Jahre 1731 ist die Seligsprechung des Petri Föreri celebrirt worden, da wurde dieses Mariahilfbild abgenommen und auf die Stelle kam das Bild des Seliggesprochenen. Das Mariabild wurde in der Kredenz als ein kleines Altarbild aufgerichtet, blieb da ohne besondere Verehrung bis 1746; den 23. Dezember ist es wieder abgenommen worden und da an die Stelle ein anderer Altar errichtet worden. Das Mariabild wurde in den Kreuzgang gestellt, weil man nicht gleich einen Ort in der Kirche dafür fand, nach einigen Wochen ist das Bild in 3 Stücke zerfallen, bis sich endlich ein geistlicher Herr, Namens Jakob Erbsmann, Senior im hiesigen Stift, dessen angenommen und an die Klostermauer hinter der Kirche hat aufrichten lassen. An diesem Orte haben sich fast täglich fromme Christen eingefunden und bei dem Bilde die heilige Mutter Gottes Maria mit Beten und Singen verehrt, und das Bild mit Blumen und andern Sachen geziert. Die Verehrung hat immer mehr zugenommen und manche betrübte Seele hat Trost und Hilfe gefunden.

Im Jahre 1749 am 31. Mai, an dem Samstag vor dem heiligen Dreifaltigkeitsfeste hat sich folgendes Wunder ereignet. Gegen 5 Uhr Nachmittag war bei diesem Mariahilfbilde der damalige Herren-Diener Johann Georg Losert in seiner Andacht und Verehrung begriffen, da hat er an dem Bilde bemerkt, daß bei dem rechten Auge der Mutter Gottes etwas Weißes zu sehen war, als wäre es mit Kallich bespritzt worden; weil damals die neue Sakristey bei der alten Kirche ist gebaut worden. Da aber bald zu der Metten ist geläutet worden, so ging er in die Kirche, der Mette beizuwohnen und die heilige Beicht zu verrichten. Unter dieser Zeit hatte er aber immer keine Ruhe, und einen inneren Antrieb bekommen, wieder zu dem Bilde zu gehen, welchem er nicht widerstehen konnte. Als er aber da ankam und die Augen der Mutter Gottes näher betrachtete, hat er gesehen, daß aus dem rechten Auge der Mutter Gottes dreifache Thränen herabfließen zu sehen waren, wie auch andere Liebhaber oder Verehrer Mariens, gegen 12 Personen zugegen waren und auch dieses Wunder gesehen haben, welches kurz vor 7 Uhr gewesen ist, worauf meine Schwester Apollonia Hopp zu mir in die Sakristey gekommen ist, und mir dieses Wunder erzählet hat. Ich bin gleich mit ihr hingeeilt, um es zu sehen; unterwegs kam der schon benannte Georg Losert, um mir es auch zu erzählen. Als ich dahin gekommen bin, habe ich mit eigenen Augen dieses Wunder gesehen, doch aber nicht ohne Furcht und Schrecken; denn aus dem rechten Auge der Mutter Gottes gingen zwei nasse Streifen, und in der Mitte ging noch eine Thräne bis auf das Haupt des Kindes Jesu Herab. An dem linken Auge der Mutter Gottes war auch etwas Nasses zu sehen, eines Gliedes lang.

Ich ging sogleich zu dem damaligen Herrn Dechant, Joseph Barwig, und erzählte ihm, was sich zugetragen hat. Er war zwar etwas unpäßlich auf die Füsse, dem ungeachtet kam er gleich mit mir, um es auch zu sehen. Und nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, und es eine Weile betrachtet hatte, ist er hinaufgestiegen und hat ein Tüchel begehrt, mit dem er die Mutter Gottes abgetrocknet und eine gute Weile zu thun hatte, diese Nässe zu dämmen; das Tüchel aber hat er in seine Verwahrung genommen. Dabei war auch noch ein Geistlicher aus dem hiesigen Stift, Namens Alexander, die Meinige und gegen 12 Personen. Der Herr Dechant sagte zu uns daß wir dieses Wunder, so viel als möglich geheim halten sollen, aber es ist gleich in der ganzen Stadt laut geworden, und von dem Volk sowohl Hohe als Niedere, ein so großer Zulauf gewesen, daß sie einander hätten mögen erdrücken. †

Von dieser Zeit an hat sich die Andacht bei diesem heiligen Bildniß so vermehrt, daß täglich viel Volk dabei ihre Andacht verrichtet hat, und auch in besonderen geistlichen und leiblichen Nöthen erhört worden sind. Das andächtige Volk hat auch angefangen Geld bei dem h. Bilde zu opfern, und deßhalb ist ein Opferkasten dabei errichtet worden, † und bis spät in die Nacht dabei gebetet und gesungen.

Am 2. Juni Nachmittag um 1 Uhr waren der Herr Dechant sammt anderen geistlichen Herren, wie auch der Baumeister Nikolaus Thalherr, Herr Georg Richter, die zwei Kirchenväter Karl Schifner und Johannes Zimmermann und mein Bruder Madus Hopp (wahrscheinlich Mathäus) zu diesem heiligen Bildniß gegangen und haben selbes abgenommen, um es zu visitieren, ob nicht dieses Weinen durch eine Feuchtigkeit von der Mauer hergekommen sey. Sie haben aber befunden, da sie solche vorher betrachtet und nicht das Geringste einer Feuchtigkeit daran gespürt haben, sondern die Mauer hinter dem Bilde ganz trocken war und nicht die geringste Ursache an der Mauer war. Der Herr Dechant hat auch Wasser genommen und auf das Bild gespritzt, ob es nicht auf eine solche Art hätte geschehen können, aber das Wasser ist gleich eingezogen, weil das Bild ganz ausgetrocknet war, denn das Bild ist auf Holz gemalt und ganz wurmstichig. Daher ist es für wahr befunden worden, daß dieses Weinen nicht natürlich hat geschehen können, sondern durch ein Wunder sich die Mutter Gottes uns geoffenbart hat. Und ob schon es in Regen, Schnee und Sonnenschein in der Luft bis dritthalb Jahre an der freien Mauer gehangen hat, so waren doch alle Farben so schön, als wenn es erst wäre gemalt worden. Nachdem es mein Bruder vom Staub gereinigt hatte, ist es wieder mit der größten Ehrerbiethigkeit auf selben Ort aufgerichtet worden.

Am 2. Juli, als am Feste Mariaheimsuchung, war bei dem Bilde die erste musikalische Litanei mit Pauken und Trompeten Abends um 8 Uhr, und Illumination, wo viele Menschen zugegen waren. Von da an wurde alle Marien-Tage musikalische, und täglich von der Schule Litanei sammt einem Liede gesungen.

Den 20. Juli, an Maria Carmeli, hatte der Konstantin Mehofer die erste heilige Messe bei diesem heil. Bildniß; er wurde auch als Sakristan darüber gesetzt. Es ist auch verschiedenes Opfer von Silber eingekommen. Es wurde auch eine schöne Rahme sammt Glas über das Bild gemacht. Zu dem Feste Mariahimmelfahrt ist der Schein im Feuer vergoldet, um das Haupt Maria und Kind Jesu angefertigt worden, wie auch zwei schöne Leichtern und eine Lampe, welche immer brennen sollte.

Vor dem Feste Maria Geburt ist eine kleine Kapelle von Holz errichtet worden, damit das andächtige Volk eine Bedeckung hatte. Dieses war die erste Ursache, daß mehrere eifrige und andächtige Verehrer Mariens sich angetragen haben, eine Beisteuer zu thun, damit eine gemauerte Kapelle errichtet werden sollte.

Am 10. Dezember hat man angefangen, den Berg abzutragen; welcher ein großes Hinderniß war zur Vollziehung dieses Werkes. Wegen dem Bau der Kapelle und Abgraben des Berges hat der damalige Herr Joseph Abendroth sich sehr angenommen; dann auch der Magristrat und die ganze Stadtgemeinde. Man hat Absammlungen dazu gehalten. Als aber der Berg durch große Mühe und Geldkosten abgetragen war, ist der Plan wegen dem Kapellenbau geändert worden, und anstatt einer Kapelle ist eine neue Kirche gebaut worden. Zu dem Bergabgraben kamen von den umliegenden Dörfern täglich viel Leute, so, daß mit denen fürs Geld gedungenen täglich 50 – 60 Personen waren. Die Stadtbewohner mußten Zehner- oder Rottenweiß an die Arbeit gehen oder schicken. (Alle diese Arbeiter sind durch Fürbitt Maria’s von allem Unglück befreit geblieben.) Das Bergabgraben wurde so befördert, daß am 25. April 1750 schon Raum genug war, den Grund zu graben. Am 5. Mai ist in den Grund der erste Stein gelegt worden, und am 6. haben die Maurer angefangen.

Am 12. Jänner 1750 ist dieses Mariahilfsbild in folgender Ordnung in die St. Anna Kapelle übertragen worden. Um 3 Uhr Nachmittag nach abgesungener Litanei von der Schule, ist dieses h. Bildniß abgenommen und von mir, Joseph Hopp, damaligem Glöckner bei der hiesigen Pfarrkirche, und meinem Bruder Tadus Hopp getragen worden. Voraus ist die Schule gegangen; Rektor Johann Georg Fremel, Organist Johannes Trojan, Kantor Franz Paul Axman, welche das Ave Maria Stella gesungen haben. Hinter dem Bildniß ist der Herr Constantin Mehofer gefolgt; sodann der Herr Syndikus Joseph Abendroth, aus dem Stadtrath der Herr Bürgermeister Max Schindler, Herr Stadtrichter Johannes Zimmermann, Rathältesten Herr Anton Weber, Franz Sarwatzky, Melchior Neyherr, und vielen anderen Verehrer Maria’s betheiligt worden. In der Kapelle ist das Bild auf den Altar gestellt worden, es wurde das Glas aufgemacht, daß ein Jeder das Bild küssen konnte. Dies ist mit der größten Andacht unter Vergießung vieler Thränen geschehen. Den Tag darauf hatte bei diesem Bilde und Altar der Herr Dechant die erste heil. Messe, dieser folgten noch vier heil. Messen.

(Die St. Anna-Kapelle war da, wo im Kreuzweg noch der St. Anna-Altar ist, sie wurde nach Aufhebung des Klosters zur Pfarrei genommen.)

Wegen vielen Einkommen des silbernen Opfers, sind zwei Opferkasten mit Glas errichtet worden, theils zur Verwahrung und theils, daß es jeder Mensch sehen konnte.

Im Februar ist das Dekret vom Olmützer Fürst-Erzbischöflichen Consistorium gekommen; wegen Erbauung einer Kepelle und öffentlichen Verehrung des Marienbildes.

Ich muß noch etwas wiederholen, damit keine Irrung ist. Das Bergabgraben wurde so befördert, daß am 25. April 1750 schon Raum genug war, den Grund zu graben. Am 5. Mai ist in den Grund der erste Stein gelegt worden, und am 6. Mai haben die Maurer angefangen im Grund zu arbeiten. Am 19. October, als am Namensfest seiner Eminenz unseres Bischofs ist der Grundstein bei unserer Pfarrkirche gelegt worden und zwar auf folgende Art.

Es wurde den Tag vorher nach der Vesper durch den Herrn Dechant auf der Stelle, wo der jetzige Hochaltar sollte zu stehen kommen, ein Kreuz errichtet. Den Tag darauf war ein Hochamt; nach diesem ist in Prozession zu dem Kreuze gegangen worden, wie gewöhnlich, voraus die Schule und Musiker, dann die gesammte Geistlichkeit und der ganze Magistrat in Mänteln, sammt vielen Hohen und eine große Volksmenge. Bei dem Kreuze angekommen, wurden sodann von der Priesterschaft und Schule einige Psalmen abgesungen; dann sind sie zu dem Orte gegangen, wo der Grundstein sollte gelegt werden, und zwar in jenes Eck des Hauptfeilers gegen dem Kloster, wo ehedem das Mariahilfbild war. Nachdem alle Segnungen und Gebete verrichtet waren, hat der hochwürdige Herr Dechant, unter Pauken und Trompetenschall den Grundstein zur Freude aller Anwesenden gelegt. Dazu war eine vergoldete Kell und ein vergoldeter Mauerhammer, welcher von dem Herrn Baumeister dem Herrn Dechant ist überreicht worden, mit dem er den ersten Schlag auf den Grundstein gethan hat; nach ihm alle Herren Geistlichen. Nach diesen der Magistrat und andere Hochangesehenen aus der Bürgerschaft. Vor allen aber war nach der Geistlichkeit der Herr Andreas Knur. Von dem übrigen Volke wurde einem jeden gestattet, einen Schlag auf den Stein zu thun, wer nur immer hinzu kommen konnte. Nach diesem ging der Zug in die St. Anna Kapelle, wo bei dem Mariahilfbild vom Herrn Dechant eine Anrede gehalten wurde, und dann zurück in die Kirche. Nach diesem wurde eine h. Messe bei dem Mariahilfbilde mit Pauken und Trompeten und Fakulanten gehalten.

In den Grundstein, welcher hohl war, ist eine Messingbüchse, versiegelt mit Schriften und Reliquien eingesetzt worden, um die Büchse wurden gestoßene Kohlen gethan. Der Grundstein ist zu sehen unter der Kanzel, wo auf dem Stein die Jahrzahl 1750 zu sehen ist. Eine Tafel zu Mittag im Kloster machte den Beschluß des Festes, wozu die Magistratspersonen und andere Herren geladen waren.

Der Zeit unsere herrschaftliche Grundobrigkeit: Ihro Hoch-Reichs-Gräfl.-Eminenz Joseph Graf von Wirben und Freydenthal.



 

  In diesem Büchel, woraus ich dieses geschrieben habe, ist noch mehr beschrieben, was sonst noch alles zur Ehre dieses Marienbildes geschehen ist, und was an Opfern und Geschenken eingekommen ist; denn dieser benannte Joseph Hopp, setzt seine Beschreibung fort bis den 20. Jänner 1753 und bis dahin 106 Ereignisse, wo sich Menschen aus verschiedenen Ortschaften gemeldet haben, daß sie durch Verwenden zu Mariahilf in verschiedenen Nöthen durch Fürbitt Maria’s von Gott Hilfe erhalten haben. (Ob er dann gestorben ist, weiß ich nicht.)

Wie es aber kommt, daß in der Beschreibung niemals der Name Probst oder Prälat vorkommt, weiß ich auch nicht. Vielleicht war der Probst auch zugleich Dechant.

Am 19. April 1762 soll die Kirche sein eingeweiht worden. Daß sie im Jahre 1762 vom Olmützer Bischof Grafen von Hammilton geweiht oder vielmehr consecrirt wurde, das ist wahr, jedoch das Datum weiß ich nicht genau. Von meinem Vater, der damals ein Knabe von 9 Jahren war, hörte ich erzählen, daß es der 4. Sonntag nach Ostern war, wie die Kirche ist eingeweiht worden, folglich kann es wohl noch im April gewesen sein.




Was meinst du H… zu der Beschreibung von unserer Pfarrkirche und dem Mariahilfbild; ich habe Lust, sie drucken zu lassen, damit doch andere Leute auch etwas davon wissen, denn tausende Menschen sind schon in die Kirche gegangen und wußten es nicht, und noch Tausende gehen hinein und wieder heraus und wissen weder, wann die Kirche gebaut wurde, noch das, wie es kommt, daß das Mariahilfbild am Hochaltar aufgerichtet ist.

H… Das tadle ich wohl nicht, aber die Menschen sind in unserer Zeit sehr kritisch, sie glauben nur schwer.

D… Nun gut, das werden sie aber doch wohl glauben, daß die Kirche gebaut wurde.

H… Ja freilich werden sie glauben, daß die Kirche gebaut wurde; aber das, was in der Beschreibung von Wunder erzählt wird, das meine ich, werden nicht alle glauben.

D… Was liegt daran, wer’s nicht glauben will, der kann’s lassen, deßwegen bleibt es doch ein Wunder.

H… Es werden doch Viele sagen, wie hat das Bild weinen können? es ist ja nicht lebend. Die Mutter Gottes hat bei ihren Lebenszeiten wohl weinen können, aber von einem Bilde, das nur ihr zur Ehre und Erinnerung gemacht wurde, läßt sich das schwer denken und glauben, denn man könnte noch zusetzen, wenn das möglich ist, so können ja andere Bilder auch weinen, es gibt ja noch viele Bilder.

D… Es ist freilich wahr, was du sagst, es kann aber doch eine Ausnahme sein, ich meine nicht mit den Bildern, sondern mit den Fügungen und Schickungen Gottes; wir können nicht die Geheimnisse Gottes erforschen und ergründen; es ereignen sich gar wundervolle Dinge in der Welt, und man weiß nicht, auf was sie deuten oder was darauf folgen wird. Was die Wunder betrifft, diese geschehen nicht alle Tage, doch läugnen können wir sie nicht, und wer die Wunder Gottes leugnet, der versteht nicht, was er sagt. Ich weiß es nur gar zu gut, daß es Menschen gibt, die geschwind heraussagen: was ich nicht sehe, das glaub’ ich nicht. Solchen Leuten kann man aber auch antworten: was ich sehe, das darf ich nur glauben, weil ich es gesehen habe. Wenn wir alle Wunder schauen könnten, die geschehen sind, so dürften wir sie nich glauben; wir können aber denen glauben, die sie gesehen und uns erzählt oder beschrieben haben und davon Zeugniß geben. So haben ja die, die bei dem Bilde waren, auch von dem Zeugniß gegeben, was sie gesehen haben, und ihr Zeugniß ist wahr, davon sind die Beweise da, denn

1. War nicht nur ein Mensch zugegen, da die Thränen in den Augen der Mutter Gottes zu sehen waren, sondern alle zusammen, bei 15 bis 16 Personen, und diese waren nicht etwa nur weiblichen Geschlechtes, wo man noch denken könnte, sie haben sich getäuscht, oder nur aus Liebe und Ehrfurcht der Mutter Gottes zu Gunsten etwas gesagt, und das könnte man als eine Lüge betrachten, und es hätte sich auch als solche herausgestellt; denn diese Weibspersonen wären in ihren Erzählungen nicht gleichstimmig gewesen, wie sie nach Hause kamen, die Eine hätte so, und die Andere hätte anders gesagt, und es wäre nicht gleich so viel Volk zusammen gekommen. Der Herr Dechant hatte ihnen gesagt, sie sollen das, was sie gesehen haben, im Geheim halten, aber es traf das Sprichwort bei ihnen ein: von was das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Unterweges nach Hause hatten sie sicher alle, sie mögen Männer, Weiber, Jünglinge oder Jungfrauen gewesen sein, auf die Worte des Herrn Dechant vergessen, daß sie es geheim halten sollen; nicht nur denen zu Hause, sondern auch denen, die sie begegnet haben, werden sie verkündet haben: die Mutter Gottes hat geweint, ich habe es gesehen, und diese Rede war gleichlautend. Da war kein Vielleicht oder es kann sein; sondern es ist so, ich habe es gesehen, und wer mir nicht glauben will, der frage die andern Leute, die auch bei dem Bilde waren und es gesehen haben. Und dieses bewirkte, daß gleich viel Volk zusammenlief und bis in die halbe Nacht mit Beten und Singen zubrachte.

2. Bei der Untersuchung des Bildes am 2. Juni, also nur vom Samstag zum Montag, waren ja doch auch Männer, die Verstand und Kenntnisse hatten. Wenn sie gesehen hätten, daß das hölzerne Bild Wasser annimmt, so hätten sie urtheilen können, daß das Weinen auf eine natürliche Art hätte geschehen können; mochte es dann von einer Feuchtigkeit der Mauer oder durch Kalkspritzen, oder durch Anspritzen eines leichtfertigen oder böswilligen Menschen hergekommen sein. Und bei allem diesem ist noch zu bemerken, daß diese Nässe an dem Bilde nicht nur auf einer Stelle sich gezeigt hätte, denn eine Feuchtigkeit von der Mauer wäre doch nicht allein bei den Augen durchgedrungen, sondern auch anderswo, und wer hätte denn das Anspritzen so geschickt machen können, daß es nur gerade die Augen getroffen hätte und sonst nirgends; und wenn man noch denken möchte, es hat es ein Mensch gethan, und ist hinaufgestiegen und hätte es gleichsam wie mit einem Pinsel gemacht, so muß man wieder bedenken, daß es heller Tag und doch nicht sicher war, um ertappt zu werden, denn in der Beschreibung wird gesagt, daß die neue Sakristei bei der alten Kirche im Bau war, folglich waren immer Leute zugegen, die ihn hätten sehen müssen, denn das Bild war nicht weit davon entfernt. Bei diesem ist aber noch zu bemerken: wenn es ein Mensch hätte gemacht, von was hätte er es denn gemacht? Von Wasser? das hätte können während der Zeit, da der Herr Georg Losert das erstemal kurz vor 5 Uhr bei dem Bilde war, bis dahin, wie er nach der Mette und Beicht wieder zu dem Bilde kam, und wo sich auch um diese Zeit noch mehrere versammelt haben, weiter herabgelaufen und vertrocknet sein können. Es war ja ein Zeitraum bereits von zwei Stunden, weil doch auch in der Beschreibung gesagt ist, kurz vor sieben Uhr ist dieses Wunder geschehen. Wenn es mit Farbe gemacht worden wäre, so hätte der H. Dechant durch das Abwischen die Farbe im Gesicht der Mutter Gottes herumgeschmiert und es wäre zu kennen gewesen. Also nichts ist zu finden, wo man das geschehene Wunder abstreiten konnte.

3. Muß man noch bedenken, wie es doch gekommen ist, daß auf einmal gleich eine solche Begeisterung zur Verehrung Mariens unter die Menschen gekommen ist, und woran Hohe und Niedere Antheil genommen haben, wie es die Beschreibung erzählt, ist schon dieses ein Wunder genug, und daß es so ist und war, bestättiget der Bau der Kirche, denn ohne dieses Wunder wäre Fulnek nicht zu einer so schönen Kirche gekommen, und die alte Kirche hätte noch lange stehen können, bis eine andere wäre gebaut worden. Zudem war ja auch die alte Kirche zu klein. Wie sie gebaut wurde, lebten noch nicht so viele Menschen hier, und für eine spätere größere Nachkommenschaft konnten sie damals noch nicht sorgen, weil die Einwohnerzahl gering, und daher auch ihr Vermögen nicht groß war. Die alte Kirche kann schon ziemlich 500 Jahre gestanden haben. Diesem Bedürfniße wegen einer größeren Kirche kam also der liebe Gott zu Hilfe durch das Wunder mit dem Weinen des Marienbildes; wie das geschehen war, da ging es ganz unvermuthet schnell vorwärts mit einer schönen großen Kirche. Am 31. Mai 1749 hat sicher noch Niemand hier daran gedacht, daß man eine neue Kirche bauen will.

Nun, siehst du, lieber Freund H… so ist meine Meinung wegen dem Wunder, daß die Mutter Gottes geweint hat, mögen nun andere Leute denken, wie sie wollen, ich denke, wenn es nicht wahr wäre, so hätten wir die Kirche nicht, und man hätte auch nicht in ihr auf den Hauptaltar ein altes, von Würmern durchlöchertes Bild gestellt, und selbes noch mit einer silbernen Rahme umgeben, welche dieselbe Größe und Breite hatte, wie jetzt die vergoldete, oder goldstaffirte hölzerne hat, welche erst seit dem Jahre 1811 an die Stelle der silbernen gekommen ist, wie aus den Kirchen das Gold und Silber genommen wurde.

      Ph. Demel.